Ryanair-Landung in Minsk

Protasewitsch gibt dem weißrussischen Fernsehen ein langes Interview und nennt seine Hintermänner

Der in Minsk verhaftete Oppositionelle Roman Protasewitsch hat dem weißrussischen Fernsehen ein über vierstündiges Interview gegeben, von dem fast eineinhalb Stunden ausgestrahlt wurden.

Protasewitsch hat in dem Interview in allen Details über Interna und Machtkämpfe in der weißrussischen Opposition erzählt, er hat erzählt wer von wem bezahlt wird, wer von wem Anweisungen bekommt und er hat praktisch alle Vorwürfe gegen ihn offen zugegeben. In dem Interview erzählt er zu den Finanzen der Opposition, was er weiß, wobei er immer wieder darauf hinweist, dass er selbst mit den Finanzen der Opposition nichts zu tun hatte, sondern nur mit den Finanzen des von ihm mitgegründeten Telegramkanals Nexta.

Das Interview

Das Interview hat nach Angaben des weißrussischen Fernsehens über vier Stunden gedauert, es wurde jedoch auf knapp eineinhalb Stunden gekürzt, weil dort viel gesagt wurde, was aus ermittlungstechnischen Gründen noch nicht veröffentlicht werden darf. Protasewitsch hat in dem Interview die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zugegeben, es geht dabei um die Vorwürfe, er habe zu den Massenunruhen im letzten Jahr aufgerufen und sie über den Telegramkanal Nexta gesteuert. Er bestreitet hingegen, im Donbass gekämpft zu haben, wie russische und weißrussische Medien gemeldet haben, er bleibt bei seiner Version, er habe dort als freier Journalist gearbeitet.

Außerdem erzählt er immer wieder, dass er in den letzten Monaten Zweifel bekommen hat, dass er in Konflikt mit seinen Mitstreitern geraten ist, weil er – nachdem es im März nicht gelungen ist, die Proteste wieder aufleben zu lassen – der Meinung war, das Spiel sei verloren gewesen. Er behauptet, ihm seien in den letzten Monaten Zweifel gekommen.

Das kann eine Schutzbehauptung sein, weil er natürlich auf Strafmilderung hofft. Andererseits erklärt sich Protasewitsch mit diesen Konflikten, dass er nun geopfert wurde, um als Vorwand für neue Sanktionen gegen Weißrussland zu dienen.

Auch von dem vereitelten Putschversuch hat er gewusst und nach seiner Aussage war er es, der Tichanowskaja angedeutet hat, dass einen gewaltsamen Versuch der Machtübernahme geben könnte. Sie scheint nichts davon gewusst zu haben, dass ihre Berater einen Putsch geplanten hatten.

Es ist kaum möglich, das Interview hier zusammenzufassen, denn es enthielt so viele Details, dass das unmöglich ist. Hinzu kommt, dass da sehr viele Namen aus der weißrussischen Opposition genannt werden, von denen selbst ich nur wenig gehört habe, dem deutschen Leser sind sie komplett unbekannt. Wenn ich versuchen wollte, all die Machtkämpfe – und vor allem die internen Kämpfe um Geld – hier zusammenzufassen, würde das komplett unverständlich und verwirrend werden.

Er hat in dem Interview jedoch mit vielen Namen, Beispielen und Details erzählt, wie die einzelnen Gruppen in der Opposition um die Geldmittel ihrer Sponsoren gekämpft haben. Als wichtigste Sponsoren, die ihm bekannt sind, nennt er Litauen, denn der Staat finanziert Tichanowskaja, stellt ihr Leibwachen, eine Villa und alles zur Verfügung, was sie und ihr Team brauchen. Die in Warschau ansässigen Oppositionsgruppen, zu denen auch der Kanal Nexta oder das „weißrussische Haus“ gehören, werden nach seinen Angaben von Polen finanziert und ausgestattet. Hinzu kommen noch lettische Geschäftsleute, die er jedoch nicht beim Namen nennt. Und dass hinter Tichanowskaja die USA stecken, ist kein Geheimnis, denn ihr wichtigster Berater Franak Viačorka ist Fellow beim Atlantic Councel und hat früher bei den US-amerikanischen Staatsmedien gearbeitet.

