Russisches Außenministerium

„US-Spezialkräfte sind in drei Viertel aller Länder der Welt aktiv“

Maria Sacharova, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, hat in einer Erklärung mitgeteilt, dass US-Spezialkräfte in drei Viertel aller Länder der Welt aktiv sind und sie hat sehr interessante Quellen dazu genannt.

Die ausführliche offizielle russische Erklärung ist vor allem deshalb lesenswert, weil sie ihre Quellen benennt und es sich dabei keineswegs um russische Propaganda handelt, sondern um offizielle Quellen der USA, um Berichte des US-Militärs oder um Studien von amerikanischen Universitäten. Wer des Englischen mächtig ist, findet hier viel interessante Lektüre, die ich verlinkt habe. Daher habe ich die offizielle russische Erklärung übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Ich möchte London und der NATO, sagen, dass im historischen Kontext, und ich nehme keine ferne Vergangenheit, sondern die jüngste Geschichte, der Frieden nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis bedroht wurde. Es geht von Aktionen der Vereinigten Staaten. Vor dem Hintergrund der Tatsache, dass die Vereinigten Staaten, die NATO und Großbritannien unserem Land ständig alles mögliche vorwerfen, uns wird ständig gesagt, dass wir an irgendwelchen hybriden Operationen beteiligt sind, die westlichen Demokratien untergraben, den Wunsch haben, den Ausgang von Wahlen zu beeinflussen und so weiter. Dazu möchte ich eine kleine Anmerkung machen.

Die amerikanischen Eliten und auch gewöhnliche Amerikaner meinen, die USA hätten eine Sonderrolle in der Welt, eine Art amerikanischen Messianismus. Sie meinen, dass die Vereinigten Staaten das Recht haben, sich auf der ganzen Welt in alles einzumischen, und sie nehmen das als Rechtfertigung dafür, die Situationen in anderen Ländern zu beeinflussen. Sie fühlen sich berechtigt, anderen ihren Willen zu diktieren, sie fühlen sich berechtigt, nicht nur die ganze Welt zu belehren, sondern anderen Ländern, Völkern und Zivilgesellschaften auf der ganzen Welt ihre Vorstellung davon aufzuzwingen, wie sich andere Länder und sogar die ganze Welt entwickeln sollen.

Ich wiederhole noch einmal, was unser Land und unsere Regierung regelmäßig sagen. Wir befassen uns nicht mit Regimewechseln, Einmischungen in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten und inszenieren keine Aktionen im Ausland. Wir fordern die Achtung und Umsetzung der grundlegenden Bestimmungen der UN-Charta, da steht alles geschrieben. Dabei stellen wir fest, dass diejenigen – also die Vereinigten Staaten -, die uns solche Dinge ständig vorwerfen, diese Mittel perfekt beherrschen und in diesem Bereich viel Erfahrung gesammelt haben. Die Liste ihrer Verdienste und Beispiele für ihre schlechtes Verhalten auf der ganzen Welt ist beeindruckend. Wir haben lange gezögert, aber jetzt eröffnen wir eine eigene Rubrik in unseren Pressekonferenzen und werden Ihnen regelmäßig Beispielen vorstellen.

Die Vereinigten Staaten verletzen regelmäßig die nationale Souveränität anderer Länder, indem sie sich in ihre inneren Angelegenheiten einmischen. Die Lieblingstaktik der amerikanischen Geheimdienste besteht darin, sich in die Wahlprozesse anderer Staaten einzumischen und Staatsstreiche durchzuführen, um unerwünschte Regierungen auszutauschen.

Das geben sowohl Experten und auch einfache ehemalige Mitarbeiter der US-Geheimdienste zu. Steven Hall, der ehemalige Leiter der Russland-Abteilung der CIA, sagte 2017 in einem Interview mit der New York Times, dass „die Vereinigten Staaten definitiv Operationen unternommen haben, um sich in die Wahlen anderer Länder einzumischen“ und er hofft, dass diese Praxis fortgesetzt wird. Dieselbe Zeitung zitiert Professor Johnson von der University of Georgia, der behauptete, die CIA habe sich seit ihrer Gründung 1947 in ausländische Wahlen eingemischt. (Anm. d. Übers.: Der erwähnte Artikel der New York Times ist ausgesprochen lesenswert)

Laut einer Studie des Politikwissenschaftlers Levin von der Carnegie Mellon University, die auf deklassifizierten Dokumenten des amerikanischen Geheimdienstes beruhte, haben sich die Vereinigten Staaten zwischen 1946 und 2000 mehr als 80 Mal in Wahlen in 45 Ländern eingemischt, darin ist die Organisation von Militärputschen und Farbrevolutionen noch nicht enthalten, in der Studie ging es nur um friedliche Regimechanges. Die betreffenden Operationen waren geheim und umfassten die Finanzierung und Organisation von Wahlkampagnen, Falschformationen und Propaganda sowie wirtschaftlichen Druck auf die Regierungen bestimmter Staaten. Laut Levin erreichten die Amerikaner in 59 Prozent der Fälle das gewünschte Ergebnis.

