Gasknappheit und Energiepreise

Gaspreis in Europa nun über tausend Dollar – Warum bestellt Europa nicht mehr Gas?

Für den kommenden Winter ist tatsächlich mit einer Energiekrise zu rechnen, die Preise für Gas steigen weiter an und die Gasspeicher sind so leer, wie fast noch nie zu Beginn der Heizsaison. Trotzdem bleiben zusätzliche Bestellungen aus Europa aus.

Die Gasspeicher in Europa sind mit etwa 70 Prozent so gering befüllt, wie praktisch noch nie zu Beginn der Heizsaison. Über die Gründe habe ich oft berichtet, ein aktuelles Beispiel finden Sie hier. Das Problem ist, dass die Speicher vor der Heizsaison gefüllt werden müssen, weil die Kapazitäten von Pipelines und Tankern nicht ausreichen, um den Bedarf im Winter zu decken. Deshalb werden die Gasspeicher normalerweise im Sommer gefüllt, was in diesem Jahr jedoch nicht geschehen ist.

Normalerweise sind die Gasspeicher zu Beginn der Heizsaison zu annähernd 100 Prozent gefüllt, derzeit sind es aber nur etwa 70 Prozent. Wenn man nun noch bedenkt, dass sie nach der letzten Heizsaison nur noch zu 30 Prozent gefüllt waren, muss man kein mathematisches Genie sein, um zu verstehen, dass das Gas in Europa nicht über den Winter reicht, wenn der Winter nicht ausgesprochen mild wird und die Menschen nicht oder nur wenig heizen müssen. Und die Zeit reicht nicht mehr aus, die Speicher zu füllen, denn die Heizsaison beginnt Anfang Oktober.

Die Europäer haben es schlicht versäumt, die Speicher zu füllen, obwohl Gazprom in diesem Jahr eine Rekordmenge an Gas nach Europa gepumpt hat. Gazprom liefert deutlich mehr Gas nach Europa als 2020. Deutschland zum Beispiel hat in den ersten acht Monaten 2021 fast 40 Prozent mehr Gas erhalten, als im Vorjahreszeitraum. In den ersten acht Monaten hat Gazprom fast soviel Gas exportiert, wie im bisherigen Rekordjahr 2018. Die Gasknappheit in Europa hat also nicht Gazprom zu verantworten.

Aber das geben Politik und Medien nicht zu und beginnen, Russland wegen der hausgemachten Probleme zu beschuldigen.

Nun hat der Gaspreis in Europa die Marke von tausend Dollar genommen und die Preise steigen weiter. Man wundert sich dabei, dass die europäischen Gasimporteure ihre Bestellungen bei Gazprom nicht erhöhen, denn es gibt freie Kapazitäten in den Pipelines. Gerade die ukrainische Pipeline, die man offiziell doch schützen möchte, hätte freie Kapazitäten, nachdem Ungarn gerade erst einen Vertrag darüber geschlossen hat, sein Gas fast nicht mehr durch die Ukraine, sondern über die Türkei zu beziehen.

Und auch die Jamal-Pipeline, die russisches Gas über Weißrussland nach Europa bringt, ist nicht voll ausgelastet. Im Gegenteil: Gerade heute wird gemeldet, dass die Durchleitung von Gas in der Pipeline jetzt auf ein Drittel gefallen ist und nur noch bei 1,5 Millionen Kubikmeter pro Stunde liegt. Ihre Kapazität liegt aber bei fast vier Millionen Kubikmeter pro Stunde.

Trotzdem nutzen die europäischen Importeure die freien Kapazitäten nicht für zusätzliche Bestellung, sodass man fast meinen könnte, sie seien an einer Energiekrise im Winter interessiert. Wegen der niedrigen Füllstände der Gasspeicher ist eine Energiekrise in diesem Winter fast nicht mehr zu verhindern.

Das russische Fernsehen hat wieder über die Lage am Gasmarkt berichtet und ich habe den Bericht des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Am Dienstagmorgen sind die europäischen Verbraucher in einer neuen Realität aufgewacht: Tausend Kubikmeter Gas kosten mehr als tausend Dollar. Seit Anfang des Jahres hat sich der Preis verdreifacht. Und dabei hat die Heizperiode gerade erst begonnen.

