Pelosi: „Es waren die Russen!“ – Wie in Russland über die Situation in den USA berichtet wird

Wonach die deutschen „Qualitätsmedien“ nicht fragen, danach fragen die russischen Medien: Warum war das Kapitol trotz vorheriger Warnungen nicht besser geschützt?

Obwohl vieles darauf hindeutet, kann man noch nicht sicher sagen, dass die Erstürmung des Kapitols eine False-Flag-Operation mit Hilfe der Antifa war. Allerdings deutet darauf vieles hin, denn trotz vieler Warnungen, die die Polizei des Kapitols im Vorwege bekommen hat, wurde die Bewachung des Kapitols nicht verschärft und es wurden keine zusätzlichen Sicherheitskräfte nach Washington geschickt, obwohl nicht nur die Medien schon Tage vor der angekündigten Demonstration mit Gewalt gerechnet haben.

Auch die Chronologie der Nacht spricht dafür, dass es eine von Trumps Gegnern gelenkte Aktion mit gewollter Eskalation war, denn anstatt Trumps Aufrufe an die Demonstranten, friedlich nach Hause zu gehen, zu veröffentlichen, haben die sozialen Netzwerke sie gelöscht und Trumps Accounts gleich mit. Wer in der Nacht an einer Deeskalation interessiert gewesen wäre, hätte die Aufrufe zumindest in der Nacht online gelassen und – wenn denn unbedingt nötig – erst am nächsten Morgen gelöscht.

Und wenn man sich die Frage stellt, die sich jeder Kriminalermittler täglich bei seiner Arbeit stellt, nämlich die Frage nach dem Motiv und wer von den Ereignissen profitiert hat, dann wird noch deutlicher, dass nicht Trump, sondern seine Gegner von den Ereignissen des 6. Januar profitieren. Wer der Logik der „Qualitätsmedien“ und westlichen Politiker folgt, muss Trump für einen ausgemachten Idioten halten, der zuerst einen Putschversuch macht, nur um ihn dann unmittelbar nach Beginn in mehreren Aufrufen abzublasen.

Aber halt: Darüber, dass Trump die Leute aufgefordert hat, friedlich nach Hause zu gehen, haben die „Qualitätsmedien“ ja nicht berichtet – wieder ein schönes Beispiel für Lückenpresse und ihre Wirkung.

Russische Medien stellen daher andere Fragen, als etwa deutsche Medien, wie dieser Bericht des russischen Fernsehens zeigt, den ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

In den Vereinigten Staaten haben die Demokraten nur neun Tage vor Joe Bidens Amtseinführung eine Resolution zur Amtsenthebung von Donald Trump ins Repräsentantenhaus eingebracht. Wegen angeblicher Anstiftung zum Aufstand wollen sie Trump künftig von Staatsämtern ausschließen. Gleichzeitig wurde Vizepräsident Pence ein Ultimatum gestellt, innerhalb von 24 Stunden zu entscheiden, ob er bereit ist, die Macht selbst zu übernehmen und den 25. Verfassungszusatz zu nutzen, um das Staatsoberhaupt wegen Amtsunfähigkeit von der Macht zu entfernen.

Aus den USA berichtet unser Korrespondent.

Ihre Gesichter sind permanent auf den Bildschirmen. Fotos von denen, die das Kapitol stürmten, werden stündlich im Fernsehen gezeigt. Das FBI bittet jeden sich zu melden, der die Menschen auf den Fotos erkennt. Für Informationen werden zweitausend Dollar versprochen.

„Dutzende von denen, die das Kapitol gestürmt haben und an seinen Mauern waren, sind auf freiem Fuß“, sagte ein ABC-Reporter.

Die Amerikaner verraten sie mit Vergnügen: Mehr als 40.000 Nachrichten mit Informationen über Rebellen sind beim FBI eingegangen. Das ging so weit, dass eine Tochter ihre Mutter, ihren Onkel und ihre Tante gemeldet hat, die in der Hauptstadt für Trump demonstriert haben.

„Die Demonstranten haben das Kapitol gestürmt und die Polizei hat mich vom Podium geholt. Ich sagte ihnen, dass ich hier bleiben wollte, aber sie haben darauf bestanden, dass ich gehen musste. Sie haben diese Tür aufgebrochen. Sie haben sie einfach eingeschlagen“, sagte Pelosi.

Ein Laptop und Papiere sind aus ihrem Büro verschwunden. Ihr Spiegel ist immer noch kaputt, aber das prominente Mitglied der Demokratischen Partei schaut nicht in den Spiegel, wenn sie die Schuldigen benennt.

Der amerikanische Aufstand ist auf Befehl aus Moskau geschehen, überzeugt Pelosi die Zuschauer in einem der meist gesehenen Programme des nationalen Fernsehens. Das Prinzip ist einfach: Trump hat die Menge zum Kongress geschickt, und Trump wird vom Kreml gesteuert:

„Ich weiß nicht, was die Russen über Präsident Trump haben, etwas persönliches, politisches oder finanzielles. Es gibt keine andere Erklärung dafür, warum der Präsident der Vereinigten Staaten so sehr Putins Diener ist“, sagte Nancy Pelosi, Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses.

Trump soll mit dem 25. Verfassungszusatz seines Amtes enthoben werden. Dazu muss das Kabinett den Präsidenten mehrheitlich als amtsunfähig anerkennen, damit die Macht an den Vizepräsidenten übergeht.

„Ich bitte den Vizepräsidenten, bitte machen Sie den nächsten Schritt. Tun Sie, wozu Sie verpflichtet sind, schützen Sie Amerika. Stehen Sie für die Demokratie ein und nutzen Sie den 25. Zusatzartikel“, sagte Carl Reisin, Generalstaatsanwalt von Washington D.C.

