Energiekrise

Das wird ein kalter Winter: In 6 ukrainischen Regionen gibt es keine Heizung

In der Ukraine fehlt aufgrund der Regierungspolitik Brennstoff. Nicht nur Gas ist knapp, sondern auch Kohle. In sechs ukrainischen Regionen wurde der Notstand ausgerufen, da die Heizsaison nicht planmäßig beginnen konnte.

Der Ukraine droht eine noch wesentlich schlimmere Energiekrise als den Staaten der EU. Der Grund ist der gleiche, denn die Ukraine lehnt aus ideologischen Gründen den Abschluss eines Liefervertrages mit Gazprom ab und ist nun von den Weltmarktpreisen abhängig, die bei über 1.000 Dollar für 1.000 Kubikmeter Gas liegen, während Gazprom sein Gas für 230 bis 300 Dollar verkauft. Weißrussland bekommt sein Gas sogar für 125 Dollar, was aber keine politischen Gründe hat. Vielmehr hat Weißrussland seine Pipeline, über die russisches Gas nach Europa geleitet wird, vor Jahren im Gegenzug für einen langfristigen Gasrabatt an Gazprom übertragen.

Über die Gründe für die ukrainische Gasmisere habe ich in letzter Zeit oft berichtet, den letzten Artikel dazu finden Sie hier. Wenn Sie sich für die Chronologie der Gaskonflikte in Europa interessieren, finden Sie hier einen ausführlichen Artikel dazu.

Am Sonntag hat das russische Fernsehen in seinem wöchentlichen Nachrichtenrückblick „Nachrichten der Woche“ über die Lage in der Ukraine berichtet und ich habe den russischen Beitrag übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

„Die Ukraine ist Europa!“ Zumindest in einer Hinsicht ist diese Aussage wahr: einfrieren können sie gemeinsam. Aufgrund der Führung ihrer Politiker sind auch in der Ukraine die Gaspreise explosionsartig gestiegen. In sechs Regionen wurde gleichzeitig der Ausnahmezustand verhängt: Odessa, Chmelnizk, Lwow, Zakarpatye, Poltawsk und Iwano-Frankows. Ein Bericht unseres Korrespondenten aus der Ukraine.

Eine gewöhnliche Reparatur einer Schule in Mariupol wird nun lautstark als das „Große Bauprogramm“ des Präsidenten bezeichnet. Nur Selensky selbst langweilt sich an zivilen Standorten und er sagt in den leeren Schulfluren kein Wort. Aber er verwandelt sich sofort, wenn er eine Militäruniform anzieht. Selbst im Dunkeln geht er selbstbewusst an den Schützengräben entlang und die Autokolonne des Präsidenten fährt ohne Halt an den Häusern mit den zerbrochenen Scheiben vorbei. Das Fernsehen überträgt sogar Live aus dem dunklen Hangar, in dem Selensky zu Soldaten spricht.

„Bereitschaft und Wille, seine ukrainische Heimat gegen die russische Aggression zu verteidigen. Egal, womit: mit einem Stock, sogar mit bloßen Händen“, sagte Selensky.

Mit bloßen Händen muss nicht gekämpft werden, denn Präzisionswaffen aus dem Westen werden mit beneidenswerter Regelmäßigkeit in die Ukraine geliefert.

Viel schlimmer ist die Situation bei der Versorgung mit Energieträgern. Mehrere ukrainische Regionen haben den Notstand ausgerufen, weil sie die Heizsaison nicht beginnen können.

„Die Kohlereserven in einigen Kraftwerken reichen nur noch für einen Tag, in anderen für acht oder sechzehn Tage. Wir haben praktisch keine Reserven, das ist eine Katastrophe. Die Ukrainer laufen Gefahr, demnächst ganz ohne Wärme und Licht dazustehen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Heizung in naher Zukunft in Betrieb genommen werden wird, denn dafür gibt es keine Ressourcen. Dabei erwartet wir uns ein kalter Winter“, sagte der Rada-Abgeordnete Oleg Voloshyn.

Selbst in Kindergärten und Schulen werden die Heizungen nicht wärmer als 15 Grad. Die Gaspreise auf dem ukrainischen Markt haben sich im Durchschnitt vervierfacht. Und das kann zum Zusammenbruch der gesamten Wirtschaft des Landes führen.

