Putins Reaktion auf Bidens Beleidigungen im O-Ton

Putin hat sich heute zum Jubiläum der Wiedervereinigung mit der Krim in einer Videokonferenz den Fragen von Vertretern Zivilgesellschaft auf der Krim gestellt. Dabei wurde er auch nach der Beleidigung von Joe Biden gefragt. Putins Antwort sollte man genau lesen.

Ich habe über die Beleidigung von Joe Biden gegen den russischen Präsidenten, die diplomatischen Folgen und die Reaktionen in Moskau ausführlich berichtet. Nun hat auch Putin sich geäußert. Ich will Putins Antwort nicht weiter kommentieren, sondern habe sie vollständig übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Was die Erklärung meines amerikanischen Kollegen betrifft, so kennen wir uns, wie er sagte, in der Tat persönlich. Und was würde ich ihm antworten? Ich würde ihm sagen „Bleiben Sie gesund.“ Ich wünsche ihm Gesundheit. Ich sage das ohne Ironie, ohne Witze. Das ist das erste.

Zweitens möchte ich etwas allgemeineres zu diesem Thema sagen. In der Geschichte jedes Volkes, jedes Staates gab es viele sehr schwierige, dramatische und blutige Ereignisse. Aber wenn wir andere Menschen bewerten, oder wenn wir sogar andere Staaten, andere Völker bewerten, sehen wir immer in den Spiegel, wir sehen uns immer selbst, weil wir auf eine andere Personen übertragen, was wir selbst sind, was uns im Wesentlichen ausmacht.

Wissen Sie, ich erinnere mich, als wir als Kinder im Hinterhof waren, als wir miteinander gestritten und gesagt haben: Wie Du andere nennst, so bist Du selbst. Und das ist kein Zufall, das ist nicht nur ein Kindesprichwort oder ein Witz. Der Sinn ist sehr psychologisch. Wir sehen immer unsere eigenen Qualitäten in einer anderen Person und denken, dass er so ist wie wir, und daraus bewerten wir sein Handeln und bewerten ihn insgesamt.

Was das amerikanische Establishment, die Führung, die herrschende Klasse betrifft – nicht das amerikanische Volk als Ganzes, da gibt es viele ehrliche, anständige, aufrichtige Menschen, die mit uns in Frieden und Freundschaft leben wollen, wir wissen und wir schätzen das, und wir werden auch in Zukunft auf sie bauen – das Bewusstsein der herrschenden Klasse hat sich unter den bekannten und ziemlich schwierigen Bedingungen entwickelt. Schließlich war die Entwicklung des amerikanischen Kontinents durch die Europäer mit der Ausrottung der lokalen Bevölkerung verbunden, mit Völkermord, wie man heute sagt, mit dem Genozid an den Indianern. Dann folgte die sehr grausame, sehr harte Zeit der Sklaverei, die Sklaverei war sehr grausam. All dies geht in die Geschichte ein, die bis heute das Leben der Vereinigten Staaten begleitet. Woher käme sonst die Black Lives Matter-Bewegung? Afroamerikaner sind immer noch mit Ungerechtigkeit und Unterdrückung konfrontiert.

Auf der Grundlage dieses Verständnisses löst die herrschende Klasse der Vereinigten Staaten sowohl innenpolitische als auch außenpolitische Probleme. Schließlich sind die Vereinigten Staaten das einzige Land der Welt, das am Ende des Zweiten Weltkriegs Atomwaffen eingesetzt hat, und zwar gegen einen nicht-nuklearen Staat, gegen Hiroshima und Nagasaki in Japan. Das hatte absolut keinen militärischen Sinn oder Zweck. Es war die direkte Vernichtung der Zivilbevölkerung. Warum ich darüber spreche? Weil ich weiß, dass die Vereinigten Staaten, die Führung der Vereinigten Staaten als Ganzes, entschlossen sind, bestimmte Beziehungen zu uns zu haben, aber nur zu Themen, die für die Vereinigten Staaten selbst und zu ihren Bedingungen von Interesse sind.

Sie mögen denken, dass wir genau wie sie sind, aber wir sind andere Menschen, haben wir einen anderen kulturellen Kodex, aber wir können unsere eigenen Interessen verteidigen. Und wir werden mit ihnen zusammenarbeiten, aber in den Bereichen, an denen wir selbst interessiert sind, und unter den Bedingungen, die wir für uns selbst als vorteilhaft betrachten. Und sie werden sich damit abfinden müssen. Sie werden sich damit abfinden müssen, trotz aller Versuche, unsere Entwicklung zu stoppen, trotz der Sanktionen und Beleidigungen werden sie sich damit abfinden müssen.

Und wir, ich meine unsere nationalen Interessen, werden die Beziehungen zu allen Ländern der Welt, einschließlich der Vereinigten Staaten, ausbauen.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich dafür interessieren, wie Russland auf die Fragen der internationalen Politik blickt, dann sollten Sie sich die Beschreibung meines Buches ansehen, in dem ich Putin direkt und ungekürzt in langen Zitaten zu Wort kommen lasse. Dort gibt es auch ein Kapitel über die Migrationskrise in Europa, wo sie erfahren können, was Putin dazu sagt. Das Thema Terrorismus zieht sich natürlichm wie ein roter Faden durch das Buch und Putins Lösungsvorschläge unterscheiden sich in überraschender Weise von denen der westlichen Politiker.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

15 Antworten

  1. Immer wenn ich sowas lese, denke ich mir zuerst, was für einen Mordsrespekt man nur vor diesem Mann haben muss und welches Glück den Russen zufällt, einen solchen Menschen als Staatschef zu haben. Über Russland muss man sich tatsächlich keine Sorgen mehr machen. Dann denke ich daran, von was wir in unserem Teil der Welt regiert werden und muss zugeben, dass ich angesichts dessen neidvoll und schmerzerfüllt nach Russland schaue.

