Westliche Werte

Gender und body-positive: Das russische Fernsehen über neue kulturelle Errungenschaften im Westen

Dass man in Russland ungläubig auf das schaut, was im Westen unter der liberalen Agenda vorangetrieben wird, habe ich oft berichtet. Am Sonntag zeigte das russische Fernsehen neue Beispiele für das, was der Westen heute gesellschaftlich propagiert.

Ich habe oft berichtet, dass die Menschen in Russland nicht begreifen können, was im Westen gesellschaftlich abläuft. Political Correctness, Gender, Cancel Culture und andere „Errungenschaft“ des Westens klingen für die Russen wie Satire und dass viele Menschen im Westen diese Dinge ernst meinen, können die meisten Russen nicht verstehen.

Dmitri Kisseljew, der Moderator der russischen Sendung „Nachrichten der Woche“ hat schon so manchen bissigen Kommentar über das abgegeben, was im Westen derzeit abläuft. Sei es die Cancel Culture, mit der der Westen seine eigene Geschichte und Traditionen abschaffen will, sei es das Thema Gender oder auch die Political Correctness allgemein. Und auch die neuesten Phänomene, die man „Woke“ nennt, werden in Russland nicht akzeptiert, wie ich hier aufgezeigt habe.

Nun gab es am Sonntag im russischen Fernsehen einen weiteren Kommentar zu den aktuellen Erscheinungen dieser westlichen Trends und ich habe den Kommentar des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Kultureller Wandel: Eine feministische Version des Orwell’schen Romans und ein body-positives Märchen

Das ist natürlich ein enormer kultureller Wandel. Die Kräfte im Westen tun den Männern so ziemlich alles an, außer vielleicht sie mit DDT zu vergiften. Die Feministinnen scheinen die Frauen gegen sie ausspielen zu wollen, aber wir reden hier nicht über normale Frauen, die auf Familie, Arbeit und das Glück der Mutterschaft aus sind. Versuchen Sie mal, solche Frauen öffentlich zu verteidigen, dann werden Sie sofort verfolgt.

Frauen müssen unbedingt etwas Besonderes haben. Entweder ist das eine Frau, die chirurgisch aus einem Mann gemacht wurde, oder ein Nicht-Umoperierter, der sich als Frau ausgibt. Und genau die bekommen Schutz und Mitgefühl. Oder es muss eine Frau sein, deren natürliche Anziehung zu einem Mann durch irgendetwas unterdrückt wird: entweder durch äußere oder innere Faktoren.

Sandra Newman, eine amerikanische Schriftstellerin, hat von dem Sohn von George Orwell, dem Klassiker der britischen Literatur des 20. Jahrhunderts, die Genehmigung erhalten, seinen berühmten anti-utopischen Roman 1984 umzuschreiben. Ein starkes Argument für die Wahl von Sandra Newman war, dass diese glühende Feministin bereits einen Roman geschrieben hatte: „Männer“

Lassen Sie sich vom Titel nicht täuschen. Das Buch handelt von einer Welt ohne Männer, oder besser gesagt, von einer Welt ohne Menschen mit einem Y-Chromosom, das die Entwicklung des menschlichen Embryos zu einem Mann auslöst. Für Sandra reicht es nicht mehr aus, die männlichen Genitalien abzuschneiden und den Hormonhaushalt zu beeinflussen, sie muss noch weiter gehen und das männliche Chromosom loswerden. Der Roman wird im Sommer erscheinen, aber Sandras Idee selbst macht die Schriftstellerin schon jetzt bekannt. Damit bleiben nur noch Frauen auf dem Planeten. Einige von ihnen können im Rollenspiel den Mann spielen. Was denn? Sie ist talentiert. Der Roman „Männer“ handelt also von Frauen ohne Männer. Ohne Männer nach unserem Verständnis.