„Es reicht nicht, dass wir Kohle nicht in Russland kaufen, wo Medwedtschuk einen Preis von 175 Dollar pro Tonne ausgehandelt hat. Und es ist nicht so, wie in Weißrussland, wo Gas 125 Dollar pro 1.000 Kubikmeter kostet. Nein! Der Preis wird hier enorm sein, ein Vielfaches davon. Warum? Weil die Regierung es so will, denn Naftogas muss Geld verdienen“, sagt der Journalist und politische Analyst Vladimir Katsman. (Anm. d. Übers.: Medwedtschuk ist der Oppositionsführer im ukrainischen Parlament, der von der ukrainischen Regierung aus politischen Gründen angeklagt und widerrechtlich enteignet wurde, die Details finden Sie hier.)

Nur weil er versucht hat, mit Russland über Kohle- und Gaslieferungen zu verhandeln, wird der ukrainische Oppositionsführer Viktor Medwedtschuk nun des Hochverrats beschuldigt. Erneut hat die Regierung versucht, ihn ins Gefängnis zu bringen, aber das Gericht stellt ihn nur weiterhin unter Hausarrest und legt ihm eine Fußfessel an. Die Argumente der Staatsanwaltschaft sind nicht besonders beeindruckend.

„Der Kampf unserer Partei wird weitergehen, ebenso wie mein persönlicher Kampf gegen die illegale Strafverfolgung und politische Repression. Die Regierung hat in der Tat alle roten Linien überschritten. Sie hat den Weg der offensichtlichen Verstöße gegen die Verfassung und die geltenden Gesetze eingeschlagen“, sagte Medwedtschuk.

Selbst das US-Magazin Forbes wirft Selensky bereits diese Verfolgung der Opposition vor: „Selensky festigt seine politische Macht mit den üblichen ukrainischen Methoden. So hat er beispielsweise den Oppositionspolitiker Viktor Medwedtschuk wegen zu großer Nähe zu Russland verfolgt. Aber auch in der Ukraine ist das nicht strafbar. Darüber hinaus verhängte Selensky Sanktionen gegen Medwedtschuks Fernsehsender“

Auch von den Europäern gibt es keine Unterstützung. Bei einem weiteren Gipfel in Kiew unterzeichneten sie ein Abkommen mit Selensky, das europäischen Fluggesellschaften den Betrieb von Inlandsflügen in der Ukraine erlaubt. Aber wieder wird die EU-Mitgliedschaft nicht erwähnt.

„Wir gehen den gleichen Weg, aber wo ist die Ziellinie? Gibt es überhaupt eine? Und hier sind wir nun, lächeln natürlich hinter verschlossenen Türen, aber ich glaube, dass der Gipfel ein Signal für jeden Ukrainer sein sollte. Diese Frage sollte nicht hinter verschlossenen Türen behandelt werden, sondern von Herrn Michel und Frau von der Leyen beantwortet werden“, sagte Selensky.

Charles Michel begab sich allein und ohne Begleitung von Präsident Selensky nach Babi Jar, der Grabstätte der von den Nazis und ihren ukrainischen Kollaborateuren ermordeten Juden.

Die Bandera-Anhänger, die damals an den Massenerschießungen beteiligt waren, werden von der ukrainischen Regierung heute offen als Helden bezeichnet. Und heute fordern Leute in der Uniform der ukrainischen Armee offen, Juden und Russen aus der Ukraine zu vertreiben. Übrigens, hat ihre Stärke unter Selensky den Rekord von 336.000 Soldaten erreicht. Nach Russland steht sie damit in Europa an zweiter Stelle. (Anm. d. Übers.: Den letzten Satz habe ich verändert, da die Statistiken über Stärke von Streitkräften sich teilweise stark unterscheiden. In dem Beitrag wurde eine Stärke von 261.000 Soldaten genannt, was demnach die viertgrößte Armee in Europa sein soll. Ich habe die Zahlen des deutschen Wikipedia genommen, die sich auf globaldefence.net berufen und nach denen die Ukraine – nach Russland – die zweitgrößte Armee Europas hat. Wie stark sich die Angaben über die Truppenstärken der Länder unterscheiden, kann jeder überprüfen, indem er bei dem verlinkten Wikipedia-Artikel die Sprache ändert, denn in jeder Sprache werden unter Berufung auf andere Analysen unterschiedliche Zahlen genannt.)