Die Opposition hat seine Verhaftung vor seiner Verhaftung gemeldet

Protasewitsch ist im übrigen davon überzeugt, dass er von seinen „Freunden“ geopfert worden ist und dass die Bombendrohung gegen den Ryanair-Flug und die anschließende Landung in Minsk das Werk der Hintermänner der Opposition ist. Der Grund ist leicht zu verstehen: Während noch niemand wusste, dass die Ryanair-Maschine in Minsk gelandet war und Protasewitsch noch im Flughafenterminal auf die Passkontrolle und die zu erwartende Verhaftung wartete, hat Viačorka auf Twitter schon seine Verhaftung in Minsk gemeldet, dazu kommen wir gleich noch.

Die Tatsache, dass Protasewitsch ganz offensichtlich geopfert worden ist, um einen Vorwand für eine neue Medienkampagne gegen Weißrussland und für neue Sanktionen zu bekommen, dürfte ihn dazu veranlasst haben, mit den weißrussischen Ermittlern zusammenzuarbeiten. Erstens dürfte er stinksauer auf seine „Freunde“ sein und zweitens erhofft er sich natürlich Strafmilderung, denn ihm drohen bis zu 15 Jahre Haft.

Auch wenn die meisten Leser kein Russisch verstehen dürften, verlinke ich hier das Interview. Im Westen wird behauptet, Protasewitsch werde gefoltert und bedroht. Auch ohne Russischkenntnisse kann sich der Zuschauer aber ein Bild von der Körpersprache von Protasewitsch machen und sich fragen, ob er aussieht, wie jemand, der unter Druck gesetzt wird. Dazu soll jeder seine Meinung haben, was man aber deutlich sehen kann ist, dass er die ganze Zeit frei spricht. Am Anfang wirkt er noch angespannt, aber er entspannt sich schnell und mit der Zeit diskutiert er immer angeregter mit dem Journalisten, unterbricht und korrigiert ihn.

Протасевич о своих кураторах, самолете Ryanair, Лукашенко, Тихановской, санкциях и бунтах (Eng subs)

Es gab auch einige Überraschungen in dem Interview, so hat Protasewitsch zum Beispiel erzählt, dass auch ein reicher russischer Geschäftsmann die weißrussische Opposition in Polen finanziell unterstützt habe, wobei Protasewitsch spekuliert, dass der Hintergrund ein Machtkampf zwischen russischen Geschäftsleuten war. Man wird abwarten müssen, welche Konsequenzen diese Aussage haben wird, aber dass man sie in Russland sicher interessiert zur Kenntnis genommen hat, darf als sicher gelten.

Das emotionale Ende des Interviews

Am Ende wurde das Interview sehr emotional und musste abgebrochen werden, weil Protasewitsch angefangen hat zu weinen und auch der interviewende Journalist emotional sichtlich mitgenommen war. Der Grund war folgende Frage des Journalisten:

Lassen Sie uns dieses für uns beide nicht einfache Interview mit einer letzten Frage beenden. Ihre Freundin hat ihrem Anwalt geklagt, dass sie jetzt unter Panikattacken leidet. Sagen Sie mir ehrlich, können Sie sich die Panikattacken der Frauen und Kinder derer vorstellen, die sie ins „Scharzbuch Weißrusslands“ eingetragen hat? (Anm. d. Übers.: Sofia Sapega hat in einem Telegramchat mitgearbeitet, der dazu aufgerufen hat, die persönlichen Daten weißrussischer Polizisten zu veröffentlichen, damit Oppositionelle deren Frauen und Kinder bedrohen können. Das hat Protasewitsch in dem Interview auch bestätigt.)
Können Sie sich die Panikattacken der Leute vorstellen, die dank Ihrer Aufrufe an ungesetzlichen Aktionen teilgenommen haben und die nun ernsthafte Probleme mit dem Gesetz haben? Und zwar begründete, denn als die das getan haben, wussten sie, dass sie gegen das Gesetz verstoßen. Sie haben das getan, weil sie dazu aufgerufen und koordiniert wurden, sie wurden im Grunde mit psychologischen Tricks dazu gebracht.
Sehen Sie Roman, Sie sind jetzt mit Sofia im Urlaub gewesen, haben eine Liebesbeziehung, haben Urlaub und Fotos gemacht.
Uns „Propagandisten“ – wie wir genannt werden – fragt man oft „Schlafen Sie ruhig?“ Und ich sage es ehrlich, es schläft sich nicht gut, denn man möchte nicht schlafen, wenn die Menschen gespalten werden und es nicht klar ist, was aus dem Land wird. Das lässt einen oft nicht schlafen, nicht die Angst, nein.
Und Sie? Wie schlafen Sie? Nach all dem?

