Die Doppelmoral der Zensur bei YouTube

RT-Deutsch hat die Rede von Trump am Sonntag in einem Livestream auf YouTube übertragen. YouTube hat RT verwarnt und das Video auf dem RT-Kanal gelöscht, aber bei US-Medien ist es noch zu sehen.

RT-Deutsch hat berichtet, dass der Livestream der Trump-Rede bei der Veranstaltung CPAC der Republikaner in Florida gelöscht wurde. RT-Deutsch zitiert die Standardmail, die YouTube in solchen Fällen verschickt:

„Hallo RT DE,
unser Team hat deine Inhalte geprüft und leider festgestellt, dass sie gegen diese Richtlinien verstoßen: Richtlinien zu Spam, irreführenden Praktiken und Betrug. Wir haben darum folgende Inhalte von YouTube entfernt:
Video: LIVE: Erste öffentliche Rede von Trump nach Amtsübergabe an Joe Biden auf Republikaner-Kongress CPAC““

Die Löschung der Rede bei YouTube hat nicht nur RT-Deutsch getroffen, sondern auch RT insgesamt. All die internationalen RT-Töchter weltweit sind von der Sperrung betroffen.

RT-Deutsch berichtet in dem Artikel dann von den neuen YouTube-Richtlinien, die auf YouTube Inhalte verbieten, die „Menschen in die Irre führen, indem sie behaupten, dass weit verbreiteter Betrug oder Fehler das Ergebnis der US-Präsidentschaftswahlen 2020 verändert haben„. Allerdings gibt es bei der Regel Ausnahmen, wenn man im Video selbst, im Titel des Videos oder zumindest in der Videobeschreibung darauf hinweist, dass das Gezeigte unwahre Informationen sind.

RT-Deutsch weist zu Recht darauf hin, dass es bei einem Livestream unmöglich ist, vorher zu wissen, was gesagt wird. Wie soll man also im Vorwege eine solche Warnung in den Namen des Videos oder in die Videobeschreibung oder als Untertitel einbauen, wenn man vorher nicht weiß, was gesagt wird? Man konnte sich zwar denken, dass Trump seine Vorwürfe gegen die letzte US-Wahl wiederholen würde, aber sicher was das nicht. Die Medien hatten nämlich darauf spekuliert, dass Trump sich über seine Zukunft und eine mögliche Kandidatur 2014 äußern würde.

RT-Deutsch hat sich daraufhin an Google gewandt und nachgefragt, was man nun mit dem Video machen könne, um zukünftige Probleme inklusive einer drohenden Sperrung auf YouTube zu vermeiden. RT-Deutsch hat sogar eine Antwort bekommen, sie lautet:

„Sie sollten hier einen Kontext hinzufügen, nämlich dass es sich um ein Beispiel für eine hasserfüllte Rede handelt.“

Das klingt fair. Ist es aber nicht. Während das Video bei RT-Deutsch gelöscht und RT-Deutsch verwarnt wurde, war das Video bei westlichen Medien noch online. Das merkt auch RT-Deutsch in seinem Artikel an und fragt, warum YouTube so selektiv löscht. Ich würde eher von selektiver Zensur sprechen, frei nach dem Motto: Was westliche Medien dürfen, dürfen die Russen noch lange nicht!

RT-Deutsch hat seinen Artikel am 2. März um 22.40 Uhr veröffentlicht. Unter dem Artikel wurde ein Nachtrag eingefügt:

„Nachtrag 3.3.2021: Nur Stunden nach der Veröffentlichung dieses Artikels sind auch von anderen Plattformen eingestellte Videos von Trumps CPAC-Rede auf Youtube entfernt worden.“

Das habe ich überprüft. Ich schreibe diesen Artikel am 3. März um 12.50 Uhr und derzeit sind noch viele Aufnahmen der Rede von Trump bei YouTube online. Und sie tragen alle nicht den von YouTube geforderten Hinweis, es handle sich um eine „hasserfüllte Rede.“

Beim The Independent ist die Rede unter dem Titel „Watch again: Donald Trump speaks at CPAC 2021“ auf YouTube online und in der Videobeschreibung heißt es lediglich:

„Der ehemalige US-Präsident Donald Trump hält eine mit Spannung erwartete Rede zum Abschluss der Conservative Political Action Conference (CPAC) in Orlando, Florida.
Es wird erwartet, dass Herr Trump über die Zukunft der republikanischen Partei spricht.“

Sie ist auch bei Fox noch zu sehen, zum Beispiel bei Fox Orlando, wo der Titel des Videos lautet „Former President Trump delivers keynote address at CPAC 2021“ und in der Videobeschreibung steht:

„Die Conservative Political Action Conference (CPAC) endete am Sonntag mit einem besonderen Gastauftritt des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald J. Trump.“

In keinem der Texte ist die von YouTube geforderte Warnung zu lesen. YouTube misst mit zweierlei Maß und zensiert gezielt russische Medien, während US-Medien nicht zensiert werden.