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

11 Antworten

  1. Man könnte schadenfroh sein – doch der Gelackmeierte ist wie immer das Volk, welches unter der Dummheit der Regierung zu leiden hat… – wir hoffen, daß das Volk dort reagiert und die Minsker Faschos samt seinen „Herrchen“ und anderen Schmarotzern dem Mülleimer der Geschichte überantwortet…

    1. Ich gebe Ihnen Recht. Mein erster Reflex war Schadenfreude, aber wenn man darüber nachdenkt, dann weiss man, dass die Leute die davon betroffen sein werden, nicht diejenigen sind, die den ganzen Mist wünschen. Der Maidan-Putsch war eben ein Putsch und keine freie Wahl.

    2. Alles kann man auch nicht auf die Regierung schieben. Das Volk ist tatsächlich so dumm und glaubt was Poroschenko TV und sonstige im Lande so erzählen. Die Ukraine ist dank der Hilfe der NATO mittlerweile das ärmste Land in Europa, so langsam sollten es den eigentlich dämmern aber diese geben trotzdem Russland die Schuld für ihre Situation. Sollen die ruhig frieren, diejenigen mit Verstand sind längst nach Russland ausgewandert.

    3. Die Dummheit der Regierung?
      Sie sehen die Welt wohl sehr einfach doch das ist sie nicht. NICHTS in der Politik geschieht ohne Auftrag oder ohne Plan.

      Das gewöhnliche Volk dient nur dazu dass die Auftraggeber Macht erhalten können indem sie das Volk belügen und betrügen. Das Volk reproduziert sich ohne zutun der wirklich Herrschenden, wenn es zuviel wird dieser dumme Pöbel wie ein österreichischer Politker es nannte, wird es eben dezimiert. Die Dezimierung wurde schon bei den römischen Lohsklaven, den Soldaten durchgeführt damit sie kämpften. Auch das ist heute nicht anders, die Methodik hat sich geändert.

      Der Westen gegen den Osten so läuft das Spiel.

  2. Jetzt wirds auch offiziell Thema…. doch die Sache wird Dimensionen annehmen, die grausamst enden werden, wenn die Politik in West und Ost nicht sehr bald auf gemeinsame Lösungssuche geht.

    Vor ca 1 Woche, habe ich folgendes geschrieben…. https://www.anti-spiegel.ru/2021/warum-erdgas-ploetzlich-nur-noch-knapp-tausend-dollar-kostet/#comment-29807

    Ich persönlich bedauere wirklich das Volk in der Ukraine ausserhalb der beiden Republiken, dass sie sich durch eine Doppel-Hosenträgeragentin in eine fast nicht mehr lösbare Situation hat bringen lassen. Sollten die Wetterprognosen tatsächlich so sich bewahrheiten, wird es ganz schlimm werden. Es werden im Frühjahr 22 große Bagger gebraucht werden um tiefe Löcher zu graben für all die auftauenden Leichen. Es wird sehr lange nicht mal Wasser mehr aus den Hähnen kommen, weil soviele Schweißer nicht vorhanden sind um all die geplatzten Rohre wieder zu reparieren. Dies wird passieren, auch wenn zumindest Putin Herz zeigt und sich nicht mitreißen lässt, den Maximalen Gewinn erzielen zu wollen, indem er bat/anordnet trotz all den Differenzen zumindest mal die vereinbarte Menge an Gas weiter ins ukrainische Pipelinesystem einleitet, was natürlich so die Druckverhältnisse im System aufrecht erhält. www __ //agsi.gie_eu/?fbclid=IwAR0HmQUtPoZkyH2ri7bwkJT1b3UvErVrlHJiMRnza6W7vEr1zBmiBSXEPxo#/historical/UA

    Der Vorrat reicht nicht nur theoretisch nicht, sondern bei WEITEM nicht. Ausserdem fehlen Massen an Kohle- speziell hochwertige Steinkohle – die nicht mal mehr geliefert werden könnten, auch wenn sie nun geordert wären.

    Ich sags ungern, aber man sollte für die Menschen in der Ukraine hoffen, dass sich die Militärs besinnen und ihre Panzer aus dem Donbass abziehen und nach Kiew fahren, dass ganze Polit-und Oligarchenpack einkassiert , bestenfalls einsperrt oder von mir aus, an die Laternen hängt…

    Es wird hart werden…. und mit ARD & ZDF sitzen sie in der ersten Reihe….

