Der Spiegel und die Wahrheit

Lässt Spiegel-TV in seinen Reportagen Schauspieler die gewollten Narrative in die Kamera sprechen?

In Spiegel-TV-Reportagen kommen immer wieder die gleichen Leute als angeblich zufällige Passanten zu Wort. Das will ich hier, zusammen mit einer Bitte an die Anti-Spiegel-Leser um Mithilfe, aufzeigen.

Ich sage es immer wieder: Der Anti-Spiegel hat die besten Leser der Welt, denn viele Hinweise auf interessante Themen bekomme ich von Lesern zugeschickt. So auch heute: Ein Leser hat mir eine Mail mit zwei Reportagen von Spiegel-TV geschickt, in denen der gleiche Mann das in die Kamera sagte, was die Spiegel-Redaktion hören will. Das werde ich gleich aufzeigen, habe aber auch eine Bitte an die Leserschaft des Anti-Spiegel: Achten Sie bei Spiegel-TV-Reportagen darauf, ob sie diesen Mann (oder andere derartige Beispiele) auch in anderen „Reportagen“ des Senders finden.

Spiegel-TV im Februar

Am 2. Februar 2021 hat Spiegel-TV eine Reportage online gestellt, die den Titel „Die Impfgegner: Zwischen Angst, Unwissenheit und Fake-News“ trägt.

Die „Reportage“ von Spiegel-TV hat das wenig überraschende Narrativ, dass alle Impfgegner wahlweise Spinner oder Menschen sind, die Spinnern auf den Leim gegangen sind. Dazu wird das übliche Instrumentarium benutzt: Man zeigt eine Auswahl von wenig überzeugend wirkenden Menschen und ihren Aussagen, die gegen die Impfungen sind, die Pandemie für Fake halten und stellt denen immer wieder sehr seriös anmutende Menschen gegenüber, die überzeugend darlegen, warum die Pandemie gefährlich und Impfungen ganz toll sind. Das Muster solcher Propaganda-Sendungen ist bekannt.

Und nun kann man sie auch ganz offen als „Propaganda-Sendungen“ bezeichnen, denn sie nutzen Propaganda-Stilmittel. Bei Minute 7,57 kommt jemand zu Wort, der als zufällig anwesender Mensch bei einer Anti-Corona-Demo dargestellt wird und der – natürlich ebenfalls überzeugend und gut artikuliert – sagt:

„Es ist respektlos. Es ist achtlos gegenüber den ganzen Menschen, die gegen die Pandemie ankämpfen. Es ist… Ich finde keine Worte für die NS-Vergleiche, die gestellt werden, zwei, drei Tage nach dem Holocaust-Gedenktag.“

Hier ist ein Screenshot mit diesem „zufälligen“ Passanten, den wir gleich noch einmal treffen werden.

Spiegel-TV im Mai

Am 21. Mai hat Spiegel-TV eine Reportage online gestellt, die den Titel „Protest-Wahnsinn (2): Ein ganz normaler, verrückter Demo-Samstag in Berlin“ trug und in der über mehrere Demos an einem Tag berichtet wurde.

Bei der ersten gezeigten Demo ging es um den Protest von Gegnern der israelischen Bombardierung des Gazastreifens. Auch hier ist das Narrativ wenig überraschend: Die Protestler gegen das israelische Vorgehen, bei dem Gaza gerade über eine Woche von Israel bombardiert wurde, wobei fast 100 Frauen und Kinder gestorben sind, sind radikale Spinner und vor allen Antisemiten. Dabei nutzt der Spiegel Stilmittel, die er bei anderen als ausländerfeindlich, rassistisch oder schlicht als „Nazi“ bezeichnen würde.

So zeigt die Reportage in der ersten Minute einen Mann und der Sprecher von Spiegel-TV beklagt, der Mann würde die Presse behindern. Der Mann beschwert sich dagegen, gefilmt zu werden und der Spiegel untertitelt seine Aussagen:

„Wer hat Dich erlaubt? Ich möchte das nicht.“

Der Spiegel käme nie auf die Idee, die Aussagen von Flüchtlingen, die schlecht Deutsch sprechen (für die er aber Sympathie wecken möchte), so zu untertiteln und ihre Fehler in die Untertitel zu übernehmen. Deren Fehler kann man nur hören, aber die Untertitel sind in den entsprechenden Reportagen über Flüchtlinge in Deutschland natürlich in korrektem Deutsch geschrieben.

