Verrat und Flucht

Der Westen flieht aus Afghanistan und Verrät seine Verbündeten

Was westliche Politiker und Medien als "Abzug" aus Afghanistan bezeichnen, ist de facto eine überstürzte Flucht. Ihre (ehemaligen) Verbündeten überlassen die westlichen Staaten ihrem Schicksal.

Es gab und gibt reichlich Gründe, den Afghanistan-Krieg zu kritisieren. Nun kommt ein weiterer Grund hinzu, denn die derzeitige überstürzte Flucht des Westens zeigt auf, was Bündnisse und Hilfsversprechen der westlichen Staaten wert sind. Bei ihrer Flucht lassen die westlichen Staaten ihre Verbündeten und ihre ehemaligen Helfer im Land zurück und liefern sie den Mörderbanden der Taliban aus, die mit den „Verrätern“ kurzen Prozess machen werden.

Das Afghanistan-Fiasko des Westens

Ob ein Krieg erfolgreich war, kann man leicht überprüfen, indem man nach dem Krieg anschaut, mit welchen Zielen die Parteien in den Krieg gezogen sind. Im Falle Afghanistans wurde uns vor 20 Jahren erzählt, dass wir in Afghanistan Krieg führen müssten, um erstens die Taliban zu besiegen, denen man die Schuld an 9/11 gegeben hat. Zweitens sollte in Afghanistan endlich die Demokratie eingeführt werden und natürlich ging es drittens um Menschenrechte, vor allem um die Rechte der Frauen und das Recht der Mädchen auf Schulbesuch.

Erreicht wurde keines der Ziele, im Gegenteil: In Afghanistan herrscht immer noch ein Steinzeit-Islamismus ohne Frauenrechte. Von Demokratie kann keine Rede sein, denn im Land herrscht Krieg und die Zentralregierung, die nur kleine Teile des Landes kontrolliert, macht eher mit Korruption Schlagzeilen als mit Demokratie. Und die Taliban erobern Afghanistan gerade im Eiltempo zurück und besetzen die Teile des Landes, die bisher von Nato-Truppen gehalten wurden.

Im Grunde hat sich in Afghanistan durch den Nato-Krieg nichts geändert, außer dass es zehntausende Tote gab und dass Afghanistan unter Nato-Herrschaft zum weltweit größten Produzenten von Schlafmohn geworden ist, aus dem Heroin gewonnen wird. So ironisch es klingt, aber aus Sicht der Drogenbekämpfung kann man sich auf die Rückkehr der Taliban sogar freuen, denn unter deren Herrschaft der Anbau von Drogen in Afghanistan schon aus religiösen Gründen verboten, weshalb zu erwarten ist, dass sie – im Gegensatz zu den Nato-Staaten – wieder dagegen vorgehen werden.

Die Flucht des Westens

Was Politik und Medien als „Abzug“ bezeichnen, erinnert in frappierender Weise an die Flucht der USA aus Vietnam. Nachdem die USA erklärt haben, sich aus Afghanistan zurückziehen zu wollen, haben Deutschland und die anderen Staaten ihre Soldaten in aller Eile abgezogen. Wo eben noch die deutschen Soldaten waren, rücken nun bereits die Taliban vor. Und die USA haben Bagram, ihre wichtigste Basis in Afghanistan, in aller Heimlichkeit überstürzt verlassen.

Das russische Fernsehen hat schon am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ über die nächtliche Flucht der US-Truppen aus Bgram berichtet und Bilder davon gezeigt, wie überraschte Anwohner die leere US-Basis im Morgengrauen geplündert haben. In dem Bericht hieß es:

„Nachdem sie 20 Jahre lang in ihrem Hauptstützpunkt in Afghanistan gesessen hatten, verließen die Amerikaner Bagram im Schutze der Nacht fast blitzartig. Sie sind auf unschöne Art gegangen. Als wären sie auf der Flucht. Der Zeitpunkt, an dem der letzte Transport der U.S. Air Force abhob, wurde, offenbar aus Sicherheitsgründen, selbst den Alliierten verheimlicht. Für die lokalen afghanischen Behörden kam das überraschend. Aber nicht für die Plünderer, die sich in den frühen Morgenstunden als erste auf die Basis stürzten. Es gab keine Kräfte, die sie aufhalten konnten. Die Möglichkeiten der Behörden ist umgekehrt proportional zum Ausmaß der Angst derjenigen, die ihre Zukunft nicht mit den Taliban sehen. Und man kann sie verstehen.
„Die Situation in Afghanistan wird nur noch schlimmer werden. Es gibt keine Sicherheit. Den Regierungstruppen mangelt es an Waffen und Nachschub. Der Stützpunkt Bagram wird geplündert, würde man mich dort reinlassen, würde ich auch etwas mitnehmen“, sagte ein Anwohner.“