„Europa hat sich in einem perfekten Sturm wiedergefunden. Alles, was schiefgehen konnte, ist schiefgegangen. Auf der Nachfrageseite hatten wir einen sehr kalten Winter, der die Nachfrage der Verbraucher nach Gas in die Höhe getrieben hat, auf der anderen Seite erholte sich die Wirtschaft von der Pandemie und daher stieg die Nachfrage der Industrie nach Gas. Deshalb bereiten sich die Menschen jetzt auf eine mögliche Gaskrise im Winter vor“, sagte Simone Tagliapietra, leitender Forscher bei der Denkfabrik Bruegel.

Experten erklären: In den letzten Jahren hat sich der europäische Gasmarkt allmählich auf Spotverträge verlagert. Aufgrund des freien Marktes und der hohen Nachfrage hat die Region jedoch in diesem Jahr im Preiswettbewerb um Flüssiggas gegenüber Asien den Kürzeren gezogen. Hinzu kommt, dass das Wetter nicht mitgespielt hat. Der Mangel an Wind hat zu einem Rückgang der Windenergieerzeugung geführt. Europa nähert sich der Heizperiode und der Winter verspricht streng zu werden, wobei die Gasreserven auf einem historischen Tiefstand sind.

Nach Ansicht des russischen Präsidentensprechers Dmitri Peskow können kurzfristige Verträge die Probleme nicht lösen: „Es ist klar, dass der Spotmarkt die Anforderungen an eine rhythmische Entwicklung nur teilweise erfüllen kann. Gazprom erfüllt alle seine Verpflichtungen in vollem Umfang und sogar mit einer akzeptablen Überschreitung. Es arbeitet mit maximaler Kapazität. Und es besteht kein Zweifel daran, dass Gazprom bereit ist, neue Verträge, langfristige Verträge mit höheren Mengen, in Betracht zu ziehen, um die wachsende Nachfrage nach Erdgas aus Europa zu decken.

Im Zusammenhang mit einem der langfristigen Verträge kam es zu einem echten politischen Skandal. Budapest hat mit Gazprom einen Vertrag bis 2036 unter Umgehung der Ukraine unterzeichnet. Kiew bezeichnete den Vertrag als einen Schlag Ungarns und versprach, entsprechend zu reagieren. Budapest warf der ukrainischen Regierung vor, sich in seine inneren Angelegenheiten einzumischen. Die Europäische Kommission erklärte, sie könne die Vorlage des Vertrags verlangen, wenn der Verdacht bestehe, dass er die Energieversorgung der Region oder der EU insgesamt gefährde.

Die Situation auf dem Gasmarkt stützt den Rohstoffsektor insgesamt. Die Verbraucher steigen teilweise von teurem Gas auf etwas günstigeres Öl um.

Die Ölsorte Brent notiert bereits bei rund 80 Dollar pro Barrel. Die Nachfrage steigt und die Aussichten werden immer optimistischer. Der weltgrößte unabhängige Ölhändler Vitol Group rechnet damit, dass der Ölpreis in diesem Winter um die 80 Dollar pro Barrel liegen wird. Und Goldman Sachs erwartet sogar 90.

Noch sind Angebot und Nachfrage auf der Suche nach einem Gleichgewicht. Analysten schließen nicht aus, dass die Situation die OPEC+ zwingen wird, ihr Angebot auf dem Markt zu erhöhen. Auf dem letzten Treffen im September einigten sich die Minister der Allianz darauf, an den Plänen zur Steigerung der Ölproduktion festzuhalten. Das bedeutet, dass im Oktober zusätzlich 400.000 Barrel pro Tag auf den Markt kommen werden.

„Die Nachfrage erholt sich nach der Pandemie schneller, als sowohl Verbraucher als auch Produzenten erwartet hatten. Alle Beschlüsse im Rahmen der OPEC+-Vereinbarung werden umgesetzt, aber höchstwahrscheinlich unter einer Art Saisonalität – die Produktionssteigerungen erfolgen nicht in dem Tempo, das der Markt gerne sehen würde, und dieses sich abzeichnende Defizit treibt die Preise in die Höhe. Die Ölpreise haben den Rubel gestützt. Aber es gibt keine direkte Korrelation wie früher“, sagte Maria Belova, Forschungsdirektorin bei VYGON Consulting.

„Ich würde nicht behaupten, dass der Anstieg der Ölpreise, den wir jetzt erleben, wenn das Öl ein Niveau von 90 Dollar erreicht, was vor einem Jahr noch völlig undenkbar schien, zwangsläufig zu einer Stärkung der nationalen Währung führen wird. Höchstwahrscheinlich wird der Rubel entweder auf dem bisherigen Niveau verharren, oder es wird eine gewisse, unbedeutende Stärkung geben“, sagt Konstantin Simonov, Generaldirektor des Nationalen Energiesicherheitsfonds.

