Ukraine

Ukrainische Offensive im Donbass? Kiewer Armee rückt vor und greift Öllager in Donezk mit Drohne an

Unbeachtet von den deutschen Medien rückt die ukrainische Armee im Donbass vor. Dabei werden auch erstmals bewaffnete Drohnen aus türkischer Produktion eingesetzt und es wurde versucht, einen Treibstoffspeicher in Donezk zu sprengen, was zu vielen zivilen Opfern hätte führen können.

Schon am 11. September gab es einen Versuch der ukrainischen Armee, die Kirowski-Treibstofflager am Stadtrand von Donezk mit einer Drohne anzugreifen. Damals gab es zwei Explosionen und es sind 1.300 Tonnen Treibstoff verbrannt. Dass dabei niemand verletzt wurde, grenzt an ein Wunder, denn weniger als hundert Meter von den riesigen Tanks entfernt stehen Wohnhäuser.

Angriffe auf Treibstofflager in Donezk

Deutsche Medien melden vereinzelt, dass die ukrainische Armee am 26. Oktober zum ersten Mal türkische Kampfdrohnen vom Typ Bayraktar eingesetzt hat, die Kiew vor kurzem von der Türkei gekauft hat. Das sei angeblich als Reaktion auf Artilleriebeschuss von Seiten der Rebellen geschehen, so die deutsche Presse. Weitere Details, also zum Beispiel dass Kiew ein weiteres Mal versucht hat, mit einer Drohne die Treibstofflager in Donezk anzugreifen, aber glücklicherweise nicht explodiert ist, verschweigen die deutschen Medien hingegen.

Donezk meldet in einer Pressemeldung:

Die ukrainische Armee verletzt weiterhin eklatant alle bestehenden Vereinbarungen, indem sie neue prinzipienlose Provokationen an der Kontaktlinie durchführt. So kam es heute Morgen zu einem weiteren terroristischen Akt. Mit einer Drohne versuchten die ukrainischen Streitkräfte erneut, das Öllager im Kirowski-Bezirk von Donezk zu sprengen. Ein unbemanntes Luftfahrzeug mit einem angebrachten Sprengsatz landete auf einem der Tanks des Öldepots, detonierte aber nicht sofort.“

Der Sprengsatz ist später bei dem Versuch, ihn zu entschärfen explodiert, verletzt wurde aber niemand. Donezk fordert die OSZE-Beobachter auf, den Vorfall zu untersuchen. Sollte es der ukrainischen Armee gelingen, dort eine große Explosion herbeizuführen (und nicht, wie im September „nur“ eine kleinere Explosion und ein Großfeuer), könnten dabei ganze Stadtteile von Donezk verwüstet werden.

Eine Offensive südlich von Donezk?

Donezk meldet weiter, dass die ukrainische Armee am 27. Oktober das nahe der Front liegende Dorf Novolaspa etwa 30 Kilometer südlich von Donezk mit 120-Millimeter-Granaten beschossen hat. Außerdem ist die ukrainische Armee demnach in das Dorf Staromarevka, das weniger als zehn Kilometer weiter südlich liegt, eingerückt. Das Dorf war vorher Niemandsland, was bedeutet, dass die ukrainische Armee ihre Stellungen entgegen den geltenden Waffenstillstandsvereinbarungen vorschiebt.

Kiew hat in dem Zusammenhang gemeldet, dass es wegen der sich zuspitzenden Lage an der Front überall Artillerie eingesetzt hat. Das kann ich übrigens aus erster Hand bestätigen, weil eine gute Bekannte von mir derzeit in Donezk ist und ich am 27. Oktober mit ihr telefoniert habe. Sie hat erzählt, dass sie, nachdem das Leben in der Stadt Donezk in letzter Zeit weitgehend seinen normalen Gang gegangen ist und man in der Stadt von dem Krieg nichts bemerkt hat, am 27. Oktober Beschuss und Explosionen zu hören gewesen sind.

Es wird befürchtet, dass Kiew erneut versuchen könnte, eine Offensive zu starten, nachdem die Ukraine in den letzten Monaten massive Waffenlieferungen vor allem aus den USA erhalten und auch türkische Kampfdrohnen gekauft hat.

Kiew könnte versucht sein, dem Beispiel Aserbeidschans zu folgen, das mit einem Überraschungsangriff große Teile der umstrittenen Region Berg-Karabach zurückerobert hat. Allerdings ist es wahrscheinlicher, dass Kiew bei einem solchen Versuch das Schicksal Georgiens von 2008 teilen dürfte, als der damalige georgische Präsident Saakaschwili Ossetien und Abchasien überfallen und dabei russische Friedenstruppen angegriffen hat.

Wiederholt sich das georgische Szenario?

Saakaschwili hat seinerzeit darauf gehofft, dass die USA ihm zur Hilfe eilen würden, hat sich aber getäuscht. Nach fünf Tagen Krieg war die georgische Armee zerschlagen. Das gleiche Schicksal droht auch Kiew im Falle einer Offensive gegen den Donbass, denn als die Lage Anfang des Jahres schon einmal angespannt war, hat Russland seine roten Linien sehr deutlich aufgezeigt und von amerikanischer Unterstützung war in Kiew nichts zu sehen.