Bei dem Versuch einer Antwort fing Protasewitsch an zu weinen und auch der Journalist war sichtlich mitgenommen, das Interview wurde dann ausgeblendet und endete nicht mit der für so eine Sendung normalen Verabschiedung und dem Abspann. Der Journalist sagte im Nachspann noch:

Im Grunde habe ich mich heute mit meinem ideologischen Feind getroffen, mit einem Mann der offiziell in die Terrorliste aufgenommen wurde. Aber das Ende des Interviews war emotional völlig unerwartet. Das wird wahrscheinlich viele nachdenklich machen. Das Interview dauerte über vier Stunden, aber leider können wir nicht alle Namen, Ereignisse Fakten vor dem Ende der Ermittlungen offenlegen.

Das russische Fernsehen hat in den Abendnachrichten, die ausgestrahlt wurden, bevor das Interview veröffentlicht war, auch über den Tag berichtet. In dem Beitrag des russischen Fernsehens ging es auch darum, wie die Opposition die Verhaftung von Protasewitsch schon vor seiner Verhaftung gemeldet hat. Daher habe ich den Beitrag des russischen Fernsehens übersetzt und da dort auch die Originaltweets auf Englisch gezeigt werden, empfehle ich, den Beitrag des russischen Fernsehens anzuschauen, denn so kann jeder die Aussagen des Beitrages überprüfen.

Beginn der Übersetzung:

Die weißrussische Regierung reagierte auf die Sanktionen Washingtons gegen den petrochemischen Sektor des Landes. Der US-Vertreter in Weißrussland wurde ins Außenministerium gerufen und ihm wurde mitgeteilt, dass das Personal der US-Botschaft reduziert, die Visaverfahren verschärft und USAID die Erlaubnis zur Arbeit in der Republik entzogen wird.

Unterdessen gab Roman Protasewitsch, der Gründer des in Weißrussland als extremistisch eingestuften Telegrammkanals Nexta, eine Erklärung ab. Er glaubt, dass er aufgrund eines Hinweises seiner eigenen Mitstreiter festgenommen worden sein könnte. Protasewitsch gab seine Beteiligung an der Organisation der Unruhen zu. Was könnte die Folge seines unerwarteten Geständnisses sein? Ein Bericht aus Minsk.

Gegenüber der berühmtesten katholischen Kathedrale in Minsk befindet sich das Untersuchungsgefängnis Nummer 1. Hier wurde Roman Protasewitsch nach seiner Verhaftung untergebracht. Von dort berichtete er zunächst, dass er korrekt behandelt werde und dass er bei den Ermittlungen kooperiere. Jetzt sind die ersten Details darüber bekannt geworden, worin diese Zusammenarbeit besteht.

Protasewitsch sitzt in einem geräumigen Büro. Auf dem Tisch vor dem Blogger liegen verstreut Zigaretten, Streichhölzer und eine medizinische Maske. Was ihm zugestoßen ist, ist eine Folge eines kürzlichen Konflikts mit einem anderen Oppositionellen, so Protasewitsch. Aber der Name wird in den Fragmenten des Verhörs, die das weißrussische Fernsehen veröffentlicht hat, nicht erwähnt. (Anm. d. Übers.: In dem Interview, dass später ausgestrahlt wurde, wurden Namen und Details des Konflikts genannt)

„Das einzige Mal, dass ich geschrieben habe, wie und wohin und mit welchem Flugzeug ich fliege, war 40 Minuten vor dem Abflug in einem Arbeits-Chat, zu dem auch diese Person gehört.“, gestand der Oppositionelle. „Eines der ersten Dinge, die ich dachte, war, dass ich eigentlich einfach reingelegt wurde. Weil ich das nie gesagt hatte und sobald ich es gesagt hatte, war ich in Minsk. Und zwar sofort.“

Überwachungskameras haben um 14:35 Uhr aufgezeichnet, wie der Blogger zusammen mit anderen Passagieren im Terminal steht und auf die Pass- und Zollkontrolle wartet. Niemand ist an ihm interessiert, ebenso wenig wie an seiner Freundin. Hier hält sie an, um sich den Schuh zu binden. Doch genau in diesem Moment schlägt Svetlana Tichanowskajas engster Mitarbeiter, Franak Viačorka, auf Twitter bereits Alarm.

