Wie jetzt? Russland leistet den USA humanitäre Hilfe

In den letzten Tagen gab es ein mediales Hin und Her darüber, ob Russland den USA Hilfe gegen das Coronavirus leistet, oder nicht. Abgesehen davon, dass das für sich genommen schon eine interessante Meldung ist, ist auch die Chronologie interessant.

Dass Russland anderen Ländern beim Kampf gegen das Coronavirus hilft, ist für die westlichen Politiker und Medien nur schwer zu verkraften. Anstatt sich über die russische Hilfe zu freuen, wird Russland Propaganda vorgeworfen. Das ist umso abstruser, weil die westlichen Länder bisher weder einander, noch anderen Ländern derzeit nennenswerte Hilfe leisten. Jeder ist sich selbst der Nächste und hält seine Hilfsmittel zusammen, anstatt den besonders notleidenden Ländern zu helfen. Es mag verständlich sein, dass jedes Land zuerst an sich selbst denkt, aber das ist kein Grund, anderen Ländern ihre Hilfe auch noch zum Vorwurf zu machen.

Im Gegensatz dazu hat US-Präsident Trump Russland am Dienstag öffentlich für geleistete Hilfe gedankt:

„Russland hat uns eine sehr, sehr große Menge an Dingen geschickt, medizinische Ausrüstung.“

Interessant dabei war, dass der Kreml auf Nachfrage mitgeteilt hat, er wisse gar nichts von geleisteter Hilfe an die USA.

Erst einen Tag später wurde gemeldet, dass tatsächlich ein russisches Transportflugzeug mit medizinischem Gerät und Schutzmasken aus Russland auf dem Weg in die USA ist.

Die westlichen Politiker und Medien werfen Russland vor, es schlachte solche Hilfslieferungen propagandistisch aus. Die Ironie dabei ist, dass es in Russland kaum Meldungen über die russische Hilfe für die USA gibt. Dem russischen Fernsehen war das keinen eigenen Beitrag wert, in einem anderen Zusammenhang wurde lediglich eine Äußerung von Kremlsprecher Peskow gezeigt, in der er in einem Nebensatz sagte: „Präsident Putin sieht die Coronakrise als Gefahr für die ganze Welt an und daher werden wir im Rahmen unserer Möglichkeiten jedem Land helfen, das Hilfe benötigt.“

Anstatt der russischen „Propaganda-Medien“ berichten die deutschen „Qualitätsmedien“ über die russische Hilfe für die USA. Machen die jetzt etwa pro-russische Propaganda?

Verkehrte Welt…

Übrigens, da ich in Russland lebe und natürlich auch mit Menschen hier rede: In Russland sind die Geschäfte noch immer voll, es gibt sogar Klopapier in Hülle und Fülle. Was hingegen kaum zu bekommen ist, sind Desinfektionsmittel und Schutzmasken. Die sind ausverkauft. Die Russen, mit denen ich rede, sind der Meinung, Russland sollte lieber die eigenen Apotheken mit Schutzmasken beliefern, als die Länder des Westens, die für Russland außer Sanktionen nichts übrig haben.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

2 Gedanken zu „Wie jetzt? Russland leistet den USA humanitäre Hilfe“

  1. Mich wundert das überhaupt nicht, ganz ehrlich.
    Russland ging es schon immer um die Menschen. Wenn es drauf ankam hat Russland immer menschlich gehandelt und Russland ist im gegensatz zur westlichen Welt ein Land das bedingungslose Hilfe leistet.

    Russland nutzt seine Position auch nicht gegen andere aus. Ohne Russland gäbe es zB kein US-Raumfahrtprogramm und Putin hat als erster bei Bush angerufen und ihm seine Hilfe angeboten als die 3 Türme eingestürzt sind.
    Das hab ich übrigens im Buch „Seht Ihr, was Ihr angerichtet habt?“ gelernt.

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