Hier ist nun die neue Version von George Orwells 1984. Das 1949 veröffentlichte Buch ist eine mahnende Geschichte über eine totalitäre Gesellschaft auf den britischen Inseln, in der die Normalität so verzerrt ist, dass Frieden zum Krieg und Lüge zur Wahrheit wird. Alles wird von einer einzigen Partei regiert und an der Spitze steht der Große Bruder, der alles sieht. Der Protagonist ist ein gewisser Winston und für die Liebe gibt es Julia. Im Original verrät Winston Julia unter dem extremen Druck des Systems, und die Heldin rückt in den Hintergrund.

Sandra Newmans kreative Herausforderung besteht darin, den Roman 1984 aus der Sicht einer Frau neu zu schreiben. Schließlich ist die Geschichte nicht ganz aufgedeckt, aber die Grundlage gibt viel her und ist sogar zeitgemäß. Julia ist Aktivistin bei der „Anti-sexuellen Jungendliga“. Deren Ziel ist es, eine asexuelle Lebensweise zu fördern und Vermehrung soll ausschließlich durch künstliche Befruchtung erfolgen. Um für ihre Ideen zu werben, tragen die Mitglieder der Anti-sexuellen Jungendliga eine mehrlagige rote Schärpe um die Taille, veranstalten Umzüge mit Transparenten und verteilen Flugblätter und einschlägige Literatur. Bei Orwell hat sich Julia allerdings verliebt. Mehr noch, sie selbst offenbart Winston ihre Gefühle in einer Notiz.

Für ihn ist diese Nachricht wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Schließlich ist das Mädchen eine Aktivistin der Anti-sexuellen Jungendliga.

„Winston wusste, dass diese Forderung nicht ganz ernst gemeint war, aber sie entsprach insgesamt der Ideologie der Partei. Die Partei wollte den Sexualtrieb abtöten, aber da er nicht abgetötet werden konnte, konnte er zumindest pervertiert und beschmutzt werden. Warum das notwendig war, verstand er nicht, aber es gab keinen Grund, sich darüber zu wundern. Was die Frauen betrifft, ist die Partei ziemlich erfolgreich“, schrieb Orwell in 1984.

Der neue Roman wird „Julia“ heißen. Die Heldin ist stark, fortschrittlich und eher geneigt, die Regeln zu brechen als bei Orwell. Alles ist neu. Kulturelle Spielchen mit der Geschlechtsidentität und schnelle Wechsel des Aussehens, wie bei einem Karneval in Venedig, sind im Westen seit einigen Jahren an der Tagesordnung. Und natürlich ist das Kino eine fruchtbare Kunstform dafür. Remakes, bei denen die männlichen Protagonisten technisch durch Frauen ersetzt werden, gibt es immer mehr. Der Erfolg ist nicht garantiert, aber sie sind gewollt.

Vor fünf Jahren wurde „Ghostbusters“ neu aufgelegt. Das Quartett von Männern, die Spaß daran hatten, alle möglichen paranormalen Dinge zu fangen, wurde durch Frauen ersetzt. Der Film ist an den Kinokassen gefloppt.

Aus „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“, gespielt von den brillanten Michael Caine und Steve Martin, wurde vor zwei Jahren zu „Zwei hinreißend verdorbene Schurkinnen“ mit der brünetten Anne Hathaway und dem fröhlichen dicken Mädchen Rebel Wilson. War nicht allzu gut.

„Die Schöne und das Biest“ steht auch unter dem Druck der kulturellen Modernisierung. In einem Theater in Maryland wurde eine neue Version des Märchens uraufgeführt. Allerdings lautete erste Frage des Publikums natürlich: Und wer ist hier die Schöne? Immerhin wurde die Rolle des jungen Mädchens Belle, das mit ihrer Güte und Liebe ein schreckliches Monster von einem Fluch befreit, an das dunkelhäutige und lesbische Plus-Size-Model Jade Jones vergeben. (Anm. d. Übers.: Da das so abstrus und unglaublich ist, zeige ich hier ein Bild der „Schönen“ aus der Aufführung)