Was westliche Medien berichten

Solche Meldungen und Bilder wollen westliche Medien ihrem Publikum nicht zeigen, zu peinlich ist das Ausmaß des Fiaskos in Afghanistan. Der Spiegel berichtete erst am Mittwoch in einem Artikel über die Flucht der US-Truppen aus Bagram. Allerdings wurde nicht die Flucht aus Bagram in dem Artikel thematisiert, sondern die Vorwürfe der Afghanen, die USA hätten sie ohne Vorwarnung im Stich gelassen. So hieß es im Spiegel dazu:

„Der Abzug der US-Truppen in Afghanistan schreitet rasant voran – und sorgt zwischen dem US-Militär und den afghanischen Streitkräften für Verstimmung. Nun hat das Pentagon Vorwürfe zurückgewiesen, den Militärstützpunkt Bagram ohne Ankündigung in einer Nacht- und Nebelaktion verlassen zu haben.
Zivile und militärische Führungskräfte in Afghanistan seien angemessen über die Übergabe des Stützpunkts informiert worden, sagte Pentagon-Sprecher John Kirby am Dienstag. Aus Sicherheitsgründen habe man jedoch zum Beispiel nicht über die exakte Uhrzeit des Abzugs informiert. Man sei vorsichtig gewesen bei den Details, aber es habe Koordination gegeben.“

Die USA haben damit die Vorwürfe der Afghanen de facto bestätigt, denn was die USA als „angemessen informiert“ bezeichnen, wird nicht hinterfragt. Und danach bestätigt sich, dass die „exakte Uhrzeit des Abzugs“ niemandem mitgeteilt wurde. Der Grund: Sicherheitsbedenken.

Besser kann man eine Flucht nicht beschreiben. Nach 20 Jahren „Befriedung“ Afghanistans ist das Land so friedlich, dass die USA Angst haben, den Zeitpunkt ihres Rückzugs anzukündigen, weil sie befürchten müssen, die Nachhut werde angegriffen und könnte plötzlich einer Übermacht an Taliban-Kämpfern gegenüberstehen. Und der Spiegel übernimmt – wie immer – treuherzig die Formulierungen des Pentagon und stellt keine Fragen. Der Spiegel ist eben ein verlässliches Sprachrohr des Pentagon, das natürlich nicht eingestehen will, dass die USA in Afghanen eine krachende Niederlage erlitten haben und derzeit aus dem Land flüchten.

Der Verrat des Westens

Dabei gibt es eine Menge Fragen, die der Spiegel stellen könnte. Auch und gerade, wenn man – wie der Spiegel – ein Verfechter der US-geführten Politik des Westens ist.

Es ist in jedem Konflikt wichtig, verlässliche Verbündete zu haben und gerade in der Niederlage zeigt sich, ob man seine Verbündeten „hängen lässt“ oder sich für sie einsetzt. Der Westen lässt seine Verbündeten in Afghanistan hängen. Die regionalen Helfer, egal ob afghanische Politiker oder Leiter dortiger Behörden oder Soldaten und Offiziere der afghanischen Regierungstruppen erleben gerade, wie der Westen sie ihrem Schicksal überlässt. Nicht einmal den Zeitpunkt des Abzuges teilen die USA ihnen mit, dabei wäre es für die Planung ihrer Verteidigung wichtig zu wissen, ob sie noch US-Unterstützung haben oder ob sie bereits alleine gegen die vorrückenden Taliban stehen.