Unabhängige Experten wie Nick Turse, investigativer Journalist, Historiker, Forscher am The Nation Institute und Autor der Seite TomDispatch.com bestätigen, dass die Vereinigten Staaten in 141 der 190 Länder unseres Planeten verdeckte Kriege führen. Mit seiner Meinung steht er nicht alleine. Der Direktor des Arms and Security Project am Center for International Policy, William Hartung, kommt zu ähnlichen Einschätzungen: „Die meisten Amerikaner werden überrascht sein zu erfahren, dass US-Spezialkräfte in drei Viertel der Länder der Welt im Einsatz sind. Es gibt fast keine Transparenz darüber, was sie in diesen Ländern tun, ob ihre Handlungen die Sicherheit stärken oder noch größere Spannungen und Konflikte hervorrufen.“

Michael Weisman, Sprecher des US Special Operations Command in Europa, sagte mal: „Außer in Russland und Weißrussland sind wir in fast allen Ländern Europas an der Ausbildung von Personal beteiligt, entweder auf bilateraler Ebene oder auf der Grundlage verschiedener multilateraler Abkommen. Seit 2014 sind Spezialkräfte im Rahmen der umfassenderen Abschreckungsinitiative des U.S. European Command and Defense Department Deterrence auf Einladung unserer Verbündeten in den baltischen Staaten und Polen im Einsatz. Die fortgesetzte Präsenz von US-Spezialkräften und unseren Verbündeten sendet eine klare Botschaft des US-Engagements aus, unsere Verbündeten zu unterstützen und das NATO-Bündnis zu verteidigen.“ Wurde darüber auf der letzten Sitzung des NATO-Außenministerrates gesprochen, oder haben die Vereinigten Staaten wieder eine Ausnahmestellung und über sie wird nicht gesprochen?

Im Jahr 2019 veröffentlichte die United University of Special Operations, eine Ausbildungseinheit, die Teil des U.S. Special Operations Command ist, einen 250-seitigen Bericht mit dem Titel „Support for Resistance: Strategic Task and Effectiveness“, in dem ihr Autor Will Irwin, ein ehemaliger Offizier der US Army, die Ansätze, Praktiken und Ergebnisse bekannter Fälle direkter US-Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten analysiert hat. (Anm. d. Übers.: Auch das ist eine sehr spannende Lektüre, in dem Bericht werden alleine 47 – auch europäische – Länder genannt, in denen die USA verdeckt aktiv waren, bei Interesse finden Sie den Bericht hier)

Der Autor betont, dass seine Studie ausschließlich auf offenen und deklassifizierten Quellen beruht, und stellt fest, dass das Gesamtbild der subversiven Arbeit des Pentagons gegen andere Staaten tatsächlich noch viel größer ist als die im Bericht dargestellten Fakten. Dennoch weicht der Autor nicht von den üblichen Mustern der Propaganda ab. So werden von den USA unterstützte Kräfte fast überall als „Aufständische“ oder „Rebellen“ oder „Widerstand“ bezeichnet, obwohl es um oft direkt vom Pentagon oder der CIA erschaffene „Kreaturen“ geht. Aber das ist de facto eine weitere Bestätigung der subversiven Aktivitäten der Vereinigten Staaten, der Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten und in Wahlprozesse in Ländern, die sich als demokratisch bezeichnen.

Dieser Bericht zeigt deutlich, dass die US-Politik gegenüber anderen Ländern immer auf dem Prinzip des „Amerikanischen Exzeptionalismus“ basiert, was impliziert, dass die Vereinigten Staaten das erklärte „legitime Recht“ auf Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten haben. Es geht den USA nicht darum, dass man sich nicht in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischen darf, es geht ihnen darum, dass niemand außer den Vereinigten Staaten von Amerika sich in die Angelegenheiten anderer Staaten einmischen darf. Und die USA haben, wie sie glauben, das absolute Recht, das zu tun, weil sie „exzeptionell“ sind und nur sie wissen, wie sich die moderne Welt entwickeln sollte.

Um diese einseitige Haltung zu rechtfertigen, muss Irwin sogar zu einer Lüge greifen und behaupten, dass alle Staaten, die Opfer der USA wurden, zum Zeitpunkt der Geheimoperationen unter der Kontrolle von „repressiven, autoritären Regimes“ standen, oder, wenn das zu lächerlich erscheint, zu behaupten, dass ihre Regierungen aus „unfreundlichen Besatzern“ gebildet wurden. Das hört man auch jetzt regelmäßig von Vertretern des amerikanischen Establishments, auch wenn Regierungen als Ergebnis normaler demokratischer Prozesse gebildet wurden.

