Ukraine

Kiew beschießt Wohngebiete und verlegt Panzer in den Donbass

Da die Berichterstattung über die Ukraine in Deutschland allgemein bekannt ist, will ich hier vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Krise zeigen, wie in Russland darüber berichtet wird.

Ich halte es für wichtig, dass man bei einem Konflikt die Argumente und Ansichten beider Seiten kennt. Da die deutsche Berichterstattung über die Lage in der Ukraine jedem Interessierten bekannt ist, übersetze ich Berichte des russischen Fernsehens, damit sich Interessierte in Deutschland beide Seiten anhören können.

In den Abendnachrichten des russischen Fernsehens gab es am Montag einen kurzen Bericht über die Lage im Donbass, dazu gehörte auch ein Korrespondentenbericht. Ich habe den kurzen Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt und empfehle, ihn zusammen mit meiner Übersetzung auch anzuschauen, denn so ist er auch ohne Russischkenntnisse verständlich.

Beginn der Übersetzung:

Der Donbass stand heute erneut unter Beschuss der ukrainischen Streitkräfte. Zwei Häuser in der Nähe von Gorlowka wurden beschädigt. Und der Geheimdienst der DNR (Anm. d. Über.: Donezker Volksrepublik, LNR ist die Lugansker Volksrepublik) sagt, dass in den kommenden Tagen eine Delegation des amerikanischen Militärattachés die ukrainischen Streitkräfte an der Kontaktlinie besuchen wird, was die Gefahr neuer Provokationen bedeutet.

Aus dem Donbass ein Bericht unseres Korrespondenten.

Die Streitkräfte der Ukraine beschießen die Gebiete der Republiken täglich.

Jetzt sind wir in Gorlowka. Dies ist ein Ort an der Front, zu den Positionen der ukrainischen Streitkräfte sind es noch etwa 700 Meter. Von dort aus wurde aus einer BMP 1 gefeuert. Und das ist das Loch in der Wand eines Wohnhauses, das von einem 73-Millimeter-Geschoss verursacht wurde, auf dieser Straße wurden drei Häuser beschädigt.

Der Ortsteil Gagarin-Mine wird täglich von den ukrainischen Streitkräften beschossen.

Ludmila , eine Rentnerin, war zum Zeitpunkt des Beschusses zusammen mit ihrer Schwiegertochter und Enkelin zu Hause.

„Ich war im Haus. Das ist nicht das erste Mal. Erst im Herbst haben wir die Fenster für den Winter neu gemacht, wir haben gedacht, man könnte wieder normal leben, aber jetzt ist die Wand wieder beschädigt“, beklagt Ludmila Amahanko, eine Bewohnerin von Gorlowka.

Wegen dem verstärkten Beschuss in den Frontbereichen versucht man jetzt, die Menschen in Sicherheit zu bringen.

In allen öffentlichen Einrichtungen, einschließlich der Schulen, wurden die Bunker geöffnet. Und egal wie beängstigend es klingt, aber heutzutage müssen die Kinder des Donbass oft hinabsteigen.

Die Schule Nummer 6 befindet sich am Stadtrand von Gorlowka, nur wenige Kilometer von der Kontaktlinie entfernt.

„Sie schießen oft. Dann müssen wir hier im Bunker bleiben. Wir gehen mit den Kindern runter, wir wissen, wie wir uns verhalten müssen“, sagt Evgenia Bugorskaya, die Schulleiterin.

Städte und Gemeinden werden zunehmend mit Waffen beschossen, die nach dem Minsker Abkommen verboten sind. Kiew unternimmt nach Ansicht der Führer von LNR und DNR alles, um den Konflikt in eine heiße Phase zu bringen.

„Heute kann man feststellen, dass die Streitkräfte der Ukraine über genügend Kräfte und Mittel verfügen, um umfassende Kampfhandlungen zu beginnen. Wir unsererseits sind sicherlich auf jede Entwicklung der Ereignisse vorbereitet“, sagte Denis Puschilin, Regierungschef der Volksrepublik Donezk.

Der Schutz vor technischen Aufklärungseinheiten wurde bei den Positionen der DNR ebenfalls verstärkt.