Gleiches gilt für die vielen Helfer der westlichen Truppen. Auch sie wurden über Nacht alleine gelassen. Die für den Fall eines Truppenabzugs versprochene Evakuierung der Helfer in westliche Länder findet praktisch nicht statt. So werden Dolmetscher und andere afghanische Hilfskräfte der Rache der Taliban ausgeliefert, die bekanntlich nicht zimperlich sind und sich oft gleich an der ganzen Familie rächen. Immerhin dazu kann man in dem Spiegel-Artikel kritische Worte finden:

„»Es ist furchtbar, was hier passiert«, der Vorsitzende des Patenschaftsnetzwerks Afghanische Ortskräfte, Marcus Grotian, am Dienstag dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Ich kann das moralische Versagen, das ich hier wahrnehme, nicht in Worte fassen.«
Afghanen, die während des jahrelangen deutschen Einsatzes in ihrem Land, etwa als Übersetzer oder Fahrer für die Bundeswehr gearbeitet hatten, werden dort von den vorrückenden radikalislamischen Taliban bedroht. Die Vergabe von Einreisevisa nach Deutschland lief zuletzt allerdings nur schleppend.“

Verrat als westliche Tradition

Man muss sich jedes Mal wundern, dass der Westen, wenn er mal wieder ein Land angreift, noch Verbündete und Helfer findet, denn der Verrat an örtlichen Verbündeten und Helfern hat im Westen Tradition. Das letzte deutliche Beispiel dafür konnte man in Syrien beobachten. Dort haben die USA lange auf die Kurden als Verbündete gesetzt und die Kurden haben sich auf die Rückendeckung der USA verlassen.

Als aber Erdogan Ende 2019 die Nase voll von kurdischen Angriffen auf die Türkei und Waffenschmuggel aus kurdisch kontrollierten Gebieten in die Türkei hatte und ankündigte, auf syrischer Seite der türkisch-syrischen Grenze eine „Sicherheitszone“ zu schaffen, da verteidigten die USA ihre Verbündeten in Syrien weder politisch, noch militärisch, sondern flohen überstürzt aus den betroffenen Gebieten und überließen die Kurden ihrem Schicksal.

Es war ausgerechnet Russland, das Schlimmeres verhinderte, indem Russland Truppen in die Region brachte, um die syrische Souveränität zu schützen. Erdogan sah sich gezwungen, mit Putin eine Einigung zu finden und im Ergebnis haben dann russische und türkische Soldaten gemeinsame Patrouillen an der Grenze durchgeführt, was die militärische Eskalation beendet hat.

Die Taliban nehmen Afghanistan im Sturm

Kriegsproganda folgt bestimmten Regeln, die Sie hier nachlesen können. Die Regel Nummer 7 dieser Liste lautet:

„Wir erleiden nur geringe Verluste; die Verluste des Feindes sind riesig“

Die westlichen Medien reden ihren „Abzug“ in bester Tradition der Kriegspropaganda schön, denn während die westlichen Truppen Afghanistan Hals über Kopf verlassen, rücken die Taliban im Eiltempo vor. Internationale Nachrichtenagenturen berichten jeden Tag darüber, wie die Taliban eine Provinz des Landes nach der anderen einnehmen, oft sogar ohne auf Widerstand zu stoßen. Alleine am heutigen 7. Juli wurde gemeldet, dass die Taliban in den letzten 24 Stunden weitere drei Provinzen (Badakhshan, Badghis und Laghman) übernommen haben.

Im Norden grenzt Afghanistan an Tadschikistan und dort sind an einem Tag etwa 1.000 afghanische Regierungssoldaten vor den Taliban über die Grenze geflüchtet. Um ein Übergreifen der Kämpfe auf das angrenzende Tadschikistan zu verhindern, bietet Russland dem mit ihm verbündeten Land militärische Hilfe bei der Grenzsicherung an, wobei allein Tadschikistan 20.000 Reservisten zur Grenzsicherung einberufen hat.

Experten waren zu Beginn des westlichen „Abzugs“ aus Afghanistan davon ausgegangen, die vom Westen eingesetzte Zentralregierung könnte sich etwa ein Jahr halten, was Zeit für Verhandlungen mit den Taliban gegeben hätte. Inzwischen sprechen dieselben Experten von nur noch drei Monaten, die sich die Zentralregierung halten könne. Wozu sollten die Taliban aber noch verhandeln, wenn ihr Sieg schon greifbar nah ist?

Es sieht alles danach aus, als würde der endgültige Sieg der Taliban über die Nato bereits unmittelbar bevorstehen, was für die Region keine gute Nachricht ist. Und es ist ein ganz schlechte Nachricht für all jene Afghanen, die sich auf das Wort des Westens verlassen und mit den westlichen Truppen zusammengearbeitet haben.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

19 Antworten

  1. Nicht Verbündete, sondern nützliche Idioten, für das Imperium, die sich nun, vor dem Afghanischen Volk und der Afghanischen Résistance, für ihren Volksverrat und ihre Verbrechen, verantworten müssen.