„Das Regime hat einen Ryanair-Flug zur Landung gezwungen, um den prominenten weißrussischen Journalisten Roman Protasewitsch zu verhaften. Ihm droht die Todesstrafe.“, twitterte Viačorka um 14.35 Uhr.

Das bedeutet, dass der Blogger erst festgenommen wurde, nachdem die oppositionellen Kanäle begannen, seine Verhaftung zu melden. Dank ihnen wurde – vielleicht sogar den weißrussischen Geheimdiensten – bekannt, dass Protasewitsch am Flughafen in Minsk war.

„Ich hatte eigentlich ein gutes Verhältnis zu Franak Viačorka, aber in weniger als einer Woche hat sich seine Einstellung zu mir ins Gegenteil verkehrt.“, sagte Protasewitsch. „Er sagte sogar den Satz: Wir werden die weitere Zusammenarbeit prüfen müssen.“

Nun ruft eben dieser Viačorka den Westen auf, um einer guten Zukunft für Weißrussland willen nicht mit Sanktionen gegen das Regime zu geizen.

„Sanktionen sind eines der effektivsten Mittel, um daes Ziel zu erreichen.“, sagt Viačorka.

Swetlana Tichanowskaja führt derweil einen substantiellen Dialog mit Europa und den USA über die Frage, welche Bereiche der weißrussischen Wirtschaft von den nächsten Sanktionen betroffen sein werden. Am 3. Juni traf sie sich mit dem polnischen Präsidenten, sie hat Prag und Berlin vor sich, danach Luxemburg und Washington.

„Sie sind bereit, das vierte Sanktionspaket einzuführen und ein fünftes in Betracht zu ziehen.“, versicherte Tichanowskaja.

Das US-Sanktionspaket trat am Donnerstag dem 3. Juni in Kraft. Es betrifft die Schlüsselbereiche der weißrussischen Industrie, die Öl- und Chemieindustrie.

Europa wird seine restriktiven Maßnahmen bis zum 21. Juni beschließen. Weißrussland ist daran gewohnt, unter Sanktionen zu leben, aber einen solchen Druck hat es noch nie gegeben. Präsident Alexander Lukaschenko hat eine Reihe von Treffen zur industriellen Entwicklung abgehalten.

„Auf uns wurde während des Wahlkampfes auch eingeschlagen – ‚ach, auf der Straße sind Demonstranten, aber Lukaschenko beschäftigt sich mit Pappe.‘ Aber das war ein Investitionsprojekt, ein großes Investitionsprojekt, und wir werden diese schönen Schachteln nun selbst herstellen, anstatt Rohstoffe nach Polen zu liefern und dann die fertigen Produkte zu kaufen.“, sagte Lukaschenko.

Im Westen, wo Protasewitschs Fotos in Flughäfen ausgehängt wurden, kommentiert man seine jüngste Aussage nicht. Die regierungsfeindlichen Telegramm-Kanäle ignorierten die Enthüllungen ihres verhafteten Mitstreiters ebenfalls, der am 3. Juni zur besten Sendezeit im weißrussischen Fernsehen mit einem exklusiven Interview gezeigt wird.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

38 Antworten

  1. Vielen Dank für diesen Bericht. Kleine Korrektur: Nicht Lettland, sondern Litauen.

    Auch seine Ausführungen über seinen Aufenthalt beim Asow-Bataillon im Donbass sind sehr vielsagend. Dass er dort nicht gekämpft haben will, sondern lediglich als Journalist dabei war, klingt ziemlich unglaubwürdig, angesichts der vielen belastenden Indizien. Ich vermute, dass er durch die maximale Zusammenarbeit zum Thema weißrussische Opposition die Verurteilung als Kriegsverbrecher vermeiden will. Er hat im Interview sogar explizit gesagt, dass er das gegen ihn im Donbass eröffnete Verfahren fürchtet und auf eine Protektion durch Lukaschenko hofft.

              1. So sieht es aus. Ich habe den Pispers immer sehr geschätzt. Er hat sich dann irgendwann um die „Flüchtlingskrise“ aus dem Geschäft zurückgezogen und ich nahm einfach an, er wollte sich das Nazietikett ersparen. Nun kam obiges Statement.

