Das Protest-Wochenende: Wo in Europa gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert wurde

Am Samstag gab es in fast ganz Europa Proteste gegen die Corona-Politik. Da ich festgestellt habe, dass eine komplette Auflistung der Proteste nirgendwo zu finden ist, habe ich die Meldungen aus Nachrichtenagenturen gesammelt und versucht, eine möglichst vollständige Auflistung aller Proteste zu schreiben.

Der Spiegel hat einen erstaunlich sachlichen Artikel über die Proteste in Europa geschrieben, der fast vollständig ohne die sonst bei ihm üblichen Einordnungen („Rechtsextreme“ etc.) auskommt. Polizeigewalt, wie der Einsatz von Wasserwerfern in Amsterdam, wird vom Spiegel wieder schön geredet, dort heißt es, die Demonstranten seien mit Wasserwerfern „vertrieben“ worden, während der Spiegel in Minsk schon von einer angeblich brutalen Polizei fabuliert, wenn Wasserwerfer nur aufgefahren, aber nicht einmal eingesetzt werden. Und in Russland ist die Polizei laut Spiegel auch ganz brutal, obwohl dort nie Wasserwerfer zum Einsatz gekommen sind. Aber abgesehen davon ist der Spiegel-Artikel sachlich gehalten, was daran liegen dürfte, dass er eine Zusammenstellung von Agenturmeldungen ist, die dieses Mal nicht von einem Spiegel-Redakteur politisch eingeordnet wurden. Es ist eben Wochenende.

Allerdings ist die Auflistung der Proteste in Europa im Spiegel keineswegs vollständig. Daher versuche ich aufgrund der Agenturmeldungen eine vollständige Auflistung zu erstellen. Dabei sehen wir auch, über welche Proteste der Spiegel in seinem Artikel mit der Überschrift „London, Amsterdam, Bukarest – Tausende Menschen demonstrieren in Europa gegen Corona-Maßnahmen“ nicht berichtet hat.

Beginnen wir mit den Protesten, über die der Spiegel in dem Artikel berichtet hat.

London

Tausende haben im Hyde Park demonstriert und es gab laut Spiegel 33 Festnahmen. Die Zahlen gehen auseinander, Nachrichtenagenturen melden teilweise andere Zahlen, aber es dürfte sich um einige Dutzend Festnahmen gehandelt haben.

Aus Nachrichtenagenturen erfährt man Details, die im Spiegel nicht genannt wurden. Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie „Hört auf, das Leben unserer Kinder zu zerstören“ oder „Fürchtet das Westmonster, nicht das Virus!“ „Westmonster“ ist eine Anspielung auf britische Parlament, das im Westminster Palast tagt.

Der dritte landesweite Lockdown wurde in Großbritannien am 4. Januar eingeführt. Vor fast zwei Wochen begann die Regierung, die restriktiven Maßnahmen in weiten Teilen des Landes allmählich zu lockern. Am 8. März wurden die Schulen wieder geöffnet, und wenn die epidemische Lage stabil bleicht, sollen ab dem 12. April wieder Geschäfte, Friseure, Schönheitssalons und Fitnessstudios öffnen. Kneipen, Bars und Restaurants sollen frühestens am 17. Mai wieder geöffnet werden und ab dem 21. Juni könnten dann die meisten der verbleibenden Beschränkungen aufgehoben werden.

Amsterdam

Der Spiegel meldet tausende Demonstranten, die von der Polizei mit Wasserwerfern „vertrieben“ wurden. Außerdem berichtet der Spiegel, die Polizei hätte Demonstranten eingekesselt und dann in Busse gesetzt, um sie aus dem Zentrum an verschiedene Orte am Stadtrand zu bringen und die Demo so zu beenden.

In Nachrichtenagenturen erfährt man wieder mehr Details. Auf den Plakaten der Demonstranten standen Losungen wie „Impfpass = Apartheid“ oder „Liebe, Freiheit, nein zur Diktatur.“ Die Demonstration war zunächst genehmigt, wurde dann aber von der Polizei mit Hinweis auf Verstöße gegen die Abstandsregeln für beendet erklärt. Als die Wasserwerfer zum Einsatz kamen, stellten sich Kriegsveteranen in die ersten Reihen. Übrigens nahmen an der Demo viele Krankenhausmitarbeiter teil und die Veteranen stellten sich schützend vor die Krankenschwestern, als berittene Polizei zum Einsatz kam.

