USA vs. Russland

Droht eine neue Runde wechselseitiger Ausweisungen von Diplomaten?

Die USA fordern die Ausreise von 24 russischen Diplomaten. Dieses Mal werden sie jedoch nicht formal ausgewiesen, stattdessen wird ein bürokratischer Trick angewendet.

Die Ausweisung russischer Diplomaten aus westlichen Ländern hat in den letzten Jahren exponentiell zugenommen. Die Gründe waren immer vorgeschoben, sei es die angebliche Vergiftung der Skripals, seien es Vorwürfe aus der Tschechei, der Westen (er)findet immer neue politische Vorwände, russische Diplomaten auszuweisen.

Russland reagiert darauf immer „gespiegelt“, weist also seinerseits ebenfalls eine genauso große Zahl an Diplomaten aus. Das hat inzwischen dazu geführt, dass manche Botschaften kaum noch arbeitsfähig sind. Vor allem die von den USA gestarteten Ausweisungsrunden haben – vor allem der US-Botschaft in Moskau – sehr geschadet. Warum das so ist, können Sie hier nachlesen.

Nun haben die USA wieder nachgelegt. Dort wurde eine nur für die russische Botschaft in Washington geltende Regel eingeführt, nach der russische Diplomaten ihre Visa nach drei Jahren erneuern müssen. Diese Erneuerung der Visa verzögert die amerikanische Seite jedoch. Von 25 betroffenen russischen Diplomaten haben die USA nur einem das Visum erneuert, die restlichen 24 müssen das Land bis zum 3. September verlassen.

Der russische Botschafter in der USA hat darauf hingewiesen, dass Russland gerade erst 22 US-Diplomaten Visa ausgestellt hat. Außerdem hat er zum wiederholten Male vorgeschlagen, die in den letzten Jahren gegenseitig verhängten Behinderungen der Arbeit der Botschaften, komplett abzuschaffen. Washington hat auf diese Vorschläge nie reagiert. RT-Deutsch zitiert den russischen US-Botschafter weiter mit den Worten, er hoffe, dass sich der gesunde Menschenverstand doch noch durchsetzt.

Sollten die USA an der Entscheidung festhalten, dürften wir in einem Monat folgende Propaganda-Show erleben: Russland weist im Gegenzug ebenfalls 24 US-Diplomaten aus und die westlichen Medien werden dies als einseitige und unfreundliche Aktion Russlands darstellen, denn die Leser westlicher Medien wissen ha nichts von dem einseitig von den USA unternommenen Schritt, 24 russische Diplomaten nach Hause zu schicken.

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

5 Antworten

  1. Braucht man Diplomaten wenn man seine Angelegenheiten eh mit Gewalt durchsetzen will? Will man das Russland eine ähnliche Politik macht? Muß Russland noch auf seinen Ruf achten? Man besetze Teile der Ukraine um zu fordern das alle Sanktionen beendet werden und man nun erst in der Lage ist, mit dem Westen zu verhandeln. Wollen die Ungarn ihren Teil zurück? Die Rumänen? Die Polen?

    1. Nein, dann braucht man keine Diplomaten. Man will Russland provozieren, zu inadäquaten Schritten treiben. Wenn Russland täte, was Sie vorschlagen, hätten die Amis ihr erstes Ziel erreicht.

      Die Ukraine zu besetzen ist ein lausiger Vorschlag.

    2. Ein guter Ruf (abseits der Propaganda aus Medien und Politik) ist doch das beste Kapital für Russland. Das werden die sich bestimmt nicht so leichtfertig kaputt machen.
      Abseits des Westens ist Russland extrem beliebt und erfolgreich und das hat gute Gründe.

    3. Der Ruf Russlands bei den Deutschen wird ja hier fabriziert. Egal, was sie alles Gutes oder Schlechtes tun. Nur: wenn die Deutschen Rußland/Russen wieder als verachtenswert betrachten, dann kann man wieder einen Krieg vom Zaun brechen, denn es geht ja für das Gute gegen das Schlechte. Also: Das ist alles Vorbereitung zur Mobilmachung, Vorkriegspropaganda. Hier wird Propaganda zum Führen eines (jeden) Krieges (aber am Beispiel des Eintritts der USA in den 1.WK) gut erklärt: https://kenfm.de/history-kriegspropaganda-podcast/ Auch wenn jetzt noch Kriegsunlust herrscht, in 5 Jahren und weitere 20 erlogene Skandale um Gift, Unfreiheit, bla bla,… später, sieht das dann ganz anders aus.
      Beängstigend.

  2. Das ist wieder einmal das blendende Beispiel für die Aussage: Wer die halbe Wahrheit sagt, der lügt.
    Da aber die USA ja zum Reich der Kuten, und Russland zum Reich des Pösen gehört, nun ja, da wird der Spielgel b ei seinen treuen Lesern wohl kaum Probleme bereiten, wenn er es so berichtet, wie Thomas es prophezeit.

Schreibe einen Kommentar