  2. Dieser “Abzug“ erinnert mich an den sogenannten Abzug aus Vietnam damals.
    Zu schade, dass es aus Afghanistan nicht die selben Aufnahmen gibt wie damals als die Amis kurz vor der Vietcong-Übernahme von Saigon mit einem Hubschrauber von einem Dach flüchten mussten.

  3. Ich lese immer wieder von einem weiteren verlorenen Krieg wie in Vietnam. Hat hier irgendjemand noch nicht mitbekommen, dass die USA zu einem wesentlichen Teil vom militärisch-industriellen Komplex regiert werden und dass dieser über die letzten 20 Jahre prächtige Gewinne mit diesem Krieg gemacht hat – ebenso wie in Vietnam übrigens und in allen anderen Kriegen, die die USA geführt haben, führen und auch künftig führen werden? Selbstverständlich haben die „USA“ auch diesen Krieg gewonnen. Und selbstverständlich bemisst sich das an den dafür gesteckten Zielen. Nur eben nicht an der Propaganda.

    1. Die USA als Nation und die US-Bevölkerung haben weder den Vietnam, noch den Afghanistankrieg gewonnen. Nein, stattdessen haben die USA als Nation seit dem Afghanistan- und Irakkrieg ihren Anspruch als globale Ordnungsmacht verloren.

      Ja, nur der militärisch-industrielle Komplex und deren Anteilseigner haben gewonnen. Mehr nicht.
      Die USA als Nation haben dagegen mehr Schulden und deren Infrastruktur ist marode. Deren Bevölkerung stirbt sogar früher (so etwas in einem Industrieland gab es zuletzt nur in Russland der 90er Jahre unter Jelzin).

      Das Land und die Bevölkerung haben verloren. Der Vietnamkrieg ist in dem Zusammenhang wichtig. Denn genaugenommen begann der Niedergang der USA mit dem Vietnamkrieg. Um den Vietnamkrieg zu finanzieren haben die USA das Bretton-Woods-System gegen die Wand gefahren.

    2. “ . . . vom militärisch-industriellen Komplex regiert werden und dass dieser über die letzten 20 Jahre prächtige Gewinne mit diesem Krieg gemacht hat . . . “
      was natürlich die frage heraufprovoziert: wo wird der ersatz-/nachfolgekrieg für den hier genannten organisiert? dieser hier benannte krieg würde sicher nicht so einfach beendet werden wenn nicht bessere, lukrativere möglichkeiten vorhanden wären . . .

  4. Es Kommt, wie es erwartet wurde:

    1.
    _____://www.fondsk.ru/news/2021/07/06/situacija-na-granice-tadzhikistana-i-afganistana-obostrjaetsja-53947.html
    Ситуация на границе Таджикистана и Афганистана обостряется
    06.07.2021
    (Situation an der tadschikisch-afghanischen Grenze verschlechtert sich)

    „…
    „Die Lage in Afghanistan verschlechtert sich weiter, was für die OVKS Anlass zu großer Sorge ist. Es gibt ein klares Verständnis für die Notwendigkeit, Tadschikistan bei der Sicherung seiner Grenze zu helfen“, sagte er. Derzeit entwickelt die OVKS ein Programm zur Sicherung der Grenze der Republik“, so der OVKS-Generalsekretär.

    Oberst Shamil Gareyev, ein Militärexperte, sagt, dass die Vereinigten Staaten derzeit Gespräche mit Tadschikistan, Kasachstan und Usbekistan führen, um fast 50.000 Afghanen mit ihren Familien umzusiedeln, die für Washington arbeiten, was seiner Meinung nach eine Bedrohung für die Stabilität in den postsowjetischen Staaten darstellt.

    „Wir wissen nicht, wer in die Vertragsstaaten umgesiedelt werden wird. Hier können radikale afghanische Kämpfer, Drogenbarone und andere kriminelle Bosse eindringen. Deshalb wollen die Amerikaner sie nicht auf ihrem Territorium aufnehmen und planen, sie in eine Pufferzone zu verlegen – in die südlichen GUS-Staaten. Es ist zu beachten, dass Russland die längste und offenste Grenze zu Kasachstan hat“, warnt der Militärexperte.