Schweiz

Der Spiegel berichtet von bis zu 5.000 Menschen, die in der Schweiz mit Plakaten wie „Impfstoffe töten“ oder „Lasst euch von Liebe leiten, nicht von Angst“ dagegen demonstriert haben, dass die Schweizer Regierung die für kommende Woche erwartete Lockerung der Corona-Maßnahmen abgesagt hat. Dem haben die von mir gelesenen Nachrichtenagenturen nichts hinzuzufügen.

Deutschland

In Deutschland gab es in mehreren Städten Proteste, der Spiegel-Artikel berichtet jedoch nur über die Demonstration, die am Samstag in Kassel eskaliert ist, als mit über 20.000 Menschen weit mehr gekommen waren, als genehmigt gewesen ist. Die Polizei ist, wie Videos im Netz zeigen, recht brutal gegen die Demonstranten vorgegangen.

Nachrichtenagenturen melden auch Proteste aus anderen deutschen Städten. In Berlin hatte die Polizei fast 2.000 Beamte im Einsatz, als Kritiker der Corona-Maßnahmen auf der Straße des 17. Juni protestiert haben, denen eine Gegendemonstration der Antifa auf dem Pariser Platz gegenüberstand. Natürlich wurde die Corona-Demo aufgelöst, von einer Auflösung der Antifa-Demo habe ich keine Meldungen gefunden.

In Deutschland ist die Stimmung offensichtlich gekippt. RT-Deutsch berichtet über eine Umfrage von Yougov, nach der es zwar noch eine knappe Mehrheit für die Beibehaltung des Lockdowns gibt, aber 60 Prozent der Deutschen sich nicht für eine weitere Verschärfung aussprechen. Wenn man sich jedoch auf der Seite von Yougov den Trend der Zufriedenheit mit der Corona-Politik der Bundesregierung anschaut, dann sieht man das Kippen der Stimmung deutlich.

Rumänien

Der Spiegel berichtet auch über Demonstrationen in Rumänien, wobei der Hinweis nicht fehlen darf, eine „rechten Parlamentspartei“ habe zu den Protesten aufgerufen. In Rumänien ist es jedoch anscheinend ruhig geblieben, Meldungen über Zusammenstöße und Verhaftungen habe ich nicht gefunden.

Kroatien

In Kroatien gab es vielen Städten Proteste und die dortigen Demonstranten bezeichnen die Maskenpflicht als „Tyrannei“, wie man im Spiegel erfährt.

Es waren, wie die Nachrichtenagenturen melden, jedoch nur kleine Demonstrationen, mit jeweils nur ein paar hundert Menschen, die friedlich geblieben sind. Ein Grund dafür, dass dort nur recht wenige Menschen demonstriert haben, dürfte sein, dass die Maßnahmen in Kroatien recht moderat sind.

Am 15. Februar wurden die seit dem 28. November letzten Jahres geltenden Beschränkungen für die Arbeit von Fitnessstudios, Sprachschulen, Einrichtungen für Kinder sowie Kasinos und Spielhallen aufgehoben. Seit dem 1. März haben die Terrassen von Restaurants, Cafés und anderen gastronomischen Einrichtungen geöffnet, und Indoor-Sportarten sind erlaubt. Allerdings gilt weiterhin eine Maskenpflicht im ÖPNV und in geschlossenen Räumen und Massenveranstaltungen sind nach wie vor verboten.

Soweit zu den Meldungen des Spiegel, nun folgen die Proteste, von denen im Spiegel nichts zu lesen stand.

Brüssel

In Brüssel wurde ein „Protest-Picknick“ in einem Park im Süden der Stadt organisiert, an dem etwa tausend Menschen teilgenommen haben. Sie haben gegen den Lockdown protestiert. Die Teilnehmer waren 20 bis 35 Jahre alt und haben Musik gemacht und getanzt. Die Polizei hielt sich zurück und forderte lediglich per Lautsprecher zur Einhaltung der Abstandsregeln auf. Auf Plakaten forderten sie „Steh auf die Freiheit“ oder „Nein zum Lockdown.“

Schweden

In den drei größten Städten Schwedens, Stockholm, Malmö und Göteborg, versammelten sich jeweils einige hundert Demonstranten. Die Polizei meldete, die Demonstrationen aufgelöst zu haben. Die Protestler hatten unter dem Motto „Marsch der Tausend für Freiheit und Wahrheit“ zur Demo gerufen.

