Nato

Bundeswehr nimmt in Litauen an Manövern unter Nazi-Symbolen teil

In Litauen fand die Nato-Übung "Eiserner Wolf" unter Symbolen von Nazi-Kollaborateuren statt. Die Bundesregierung sieht daran nichts Anstößiges.

In Litauen fand im Mai das Manöver „Iron Wolve“ („Eiserner Wolf“) statt. Das Manöver hat seinen Namen von einer Brigade der Litauischen Armee, die diesen Namen trägt. Der Name dieser Brigade stammt vom 1927 vom von der faschistischen litauischen Regierung unter Präsidenten Antanas Smetona gegründeten faschistischen Kampfbund „Geležinis vilkas“ („Eiserner Wolf“). Der Kampfbund wurde nach dem Vorbild der faschistischen italienischen Schwarzhemden als paramilitärische Organisation der faschistisch-nationalistischen Regierung organisiert. In den 1930er Jahren näherte sich der Kampfbund immer mehr den deutschen Nationalsozialisten an und am Vorabend des Zweiten Weltrkiegs gingen große Teile des Kampfbundes in offen nationalsozialistischen Organisationen auf und verübten im Zweiten Weltkrieg Massaker an jüdischen und polnischen Zivilisten.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erinnerte man sich in Litauen an diese „gute Tradition“ und 1992 hat die junge litauische Armee die mechanisierte Infanteriebrigade „Geležinis vilkas“ („Eiserner Wolf“) gegründet und auch die Symbolik ihrer historischen Namensgeber übernommen.

Und just nach dieser Brigade mit dieser „ruhmreichen“ und mit der deutschen Geschichte so eng verbundenen Vorgeschichte hat Litauen ein Manöver benannt, an dem traditionell – so auch im Mai 2021 – Bundeswehrsoldaten teilnehmen. Die Bundeswehr hat auf ihrer Seite mit viel Pathos und Stolz über das Manöver berichtet.

Das nach nationalsozialistischen Kollaborateuren benannte Manöver fand unter Teilnahme der Bundeswehr nur wenige Wochen vor dem 80. Jahrestag des Überfalls von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion statt. Es kann niemanden verwundern, dass es in Russland nicht gut angekommen ist, dass deutsche Soldaten an diesem symbolträchtigen Datum im Baltikum direkt vor Russlands Haustür an einem gegen Russland gerichteten Manöver unter einer solchen Bezeichnung und mit solchen Symbolen teilnehmen. Daher hat Maria Sacharova, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, dazu eine offizielle russische Erklärung abgegeben, die ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Im Jahr des 80. Jahrestages des Überfalls von Nazi-Deutschland auf die UdSSR kam es im Mai 2021 zu einer unerhörten Beteiligung deutscher in Rukla, Litauen stationierter Soldaten der verstärkten NATO-Vorwärtspräsenz-Kampfgruppe an Übungen der Allianz unter dem für litauische Neonazis ikonischen Namen „Eiserner Wolf.“ Es sollte daran erinnert werden, dass dies der Name der 1927 gegründeten litauischen faschistischen Bewegung war, deren Mitglieder aktiv an Massakern an Polen und Juden beteiligt waren. Später, nach der Auflösung der Organisation, schlossen sich ihre Anhänger den litauischen Kollaborateuren an und beteiligten sich gemeinsam mit ihnen weiter an der systematischen Ausrottung der baltischen Juden.

