Lückenpresse

Putin gibt anderthalb-stündiges Interview zu allen internationalen Themen und der Spiegel-Leser erfährt: Nichts!

Vor dem Gipfeltreffen der Präsidenten Wladimir Putin und Joe Biden hat der Putin dem US-Sender NBC ein anderthalb-stündiges Interview gegeben. Davon allerdings - und vor allem von dem Inhalt - sollen Spiegel-Leser offensichtlich nichts erfahren.

Es ist faszinierend, wie der Spiegel seine Leser dumm hält. Vor dem anstehenden Gipfeltreffen von Putin und Biden hat Putin dem US-Sender NBC ein anderthalb-stündiges Interview gegeben, in dem er zu allen aktuellen und alten Vorwürfen des Westes befragt wurde. Ich habe das gesamte Interview übersetzt, damit Interessierte aus erster Hand erfahren können, was Putin zu den Vorwürfen aus dem Westen sagt und vor allem, dass Putin keine Scheu hat, sich den kritischen Fragen westlicher Journalisten zu stellen, die Putin offen feindselig gegenüber stehen. Die Übersetzung finden Sie hier.

Wäre der Spiegel tatsächlich ein Nachrichtenmagazin, wäre das eine gute Gelegenheit, den Lesern die russische Sicht und die russischen Argumente aufzuzeigen, damit der Leser zu all den aktuellen Themen der internationalen Politik die Meinungen beider Seiten kennt. Aber im Spiegel gab es nur einen kurzen Artikel darüber und der war – wenig überraschend – manipulativ.

Die manipulative Provokation

Der Spiegel-Artikel trägt die Überschrift „Russland – Putin will nicht garantieren, dass Nawalny das Gefängnis lebend verlässt“ und ist entsprechend manipulativ. Schon die Überschrift suggeriert dem Leser, dass Putin quasi nicht ausschließt – oder gar andeutet -, dass Navalny im Gefängnis etwas zustoßen könnte. Dabei ist die Frage an sich schon Unsinn, oder können Sie sich vorstellen, dass ein Journalist zum Beispiel den britischen Regierungschef Boris Johnson fragt, ob der garantieren kann, dass Julian Assange das Londoner Gefängnis lebend verlässt?

Daran sieht man, dass diese Frage im Grunde eine Provokation ist. Aber selbst wenn man die Frage ernst nehmen würde: Kann irgendein Regierungschef der Welt garantieren, dass ein Verurteilter seine Haft überlebt? Menschen bekommen auch in Freiheit Herzinfarkte oder ähnliches und niemand kann garantieren, dass dieser oder jene Mensch – ob in Freiheit oder im Gefängnis – in zwei Jahren noch lebt.

Das weiß auch jeder Journalist. Das zeigt – wie auch viele andere Fragen des NBC-Journalisten -, dass es NBC nicht darum gegangen ist, Putin zu interviewen. Man wollte Putin reizen und ihn zu unüberlegten Antworten provozieren, mit denen man dann dem amerikanischen Publikum den „bösen Diktator Putin“ präsentieren kann. Das zeigte sich auch daran, dass der Journalist immer wieder versucht hat, Putin zu unterbrechen und neue Fragen zu stellen, wenn Putin begann, seine Argumente aufzuzählen. Diese Argumente sollen die amerikanischen Fernsehzuschauer nicht hören. Das sagte Putin sogar einmal ganz offen, nachdem der NBC-Journalist Putin mehrmals bei einer einzigen Antwort ins Wort gefallen ist:

„Wenn Sie einfach Geduld haben und mich ausreden lassen, wird Ihnen alles klar. Aber Sie mögen meine Antwort nicht, Sie wollen nicht, dass Ihre Zuschauer meine Antwort hören, das ist das Problem. Sie knebeln mich. Ist das Meinungsfreiheit? Oder ist das Meinungsfreiheit auf amerikanische Art?“

Da eine solche Aussage natürlich für den Interviewer peinlich ist, hat er Putin danach weniger unterbrochen. Als er es später mit einem Hinweis auf die Zeitmangel erneut versuchte, nahm Putin ihm auch dabei den Wind aus den Segeln und das Interview dauerte so lange, bis NBC alle Fragen auf der Liste abgehandelt und das Interview selbst beendet hat. Zum angeblichen Zeitmangel sagte Putin nur:

„Hier bestimme über die Zeit, also keine Sorge.“

Was Spiegel-Leser erfahren

Von all dem – und vor allem davon, dass der NBC-Mann Putin wirklich offensiv und sogar unhöflich angegangen hat – erfährt der Spiegel-Leser nichts. Er erfährt auch nicht, dass Putin dabei zu allen Vorwürfen des Westens (Wahleinmischungen, Cyberangriffe, Giftmord, etc.) befragt wurde. Und Putins Antworten und Argumente werden komplett verschwiegen. Wenn Putin lügt, dann müssten die Spiegel-Redakteure doch eine diebische Freude daran haben, jede seiner Lügen zu sezieren und zu entlarven. Stattdessen wird alles verschwiegen.

