Professionelle Putschisten

Der Telegram-Kanal NEXTA eröffnet Ausbildungsprogramm für den Umsturz in Weißrussland

Regimechanges wie der Maidan und andere laufen immer nach dem gleichen Muster ab. So auch aktuell in Weißrussland. Der Schlüssel dazu sind NGOs, die für die nötige emotionale Propaganda sorgen. Dafür gibt es aktuell ein neues und lehrreiches Beispiel.

Farbrevolutionen werden sorgsam vorbereitet. Moderne Putsche wie der Maidan, der arabische Frühling und andere wurden von NGOs gesteuert, die sich auf Regierungsumstürze spezialisiert haben. Einer der berühmtesten Strippenzieher dabei ist der US-Finanzoligarch George Soros. Über diese NGOs werden radikale Oppositionelle gefördert, ausgebildet und finanziell unterstützt. Außerdem werden soziale Netzwerke genutzt, um die zur moralischen Legitimierung eines Umsturzes nötigen Proteste zu organisieren und zu lenken.

Beim arabischen Frühling war Facebook noch das wichtigste Instrument zur Lenkung der Massen, heute ist es der Telegram-Kanal NEXTA. NEXTA sitzt in Polen und hat im letzten Sommer die Proteste gegen Lukaschenko in Weißrussland gelenkt.

Für diese pro-westlichen Putsche gibt es Spezialisten, die auch selbst im Nachhinein immer stolz über ihre Rolle bei einem Putsch und über ihre Methoden berichten. Es geht hier also nicht um Verschwörungstheorien, sondern sie erzählen es selbst sehr stolz. Ich habe darüber ausführlich berichtet, den Artikel finden Sie hier.

Im letzten Sommer fand in Weißrussland ein erfolgloser Putschversuch mit gelenkten Protesten statt. Als das keinen Erfolg hatte und die Proteste eingeschlafen sind, wurde ein blutiger Putsch geplant, bei dem bewaffnete Zusammenstöße mit Polizei und Militär, sowie die Ermordung von Präsident Lukaschenko geplant waren. Die Putschpläne sind jedoch aufgeflogen, die Details finden Sie hier.

Trotzdem geben die Organisatoren des Umsturzes in Weißrussland nicht auf. Jetzt hat NEXTA ganz offiziell eine „Schule“ für Propagandisten eröffnet und rekrutiert im Internet Schüler. Darüber hat das russische Fernsehen berichtet und ich habe den Bericht des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die Macher des Telegram-Kanals NEXTA, der die Proteste in Weißrussland koordiniert hat, kündigten die Eröffnung einer Schule an. Dafür werden aktiv junge Leute angeworben, denen man verspricht, ihnen „coole Dinge“ beizubringen. Wichtige Voraussetzungen sind ein Wohnsitz in Polen und die Fähigkeit, soziale Netzwerke zu nutzen.

„Alter: nicht älter als 35 Jahre, die Möglichkeit, in Polen zu wohnen und ein Laptop, um die Aufgaben erfolgreich zu erledigen“, so steht es in dem Formular, dessen Link vom polnischen Telegram-Manipulator NEXTA verbreitet wird. NEXTA organisierte, schürte und leitete die illegalen Proteste, zuerst in Minsk, dann in Bischkek, dann versuchten sie, die Stimmung in Moskau anzuheizen und jetzt eröffnen sie eine Schule.

„Es ist nicht verwunderlich, dass NEXTA junge Leute de facto für eine Schule für Saboteure im Informationsraum rekrutiert. Das ist ein ganz klarer Plan zur psychologischen Beeinflussung von Weißrussland durch Polen, Großbritannien und andere Länder“, sagt der politische Analyst Aleksej Dzermant.

Die NEXTA-Schule verspricht, den Schülern zu zeigen, wie man „coole Dinge“ macht. Um welche „coolen“ Dinge es geht, ist bekannt.

„NEXTA hat sein Publikum zusammen mit dem Rückgang der Proteste in Weißrussland verloren. Als die Leute begriffen, dass sie keine Revolution wollten, die das ukrainische Schicksal wiederholen würde, haben sie aufgehört, dem Kanal zu folgen. Aber insgesamt betrachteten die Kuratoren dieses Prozesses in Polen, Litauen und Amerika NEXTA als einen Erfolg“, erklärt der politische Analyst Oleg Matveichev.

Die Daten derer, die NEXTA beitreten wollen, werden vom „Weißrussischen Haus“ gesammelt, so der Fragebogen. Aber dieses Haus steht nicht in Minsk, sondern in Warschau. Zu den Sponsoren gehören die Regierung der Niederlande sowie die polnische Foundation für Internationale Solidarität, die mit der U.S. Agency for International Development (USAID) befreundet ist.

„USAID arbeitet mit den amerikanischen Finanzstrukturen zusammen. Was bedeutet dieses Geld für die Foundation? Nun, grob gesagt, eine Druckerpresse!“, ist sich der Politologe Mikhail Shpir sicher.