Im deutschen Verteidigungsministerium hat man, nach der Antwort seines Vertreters bei der Anhörung im Parlament am 23. Juni dieses Jahres zu urteilen, nichts Verurteilenswertes an dem Zusammenhang der Namen des NATO-Manövers und der litauischen faschistischen Bewegung gesehen. Wahrscheinlich kennen sie die Geschichte schlecht oder gar nicht. Aber die Möglichkeit, dass das aus böswilliger Absicht gemacht wurde, ist näher an der Wahrheit. Das Ministerium machte sich auch nicht die Mühe zu erklären, wie die Teilnahme der Bundeswehr an den Übungen zur „Eindämmung der russischen Bedrohung“ an der Ostflanke der NATO mit der historischen Verantwortung der Deutschen für den Angriff Nazi-Deutschlands auf die Sowjetunion zusammenpasst. Sie zogen es vor, alle Verantwortung auf die litauische Seite zu schieben. Demnach wird die Brigade, unter deren Kommando die in Rukla stationierten deutschen Soldaten stehen, „Eiserner Wolf“ genannt. Da es sich um eine nationale Übungsreihe handelt, steht es Vilnius frei, ihnen einen Namen nach eigenem Ermessen zu geben. Obwohl die deutschen Beamten die offensichtliche Präsenz des Emblems der litauischen Nazis der „Eisernen Wölfe“ in den Symbolen der Manöver vor den Abgeordneten nicht leugneten, betonten sie, dass sie angeblich aus dem Mittelalter stammen. Sie sagen, dass es in genau dieser Art breite Verwendung im modernen „demokratischen“ Litauen findet. Wir verstehen sehr gut, dass die Prozession, und alles, was mit dem Kult des Feuers insgesamt verbunden ist, auch tief in die Vergangenheit führen, was auch für die Geschichte des Hakenkreuzes gilt. Aber die Welt hat die Ereignisse des 20. Jahrhunderts, die Ereignisse des Zweiten Weltkrieges, die Ideologie des Faschismus und des Nazismus und die Symbole, die das größte Verbrechen in der Geschichte der Menschheit symbolisierten, richtig eingeordnet. Die Symbolik des Dritten Reiches hat ihre Ursprünge in der Antike, aber sie ist nicht akzeptabel. Warum etwas erfinden, sie tun offensichtliche Dinge und geben ihnen „historischen Kredit“. Diese „Flirts“ mit dem Thema Neonazismus sind extrem gefährlich. In Berlin muss man das wissen.

Dies ist beileibe nicht die erste unschöne Geschichte, in die eine in Litauen stationierte Kampfeinheit der Bundeswehr verwickelt ist. Die deutschen Medien berichteten ausführlich über den Sachverhalt, der später von deutschen Beamten bestätigt wurde. Im April 2021 veranstalteten in Rukla stationierte deutsche Soldaten eine „Feier“ zu Hitlers Geburtstag, bei der sie Nazi-Märsche und antisemitische Lieder sangen, andere Soldaten verhöhnten und verprügelten. Die deutsche Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer verurteilte das Verhalten ihrer Untergebenen öffentlich und rief den gesamten Zug, in dem die Täter dienten, zurück. All diese Dinge sind miteinander verknüpft. Das Ermutigen oder stillschweigende Ignorieren eines „Flirts“ mit der Nazi-Symbolik und -Ideologie führt zu solchen praktischen Ergebnissen. In den folgenden Ermittlungen wurden zahlreiche Fälle von Belästigung, körperlicher Misshandlung, Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus aufgedeckt. Das alles hat einen einzigen Ursprung. Es geht dabei nicht um Jugendliche, sondern um Angehörige der Streitkräfte. Es wurde auch ein großer Verlust Munition aufgedeckt. Angesichts der Fakten, die ans Licht gekommen sind, ist es erschreckend, sich vorzustellen, was dort vor sich gegangen ist.

Auffällig ist nicht so sehr der Verfall von Moral und Kampfgeist in den Reihen der Bundeswehr, sondern vielmehr die fortschreitende Geschichtsvergessenheit der Deutschen. In Kombination können diese Faktoren zu unglücklichen Ergebnissen führen. Da ist die völlige Unkenntnis der komplizierten Geschichte der baltischen Staaten während ihrer Besetzung durch Nazi-Deutschland, und die zivilisierte Welt hält den „Flirt“ mit dem Thema Neonazismus generell für jenseits der Grenzen des Akzeptablen. Man hat den Eindruck, dass die Deutschen, genau wie während des Zweiten Weltkriegs, diese Region weiterhin als ihr Lehen betrachten und sich erlauben, zu tun, was sie wollen. Sie mögen sich auf das Mittelalter berufen, aber wir leben im 21. Jahrhundert.