Der Spiegel-Leser erfährt lediglich ein wenig zum Fall Navalny, was ja ohnehin das Lieblingsthema des medialen Sturmgeschützes der Nato-Geheimdienste aus Hamburg ist. Zunächst ging es in dem Artikel um die angebliche Vergiftung von Navalny, wobei der Spiegel wieder auf die Ergebnisse seiner angeblichen gemeinsamen „Recherchen“ mit Bellingcat hinweist, dann folgt folgender Absatz:

„Auch in dem Interview mit dem US-Sender bestritt Putin, einen Giftanschlag angeordnet zu haben. Er mochte andererseits aber auch keine Garantie abgeben, dass Nawalny das Gefängnis jemals wieder lebend verlasse. »Solche Entscheidungen werden in diesem Land nicht vom Präsidenten getroffen«, sagte der Kremlchef.“

Schwache Leistung vom Spiegel

Als Spiegel-Redakteur, dessen Aufgabe es bekanntlich ist, schlecht über Russland zu berichten, hätte man Putins Antwort weit besser ausschlachten können. Putins vollständige Antwort auf die Frage lautete:

„Hören Sie, das ist nicht die Entscheidung des Präsidenten, es ist eine Gerichtsentscheidung, jemanden freizulassen oder nicht freizulassen. Für die Gesundheit von Menschen, die sich in Haft befinden, ist die Verwaltung des Haftortes verantwortlich. Die medizinischen Einrichtungen in den Haftanstalten sind wahrscheinlich nicht im besten Zustand, in Einrichtungen dieser Art. Die Gefängnisbehörden sind diejenigen, die ein Auge darauf haben. Ich hoffe, sie tun das in angemessener Weise.
Um ehrlich zu sein, ist es schon lange her, dass ich an einem solchen Ort war, ich war einmal in St. Petersburg in so einem Ort und die medizinische Versorgung in Haftanstalten hat einen schlechten Eindruck auf mich gemacht. Aber ich hoffe, dass in der Zwischenzeit etwas getan wurde, um die Situation zu verbessern. Ich gehe davon aus, dass bei der von Ihnen genannten Person die gleichen Methoden angewandt werden, keine schlechteren, das kann man mit Sicherheit sagen, als bei allen anderen Personen in Haft.“

Daraus hätte die westliche Presse massenhaft Artikel über die (angeblich) miesen Zustände in russischen Gefängnissen fabrizieren und suggerieren können, dass die Haftbedingungen so schlecht sind, dass Putin buchstäblich nicht ausschließt, dass Navalny an den Haftbedingungen stirbt. Der Spiegel-Artikel ist also gleich aus zwei Perspektiven miserabel: Aus Sicht der Berichterstattung ist er armselig, da er über Putins Aussagen in den Interview nicht berichtet, sondern sich nur auf ein Thema stürzt. Und aus Sicht der westlichen Propaganda ist der Artikel miserabel, weil er nicht einmal die Vorlagen nutzt, die man – mit der nötigen Portion bösen Willens – aus Putins Aussage hätte ziehen können.

Cyberkrieg

Das einzige Thema, das der Spiegel aus dem Interview noch aufgegriffen hat, war das Thema Cyberkrieg. Der Spiegel-Leser erfährt dazu:

„Der Präsident forderte auch erneut Beweise für die Russland zugeschriebenen Hackerangriffe in den USA. »Wir sind schon aller möglichen Dinge beschuldigt worden – Wahleinmischung, Cyberangriffe und so weiter«, sagte Putin demnach. Es seien aber keine Belege für die Anschuldigungen vorgelegt worden. »Wo sind die Beweise?«, fragte Putin“

Der NBC-Journalist Keir Simmons behauptete in seiner Frage, es gäbe „eine Menge an Beweisen, und es gibt bestimmte Cyber-Angriffe, die offenbar staatlich gesponsert wurden“ und nannte dann wieder die aus den USA geäußerten Anschuldigungen. Aber wieder ohne auch nur einen einzigen Beweis zu nennen. Im Spiegel hingegen wird die Tatsache, dass nie Beweise vorgelegt wurden, im Konjunktiv formuliert, also als Behauptung Putins. Dabei ist das nun einmal wahr, alles was wir zu dem Thema haben, sind unbelegte Vorwürfe.