    Er glaubt, dass die Einnahme der nördlichen Regionen Afghanistans, die an Tadschikistan grenzen, nicht nur ein Schlag für die Sicherheit der zentralasiatischen Länder wäre, sondern auch für die Sicherheit Russlands. …“

    2.
    _____://russtrat.ru/comments/7-iyulya-2021-0010-4933
    Аэропорт Кабула становится одной из ключевых точек мировой политики
    07.07.2021
    (Der Flughafen Kabul wird zu einem Schlüsselpunkt der Weltpolitik)

    „…
    Allerdings haben die Amerikaner nicht vor, so einfach aufzugeben und Zentralasien zu verlassen. Nicht umsonst versucht Washington, über die Eröffnung von Stützpunkten in Usbekistan und Tadschikistan zu verhandeln. Schon jetzt führen die USA mit Unterstützung des türkischen Verteidigungsministers Hulusi Akar solche Verhandlungen mit den Behörden von Usbekistan und Tadschikistan.

    Dean Thompson, stellvertretender Administrator des US-Außenministeriums für Süd- und Zentralasien, besuchte Duschanbe in der dritten Juni-Dekade. Nun reisten die Außenminister von Usbekistan und Tadschikistan, Sirodjiddin Mukhriddin bzw. Abdulaziz Kamilov, nach Washington, um ihren Dialog mit US-Außenminister Anthony Blinken fortzusetzen.

    Das knappe Kommuniqué, das auf der Website des Außenministeriums veröffentlicht wurde, verriet, dass die Gespräche ganz alltägliche Themen behandelten – die Förderung der Menschenrechte und Grundfreiheiten sowie der wirtschaftlichen Entwicklung; und das Engagement der USA für die Sicherheit, Stabilität und territoriale Integrität Tadschikistans und Usbekistans.
    Das Thema Afghanistan wurde in den offiziellen Berichten nur am Rande erwähnt. …“

      1. Zum Beispiel. Aber das ist nicht unbedingt das Mittel der Wahl. Die Amerikaner können auch anderweitig Druck ausüben, der die Beziehungen dieser Staaten stört, Zwietracht säen, Nationalismus schüren, farbige Revolutionen in Aussicht stellen, Kredite an Bedingung knüpfen etc.etc.
        Das Problem ist halt, daß es keine funktionierende internationale Rechtsordnung mehr gibt.

        In Moldawien geht derzeitig da einiges ab, da sind auch die Deutschen ganz vorn mit dabei:

        _____://www.fondsk.ru/news/2021/07/08/new-europe-zapad-vlozhil-milliony-chtoby-vyvesti-moldovu-iz-sfery-vlijanija-rossii-53961.html
        New Europe: Запад вложил миллионы, чтобы вывести Молдову из сферы влияния России
        08.07.2021
        (Neues Europa: Der Westen hat Millionen investiert, um Moldawien aus der russischen Einflusssphäre zu nehmen)
        „…
        Die Ausgabe stellt fest, dass die wichtigsten Geldgeber für Moldawien die USA und die Europäische Union waren, die versuchten, diesem Land zu helfen, „vom Kommunismus zum freien Markt“ zu gelangen.
        Es stellt sich jedoch heraus, dass sie bereit waren, auch für andere Zwecke in Moldawien zu investieren – am Vorabend der Wahlen stießen die Redakteure auf Dokumente, wonach der Westen 56 Millionen Euro investiert hatte, um den Sieg der pro-präsidentiellen PAS-Partei bei den Wahlen am 11. Juli zu sichern.

        New Europe merkte an, dass es mehrere Wochen gedauert hat, um die Echtheit der Dokumente zu prüfen, ebenso, bis die Journalisten eine Bestätigung der Echtheit der Dokumente von ihrer Quelle in den Sonderdiensten und mehreren Politikern erhielten, woraufhin die Entscheidung zur Veröffentlichung dieses Materials getroffen wurde.