Aber wenn der Spiegel suggerieren will, dass der Mann „böse“ ist, wird zu derartigen Stilmitteln gegriffen, um dem Leser unterbewusst negative Assoziationen zu vermitteln. Das ist ein Propaganda-Stilmittel in Reinkultur.

Als Abwechslung kommt in der Reportage dann ein kurzer Teil über eine andere und friedliche Demo von Lateinamerikanern am gleichen Tag, damit der sich Zuschauer nach all den aggressiven Palästinensern etwas beruhigen kann.

Anschließend kommt wieder die unvermeidliche Corona-Demo und natürlich wieder das bekannte Narrativ. Wieder werden Gegner der Corona-Maßnahmen gezeigt, die nicht allzu überzeugend rüberkommen und auch der Verweis auf einen Demonstranten mit Judenstern darf nicht fehlen. Der Zuschauer von Spiegel-TV darf nicht vergessen: Kritiker der Corona-Politik sind Nazis, oder zumindest verharmlosen sie die Nazis. Das Narrativ ist immer das gleiche.

Und dann zeigt Spiegel-TV bei Minute 3.44 wieder einen Mann, der die gewollten Narrative eloquent in die Kamera erzählen kann. Und – oh Wunder – es ist der gleiche „zufällige“ Passant, der Spiegel-TV schon dreieinhalb Monate zuvor bei der anderen Corona-Demo „zufällig“ vor die Kamera gelaufen ist. Dieses Mal sagt er zur Freude der Spiegel-Redaktion:

„Zum ersten Mal habe ich wirklich so einen Stern gesehen. Sowas habe ich vorher nur auf Bildern gesehen. Aber er läuft damit rum und er versteht noch nicht einmal, was daran anstößig ist. Er versteht das nicht!“

Hier das Foto zum Vergleich.

Propaganda ist Programm

Wenn all das, was der Spiegel und all die anderen „Qualitätsmedien“ verbreiten wahr und Mehrheitsmeinung ist, wozu dann eine solche offensichtliche Manipulation? Wozu werden Schauspieler, oder Mitarbeiter der Redaktion, oder wer auch immer den Zuschauern als zufällige Passanten verkauft? Das hat mit Berichterstattung nichts zu tun, der Fachbegriff dafür lautet „Propaganda“. Im Volksmund ist der Ausdruck dafür „Verar***ung“.

Aber so funktioniert „Qualitätsjournalismus“ heute in Deutschland.

Nun nochmal zu meiner Bitte: Sollte es unter den Lesern des Anti-Spiegel jemanden geben, der leidensfähig genug ist, weitere Spiegel-TV-Reportagen zu sichten und nach diesem Mann oder anderen mehrfach auftretenden Leuten zu durchforsten, wäre ich für weitere Hinweise dankbar. Und sollte ich mich geirrt haben und es handelt sich bei dem Mann in Wahrheit um zwei verschiedene, sich nur sehr ähnlich sehende Männer, bitte ich auch um entsprechende Hinweise.

Nachtrag: Lesen Sie auch die Kommentare unter diesem Artikel. Anti-Spiegel-Leser scheinen den „zufälligen Passanten“ anhand seines Twitter-Accounts identifiziert zu haben. Demnach handelt es sich um jemanden, der seine Zeit damit verbringt, sich über die Kritiker der Corona-Maßnahmen der Regierung lustig zu machen und der natürlich ein dankbarer Statist für Spiegel-TV ist. Das allerdings ist dann definitiv kein Journalismus mehr, sondern eine inszenierte Täuschung der Zuschauer.

Aber haben wir aus dem Hause „Spiegel“ etwas anderes erwartet?


Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen „Spiegleins“ lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

17 Antworten

  1. Den Verdacht, daß es immer die gleichen Leute sind – die in die Kamera „sprechen“ hatten wir schon lange… – der gleiche linientreue Sermon ( aber niemals Kritik! ) und ein ähnliches Aussehen… – doch was mir als multi-lingualem Menschen ebenfalls aufgefallen ist, daß bei Reportagen aus dem fremdsprachigen Raum gerne die „Übersetzung“ gefälscht wird – denn die stimmt oftmals nicht mit dem Gesagten überein… – ich spreche deutsch, englisch, russisch, spanisch und rumänisch fast fließend, sowie noch einige Sprachen wie z.B. italienisch und französisch verstehend… 😀

    1. Selbst bei solchen „geläufigen“ Sprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch gibt es oft hanebüchene Übersetzungen in der Qualitätspresse. Mir ist in diesem Zusammenhang ein Beitrag aus Südamerika (öffentlich-rechtliches Fernsehen) im Gedächtnis geblieben, bei welchem offenkundig die deutsche Übersetzung nur einen Bruchteil so lang war wie das spanische Original. Da wird passend gemacht, was passend sein soll 😉

  2. Der Spiegel setzt Laienschauspieler ein, die über Darstelleragenturen geholt werden wie z.B. agentur wanted.
    Vielleicht schafft es der Eine oder Andere über Gesichtersuche den Typen und seinen Namen zu finden.
    Dann sollte man ihn auf Darstellerbörsen suchen.