Dass das wahr ist, zeigt die Passage aus dem Interview. Ich zitiere hier den Dialog zwischen Simmons und Putin zu dem Thema komplett auf:

Simmons: Sie haben die Cyberangriffe erwähnt und bestreiten eine Beteiligung Russlands an diesen Angriffen. Aber Herr Präsident, es gibt jetzt eine riesige Menge an Beweisen, und es gibt bestimmte Cyber-Angriffe, die offenbar staatlich gesponsert wurden. Ich gebe fünf Beispiele.
Der US-Geheimdienste sagen, dass Russland im Jahr 2016 in die Wahl eingegriffen hat und die Verantwortlichen für die Wahl sagten, dass Russland im Jahr 2020 in die Wahl eingegriffen hat. Die Verantwortlichen für Cybersicherheit sagen, dass Hacker in die Verwendung und Entwicklung des Coronavirus-Impfstoffs eingegriffen haben.
SolarWinds war auch eine der schlimmsten Cyberattacken, die schwerste Cyberattacke, es waren neun US-Behörden betroffen. Und kurz vor dem Gipfel sagte Microsoft, dass es einen weiteren Angriff gab und die Ziele Organisationen waren, die Ihnen gegenüber kritisch eingestellt waren, Herr Präsident.
Herr Präsident, führen Sie einen Cyberkrieg gegen Amerika? Stimmt das?
Putin: Verehrter Keir, Sie haben gesagt, dass es eine ganze Reihe von Beweisen für Cyberangriffe durch Russland gibt, und dann haben Sie die offiziellen US-Behörden aufgelistet, die das gesagt haben, richtig?
Simmons: Ich gebe Ihnen nur die Information, wer es gesagt hat, damit Sie antworten können.
Putin: Ja, Sie geben die Information an mich weiter, wer das gesagt hat. Aber wo ist der Beweis, dass dies tatsächlich geschehen ist? Ich sage Ihnen was: dies und das und jenes wurde gesagt, aber wo ist der Beweis? Ich kann auf solche haltlosen Anschuldigungen antworten: Sie können sich bei der Internationalen Liga für Sexualreform beschweren. Stellt Sie das zufrieden?
Das ist doch alles nur Gerede über nichts. Legen Sie wenigstens irgendetwas auf den Tisch, das wir uns ansehen und auf das wir reagieren können. Aber es gibt nichts.
Soweit ich weiß, war einer der letzten Angriffe der auf das US-Pipelinesystem.
Simmons: Ja.
Putin: Soweit ich weiß, haben die Aktionäre dieser Firma sogar beschlossen, ein Lösegeld zu zahlen. Sie haben die Cyber-Banditen ausgezahlt. Aber wenn Sie die ganze Reihe der angesehenen US-Geheimdienste aufzählen, sie sind mächtig und global, können sie diejenigen finden, die am Ende das Lösegeld bekommen haben oder nicht? Ich hoffe, sie überzeugen sich davon, dass Russland nichts damit zu tun hat.
Jetzt ein Cyberangriff auf irgendeine Fleischverpackungsanlage. Und dann steht auf gefärbten Eiern, dass der Angriff abgeschlossen ist, verstehen Sie? Es wird einfach zu einer Art Farce, einer endlosen Farce. Sie sagten: viele, viele Beweise, aber Sie haben keine genannt. Es ist nur leeres Gerede. Wovon reden wir hier?

Und? Haben Sie irgendwelche Beweise gesehen? Hat Simmons welche erwähnt?

Aber Spiegel-Leser sollen nicht erfahren, wie unbelegt und damit unhaltbar die westlichen Vorwürfe gegen Russland sind. Wenn es Beweise gibt, warum werden die nicht gezeigt?