        Die Publikation behauptet, dass der Hauptzweck der Investition von Millionen in den zukünftigen Sieg der PAS-Partei darin besteht, Moldawien aus dem Einflussbereich Russlands herauszunehmen.
        Laut den erhaltenen Unterlagen kam der Großteil des Geldes aus zwei Ländern, den USA und Deutschland. Rumänien, Polen, die Tschechische Republik, Schweden, das Vereinigte Königreich und Italien waren ebenfalls an der Finanzierung beteiligt. Zur Finanzierung wurden vor allem nicht-staatliche Stiftungen und private Unternehmen herangezogen. Die Operation heißt „Unterstützung für Moldawiens euro-atlantische Zukunft“ und ihr Hauptkoordinator ist Deutschland.

        „Berlin ist aktiv daran beteiligt, den moldawischen Präsidenten Maia Sandu und die Partei PAS politisch und finanziell zu unterstützen. Angela Merkel und ihre Partei, die Christlich-Demokratische Union, gehören zu den stärksten Unterstützern von Maia Sandu und ihrer Partei, die sich die massive Unterstützung der PAS durch die größte Partei im Europäischen Parlament, die Europäische Volkspartei, gesichert hat. Und half auch, die in Deutschland lebenden Moldawier zur Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen im vergangenen November zu mobilisieren“,
        – schreibt Neues Europa.
        …“

        Und wenn den Amerikanern einiges nicht paßt, oder jemand den Amerikanern ans Bein pinkeln will, lautet der denkwürdige Satz:

        „Die Vereinigten Staaten bleiben ein strategischer Partner der (Republik Moldau) in ihrem Streben nach einer prosperierenden Zukunft. Und die US-Behörden werden weiterhin mit dem Parlament und der Regierung zusammenarbeiten, die die (moldawischen) Bürger in freien und fairen Wahlen wählen werden“

        (_____://www.fondsk.ru/news/2021/07/05/posla-ssha-v-moldavii-vnov-poprosili-ne-vmeshivatsja-53938.html
        Посла США в Молдавии вновь попросили не вмешиваться
        05.07.2021
        U.S.-Botschafter in Moldawien erneut gebeten, sich nicht einzumischen)

        Das ist wirklich mal ein Code, den man immer wieder erkennt, der sagt. „Leg dich nicht mit Papa an.“

      1. Die Sache mit den Nachbarn von Afghanistan besteht schon seit dem Beginn des Kriegs gegen den Terror. Man konnte das auch in deutschen Medien lesen.

        US-Armeestützpunkt in Kirgistan

        https://taz.de/Truppenabzug-aus-Kirgistan/!5040830/

        https://www.spiegel.de/politik/ausland/usbekistan-der-aengstliche-nachbar-a-161600.html

        Vor nicht all zu langer Zeit gab es in der eh schon unruhigen Region einen Wasserstreit bei dem Russland erfolgreich vermitteln konnte. Es ist Russland das den Armenier in der Auseinandersetzung beisteht. Ich gehe so weit hinter dem „plötzlichen “ Konflikt mit Armenien steckt die EU mit ihrer Aserbaidschan Truppe und die Nato. Während wir als EU ständig darauf pochen das Polen und die Ukraine ja ihre Durchleitungsdoller bekommen umging man von Aserbaidschan kommend im großen Bogen mit gleich 3 Pipelines Armenien. Kaum waren die Stränge richtig fertig stiegen die Konflikte um Berg Karabach rasch an und endeten im jüngsten Krieg. Immer mit dabei der Nato Partner Türkei und seine syrischen Söldner.

        Und wie zu Zeiten der CIA Ausbildung von Terroristen in Pakistan ist es wieder Pakistan wo verwundete Taliban Kämpfer med. versorgt werden. Die Staubwolke vom letzten US Heli hatte sich noch nicht einmal gelegt da wollte die Türkei der afghanischen Seite seine Hilfe förmlich aufnötigen. Sie will mal wieder einen Teil ihrer kampferprobten Mörder entsenden.

        https://asiatimes.com/2021/07/the-terror-group-china-fears-the-most/

        Und genau hier sieht man wie die USA mit der Welt spielt. Man nimmt mal schnell solch eine Terrortruppe von der Liste und ihr Rudel an verlogenen NGO hetzt los. Böses China, böses Russland… die armen Uighuren.

        Und nun sollen zufällig die Turk Länder die Afghanen aufnehmen die von den US Truppen verraten und verkauft wurden. Ganz tolle Idee.