  2. Der Meister sprach und die Ratten werden zetern.

    Eine hinlänglich Bekannte, bekannt durch ihre Geisteshaltung, die doch recht deutlich im Stile eines „Welk Seins“ coloriert ist, durfte bereits den für sie typischen Verwesungsodem, eine Art „intellektuelles Nowytschok“, via eines Großdeutschlandfunkes in diesem großen Krieg gegen Köpfe wieder einmal auf dessen massenvernichtungswirkende Tauglichkeit hin erproben.

  3. In dieser Antwort sieht man eindeutig den Unterschied zu den heutigen Politkaspern in der westlichen Welt, es ist einfach traurig. Man wird in nächster Zeit an ihren Kommentaren sehen, die verstehen nicht einmal mehr was Präsident Putin gesagt hat. Und eins ist Fakt, dass sieht man an den Reaktionen und Äußerungen dieser westlichen “ Eliten “ in letzter Zeit recht deutlich. Denen steht das Wasser bis Unterkante Oberlippe und in solcher Situation fängt man meist an wild und unbedacht um sich zu schlagen, nicht das diese Kasper, in ihrer Idiotie, noch Öl ins Feuer gießen. Ich hoffe das bleibt der Menschheit erspart!!!

    1. Ob die Elite einen Ermordungs- und Auslöschungsreflex besitzt steht für mich außer Zweifel. Die Frage ist nur, ob kulturell erworben oder (möglicherweise unbeabsichtigt) weitergezüchtet.

  4. Bravo, Russland ist auf dem Weg ein souveräner Staat zu werden!

    „Das künftige Geschick der Welt liegt im Osten. Von dort kommt die Hoffnung der Welt. Kein Kommunismus oder Bolschewismus, sondern jene Freiheit, dass jeder Mensch für seinen Mitmenschen leben wird. Das Prinzip ist dort schon einmal geboren worden. Es wird Jahre dauern, bis sich das offenbaren wird, doch von Russland kommt die Hoffnung der Welt wieder.“
    Edgar Cayce (1877–1945) ein US-amerikanisches Medium

    1. danke für den Beitrag. Hätte ich nicht gedacht! Dass der sich doch so konkret äußert…

      Und ja, ich denke wir sehen hier schon die deutlichsten Anzeichen dafür. Biden, der in seiner 2-monatigen Amtszeit noch nichts gerissen hat, spuckt Gift und Galle und Putin zeigt Größe und Nachsicht.

      Ich glaube das steht symbolisch und symptomatisch für das Ausmaß des ganzen Konflikts.

  5. Das ist der offensichtliche Unterschied zwischen einem Diplomaten und „Politdarstellern“. Ähnliches kann man das beobachten, wenn Lawrow den Raum betritt und etwas offiziell sagt. Diese Leute haben Stil und sind Diplomaten. Wenn ich alleine an unsere Pappnasen denke, kommt mir das kalte Gruseln.

  6. Wow. Der Mann sieht klar. Hätte ich ehrlich gesagt so nicht erwartet. Was könnte man alles zusammen bauen, wenn unsere Führung genauso denken würde.

    Die Frage ist halt, wie interpretieren die angesprochenen US-Eliten diese Aussagen? Mal in deren Rolle geschlüpft, würde ich sagen etwa so:

    „Hey, die Russen halten die Füsse still. Gute Sache. Von denen haben wir nichts zu befürchten. Lass uns mal jetzt so richtig bei uns zu Hause den Faschismus durchziehen. Der Demokratie-Scheiss ist zu teuer im Vergleich mit der neuesten Überwachungstechnik. Da die Russen ja nix machen und auf ihren Ohren sitzen bleiben, egal, was wir machen, sind sie ein perfektes Ziel, um den neuen Boogeyman für uns abzugeben. Die gucken einfach zu und lassen es geschehen. Haha!
    Die denken nichtmal dran, Bündnisse gegen uns zu schliessen oder Revolutionen zu unterstützen. Oder ein Alternativmodell offensiv zu präsentieren. Super!

    Mit dem bösen Russen- Boogeyman sind die Mulis bei uns abgelenkt und denken auch nicht daran, vllt auszuwandern oder sich dem Faschismus zu verweigern. Wir müssen den albernen Pazifisten Putin nur weiterhin im Tiefschlaf halten. Lasst ihn halt mal hier und da eine Rede halten und nickt dann weise, so dass er sich verstanden fühlt.

    Inzwischen werden wir die Schlitzaugen eindämmen, kontrollieren oder kaputt machen. Was halt geht. Die Russen machen ja nix. Die kommen dann am Schluss dran oder wir behalten sie als Boogeyman für die Mulis. Mal sehen.“

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