    1. So wenig, wie man das deutsch Personal, für die Verbrechen, der Besatzer Verwaltung ausnehmen kann, so natürlich auch nicht die US Genießer des American Way of Live, wo ALLE, seit Gründung von den Kriegs und Plünderzügen profitiert haben und schon mal gar nicht die „““““““ukrainer“““““““, die über jedes Verbrechen weggesehen haben, nur um an die Segnungen, der EU /Deutschen Subventionen zu kommen.
      Jemand der wegsieht wenn Verbrechen begangen werden,weil Er von dem Verbrechen profitieren will und dem Verbrecher, nicht die Waffe aus der Hand schlägt : IST MITSCHULDIG

      1. Ich hatte mit Hr. Humml Ende Sept. mal ne leicht unappetitliche oder auch unerquickliche Debatte hier. Mache mal copy and paste.

        Er schrieb dort:

        Die gehören dort in die geschlossene Psychiatrie.
        Zum Antworten anmelden

        Fischek sagt:
        23. September 2021 um 22:27 Uhr

        Wieso dort in die Geschlossene (mein Vater –Jg. 1930- sagt heute noch Beklopptenanstalt dazu)

        Ich wiederhole mich ungern zum Thema geschreibsel von Ihnen ua.:

        Es ist und bleibt GESCHREIBSEL!!!

        Ukraine ist / war und bleibt weiter ein Testareal für NATO und US Interessen so wie vor ein paar Jahren GR für die € Story.

        Die Doku „Es begann mit einer Lüge“ die inzwischen in 2 facher Ausfertigung im Netz existiert ( einmal zu Jugoslawien und später dann zum Irak unter dem gleichen Titel; angeblich um Sie zum Kosovokrieg schlechter zu finden zu können–VT-Quatsch-) hätte wirklich einen 3ten Teil, in chronologischem Ablauf, zur Ukraine anno 2004 mit gleichem Titel, verdient.
        Zu dieser orangenen Revolution, derer ich selbst, als Ausländer allerdings inaktiv, beigewohnt habe, allerdings wortreich im privaten Diskurs mit dem ehemaligen Schwiegervater meiner Stieftochter, Leonid Petrowitsch Pilunsky, einem strammen Funktionär der Partei „Nascha Ukraina“, werden mir heute noch innerfamiliär meine eigenen Worte vorgehalten. Ich habe damals zu „Petrowitsch“( Ihm war angeblich bekannt das Juschenko ein abhängig bezahlter war) wortwörtlich gesagt: „Wer sich mit den Amerikanern ins Bett legt bekommt ein Kind und das Kind hat einen Namen. Das Kind heißt Krieg.“ Das muss man nicht lustig finden, selbst als geborener Rechthaber. Die Verweise auf meine Staatsangehörigkeit und Geschichte wurden stets wortreich überspielt wenn ich Bandera „ins Spiel“ brachte.
        Der nächste Teil dieser Episode fand dann 10 Jahre später mit dem Maidan statt. L. P. Pilunsky hat versucht die Enkel (12 und 15 jährig) dort aktiv zu indoktrinieren. Na so über Ferienlager, Wochenendfreizeiten und Zeltlager.
        Ich hatte ab Nov. 13 Einreiseverbot wg. Verdacht auf illegaler Aktivitäten im Land. Inwieweit Petrowitsch damit zu tun hatte, Scheidung meiner Stieftochter und den dadurch entstandenen Kontaktverlust, ist mir bis heute nicht bekannt.

        P.S.: Meine Tel.Nr. hat sich aber nicht geändert. Klingelt nur nie.

        Meine e-Mail auch nicht : aaron.lebowitsch@web.de
        ……..wenn Sie den Witz verstehen

        Damals war ich der Spinner, später der Besserwisser.
        Heute habe ich Recht. Hilft mir nicht wirklich nur das
        gleiche Spiel spielt sich hier ab.

        Hab mal was aufgschnappt von kognitiver dissonanz.
        Keene Ahnung, bin Technikka.

  3. Ich erinnere mich da dumpf, dass Russland sagte, sie wuerden Gas nur noch nach Vorauszahlung an die Ukraine liefern. Das war kurz nach dem Maidan, als die Ukraine die 3 Milliarden Euro oder so Gasschulden nicht bezahlen konnten (eine Schuld, die dann wohl die EU sprich Deutschland bezahlt hat).

    „Die Ukraine lehnt aus ideologischen Gründen den Abschluss eines Liefervertrages mit Gazprom ab …“.

    Ja. So kann man es auch ausdruecken. Respekt 😉

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