                Der Parkwaechter hat die Sache vor einer Weile sehr schön auf den Punkt gebracht:

                „Ich denke, dass die Desillusionierung, die wir derzeit erleben, auch ihr Gutes hat. Wir haben den Intellektuellen, Satirikern und Zynikern viel zu viel Gewicht gegeben – oder zumindest den falschen Stellenwert, denn wer will, darf sich ja durchaus weiter eine DVD aus dem Regal holen und sich an den öffi-preisgekrönten Ergüssen erheitern. Ja, sie haben auch viel Wahres und Geniales produziert. In Wirklichkeit aber nur an der Oberfläche gekratzt und eine fatale Botschaft vermittelt: Wenn man selbst über das Abgründige bei Bier und schicker Bühnenbeleuchtung kichern und sich krummlachen kann – na dann kann’s ja nicht gar so schlimm um uns bestellt sein.“

                https://www.nachrichtenspiegel.de/2021/03/04/wir-sind-erledigt-winselnd-am-boden-warum-wir-trotzdem-dankbar-sein-koennen/

                1. Sehn Sie, da bin ich nun schon etwas nachsichtiger.
                  Er hat aufgehört, und sein Abschlußkommuniqué halte ich für nicht so weltbewegend, eher für eine Art selbst erteilte Generalabsolution oder prophylaktische Rundumverteidigung, zumal man sich gegen eine Instrumentalisierung tatsächlich nicht wehren kann. (Ich möchte da auch mit recht wenig in Verbindung gebracht werden.)

                  Pispers hat in der Vergangenheit auch manchmal ordentlich daneben gelegen, besonders peinlich so Mitte der 2000er mit der Person Putin i.V.m. dem 2. Tschetschenienkrieg .
                  Das sehe ich deshalb etwas nüchterner, weil auch diese Leute letztendlich dem herrschenden „Informationsraum“ unterliegen, damals vieles auch einfach nicht bekannt war, weil Putin hierzulande so richtig öffentlich und damit interessant eigentlich erst ab 2008 i. Zh. m. Georgien gemacht wurde. (Da hatte man auf den „liberaleren“ Medwedew gesetzt, und weil die Ereignisse so gar nicht den Erwartungen entsprachen, die lenkende Hand Putins in den Vordergrund stellen müssen.)

                  Wir sollten auch nicht vergessen, daß sich allein in den 12 Jahren der Informationsraum explosionsartig verändert hat.

                  Und was dieser Parkwächter da verkündigt, ist ja nun banales Geschwätz. (Solchen ausufernden „schöngeistigen Brei“, der vor Eitelkeit und Selbstverliebtheit nur so trieft, indem dann doch immer und immer wieder das Gleiche steht, lese ich nicht mehr), .

                  Man sollte sich schon im Klaren darüber sein, daß „Kabarett“ u.ä. funktional „das Theater“ oder „der Hofnarr“ des Mittelalters sind.

                2. Nun, werter Humml, ob der Pispers Nachsicht verdient mit seiner Wortwahl, ist sehr fraglich.

                  Pispers: „Ich darf bei dieser Gelegenheit allen, die noch klar denken können und nicht irgendwelchen Verschwörungstheorien anheim gefallen sind, versichern, …

                  Aus gegebenem Anlass möchte ich mich an dieser Stelle von allen Coronaleugnern, selbsternannten Querdenkern, AfD-Fans und rechten Extremisten distanzieren.

                  Diese Leute mißbrauchen aus dem Zusammenhang gerissene Zitate und alte Texte, um mich in den asozialen Hetzwerken als vermeintlichen Kronzeugen für Ihre kruden bis kranken Ansichten zu präsentieren.“

                  So so, da haben sich also Menschen verschworen, um seine Texte zum Zwecke der Hetze zu missbrauchen. Offensichtlich kann er auch nicht mehr klar denken, wenn er dieser Verschwörungstheorie aufsitzt.

                3. Nu ja, es sind halt schon begrifflich die, in diesem Zusammenhang üblichen, Standardphrasen.
                  Das kann man durchaus als „Kapitulation“ und „Unterwerfung“ verstehen. Ein Dieter Hildebrandt wäre da möglicherweise nicht so weit gegangen.
                  Nur wie kommen ich dazu, ihn dafür zu verurteilen. Der hat sich Jahrzehnte den Mund fusselig geredet, und es hat nichts gebracht und nichts verhindert – weil, es war ja nur Kabarett, der Hofnarr eben.
                  Ich denke schon, wenn er wirklich dahinter stünde, wäre das Statement etwas länger und in Einklang mit seinem Œuvre ausgefallen.