Außerdem betont der Verfasser des Berichts, dass das Dokument bewusst nicht auf aktuelle Vorgänge eingeht. Die Gründe dafür sind der „geheime Status der Information darüber oder die Ungewissheit über den endgültigen Ausgang“. Der Autor muss jedoch zugeben, dass kein Präsident nach dem Zweiten Weltkrieg widerstehen konnte, Geheimoperationen gegen andere Länder durchzuführen – selbst wenn die Präsidenten bei ihrer Wahl diese Art von Politik formell abgelehnt haben.

Die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, sich in fast jeden Prozess oder politischen Streit einzumischen, auch mit dem Militär oder den Geheimdiensten, die unter dem Deckmantel der Diplomatie arbeiten, illustriert den Witz, den es zu dem Thema gibt, sehr gut: „Warum gibt es nie einen Staatsstreich in Washington? Weil es dort keine amerikanische Botschaft gibt.“

Wie die Ereignisse vom Anfang dieses Jahres gezeigt haben, versuchen sie die Probleme in den Vereinigten Staaten selbst nicht zu sehen. Und all die Probleme, die sie bei sich selbst haben, nennen sie – ohne zu merken, wie gleichzeitig lustig und beängstigend das aussieht – einfach „inneren Terrorismus“. Ich möchte wiederholen, dass wir ab jetzt regelmäßig auf dieses Thema zurückkommen werden. Die amerikanischen Partner haben uns keine andere Wahl gelassen.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

4 Antworten

  1. Das sind genau die 142 Länder , die in der UNO, immer gehorsam mit dem Imperium stimmen.
    Dann kann man festhalten, das Das unvollendete 1000 Jährige REICH, der Herrscher Dynastien, bis jetzt 142 Länder der Erde umfasst.Sie sind die letzten Jahrtausende, speziell das letzte Jahrhundert, gut voran gekommen.

  2. Das Problem, was wir haben: Es kommt auf so etwas wie „Wahrheit“ oder „gleiches Recht“ überhaupt nicht an.

    Die Amerikaner können völlig problemlos Dinge tun, die wir als Rechtsbruch ansehen – weil es das Recht der Amerikaner ist, Recht nach ihren Vorstellungen zu gebrauchen, zu verändern oder zu schaffen.
    Die Amerikaner haben das Recht, sich in die Wahlen anderer Länder einzumischen, weil sie es sich nehmen, und niemand sie daran hindern kann, und gerade das „alte Europa“ das auch nicht will, vielmehr solches für Recht hält – schließlich hat man diese Welt in knapp 500 Jahren mühevoller Kleinstarbeit selbst geschaffen – und sie beruht in erster Linie auf Vorherrschaft des Westens – dieselbe i.Ü. auch während dieses „Unfalls“ von 70 Jahren Kommunismus nicht wesentlich beeinträchtigt wurde.

    Wir haben eine Situation, die einer bestimmten Phase der US-amerikanischen Zivilisationsentwicklung sehr ähnlich ist – und welche in dem einen oder anderen „Western“ bei genauerer Betrachtung doch recht anschaulich vermittelt wird.

    Wenn es allen Staaten möglich wäre, das Selbstverteidigungsrecht, wie es ab 2001 durch die Amerikaner (weiter-)entwickelt wurde, wahr zu nehmen, lägen die U.S.A. bereits in Schutt und Asche (und so mancher europäischer Staat auch).

  3. Westeuropa äfft den VSA freiwillig Unkultur nach, egal ob bei der Einwanderung (dort gezielt, hier planlos), Mode (Jeans=Einheitskleidung), Architektur oder Unkunst (Spaßparks, Musicels), unsere hochwertige Bildungseinrichtungen wurden amerikanisiert, will sagen, heruntergewirtschaftet, die Polizei bekam dieselben Uniformen, die NATO hat immer einen amerikanischen Oberkommandierenden, der Gleichheitswahn samt Gender schwappte auch nach Europa, ebenso das Klopsbrötchen und Kaugummi. Die Medien unterstützen diesen Wahn und nennen den nackten Kaiser nicht, wie er vor uns steht: Nackt, irre und gewalttätig. Ich war Anfang der 90er in Florida und wollte nicht wieder dorthin. Langer Flug und keine alte sehenswerte Architektur. Europa war einmal in seiner Vielfalt ein Kleinod auf der Welt. Kleine Fleckchen mit unterschiedlicher Sprache und Kultur-weg amerikanisiert. Es gibt in Frankreich eine mUsikgruppe Les Brigandes. Die singen: „Wie ich ein Amerikaner wurde“. Das schafften sie ohne Gewalt, subtil durch die Medien und korrumpierte Politiker.

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