Ende der Übersetzung

Die Antwort der Bundesregierung auf die mündliche Frage im Bundestag können Sie im Plenarprotokoll vom 23. Juni 2021 nachlesen. Es handelt sich um Frage 45, die auf Seite 144 zu finden ist. Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium Thomas Silberhorn sagte zu den Nazisymbolen bei der litauischen Einheit:

„Der Bundesregierung ist bewusst, dass der Topos des „Eisernen Wolfs“ in der Vergangenheit, besonders in der Zeit der deutschen Besatzung, missbraucht wurde. Die Anknüpfungspunkte für die heutige Verwendung im demokratischen Litauen, etwa durch die Stadt Vilnius oder durch Sportvereine, reichen weit in die mittelalterliche Geschichte zurück. Diese komplexen politischen und historischen Zusammenhänge sind deshalb Teil der verpflichtenden Vorbereitung für alle Soldatinnen und Soldaten der Battlegroup in der Vorbereitung auf ihren Auftrag in Litauen.“

Der Skandal um die „Hitler-Geburtstagsfeier“ bei der Einheit in Litauen hat gezeigt, dass die „verpflichtende Vorbereitung“ der dorthin entsandten deutschen Soldaten irgendwie nicht die gewünschte Wirkung gehabt hat. Wie denn auch, wenn die Bundesregierung eine so große Toleranz gegenüber den Nazisymbolen hat, die die Soldaten dort sehen und unter denen sie dort Manöver durchführen?

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. Nun das bringt die Söldner, der bundeswehr, näher an ihre Bestimmung und ihre Verwertung heran, die auch schon ihre Großväter und Väter hatten, in dem sie nun unter den alten Zeichen, mit den alten Waffenkameraden, in den Stiefel und Panzerketten Abdrücken, ihrer Vorfahren, auf der Russischen Grenze stehen.

    1. Fragen Sie sich nicht wieso der polnische Diktator Kaczynski sich nicht über die Namensgebung der Brigade echauffiert? Der Eiserne Wolf hat gewaltsame Übergriffe auf ethnische Polen in Litauen verübt.

  2. Merkel führt unter dem Vorwand des Kampfes gegen rechts den Faschismus weiter. Es ist das 1.000 jährige Reich. Es geht um den Endsieg. Der Krieg wurde lediglich einige Jahre unterbrochen.

  3. Was heißt hier Geschichtsvergessenheit der Deutschen? In Bunteland werden die Bürger jeden Tag damit konfrontiert, immer hübsch das Knie zu beugen vor LBTqwertz und ähnlichem. Während die Bundesregierung mit Faschischisten zusammenarbeitet und unsere sauren Steuergelder verprasst.

    Neben dem „Veto der Bombe“ – Einstein hatte Recht: Die Bombe bringt den Frieden dürfte die Bevölkerung von Bunteland zudem weder Interesse, noch die Fähigkeit zu einem Kampf haben.

    Aber, lieber Herr Röper, trotzdem vielen Dank für Ihre Übersetzung!

  4. Offizielle Beerdigung eines ehemaligen SS in Kiew
    Am 13. Juni 2021 fand in der Kathedrale der Autokephalen Kirche der Ukraine in Kiew, St. Michael-mit dem-Goldenen-Dom, die Beerdigung des ehemaligen SS Orest Vaskul statt.

    Der ukrainische Präsident, Wolodymyr Zelensky, wurde durch Soldaten seiner persönlichen Wache vertreten. Der Verteidigungsminister und ehemalige Militärattaché in Washington, Generalleutnant Andriy Taran, war ebenfalls vertreten.

    Die ukrainische Flagge wurde auf dem Sarg des Verstorbenen ausgebreitet.

    Orest Vaskul trat 1943 freiwillig der SS (Division Galizien) bei. Er kämpfte freiwillig als ukrainischer Nazi für das Dritte Reich gegen die Sowjetunion.

    Voltaire Netzwerk | 6. Juli 2021

  5. Deutschland ist so stark…
    Oder wenn die Arroganz und die Überheblichkeit mal wieder Wellen schlägt – komme ich stets mit; warum die als Deutsche noch so ein großes Mundwerk haben nach zwei verlorenen Weltkriegen, dem verloren Krieg in Afghanistan, Syrien und Iraq.
    Da kommt dann nichts mehr.

    Apropo Deutschland ist so stark, hier die Risikobewertung für Deutschland, und nein die wird nicht aus Deutschland finanziert und ist somit glaubwürdig und unabhängig.
    Ich zitiere;
    Weaknesses
    1- Decline in the working population from 2020 onwards, despite immigration
    2- Low bank profitability (dazu schreibe ich; klar die Banker zocken ja auch schon Kinder ab mit ihren Sparbüchern, auf die es kaum Zinsen gibt, da haben die keinen Skrupel in Deutschland)
    3- Prominence of the automotive and mechanical industries, particularly in exports (33% of GDP in 2019)
    4-Capacity constraints, insufficient investment (especially in internet accessibility), and venture capital limit productivity gains
    5-Eastern Länder still lagging behind, although the gap is closing