Der Mann wird in der Aufführung so weit wie möglich gedemütigt – heraus kommt ein Schläger mit Bergziegenhörnern und aus irgendeinem Grund mit einem Holzbein. Das Holzbein soll ein Zeichen von Monstrosität sein, aber wo bleibt Ihre Inklusivität? Die „modernisierte“ Belle wiegt drei Zentner, aber sie fühlt sich auf der Bühne absolut nicht deplatziert. Dafür fühlten das die Zuschauer, die sich daran gewöhnt haben, dass Belle wie in dem Disney-Zeichentrickfilm ist. Oder wie in der französischen Verfilmung des Märchens, in der Lea Seydoux in der Rolle der Belle zu sehen ist. Die amerikanische Belle des Jahres 2017 war Emma Watson. Die moderne amerikanische Belle hingegen ist eine body-positive Lesbe, die stolz darauf ist, das „nie dagewesene“ getan zu haben.

„Ich habe noch nie jemanden wie mich auf der Bühne in einer solchen Rolle gesehen, von der man träumt. Ich denke, das ist wichtig, schließlich gibt es uns. Ich habe das Gefühl, dass wir sogar in der Kunst ‚ausradiert‘ werden“, sagte Jones.

Aber wie kann man etwas aus der Kunst auslöschen, das es da nie gegeben hat…?

Ein weiteres Beispiel für Geschlechterspiele in der Kultur ist die Debatte über die Fortsetzung der Bond-Filme. Nachdem James Bond in der letzten Folge endlich getötet wurde, erwarteten viele Menschen, auch wir, logischerweise, dass der nächste 007-Agent eine schwarze Frau sein würde, vorzugsweise eine Lesbe oder sogar eine transsexuelle Lesbe, um alle kulturellen Kompromisse loszuwerden. Es gab sogar Spekulationen, dass Bond von der britischen Schauspielerin jamaikanischer Abstammung Lashana Lynch gespielt werden könnte, die sich nahtlos in die Handlung der letzten Bond-Episode, „Not Time to Die“, einfügte. Aber nein, wir sind alle zu oberflächlich.

Vielleicht wird Lashana Bond spielen, aber nicht unbedingt als Frau. Und auch nicht unbedingt Lashana. Zumindest schloss die Produzentin der Bond-Filme, Barbara Broccoli, auf Nachfrage von Reportern nicht aus, dass der 007-Agent zu einer nicht-binären Figur werden könnte, wenn der richtige Schauspieler an seiner Stelle besetzt wird“. Der modische Begriff „nicht-binäre Menschen“ bezieht sich auf diejenigen, die sich nicht entscheiden können, ob sie männlich oder weiblich sind. So wird das Publikum auch nicht feststellen können, ob der Held in diesem Fall Bond, ein Mann oder eine Frau ist. Und warum sollte uns das interessieren? So sind die Trends.

Kultur ist mehr als Literatur, Theater und Kino. Die ganze explosive Mischung, die jetzt die Bücher, Bühnen und Bildschirme füllt, wird auf das reale, eher prosaische Leben projiziert. Daher die Überraschungen. In Schottland beispielsweise hat die Polizei das Recht eines Vergewaltigers anerkannt, sich bei der Vernehmung nach eigenem Wunsch als Mann oder Frau auszugeben. Na und? Das ist Freiheit! Es ist von Vorteil, sich als Frau zu präsentieren. Erstens können andere Mitleid mit Ihnen haben. Zweitens kann der Vergewaltiger verlangen, dass er in ein Frauengefängnis eingewiesen wird. Und das alles ist kulturell bedingt. Joan Rowling machte sich darüber lustig, indem sie die Kette des Doppeldenkens aus Orwells Roman 1984 fortsetzte: „Krieg ist Frieden. Freiheit ist Sklaverei. Unwissenheit ist Macht. Ein Vergewaltiger mit einem Schwanz ist eine Frau.“

Da sind wir nun…

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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