Wer des Englischen mächtig ist, kann hier das von NBC veröffentlichte Interview anschauen. Der Kreml hat es auf Russisch und mit einem kompletten Transkript veröffentlicht, dass Sie hier finden.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

22 Antworten

  1. Ich wurde als Kind so erzogen, immer die Wahrheit zu sagen, Mißstände ohne Angst anzusprechen, nicht hinterm Berg zu halten… – das hat mir zwar jede Menge Probleme eingebracht – in Ost und danach noch mehr in West – doch ich kann mich stets ohne Gewissensbisse oder mich zu schämen im Spiegel betrachten und brauche auch nicht die Straßenseite zu wechseln, wenn mit Jemand entgegen kommt… 😉
    Was mich am Ende aus „Deutschland“ vertrieben hat – ist die ständige Lügerei, die fehlenden Informationen um mir ein eigenes Bild zu machen, die ständige Bevormundung und das Pressen unter ein Weltbild – was eigentlich keines ist…
    Nachdem ich ein paar Jahr in verschiedenen Ländern gearbeitet und gelebt habe – wurden mir die Augen erst richtig geöffnet – da habe ich erst mal so richtig gesehen – wie Deutschland überhaupt so reich geworden ist…: mit 2.-Klasse-Produkten, die im Ausland zu höheren Preisen verkauft werden, mit Gängeleien im Bankensektor, höheren Gebühren etc.pp… – da kommt einem schon von allein das große Schämen ein „Deutscher“ zu sein – das braucht dann auch nicht mehr ab-erzogen werden.
    Wenn man dann auch noch den Bevölkerungen anderer Länder zuhört – wie die über die Deutschen bzw. Deutschland denken – da wundert es einen doch, daß Deutschland noch nicht überrannt wurde um es dem Erdboden gleich zu machen.
    Ich lebe zwar noch in „europa“ – ob ich das jedoch noch lange aushalte ist fraglich, die ander Seite ist das Alter – noch einmal von vorn anzufangen ist nicht mehr so leicht.
    Einer Sache bleibe ich jedoch bis zum Ende treu…: ich werde nie meinen Mund halten um auf Mißstände, Lug und Trug, kriminelle Machenschaften und Ähnliches aufmerksam zu machen – was wäre das Leben denn ohne feste Bestandteile… 😉

    1. Super Kommentar.
      Vlad Tepes,lebst Du etwa auch im Land der Vampire?Der Name laesst darauf schliessen.Leider ist die EU auch dort immer mehr angekommen und manchmal denke ich,man sollte weiter ziehen.Aber gleiches Problem wie bei Dir,nochmal neu anfangen,noch ne Sprache lernen und ein Leben aufbauen…dazu reicht die Kraft nicht mehr.

      1. Jaaa – in den Karpaten Transsilvaniens, fast an der Grenze zur „ukraine“ – noch- haben wir hier draußen eine gewisse Freiheit, weil weit ab vom Schuß, Haus gebaut etc. – deshalb Neuanfang als Rentner schwierig… – aber schön hier, Niemand geht dir auf dem Zeiger, kaum mal Nachbarn auf Pilzsuche – Touristen keine… ;)))

        1. Bin ich ja gar nicht soweit weg,Karpatenbogen.Leider bin ich nur halb ab vom Schuss,komplett isoliert war und ist heute erst recht,dank EU nicht mehr moeglich.Die uebernehmen ja jede Drecksvorschrift.
          ich lass mal eine mailadresse hier,wenn Du willst kannste schreiben.
          hansmeiser.2@gmx.de

  2. Ich sehe mir das morgen auf rt an https://youtu.be/9gMvwS7UNmk
    Die Auszüge auf NBC sah ich auch. Biden wurde ja schon darauf angesprochen. Darauf, dass Putin auf über den Killer-Vorwurf gelacht habe. Das fand ich mal wieder arg verkürzt, Putin hat ja die Hollywood-Kultur der US-Seite recht nüchtern ins Feld geführt.
    Und Bidens Antwort war ja mehr oder weniger ein einziger Aussetzer. Episch lange Denkpause.

  3. Den Spiegel bzw. die einzelnen Blätter vom Spiegel kann man höchstens als Unterlage benutzen, wenn man gerade seine Wände streicht.
    Weder die Printausgabe noch die Onlineausgabe sind seriös.