    Der Spiegel bedient sich gerne mal von den Agenturen, die sein Kooperationspartner RTL benutzt.
    Man könnte also auch im Abspann der Spiegel Reportagen, Dokus und RTL-Scripted Reality Sendungen nach den Agenturen schauen.

    Dann hätte man schon mal etwas auf der Hand um dann nähergehend nach solchen Darstellern in den Spiegel-Reportagen Ausschau zu halten.

  3. Dass er im zweiten Video einen Presseausweis trägt erhärtet den Verdacht.

    Vielleicht hat er diesen aber auch unabhängig vom Spiegel, z.B. falls es tatsächlich Ansar ist, wie #comment-21314 mitteilt. Dann wäre die Wahrscheinlichkeit, dass der Spiegel ihn tatsächlich zufällig mehrmals trifft, erhöht.

  4. Hallo. Mir ist dies auch bei dem Nach-richten Sender Welt auf gefallen. Da war eine blonde junge Dame eine Zeit lang öfters zusehen. Es kam mir komisch vor. Hab das aber nicht weiter verfolgt. Scheint also kein Einzelfall zu sein.

  5. Diese Stielmittel werden schon seit Jahren verwendet. Entweder erzählen Schauspieler das was man hören will oder es werden aus einer Reihe von befragten Personen die rausgesucht, die das gewollte sagen. So können auch Schauspieler als Querdenker auftreten und bewusst dumm die Ansichten der Querdenker vertreten. Das auch bei den ÖR auch in den Nachrichten. Alles nur Propaganda.

  6. Somit ist leicht zu verstehen, dass die Gelder, die von den Abonnenten kommen, nicht mehr so wichtig sind. Man sicherlich andere Quellen. Es müssen nicht immer nur die 2,5 Millionen von Gates sein!

  7. Nach längerer Suche konnte ich diese schmierige Type auf einem Live Stream von Ignaz Bearth wiederfinden. Er fiel mir am Sonntag überaus negativ auf, als er zum Ende der Demo im Treptower Park in Berlin die Leute auf widerwärtigste Art trollte (kann man nicht anders sagen). Jetzt wo ich weiß, dass das einer von der Relotius-Gang ist, macht alles auf einmal Sinn…

    Schaut mal im untenstehenden Livestream Link ab der 7 Std 50 Minuten Marke. Der geschniegelte Schnösel in schwarzer Lederjacke und Blue Jeans, der zun

    https://dlive.tv/p/ignazbearth+vCH0nTqGg

  8. Ich erinnere mich, dass im Umfeld der Berichterstattung zu 9/11 auch später Leute identifiziert werden konnten (also i.d.R. nicht namentlich, sondern eher nur „wiedererkannt“), die in mehreren Interviews live for Ort auftauchten. Einer erzählte z.B. kurz nach dem Einsturz des ersten WTC-Towers, dass es sicher die strukturellen Schwächen der Stahlkonstruktion waren, die der Einschlag und das Feuer ausgelöst hatten, wodurch der Tower einstürzte. Wenn ein Passant das in wenigen Minuten rauskriegt – wieso braucht NIST dann zwei Anläufe mit Erklärungen, die jeglichen Naturgesetzen Hohn sprechen … nur um auf dasselbe hinaus zu laufen? Der Mann sollte sofort einen Nobelpreis für Physik bekommen, denn er hat vermutlich als erster überhaupt das einmalige, nur an diesem Tag aufgetretene Versagen des Impulserhaltungssatzes und des Energieerhaltungssatzes auf die (politisch) korrekte „Ursache“ zurück geführt! Chapeau!! 😉

  9. …der zunächst die Leute umkreist und filmt, nur um später mit dem Rad zurück zu kommen, und die Anwesenden zu provozieren und in eine grenzdebile, nervenaufreibende „Diskussion“ zu verwickeln.

    Das ist doch glasklar derselbe Heini, oder?? Hätte gerne Screenshots beigefügt, aber das kann ja ggf. das geschätzte Anti-Spiegel Team machen.

    Mit besten Grüßen,

    ein wachsamer Beobachter

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