        1. und das die Jihadis nicht mehr sehr weit kommen werden in AFG ist auch schon ausgemacht mit den Taliban. Die haben sich nämlich beim SCP Treffen mit China und Ruissland geeinigt das sie zb. keine NATO Hilfe mehr annehmen.

    1. Dann führt der übereilte Abzug aus Afghanistan ja doch noch zu etwas «Gutem». Ein grandioser Schachzug. Und dazu passt auch die Nachricht: «US Militär verlässt Bagram ohne es dem neuen Kommandanten zu sagen. Zurück lassen sie Material das nun auch den Taliban in die Hände fällt. Alleine im Juni waren es 33 Artillerie-Geschütze und 738 Trucks und Jeeps». Was bedeutet, je mehr in Afghanistan abgeht umso mehr kann man sich nördlich davon um Menschenrechte, Grundfreiheiten und wirtschaftliche Entwicklung kümmern, ein Engagement der USA für Sicherheit, Stabilität und territoriale Integrität in Tadschikistans und Usbekistans, vor der Nase Russlands.

  5. Die Tradition, Verbündete fallen zu lassen, wenn man sie nicht mehr benötigt, ist schon in der Geschichte mehrmals beschrieben. So haben die Ägypter Israel fallen gelassen, als ihnen Nebukadnezer zu mächtig wurde und sie ein Desaster befürchteten. Das römische Imperium hat dies ebenso gepflegt, wie im gallischen Krieg nachzulesen ist. Es wurde immer rhetorisch verschleiert, aber es war Tradition, wenn eine Großmacht an Einfluss verlor udn eben seine Verbündeten nicht mehr schützen konnte. Unter anderem in Sri Lanka wurden die Tamilen ins offne Messer geschickt, als die Insel unabhängig wurde. Es war den Briten egal, was mit den Tamilen, die sie vorher benutzten, um ihre Macht zu festigen, geschah. Ein 30-jähriger Bürgerkrieg war die Folge. Und die USA – nun, neben Vietnam waren da die Contras in Nicaragua, die Truppen, die ihnen auf Cuba die Eisen aus dem Feuer holten. Wie gesagt, Tradition. Und das bedeutet, das wird immer wieder passieren. Sich mit Imperialisten – egal wie – einzulassen, ist immer gefährlich. Denn sollten diese gezwungen sein, sich zurückzuziehen, nun ja… Afghanistan, Vietnam, römische Kolonien, … lassen grüßen.

  6. Es gibt drei verschiedene Themen: Einmal der Verrat an denen, die dem Imperium glaubten und zweitens die Frage, ob der Krieg für das Imperium bisher nützlich war und schließlich die Frage, warum die US Truppen und ihre Vasallen jetzt abziehen.

    Die aufgeklärteren Afghanen werden sich wieder verstecken und verschleiern müssen, was bleibt ihnen übrig? So, wie wenn wir Masken tragen und nicht mehr raus dürfen – man arrangiert sich, gräbt sich ein und hofft auf bessere Zeiten. Die sich zu stark exponiert haben, müssen fliehen, egal wie – ihnen gehört mein Mitgefühl, Russland könnte ihnen helfen. Nicht aber den Knechten, die dem Imperium dienten.

    Dass die militärische Besetzung für das Imperium notwendig war, glaube ich schon, die Islamisten gehorchten ihren Anweisungen nicht mehr, hatten vor, sich selbständig zu machen – und das sind in der Ecke alles turksprachige Länder! Vielleicht hat man sich jetzt mit den Taliban geeinigt, dass der Hauptfeind im Norden steht. Wenn das stimmt, macht der Abzug Sinn – an der Grenze zu Russland und in China wird ohne hohe Kosten (paar Waffen und geheime Informationsdienste, verdeckter Krieg eben) gezündelt werden können. Das Imperium zöge wieder die islamistische Karte, so wie im Kosovo, der Türkei, in Ägypten, im Irak, in Lybien, in Syrien usw. usf. – selbst in Frankreich… An den nächsten Militäroperationen, auch Manövern, wird man erkennen, wie die weitere Strategie aussieht.

  7. Nebenbei bemerkt hat der „Spaß“ die Deutschen ca. 12,2 Milliarden gekostet, wobei die Angaben variieren. Auf jeden Fall jede Menge Kohle, mit der man besseres hätte anfangen können. Aber wir Lernen es nicht, es ist schließlich Alternativlos…
    Und im September wird das Pack wieder gewählt.

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