  4. Diese Entwicklung konsequent zu Ende gedacht, wird Spiegel bald nur noch Wetterberichte verfassen…

    Heute abend kam im „Lage am Abend“-Ticker die Meldung, daß Claus Kleber das heute-Journal zum Ende des Jahres verlassen wird. Da brachte es spiegel.de fertig, den legendären Hajo Friedrichs zu zitieren mit seiner Einstellung zum Journalismus, um sofort Klebers Propaganda als, nun ja… andere, modernere Art des Journalismus und Vorbild für die nächste Journalistengeneration zu feiern….

    https://www.spiegel.de/politik/deutschland/news-des-tages-claus-kleber-deutschland-frankreich-delta-variante-emilia-clarke-a-14c2cb8f-b03e-4bc5-8d2b-8de9522ad49c

    Zitat (diese Artikel ändern sich ja oft mal):

    Claus Kleber hört als Moderator des »heute-journals« auf. Nach knapp 19 Jahren will er seinen Vertrag beim ZDF nicht über das Jahresende hinaus verlängern. Man sollte sparsam sein mit dieser Formulierung, damit sie nicht vollends zur Floskel verkommt, aber: Damit endet eine Ära.

    Unzähligen Journalistenschülerinnen und -schülern war Kleber ein Vorbild. An einer mir näher bekannten Journalistenschule triezte eine Trainerin die Klasse mit der Aufgabe: Moderiert einen Beitrag über den Kongo an, wagt dabei einen Schlenker auf Joseph Conrads Erzählung »Das Herz der Finsternis«, um dann im Aktuellen zu landen. So wie Kleber es gemacht hatte in seiner Sendung. Den Clip zeigte sie in Endlosschleife: Kleber, den Kopf leicht geneigt, den Blick durch die Kamera hindurch ins Wohnzimmer der Zuschauenden gerichtet.

    Von Tagesthemen-Ikone Hanns-Joachim Friedrichs stammt die Losung: »Distanz halten, sich nicht gemein machen mit einer Sache, auch nicht mit einer guten, nicht in öffentliche Betroffenheit versinken, im Umgang mit Katastrophen cool bleiben, ohne kalt zu sein.« Das wird oft verfälscht zur kontextlosen Forderung, Journalistinnen und Journalisten dürften keine Haltung haben. Meine Kollegin Isabell Hülsen und mein Kollege Alexander Kühn haben mit Kleber mal darüber gesprochen. »Sie werden keine Moderation und kein Interview von mir finden, wo ich versuche, meine private Meinung zu verkaufen«, sagte der ZDF-Mann damals. »Trotzdem ist es eine Täuschung, wenn jemand so tut, als ginge ihn das alles nichts an und sein Tun sei frei von persönlichen Ansichten.«

    Alex sagt über Kleber: »Er ordnet abends die Nachrichten ein, die tagsüber auf uns niederprasseln. Redegewandt wie ein römischer Rhetor, hartnäckig wie ein Staatsanwalt, lässig wie Robert Redford.«

    *würg*

    1. Ps: Er wird wohl den Staffelstab an seinen Adlatus Sievers weitergeben, der sich ja schon 2011 mit Fake News dieser Art:

      https://youtu.be/fJdCUab1CPU

      als heute amtierender Hauptsprecher der heute-„Nachrichten“ und regelmäßige Vertretung Klebers im heute-Journal empfohlen hatte….
      Und wer weiß, was aus den Studenten der Tübinger Fakultät für Medienwissenschaften noch wird, die von „Professor Kleber“ lernen, was „Journalismus“ heute ist….

      1. Jetzt hat Claus Kleber mehr Zeit für seine Nebentätigkeit als transatlantischer Lobbyist bei der Atlantik-Brücke und beim Aspen-Institut.
        Ist ja ohnehin ungeheuerlich, dass man als angestellter Nachrichtensprecher der Öffentlich-rechtlichen noch nebenbei als Lobbyist von transatlantischen NGOs tätig ist.

  5. Wieder mal beeindruckend. Wie Putin darauf eingeht, dass Biden immer mal behauptet, er habe Putin „you don’t have a soul“ ins Gesicht gesagt. Putin bringt hier Diplomatie in größter Perfektion. Er könne sich übrigens an so einen Ausspruch nicht erinnern. Und dann: Wahrscheinlich habe Biden ein gutes Gedächtnis. Ha! Das kann man als Seitenhieb auffassen, muss man aber nicht.

    Was für ein Fest, ich liebe sowas. Der ganze Irrsinn – wer ist denn nun hier erwachsen, wer sind denn die verwirrten Irren – ist doch nun wirklich nicht zu übersehen.

    Aber ja, es sieht ja keiner hin.