„Am 4. April versuchte der Gegner erneut, Minensprengbarrieren vor unseren Stellungen im Gebiet der Siedlung Shuma zu auszuspionieren. Unsere Verteidiger waren gezwungen, reguläre Waffen einzusetzen. Die Leiche eines Soldaten der ukrainischen Streitkräfte wurde bei einer Inspektion des Minenfeldes von unseren Minenspezalisten gefunden“, sagte Eduard Basurin, ein Sprecher der Volkspolizei der DNR.

Allein seit Jahresbeginn haben die ukrainischen Streitkräfte mehr als 400 Mal gegen die Waffenruhe verstoßen. Neunzehn Soldaten und zwei Zivilisten, darunter ein fünfjähriges Kind, wurden getötet.

Ende des Korrespondentenberichtes, es spricht wieder der Nachrichtensprecher.

Was das betrifft, was auf der anderen Seite der Demarkationslinie geschieht, so kamen diese Bilder heute von dort. Nach Angaben der Urheber des Videos bewegt sich der Zug mit Panzern von der Region Dnipropetrowsk in Richtung Donbass.

Wenn dem so ist, bestätigen die Aufnahmen einmal mehr Kiews Fokus auf eine Verschärfung der Lage. Doch seine westlichen Kuratoren und vor allem Washington, kümmern sich wie üblich um etwas anderes, nämlich die Bewegung von Truppen auf dem Territorium Russlands.

Wie unser Außenministerium heute festgestellt hat, hat Moskau seinen amerikanischen Amtskollegen bereits geraten, ihre Aufmerksamkeit auf Kiew zu richten, das sich nicht nur nicht an das Minsker Abkommen hält, sondern das Abkommen zunehmend offen negiert.

In der Ukraine wird das Schweigen des Westens wie üblich für Unterstützung gehalten. Verteidigungsminister Andrej Taran hat das Land bereits als mächtigen östlichen Außenposten der NATO bezeichnet. Offenbar, um deutlich zu machen, dass er im Namen des Bündnisses handelt.

Ende der Übersetzung


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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

5 Antworten

    1. Das liegt in der Hand der ukraine, dessen Militär und deren freiwilligen Nazibataillonen. Und natürlich liegt das alles übergeordnet in der Hand der usa! Ich hoffe, es bleibt bei „Urlaubern“, denn ansonsten könnte es sich zu einem Flächenbrand ausweiten, der auch schnell über Europa bis zum Atlantik hinwegfegen könnte. Hoffen wir das Beste!

  1. Wie 1939, als die Polen seit Ende des 1. WK unter Wohlgefallen von Frankreich und England die Deutschen traktierten. Manche Hintergrundmächte brauchen eben von Zeit zu Zeit einen Weltkrieg.

  2. Bei RIA Nowosti war heute zu lesen, dass im Raum Rostow umfangreiche Konzentrationen von Truppen zu sehen waren. Ich hoffe jedenfalls, dass die russische Seite vor allem den USA klarmacht, dass Russland zum Schutz seiner Staatsbürger im Donbass auf jeden Fall eingreifen wird, um diese zu schützen und die USA wissen, dass ein ukrainischer Angriff in einem Desaster für die Ukraine enden wird und es auch keinen Pardon für US/NATO-Instrukteure geben wird! Eine andere Sprache versteht man in den USA ohnehin nicht. Die neuen Sanktionen gegen Russland sind doch sowieso schon beschlossene Sache und es wird doch nur noch auf den Anlass gewartet, sie zu verhängen. Vor diesem Hintergrund braucht Russland auch keine Rücksichten mehr nehmen, denn die USA sind doch fest entschlossen, die Ukrainer zu verheizen!

    1. Ja dem kann ich mich anschliessen! Russland sollte klar Zeigen zeigen, dass sie den Schutz ihrer Bürger genauso wichtig nehmen, wie es auch die Amis tun! Und unmissverständlich und glaubwürdig auf die Konsequenzen hinweisen! Es ist inakzeptabel, dass US Raketen in der Ukraine stationiert werden!! Lernen von: John F. Kennedy, Kuba Krise…

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