Die Aktien russischer Rohstoffunternehmen erreichen aufgrund der steigenden Energiepreise neue historische Höchststände. Heute haben die Wertpapiere von Rosneft, Lukoil und Gazprom Neft einen neuen Höchststand erreicht. Auch der Moskauer Börsenindex verzeichnete einen neuen Rekord. Sollte sich die Preisrallye bei Öl und Gas fortsetzen, werden auch diese Höchststände voraussichtlich wieder übertroffen werden.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

10 Antworten

  1. Der Grund für den erhöhten Gasverbrauch dürfte der extrem nasskalter Früling sein dem ein nasskalte Sommer folgte, dem ein vermutlich ebenso kalter Herbst folgt. Ich habe das ganze Jahr über die Heizung nur an wenigen tagen ausschalten können um die Temperaturen in meiner Wohnung einigermaßen erträglich zu halten. Das hat nichts mit mangelnder Isolierung zu tun. Bei Nachttemperaturen die selten über 10 Grad Celsiuns lagen muss man in einer Souterrain Wohnung nun mal heizen. Die Nachbarn die zu ebener Erde wohnen, mussten auch recht kräftig heizen. Warum war das Jahr so kalt und nass? Das ist sehr leicht erklärt. Wir hatten diese Jahr nur wenige Tage ohne Wolken. Dauernd wurden Chemikalien ausgebracht die zur Wolkenbildung anregen.

    1. Ich glaube das mittlerweile auch.
      Hier in Mittelhessen gibt es fast nur noch diese Schmierwolken. Nur noch selten sieht man die typischeren Wolkenberge oder Schäfchenwolken.
      Ich könnte jeden Tag Flugzeuge mit Kondensstreifen fotografieren, die im Schachbrettmuster fliegen…

      Das gab es alles schon in den vergangenen Jahren, aber das Ausmass hat sich merklich erhöht. Und dieser Sommer war der kälteste, den ich in meinem Leben erlebt habe, ohne Frage.

  2. ‚Europa‘ hat sich bei Stromhandel (aus Gas/Kohle-Erzeugung, während sog. ‚billige EE‘ weiße Fahne heben) noch wesentlich drastischer verzockt: Energiepreis (hier nur als Bsp.: aus Grundlast (baseload)) 2022 im Handel: 4.9 cent/kWh bis 01.02.21 – 5.7 cent/kWh ab Mitte April – 7 cent Mitte Mai – 8 Cent Anfang August – 9 Cent Anfang September – 10 Cent Mitte September – 12 Cent/kWh = 29.09.21 .. also knapp verdreifacht. (2016: 2.2 Cent, historisches Tief) Und seit 1 Woche herrscht Panik an der Strombörse. Heute kamen Kündigungen vom Gasanbieter DEP: kann die Vertragspreise nicht halten und verschwindet vom Markt. Industrie schließt e-intensive Fertigung. Viva le E.U.!

  3. Sry aber wie kann Deutschland weniger Gas haben obwohl es mehr gekauft hat. Alle erzählen was von kalten Winter, naja eigentlich alle Jahreszeiten aber wir merken davon nichts, wohnen in NRW und heizen eigentlich nicht erade sparsam weil kleine Kinder im Haushalt leben. Erst heute wurde es meiner Frau etwas zu „frisch“ und ie hat die Heizung angemacht, davor aber war diese nach dem Winter aus gewesen.
    Ich weiß nicht wie ich da den typischen deutschen einschätzen soll aber ich denke auch das dieser erst eine wärmere Decke nimmt bevor er die Heizung anmacht.
    Aufjedenfall ist da irgendwas komisch. Schon klar, die Energiefirmen haben sich verzockt, nun müssen sie zu einem höheren Preis kaufen weil es sonst für den Winter nicht reicht, soweit, sogut. Jedoch wird doch oder wurde doch gekauft und über 1000$ gezahlt. Und Deutschland hat es sogar noch besser weil es 240 oder 220$ für 1000m³ Gas zahlt aufgrund langjähriger Verträge mit Gasprom.
    Uns einen Kalten Winter bescheren und dann den Russen dafür die Schuld geben? Wozu?? Gibt nicht viele die so viel und zuverlässig liefern können. Oder wird demnächst radikal auf Elektroheizung umgebaut? Wer weiß…

    1. Der Gaspreis wird nur im Verkauf erhöht, der Einkauf bleibt bei wie gehabt aufgrund langfristiger Lieferverträge. Der Sinn liegt m.E. darin, die Differenz zum Preis des Flüssiggas der Amerikaner zu senken. Damit wird die Akzeptanz zum Preis des Flüssiggas verbessert. Wenn dann das Flüssiggas der Amerikaner gekauft wird, wird das russische Pipelinegas zurück gedrängt.