                4. „Der hat sich Jahrzehnte den Mund fusselig geredet, und es hat nichts gebracht und nichts verhindert – weil, es war ja nur Kabarett, der Hofnarr eben.“

                  Das ist schon etwas, was ich verurteile. Dieses s. g. Kabarett sehe ich halt etwas anders, reine Menschenverdummung und ich habe schon immer gedacht, dass die Leute statt zu lachen zur Mistforke greifen müssten. Pisper hat sich nicht verdient gemacht, aber er hat dabei eine Menge verdient.

                5. Es ist vielleicht auch ein bisschen so wie mit Krücken oder Schwimmflügeln – irgendwann stellt man fest, dass man sie gar nicht mehr braucht. Und möglicherweise nie gebraucht hat.

    1. Dass dieses Milchbübchengesicht mit Waffen Mann-gegen-Mann gekämpft haben soll, fällt einigermaßen schwer zu glauben. Ich kann mir gerade nicht so richtig vorstellen, wie diese halbe Portion im Rambo-Style mit einem MG die feindlichen Reihen ummäht. In meinem Bekanntenkreis sind Leute, die in Afghanistan gekämpft haben. Die sehen definitiv anders aus.

    2. Ich meine das ist nicht von Belang.
      Was mir wichtig erscheint ist das die USA und die Guten im Westen vorgeführt werden. Im Grunde war es abzusehen. Es passiert sonst ja auch.
      Es kann nicht darum gehen einen unbedeutenden Beteiligten wegzusperren.

  2. Ein kräftiger Faustschlag ins Gesicht der „Qualitäts“-Medien – das war schon lange bitter nötig. Und da diese Propaganda-Medien das Interview tunlichst verschweigen werden, nutzen wir selber SIGNAL u.ä., die Wahrheit dennoch unter die Leute zu bringen.

    1. Nene … wäre ja auch zu schön. Die transatlantischen Spindoktoren mit Relotius-Kompetenz zaubern plötzlich den Vater aus dem Hut:

      > „Würde so etwas nie sagen“
      > Staatsfernsehen zeigt Protassewitsch-Interview
      >
      > Plötzlich gibt sich der Regierungskritiker Roman Protassewitsch reumütig und lobt
      > im belarussischen Staatsfernsehen Alexander Lukaschenko. Doch nicht nur sein Vater
      > ist sich sicher, dass der inhaftierte Blogger keinen Sinneswandel durchlebt hat,
      > sondern bedroht wird.

      https://www.n-tv.de/politik/Staatsfernsehen-zeigt-Protassewitsch-Interview-article22595702.html

      1. N-TV: „Das staatliche belarussische Fernsehen hat am Donnerstagabend ein aufgezeichnetes Propaganda-Interview mit dem inhaftierten Regierungskritiker Roman Protassewitsch ausgestrahlt, das offenkundig unter Zwang entstanden ist – und das wir deswegen nicht als Video zeigen.“

        Heißt: Das Video strahlen wir nicht aus, weil es zu offenkundig zeigen würde, dass wir lügen. 😛

        Klar wird Protassewitsch bedroht, nämlich wie jeder Straftäter von einer hohen Haftstrafe, die man durch Geständigkeit verringern kann. Das ist schon ein Zwang, der einem das Maul öffnen kann. 😉

  3. Der liebe Herr Röper redet und redet und redet.
    An eine Wand. Die Medien hören ihn nicht. Nie. Denen ist es völlig Wurst was der regegiert, kombiniert und zusammen denkt. Sie sagen weiterhin Lukaschenko habe das Flugzeug zur Landung gezwungen. Und das Volk will nur eines, dass dieser Despot endlich wegkommt. Und dass Putin Weissrussland «annektieren» will. Am Ende ist dieser noch an allem schuld, würde mich nicht wundern. Die Leute sagen was die Medien sagen, auch die Politiker und Freunde. Und alle glauben was sie sagen, und hören dem Röper weiterhin nicht zu. Bin gespannt wie das weitergeht, zB. mit den Sanktionen.