    Bei 15:45 – https://youtu.be/9gMvwS7UNmk

  6. Ein ganz klein wenig ist er ja schon ein Traumtänzer der Herr Putin. Oder glaubt er, das mit den angeblichen Wahleinmischungen oder der Bewährungsauflage Nawalnys müsse er nur ein paar hundertmal richtigstellen, dann bleibt schon was hängen? Gestern hat mich ein längerer Beitrag im CH Echo der Zeit wieder einmal so richtig verärgert, und dann auch noch die Übersetzung von NBC mit Putin. Da ist definitiv nichts hängen geblieben. Und nach dem Treffen gehts genau gleich weiter. Erinnern wir uns nur mal an den „vergessenen“ Muellerbericht.

      1. Ja ich weiss, ich wollte es noch korrigieren. Es geht eigentlich nicht darum ob der andere dies, das oder jenes tut oder sagt. Sondern dass man es selber so gut wie möglich macht. Ganz egal wie das Aussen die Umstände sind. Russland musste das lernen und ist daran Gesund geworden. Intelligent sind auch andere. Die Herstellung von Waffen erfordert Intelligenz. Oder der genetische Eingriff in das Genom von Lebewesen. Aber Intelligenz kann auch zu einem Problem werden. Dann wenn sie missbraucht wird. Wenn zB. im globalen Handel ein von Gesetzten und Verträgen aufgebautes Netz der Ausbeutung dient.

        Im Gegensatz dazu ist Weisheit der Weg der Demut und in weiteren Sinne der Güte. Putin ist weise. Das bedeutet nicht, dass er als Staatsmann nicht auch schlechtes tun muss. Aber wir sehen bei ihm bei allem was er sagt eine grosse Weitsicht. Und er weiss wohl, dass wenn er sich provozieren lässt und auf diese Nivou absteigt, dass er das verliert was ihn zu dem macht was er ist. Das ist auch bei Russland so. Irgendwann wird es den Menschen (finanziell) immer besser gehen, und dann beginnen sie doof und immer fordernder zu werden. Ich glaube so funktioniert unser Mensch sein. Die USA und Europa haben diese Hürde verpasst und sind leider im Abstieg. Das ist wohl der Grund warum inzwischen die Menschenrechte und Werte schon fast penetrant betont werden. Man will sich noch irgendwo festhalten, obwohl man es selber schon nicht mehr so ganz glaubt.

    1. Was soll Herr Putin denn ihrer Meinung noch sonst noch tun? Die öffentlichen Stellungnahmen dokumentieren wenigstens, seinen Widerstand gegen die Desinformation und Propaganda gegen seine Person und Politik.

  7. Allergrößten Respekt vor VVP das er sich die gesamte Dauer dieses teilweise extrem beleidigenden und bösartigen Interviews unter Kontrolle hatte.
    Man konnte allerdings einige Male in VVPs verärgert blitzenden Augen sehen was er über diese Drecksbazille und die usa im allgemeinen denkt.
    Retorisch und intellektuell ist VVP sowieso niemand gewachsen die sehen alle immer sehr sehr alt ihm gegenüber aus
    Ein Trauerspiel des Westens
    Weshalb tut sich VVP das überhaupt noch an?

  8. Dieses Interview mit Simmons war köstlich! Simmons, der sich wohl seitenweise mit allen möglichen Notizen und fast aller US-Narrative vorbereitete fragte immer wieder – nicht wie ein Journalist, der jetzt mit Respekt einem Staatsmann begegnet, sondern fragte eher wie ein Staatsanwalt. Ständig die gleichen Wiederholungsfragen, fast respektlos.!
    Genauso respektlos auch die Fragen der US-Journalisten auf der Pressekonferenz. Alle Fragen sind von tiefer Russophobie geprägt.
    Die Gesten und die Mimik von Simmons haben gezeigt, dass er dem Interview nicht gewachsen war!
    Putin war mit seinen Gegenargumenten eher gemäßgt, obwohl es ihn manchmal wohl eher gereizt hätte, deutlicher zu argumentieren. (Bsp.: Ryan Air, Lukaschenko) Er meinte dazu nur „warum fragen Sie nicht den Piloten der Ryan Air?“

    Allein die Aussage von Simmons, dass es eine Bedrohung gewesen sei, dass Russland ein Manöver durchführte (im eigenen Land!!). Die Nato Manöver, meinte Simmons, wären eine Friedensaktion gewesen…

    Ich möchte nicht wissen, wie dieses Interview zusammengeschnitten wird und den Zuschauern dargeboten wird!

    „Freiheit für Julien Assange“

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