  4. Warum bestellt Europa nicht mehr Gas?
    Dies geschieht einzig und allein aus folgendem Grund:
    Die europäischen Mächte mit den „westlichen Werten“ planen die nächste schwerwiegende Attacke auf Russland und damit letztlich auch sogar auf ihre eigenen Bevölkerungen, sozusagen eine „würdige“ Nachfolge für die CoronaFakepandemie der letzten 2 Jahre. Es wird bewusst eine Unterversorgung an Gas herbeigeführt. Dies wird im Winter/Frühjahr zu chaotischen Versorgungsengpässen führen in privaten und auch in öffentlichen Räumen (Schulen, Krankenhäuser etc.), verbunden mit Preissteigerungen, die auch die Mehrzahl der „Michel“ überzeugen wird, dass eigentlich wieder ein Gang gegen Russland gerechtfertigt ist. Dann wird ein Trommelfeuer gegen Russland in Gang gesetzt und behauptet, dass Russland aus politschen Gründen Gaslieferungen zurückhält bzw. zurückgehalten hat. Dies alles wird wie bei CoronaFakepandemie von allen Presstituierten unterstützt, es wird aus allen (noch nichtmilitärischen) Rohren geschossen. Jedenfalls kommt dann endgültig nicht nur NordStream 2 zu Fall, sondern das ganze weltpolitische Gefüge wird in äußerste kriegerische Gefahr hineinmanipuliert.

  5. Ich habe den Verdacht, dass der Gaspreis in der EU nichts anderes ist als Insider Geschäfte sind. Das Gas wird für 220€/1000m³ eingekauft und dann an der Börse für über 1000€ gehandelt. Über 400% Gewinn also. Für die, die das Gas für 220€ kaufen ist eine Verknappung der Gasmengen lohnenswert, deshalb wird auch weniger bestellt. Wir haben es einfach nur mit den Gesetzen des Marktes zu tun. Würde das Gas an die Versorger ohne Börse weiterverkauft werden, hätten wir keine Gasknappheit und auch keine explodierende Preise.
    Politisch wird jetzt versucht die Gasknappheit den Russen in die Schuhe zu schieben. Der Grund für die Gasknappheit, einfach zu wenig bestellt, ist so banal, dass es Menschen, die sich über die ÖR informieren nicht glaubhaft ist.
    Ich beschwere mich auch demnächst bei Mercedes, dass mein nicht bestellter Benz nicht geliefert wurde.

  6. Wenn das passieren sollte (bei uns mit 2. Leitung ???) ,wird das gezielt geschehen und schon von langer Hand geplant.
    Ich habe gerade gelesen ,dass wir unsere Wäsche so gut wie nicht mehr waschen sollen (verboten)-
    WEF -Terroristen .
    Das sind alles Puzzle-Teile die uns in die Höhle zurück führen sollen ,ABER OHNE FEUER (wegen CO²) und die die uns das predigen bewegen sich mit Privat-Luxuslinern….. fort .

    https://www.wochenblick.at/sie-nehmen-uns-alles-laut-wef-soll-ab-jetzt-gestunken-werden/

    Ich habe für die gesamten NWO – Verbrecher ein 2 G -Corona…..-Modell

    1. Guantanamo
    2.Guillotine

    freie Auswahl.

  7. Europa hat kein Geld mehr….oder müssen erst die Pharma Konzerne befriedigt werden, bevor man Geld für Gas ausgibt? Daß der Gaspreis so hoch ist, überrascht doch nicht mehr, da ja der Kapitalismus vorherrscht!
    Daß die Affen in Brüssel wieder große Klappe gegenüber Ungarn haben, ist doch nicht verwunderlich, immerhin sind Belarus und Ungarn die „netten Nachbarn“ die immer herhalten müssen, wenn die EU sich verzockt!

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