Aber natürlich wäre ein ukrainischer Angriff und eine russische militärische Intervention für die USA auch dann ein Erfolg, selbst wenn die ukrainische Armee dabei zerlegt wird. Die USA würden das medial ausschlachten und die westlichen „Qualitätsmedien“ würden von „Russlands Aggression“ berichten, anstatt von Kiews Angriff. Das hat auch beim Kaukasuskrieg mit Georgien funktioniert, den die Medien bis heute als „russische Aggression“ bezeichnen, obwohl der Europarat in seinem Untersuchungsbericht das exakte Gegenteil berichtet, die Details finden Sie hier.

Das russische Fernsehen hat erst am 25. Oktober erneut auf die roten Linien Russlands in Sachen Ukraine hingewiesen. Hinzu kommt, dass in dem betroffenen Gebiet inzwischen viele Menschen die russische Staatsangehörigkeit haben, weshalb Russland eine moralische Pflicht empfindet, den Menschen im Falle eines Angriffs zu helfen.

Da die westlichen „Qualitätsmedien“ über die Tatsache, dass Menschen aus dem Donbass die russische Staatsangehörigkeit beantragen können, immer wieder unwahr berichten und alle Hintergründe weglassen, können Sie hier nachlesen, wie es dazu gekommen ist.


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

25 Antworten

  1. Das

    „On suitcases, handles and fire-starters“

    _____://thesaker.is/on-suitcases-handles-and-firestarters/

    kann man sich dazu mal antun. Das klingt zwar etwas „wild“, aber für allzu abwegig halte ich das nicht.

  2. Wie ich schon befürchtet habe. Die Ukraine wird den Donbass mithilfe eines Drohnenkriegs zurückerobern.
    Ich bin fest davon überzeugt, dass Russland tatenlos zusehen wird, wenn die Ukraine mit ihrer Drohnentaktik à la Aserbaidschan in Bergkarabach den Donbass angreifen wird.

    1. Im Donbass leben inzwischen ca. 600.000 russische Staatsbürger. Russland wird nicht tatenlos zusehen, wie die Ukraine den Donbass zurückerobert. Man hält sich bis jetzt an das Minsker Abkommen, wonach der Donbass in der Ukraine verbleibt. Im Übrigen haben die Aserbaidshaner offensichtlich auch etliche tausend Mann verloren. So einfach wird das also wohl nicht und im Donbass dürfte man aus diesem Krieg gelernt haben.

  3. Wenn ein Auto 1300 Liter Benzin verbrennt, findet Baerbock das schrecklich und sieht darin das Ende der Welt.
    Wenn aber ein ukrainischen Bombenangriff 1300 Liter Öl verbrennt, findet sie das super und kann gar nicht verstehen, wie jemand ein Problem damit haben kann.

  4. Drohnen haben ein Problem, wenn die gehackt werden, können die auch gegen einen verwendet werden. Das hat der Irak vor ein paar Jahren eindrucksvoll mit einer US Drohne gezeigt. Die Hilfe Russlands könnte so aussehen, dass eben diese Drohnen gehackt werden.

      1. Die Türken stellen ihre Drohnen wahrscheinlich gemäß US-amerikanischer oder britischer Konstruktionspläne her, denn die Türkei ist kein Hochtechnologieland und das von ihr verwendete kognitive Kapital für die Produktion von Drohnen stammt aus der angelsächsischen Welt.

        Laut Voltaire.Network war der von der Türkei unterstützte kurze Krieg Aserbaidschans gegen Armenien in erster Linie von Großbritannien geplant, vorbereitet und ausgelöst worden, wobei die USA selbstverständlich beteiligt gewesen sind.

  5. DAS hätten diese fremd-gesteuerten yankee’s gerne – daß von dort der Krieg gegen Russland startet… – doch ohne ihre eigene Beteiligung, das sollen solche Sklaven wie „ukrainer, polen, balten“ etc. erledigen… – die ferngesteuerten yankee’s kommen dann zum Schluß – um abzustauben, rauben, morden, versklaven – so wie schon am Ende des II. WK’s auch – denn nachweislich haben die sich alles „Brauchbare“ unter den Nagel gerissen – ohne großen Aufwand – Schmarotzer eben…

    DAS gilt es zu verhindern… – denn ein neuer WK ist unberechenbar und sein Ende wahrscheinlich auch das Ende der „Menschheit“…!

    1. Mein Vater ist ja noch ein sogenannter Zeitzeuge von WW II. Jg. 1930 und wird genau heute 91. Er hat mir vor Jahren mal erzählt, er war selber nicht an der Front, aber einer seiner Freunde habe ihm damals kurz nach dem Krieg erzählt, wie das Zustande kam erinnere ich nicht mehr genau, aber Originalton seines Freundes:
      „Die Italiener waren ja schon feige aber die Amis konntest Du völlig vergessen.“
      Originalzitat

      1. Meine Familie kommt aus Ostpreussen – mein Vater hat den Krieg noch voll erlebt – und auch was danach geschah… – was der mir erzählt hat…. – das ist die Basis für meine Militär-Verweigerung und die Ablehnung jeglicher körperlicher Gewalt… – du kannst mit der entsprechenden Bildung und Rhetorik viel mehr erreichen – aber auch viel tiefer verletzen als jeder Faustschlag…. 😉

    1. Friedenssicherende und- erhaltende Militäroperationen sind sehr wohl möglich, jedoch kann ich Ihr Unbehagen und Ihre nicht offen geäußerte aber dennoch ersichtliche Skepsis nachvollziehen.