Im Gegensatz zu Brüssel hat die schwedische Polizei durchgegriffen und die Veranstaltungen wegen Verstößen gegen die Corona-Maßnahmen aufgelöst. Dabei muss es zu Zusammenstößen gekommen sein, denn es werden sechs Verletzte gemeldet.

Warschau

In Polen wurde nach zunächst eingeführten Lockerungen der Corona-Maßnahmen nun wieder ein praktisch totaler Lockdown eingeführt. Bei den Protesten dagegen ist es in Warschau zu Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Die Polizei meldet „einige“ Festnahmen und zwei verletzte Polizisten. Die Polizei hat mitgeteilt, „entschieden“ mit Gummiknüppeln, Pfefferspray und Lärmgranaten gegen die Demonstranten vorgegangen zu sein, nachdem Polizisten angegriffen worden sind.

Estland

In Tallin hat eine Corona-Demo eine wichtige Straße in der Stadt teilweise blockiert. Als die Polizei die Demonstranten aufgefordert hat, die Demonstration zu beenden, wurde dem innerhalb von 15 Folge geleistet. Meldungen über Zusammenstöße oder Festnahmen gibt es nicht.

In Estland wurde der Lockdown kürzlich wieder verschärft und außer Geschäften für den lebensnotwendigen Bedarf ist praktisch alles geschlossen.

Andere Proteste

Es gab auch noch größere Proteste aus anderen Gründen. In Paris haben wieder tausende gegen das neue „Sicherheitsgesetz“ demonstriert. Dabei soll es aber friedlich geblieben sein.

In Israel haben erneut tausende den Rücktritt von Benjamin Netanjahu gefordert. Der israelische Ministerpräsident steht wegen Korruption vor Gericht, klammert sich aber weiterhin an sein Amt. Außerdem stehen in dem Land mal wieder vorgezogene Neuwahlen an.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

4 Antworten

  1. Man könnte sich wieder köstlich amüsieren:

    „BioNTech-Gründer rechnet mit Lockdown bis Herbst und spricht sich für regelmäßige Corona-Impfung aus“
    ____://de.rt.com/inland/114726-biontech-grunder-sahin-lockdown-bis/

    „BioNTech-Gründer sehen Ende der Lockdown-Phase“
    ____://www.dw.com/de/biontech-gr%C3%BCnder-sehen-ende-der-lockdown-phase/a-56942263

    Und wenn ich mir die Firmengeschichte dieser BioNtech-Truppe im Laienlexikon anschaue, wird mir ganz übel. Das geht mit Staatsgeldern los und endet bei irgenwelche dubiosen Finanzheinis. So geht „Privatisierung“. Und die Leute sind auch ganz doll und nur an unser aller Wohlergehen interessiert.

    1. Ja diese Berichte über den Herr Sahin hab ich auch gelesen. In Zukunft sollte es auch kein Problem darstellen jedes Jahr 80 Millionen Deutsche zu impfen, sagt er…
      Das will ich gar nicht weiter denken…

  2. Am Samstag war ich in Liestal, Schweiz an der Demo gegen die Beschneidung unserer Grundrechte und der unverhältnismässigen Massnahmen unserer Regierung. Es waren eher 10 000 Menschen da, alle friedlich, auch die Polizei. Der Druck gegen die Regierung nimmt zu.
    Der „Antispiegel“ ist benutzerfreundlicher geworden, danke, auch für die immer souveränen Recherchen.

  3. Danke. Sehr hilfreich. Genau diese Art von Information brauchen wir, um einen Überblick zu bekommen. Jede Art von Information on-the-ground hilft, um die Situation besser einschätzen zu können. Ich fände es toll, wenn so eine Zusammenfassung häufiger kommen würde.

    Ergänzend Infos über Zwangsimpfungen in Israel. Ich hatte das Video zuerst auf yt geladen, aber es wurde innerhalb von 5 Minuten wegzensiert wegen „falscher medizinischer Informationen“:
    https://www.bitchute.com/video/zcBh9PqNQjIi/

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