Mike Pence steht von allen Seiten unter Druck. Die Demokraten im Kongress haben ihm ein Ultimatum gestellt: Entweder nimmt er Trump innerhalb von 24 Stunden die Macht ab oder Trump erwartet ein Amtsenthebungsverfahren, das zweite. Das hat es in der amerikanischen Geschichte noch nie gegeben.

Der Entwurf mit den Anschuldigungen ist fertig. Dem Hausherrn des Weißen Hauses wird vorgeworfen, vorsätzlich zu Gewalt gegen die US-Regierung angestiftet zu haben.

Obwohl Trump nur neun Tage bis zum Ende seiner Amtszeit bleiben, ist es das wichtigste, das Amtsenthebungsverfahren zu beginnen, um ihn nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus seines Postens zu berauben. Die Wichtigste, was die Demokraten erreichen wollen, ist ein lebenslanges Verbot für Donald Trump, Regierungsämter zu bekleiden, damit er 2024 nicht mehr für das Präsidentenamt kandidieren kann.

„Das würde ihn daran hindern, wieder ein Bundesamt zu bekleiden. Wie kann man sicherstellen, dass diese Person – wegen dem, was er am Mittwoch getan hat – nie wieder ein öffentliches Amt bekleidet?“, fragte ein Journalist. „Ich denke, es wäre das Beste für das Land, wenn der Präsident so schnell wie möglich selbst abtritt“, sagte Pat Toomey, ein republikanischer US-Senator, dem Sender NBC.

Republikaner, die den Rücktritt ihres eigenen Präsidenten befürworten, sind für die liberalen Medien ihr Gewicht in Gold wert.

Pat Toomey wurde von allen zitiert. Aber der Politiker hat einfach nichts zu verlieren. 2022 will er nicht wieder in den Senat gewählt werden und er muss sich nicht gegenüber den Wählern verantworten.

Andere müssen damit rechnen, dass ihre Unterschrift unter Trumps Amtsenthebungsverfahren ihre eigene Karriere beenden wird. Der Wähler vergibt nicht.

„75 Millionen Amerikaner, die für Präsident Trump gestimmt haben, wurden als Schurken bezeichnet. Und jetzt wollen die Demokraten den Präsidenten neun Tage vor seinem Ausscheiden aus dem Amt entfernen. Ich sehe nicht, wie ein solcher Schritt das Land einen kann“, sagte Jim Jordan, Mitglied des US-Repräsentantenhauses von der Republikanischen Partei.

Die Medien haben erfahren, dass die Polizei des Kapitols am Vorabend der Erstürmung von allen möglichen Seiten vor der Gefahr gewarnt wurde. Das FBI hat ihnen berichtet, Kollegen aus New York haben angerufen.

Aber in Washington gab es am Tag des Marsches der Tausenden nur 200 unbewaffnete Soldaten der Nationalgarde, die den Verkehr geregelt haben. Die Sicherheit des Kapitols wurde nicht erhöht.

„Warum war die Capitol Police nicht gut vorbereitet, als die Aufständischen in das Gebäude eindrangen? Warum hat die Bundespolizei nicht erkannt, dass das Kapitol das primäre Ziel sein könnte?“, fragte ein NBC-Moderator.

Aus irgendeinem Grund nahm sich nun ein ausgezeichneter Polizist, der am Tag der Erstürmung im Kapitol im Einsatz war, das Leben. Den Grund für den Selbstmord kann niemand erklären.

Gestern wurde ein Kollege von ihm, der nach einem Zusammenstoß mit Demonstranten gestorben ist, mit allen Ehren verabschiedet. In Erinnerung an ihn wurde das Sternenbanner über dem Kapitol und dem Weißen Haus auf Halbmast gesenkt.

Der Ausnahmezustand in Washington wurde bis zum 24. Januar verlängert. Die Ausgangssperre in der Hauptstadt bleibt bestehen, von 18.00 bis 6.00 Uhr darf niemand auf die Straße.

Die Stadtverwaltung hat sich rückversichert. In sozialen Medien wird über einen neuen Marsch der Millionen auf Washington diskutiert. Einer der Termine ist der 20. Januar – der Tag der Amtseinführung von Joe Biden.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Eine Antwort

  1. Aus der Übersetzung:
    Der amerikanische Aufstand ist auf Befehl aus Moskau geschehen, überzeugt Pelosi die Zuschauer in einem der meist gesehenen Programme des nationalen Fernsehens. Das Prinzip ist einfach: Trump hat die Menge zum Kongress geschickt, und Trump wird vom Kreml gesteuert:
    „Ich weiß nicht, was die Russen über Präsident Trump haben, etwas persönliches, politisches oder finanzielles. Es gibt keine andere Erklärung dafür, warum der Präsident der Vereinigten Staaten so sehr Putins Diener ist“, sagte Nancy Pelosi, Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses.
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    Die Russen! Tausend mal gehört und nun zum eintausend-und-einten-mal über die Medien weiterverbreitet. Ich frage mich ob derlei Aussagen gemacht werden, weil sie es einfach nicht besser wissen (tausend mal gehört), oder ob es bewusstes politisches Kalkül ist. Und ich weiss ehrlich nicht was von beidem schlimmer ist.
    Zum einen wäre es Informations- oder kalter Krieg, das kann man Zähne knirschend irgendwie ja noch verstehen. Wenn Politiker aber Enten aufsitzen und diese jahrelang verbreiten wird es schwierig.
    Die Aussage ist auch unlogisch, weil die Eigenwilligkeit Trumps doch ständig beklagt wurde. Ich glaube nicht, dass der als Schosshündchen lange hinhalten würde.

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