Im Fragebogen der NEXTA-Schule muss man folgende Frage beantworten: „Wie ist Ihre Einstellung zu Lukaschenko, und werden Sie unter der jetzigen Regierung nach Weißrussland zurückkehren?“ Alles gemäß den altbewährten Rekrutierungsschemata für Informationssaboteure.

„Georgische Revolutionäre wurden einst von jugoslawischen Revolutionären für die „Rosenrevolution“ ausgebildet. Die Georgier haben wiederum Ukrainer ausgebildet. Genauso haben dann Ukrainer Moldawier unterrichtet. Sie sind hierher gekommen und haben versucht, hier zu unterrichten“, sagt der Politikwissenschaftler Oleg Matveichev.

Neben polnischen und schwedischen Partnern gehört auch das Ministerium für regionale Entwicklung der Ukraine zu den Partnern, es kooperiert auch mit der polnischen Foundation für Internationale Solidarität, unter deren Führung das berüchtigte „Weißrussische Haus“ mit der NEXTA-Schule steht. Aber wozu die Ukraine?

„In der Ukraine sind die Regionen nicht entwickelt, es gibt keine Straßen, die Brücken verfallen, da ist alles total im Arsch. Gleichzeitig stellen sie Geld für Bildungsprojekte in Polen zur Verfügung!“, entrüstet sich Mikhail Shpir.

Ist das bei NEXTA nun eine Renaissance oder eine Agonie? Nach Meinung von Experten keines von beiden. Die polnischen Telegramierer haben gerade einen weiteren Zuschuss für ihre offensichtlichen Zwecke erhalten. Bewerber werden bis Mitte Mai angenommen. Ob ihnen am 9. Mai wohl die Hand zittert? (Anm. d. Übers.: Der Putsch vereitelte Putsch gegen den weißrussischen Präsidenten Lukaschenko war für den 9. Mai geplant, wenn Sie davon noch nichts gehört haben, finden Sie die Details hier)

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. Die Weissrussen haben zwei Vorteile, die sie resistenter gegen Regimechange machen: sie haben gesehen, was in der Ukraine und Georgien passiert ist, nachdem man sich dem Westen zuwenden wollte. Euromaidan- und Bürgerkriegszustände will niemand in Weissrussland haben. Zweiter Punkt: die Weissrussen sind im Gegensatz zur Ukraine nicht sprachlich-kulturell gespalten. In Weissrussland werden die Sprachen Weissrussisch und Russisch parallel nebeneinander gebraucht, und ein Bruch mit der russischen Sprache und Kultur käme daher nur für Ultranationalisten in Frage, die in Weissrussland im Gegensatz zur Ukraine praktisch unbedeutend sind.

  2. Mir wäre ein Bericht von Herrn Röper lieber gewesen. Der Bericht des russischen Fernsehens dünkt mich ein wenig wirr. Ich sage das, weil ich am Wohnort gerade den anti-spiegel empfohlen habe und mit dieser TV Übersetzung wahrscheinlich niemand etwas anfangen kann.

    1. Ich schmücke mich nicht mit fremden Federn. In dem Beitrag des russischen Fernsehens werden die genannten Internetseiten und das Formular gezeigt. Wer kein Russisch kann, dem kann es egal sein, ob die Dinge in dem Bericht gezeigt werden oder von mir verlinkt werden. Beides ist ohne Russischkenntnisse unverständlich. Daher ist es egal, ob ich den Bericht übersetze oder eine inhaltlich identischen Artikel schreibe….

      1. Ich schliesse von mir auf andere. Wenn mir jemand eine Seite empfiehlt und ich weiss nicht recht was ich lese, dann war es das für mich. Nicht alles muss einem gefallen. Hingegen, der Beitrag «Warum US-Außenminister Blinken nach Kiew gereist ist», ist für Neueinsteiger zwar ein wenig lang und die Vorwürfe gegen Biden heftig, aber auch wenn man von der Ukraine vielleicht nichts weiss, so ist der Bericht alleine schon vom Schreibfluss her sympathisch, einfach zu lesen und gedanklich nachvollziehbar. Das meinte ich. Wäre schade, wenn man den anti-spiegel nicht kennenlernt.

  3. Eine gute Möglichkeit, jemanden einzuschleusen, der mal Licht ins Dunkle bringen kann. Auch interessant für einen unbekannten jungen Investigativjournalisten, der sich einen Namen machen möchte. 😉

    1. Es sind genau Menschen wie Thomas Röper, die uns verdeutlichen, dass der deutsche Journalismus nicht tot ist. Der öffentlich-rechtliche Mainstream und die deutschen Qualitätsmedien werden es nicht mehr lange durchhalten, aber die sind schon lange kein Journalismus mehr sondern Propaganda. Denen wird niemand nachtrauern.
      Die deutsche Pressewelt der Zukunft wird in Form solcher Blogs und Portale wie dem Anti-Spiegel, KenFM, Rubikon, etc.. bestehen und anderer basisdemokratisch organisierter, bzw. unabhängiger Zeitschriften (auch im Druckformat wie z. B. Free21) die direkt durch Leser finanziert werden.

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