    1. Jeder trägt mit seinem Tun dazu bei, in einer besseren Welt als dieser leben zu können. irgenndwie muß sich die Menschheit von den ewigen Unruhestiftern, die uns 2 Kriege und mehr aufgehalst haben, befreien. Ich werde aufatmen, wenn die Medien in unseren Händen sind. Eine Gegenöffentlichkeit wurde bereits geschaffen, dazu gehört auch dieser Blog. Dafür kann man nicht genug danken.

      1. „Ich werde aufatmen, wenn die Medien in unseren Händen sind.“

        Ich kann es auch kaum erwarten, dass die Medien in euren Händen ist. Dann werden endlich alle die Wahrheit über Mischvölker erfahren, dass der Angriff auf die SU völlig defensiv war und was Hitlerfreunde sonst noch alles an Wahrheiten griffbereit haben. 😅

        1. 😂😂

          Es gibt in Nordkorea so einen Witz: ein Mann bekommt von seinem Sohn einen Fernseher geschenkt. Schon nach einer Woche gibt er ihn wieder zurück. Der Sohn fragt erstaunt: Warum? Antwort: „ich habe das gleiche Programm jetzt schon fünfmal hintereinander gesehen“.

          1. Der Witz ist gut. Jeden Tag Werbung mit Mischmenschen und in jeder Sendung mindestens 1 Schwuler, die Verherrlichung des Globalismus und was alles sonst noch die uralten 68er auf der Platte hatten.
            Alter stinkender Käse. Und wieder das uralte Totschlag“argument“, Ihr guten Menschen.

  4. Es geht nur noch ums Geld, je mehr gezahlt wird steigt auch die vermeintliche Überzeugung. Diese Leute haben kein Gewissen welches für das eigene Volk nützlich wäre. Wenn der Preis stimmt wird auch schon mal einer geopfert. Das sind mit nichten Oppositionelle, das sind schlichtweg Verräter. Den Protasewitsch sollte man umgehend wieder gut behütet frei lassen als weithin sichtbares Zeichen der „Unwichtigkeit“ und ihn sogar in Absprache mit der LNR verteidigen bis an die Grenze eines Zerwürfnisses. Dem Westen würde der Sabber aus den Schnauzen laufen weil damit nicht gerechnet wird.

  5. Ich denke, man sollte sich gar nicht mehr immer nur Scheibchenweise mit der Sache befassen, sondern DIREKT mal nachfragen, wie denn diese Hofnarrenbande EU sich da wieder rauswinden will.( Oder WIRD) Nun ist die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO – als die Sonderorganisation der Vereinten Nationen involviert und will ja noch im Juni die Tatsachen veröffentlichen. Und wenn nun die bisher durch Weißrussland veröffentlichten Tatsachen sich bewahrheiten, was macht dann unsere GUTE Frau Dr. in Berlin ?

    Vielleicht bekommt man ja mal was zu lachen…

  6. Nur ein Gedanke: Wie wäre es, wenn Roman Protasewitsch von Anfang an ein Mitarbeiter des KGB gewesen wäre und im Moment der Gefahr der Enttarnung aus der Schusslinie genommen wurde? Jetzt kann man seine Informationen offiziell ohne jeden Verdacht verwerten. Da passt auch der Donbass, ich kann mich martialisch präsentieren (Vertrauen schaffen) und kann im Zweifelsfall, so es soweit kommt, immer noch daneben schießen. Und würde das ein westlicher Geheimdienst zugeben? Marcus Wolf lässt grüßen.

  7. Die Geschichte aus Minsk passt noch nicht. Ein Vorwissen der Opposition ist nicht belegt: „Das Regime hat einen Ryanair-Flug zur Landung gezwungen, um den prominenten weißrussischen Journalisten Roman Protasewitsch zu verhaften. Ihm droht die Todesstrafe.“, twitterte Viačorka um 14.35 Uhr.

    „um zu verhaften“ ist nicht „wurde verhaftet“. Protasewisch hatte zu diesem Zeitpunkt sicher längst auf irgendeinem Kanal informiert, dass er in Minsk landen musste. Und da ist die logische Annahme, dass man ihn verhaften will/wird.

    Wir wissen, dass Minsk vor der zweiten Mail aktiv wurde. Minsk sagt, es gab eine frühere erste Mail. Hat diese aber nie veröffentlicht, nur ein „Foto“ in der Doku. Protonmail sagte, es gab diese Mail nicht, oder sie ging nicht an Minsk.

    Vorsicht.

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