    Sowie zum Defizit, das waren Einnahmen in Deutschland knapp 1034 Milliarden und Ausgaben über 1200 Milliarden, ich zitiere;
    2021 will be the second year with a public deficit, after nine years of surpluses, as expenditures will remain high and tax revenues will fall. Accordingly, the public debt ratio will remain above the Maastricht target of 60% of GDP. Germany’s current account balance, however, should change only mildly. In 2020, the decrease in the goods trade surplus was partly leveled out by a less important services trade deficit and higher incomes from investments abroad. In 2021, the goods trade balance should improve somewhat, while the services deficit will probably remain muted, which should, in total, increase the current account surplus again.
    Quelle nicht aus Deutschland, das sind die zuverlässigsten Quellen; https://globaledge.msu.edu/countries/germany/risk

    Und weil Deutschland so toll und sicher ist, haben die USA für Deutschland seit wenigen Jahren die Reisewarnstufe 3 (die manchmal auch auf 4 springt, der höchsten Reisewarnstufe) ausgesprochen.
    Doch die Politker, die Deutschen und damit meine ich auch alle Zugewanderten, rennen umher und wollen den anderen belehren wie er zu denken und zu leben hat, weil sie dem Volksempfänger, ehm sry ich meinte GEZ Fernsehen völlig ausgeliefert sind.

    Ich zitiere;
    Terrorist groups continue plotting possible attacks in Germany. Terrorists may attack with little or no warning, targeting tourist locations, transportation hubs, markets/shopping malls, local government facilities, hotels, clubs, restaurants, places of worship, parks, major sporting and cultural events, educational institutions, airports, and other public areas.
    Quelle; https://travel.state.gov/content/travel/en/traveladvisories/traveladvisories/germany-travel-advisory.html

    Ich beende mit drei Zitaten.

    Die sogenannte ›Dummheit der Massen‹, die seit jeher als der Sündenbock bei allerlei Prinzipienverstößen aufmarschiert, ist im Grunde genommen nichts anderes als die Beschränktheit derjenigen, die sich auf diese Dummheit berufen. Rosa Luxemburg (1870 – 1919), deutsche sozialistische Politikerin polnischer Herkunft, Mitbegründerin der KPD Quelle: Luxemburg, Der Parteitag und die Budgetbewilligung, erschienen in der „Neuen Zeit“, XIX. Jahrgang 1900/1901

    Ohne allgemeine Wahlen, ungehemmte Presse- und Versammlungsfreiheit, freien Meinungskampf erstirbt das Leben in jeder öffentlichen Institution, wird zum Scheinleben, in der die Bürokratie allein das tätige Element bleibt. Das öffentliche Leben schläft allmählich ein. Einige Dutzend Parteiführer von unerschöpflicher Energie und grenzenlosem Idealismus dirigieren und regieren. Unter ihnen leidet die Wirklichkeit. Ein Dutzend hervorragender Köpfe und eine Elite der Arbeiterschaft wird von Zeit zu Zeit zu Versammlungen aufgeboten, um den Reden der Führer Beifall zu klatschen und vorgelegten Resolutionen einstimmig zuzustimmen. Im Grunde also eine Cliquenwirtschaft – eine Diktatur allerdings, aber nicht die Diktatur des Proletariats, sondern die Diktatur einer Handvoll Politiker, das heißt Diktatur im rein bürgerlichen Sinne. Rosa Luxemburg (1870 – 1919), deutsche sozialistische Politikerin polnischer Herkunft, Mitbegründerin der KPD Quelle: Luxemburg, Die russische Revolution. Eine kritische Würdigung, hg. von Paul Levi nach dem handschriftlichen Manuskript aus dem Nachlass 1922

    Es ist möglich, daß der Deutsche noch einmal von der Weltbühne verschwindet, denn er hat alle Eigenschaften, sich den Himmel zu erwerben, aber keine einzige, sich auf der Erde zu behaupten, und alle Nationen hassen ihn, wie die Bösen den Guten. Wenn es ihnen aber wirklich gelingt, ihn zu verdrängen, wird ein Zustand entstehen, in dem sie ihn wieder mit Nägeln aus dem Grabe kratzen möchten. Friedrich Hebbel (1813 – 1863), Christian Friedrich Hebbel, deutscher Dramatiker und Lyriker

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