  6. Es wird Zeit, dass die Ostukraine öffentlich ebenso ihre Unabhängigkeit von Kiew erklärt, wie ehemals die gesamte Ukraine von der zerfallenen UdSSR. Die Ukraine ist ohnehin ein seit nur wenigen Jahrzehnten bestehendes künstliches Staatsgebilde auf ehemals weitaus älterem russischen Territorium, und sie wird vermutlich genau so verfallen wie das sogenannte 1000-jährige Dritte Reich. Also – macht über einen schnellen Volksentscheid endlich Nägel mit Köpfen, bildet (wieder) Neurussland und erbittet dann gleich Beistand von der Russischen Förderation – dann ist endlich Ruhe auf allen Decks im Schiff !!!

      1. Gut informierte Zeitgenossen werden jedoch wissen, dass dies nicht der Fall ist! Großbritannien hat ja auch Gibraltar und die Malvinas annektiert, unterhält Militärstützpunkte auf Zypern und verfügt mit Chagos und anderen kleinen sogenannten Überseegebieten über zahlreiche Kleinst-Neokolonien, was aber im sogenannten Westen und seinen kooptierten Staaten nicht zur Kenntnis genommen werden darf.

  7. Ein Krieg ist immer die schlechteste Lösung, aber in diesem Fall ist mir nach den ganzen Jahren ein Ende in Schrecken, lieber als ein Schrecken ohne Ende. Natürlich wird der Wertewesten Gift und Galle spucken, aber selbst das kann Russland bei den Verhältnis zum Westen langsam egal sein. Es sollte lieber an die Menschen denken die seit 2014 im Kriegszustand leben. Wenn man das nimmt was die machthabenden Faschisten der Ukraine alles gegen diese Menschen erlassen haben, da muss man sich ja Fragen wollen sie diese in dem Land noch oder sind die Menschen nur eine Verhandlungsmasse für diese Unmenschen und ihre ach so demokratischen Auftraggeber. Ach und wenn Russland einmal dabei sein sollte, dann holt gleich die restliche russische Erde zurück. Sie sind doch so stolz auf ihre Herkunft, da reicht auch das Stückchen Galizien für sie, da können sie dann tanzen und ihre rechten Arme in die Höhe strecken.

  8. Es gab viele Umfragen vor dem Konflikt und die zeigten deutlich, die Stimmung bei den „Russen“ in der Ukraine war auf mehr Eigenständigkeit innerhalb der Ukraine gerichtet. Schon damals machte Putin klar das Russland eine Abspaltung nicht unterstützt.
    Aus welchem Depot die Waffenschieberei begann ist da völlig zweitrangig.
    Russen die nicht mehr in einer Ukraine von heut leben wollen sollen übersiedeln. Der Rest muss Farbe bekennen. Russland wird ihnen nicht helfen.
    Wenn die Rechtsposition so klar ist kann man am EGH klagen und Minsk2 einfordern.

    1. Russland wird ihnen sehr wohl helfen und zwar wenn erneut ein Krieg ausbricht! Im Minsker Abkommen ist nun mal vereinbart, dass der Donbass innerhalb der Ukraine verbleibt und aus diesem Grund hält Russland noch an diesem Abkommen fest.
      Man hat ihnen ja auch schon 2014 geholfen. Wie ich im Frühjahr aus Krasnodon erfahren habe, rollten dort die Militärkolonnen durch. Das kommt nicht alles aus dem Donbass selber.

    2. Die ethnischen Russen im Donbass, die übrigens ohnehin nur eine Minderheit darstellen, sind aber nicht die Einzigen, die nicht mehr in der Ukraine verbleiben wollen! Die Mehrheit der Donbass-Einwohner sind ethnische Ukrainer.

      1. Russland wird sich m. E. nur an das Minsker Abkommen halten, solange die Ukraine sich daran hält und die „roten Linien“ nicht überschreitet. Sollten die Angriffe der Ukraine eskalieren, das Abkommen erneut mit Waffengewalt gebrochen werden, dann werden auch die Russen handeln.
        Die Amerikaner werden sich heraushalten, möglich, dass ihnen die Ukraine auch nicht mehr geheuer ist oder zu teuer geworden ist.
        Amerika ist mittlerweile ein starker Importeur für russisches Öl und Gas! Da Amerika immer davor warnt (D), dass die Russen Gas und Öl als Waffe einsetzen zeigt sich, dass das eine große Angst der Amerikaner für sie selbst ist, denn sie wollen das Geschäft machen. Die amerikanische Fracking-Förderung liegt m. E. am Boden!

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