Nachtrag: 24 Stunden später waren auch die von mir verlinkten Videos der Rede bei YouTube gelöscht.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

9 Antworten

  1. Lieber Herr Röper,

    daher ist es nötig das Russland Twitter, facebook und YouTube löscht, bzw. in Russland verbietet.

    Dann haftet ihnen nämlich der Makel an: Nato-Propagandaorgan der US-Regierung.

    Nato Trolle im Internet & „Journalisten“ von der ARD (was genau genommen das Gleiche ist) werden dann zwar schreien: „Zensur!“ – aber es hat dann mal jemand offiziell ausgesprochen, was ausgesprochen werden muss.

    Das ist wichtig.

    So, und was eine erneute Kandidatur Trumps betrifft hatte ich mich ja schon festgelegt: Ausschließlich der tiefe Staat entscheidet wer Präsident wird – erst lange Jahre nach 1913 (FED) ist der Umbau zur Diktatur damit vollständig abgeschlossen.

    1. „Dann haftet ihnen nämlich der Makel an: Nato-Propagandaorgan der US-Regierung. “

      „Dann“?
      Das ist doch längst der Fall und zwar glasklar.

      Wenn Russland diese Propagandamedien sperrt (was sie tun sollten) wird man es selbstverständlich so drehen das das böse Russland die armen Firmen Google und Twitter völlig zu Unrecht sperrt und den russischen Menschen den Zugang zu „freien“ und ausländischen Nachrichten blockiert.

      1. „Löschen“ – tolle Idee, und mit dem „Sperren“ oder „Verbieten“ ist das auch nicht so einfach.
        Die Russen haben sich da wohl schon mal die Zähne ausgebissen.
        Und bei der Reichweite dieser privaten amerikanischen Monopole bezweifle ich auch, daß die im Inland damit Begeisterungsstürme hervorrufen.

    2. Keine gute Idee. Damit würde man ja die bundesdeutschen Desinformierten in ihrem eigenen Saft gar werden lassen. Die westliche Propaganda zielt eindeutig auf die Vorbereitung von militäriscfhen Auseinandersetzungen, um nicht Krieg zu sagen.

  2. Die Social Media Schergen sind übergeschnappt. Das ist die „Demokraten-Krankheit“. Alles was irgendwie nach Russland aussieht wird gelöscht, zensiert, gesperrt. Doch das ist erst der Anfang. Auch hierzulande schlägt der Zensurhammer immer unerbittlicher zu. Zuletzt sogar im Verbund mit den Landesmedienanstalten. Diese Medien haben allesamt ein Problem mit der Wirklichkeit, die sich ihren Vorstellungen von der westlichen Auserwähltheit (wir sind die Guten) partout nicht beugen will.

  3. Und seit 9 /11 Uhr, hat der Russische Präsident Putin veranlasst, das Das Russische Gesetz angewendet wird, da ein Russischer Sender, vom Feind Zensiert wird, wird der F E I N D in Russland abgeschaltet. So geht Recht und Gesetz

  4. Mit der Sperrung von Facebook, Twitter und You Tube wird Russland die gleiche Zensur vornehmen wie auch im Westen.
    Es sollte vielmehr darauf geachtet werden, dass diese wegen ihrer Zensur für die Inhalte auf ihren Seiten verantwortlich sind.
    Bei Straftaten wie der Verbreitung von Kinderpornografie wird dann der Chefredakteur in Russland persönlich dafür haftbar gemacht. Als hätte er es selbst hochgestellt.
    Sollte es zu Sperrungen oder von politischen Nachrichten kommen, muss dies dann in den anderen Medien an den Pranger gestellt werden. Es soll aufgezeigt werden, wie diese Medien offen Propaganda ausüben. Die Glaubwürdigkeit dieser Medien muss untergraben werden. Es sollte dann auch aufgezeigt werden, wie diese Medien die Daten ihrer Nutzer missbrauchen. Und es müssen Alternativen angeboten werden.
    Es ist doch einfach diese Medien in einem schlechten Licht dastehen zu lassen. Fordert doch die Nutzer einmal auf über den Wahlbetrug in den USA eine Nachricht auf Facebook oder Twitter zu verbreiten. Da werden die Menschen schnell merken wie sie gesperrt werden.

  5. Hier in der Schweiz gab es einen längeren Bericht in dem herzlich über die angeblichen und wiederlegten Wahlfälschungen gelacht und nochmals mit Nachdruck erklärt wurde, dass Trump die Demokratie kaputt machen will, das immer wollte. (Es ärgert aber man kann nichts dagegen machen).

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