Nato und Russland

Verlogenheit bei der Nato und Propaganda im Spiegel

Nato-Generalsekretär Stoltenberg hat Russland zum Dialog aufgefordert, aber schon dabei gelogen. Und der Spiegel und andere Medien haben die Lüge weiterverbreitet.

Nato-Generalsekretär Stoltenberg hat der „Welt“ ein Interview gegeben, in dem er einen Dialog mit Russland gefordert hat, Russland reagiere aber nicht auf die Gesprächsangebote der Nato, der Ball liege nun bei Russland, so Stoltenberg. Diese Aussagen haben die westlichen Medien kritiklos zitiert, wie ich am Beispiel des Spiegel aufzeigen werde. Das Problem dabei ist, dass das gelogen ist.

Der Westen hat 2014 alle Gespräche abgebrochen

Der Nato-Russland-Rat, um den es geht, wurde 2002 gegründet und hat danach monatlich getagt. Der Sinn war es, Vertrauen zwischen Russland und der Nato aufzubauen, Missverständnisse zu vermeiden und gefährlichen Zwischenfällen vorzubeugen. Die Nato hat diese Gespräche im Zuge der Ukraine-Krise im Jahr 2014 einseitig ausgesetzt. Ab 2016 gab es einige unregelmäßige Treffen des Formats, das letzte ist mittlerweile 19 Monate her.

Es war also nicht Russland, dass die Treffen abgebrochen hat, sondern die Nato. 2014 hat der Westen fast alle regelmäßigen Gesprächsrunden mit Russland eingefroren, am besten dürfte den meisten in Erinnerung sein, dass der Westen Russland 2014 aus den G8 ausgeschlossen und wieder die G7-Treffen eingeführt hat.

Die Nato hat alle russischen Gesprächsangebote ausgeschlagen

Russland und seine Regierung haben diese reihenweisen Abbrüche von Gesprächen seitdem immer wieder beklagt und zu Gesprächen aufgerufen. Aus dem Westen kamen fast nie Antworten. Stammleser des Anti-Spiegel wissen das, denn hier werden immer wieder solche Gesprächsangebote der russischen Regierung und von Präsident Putin selbst übersetzt, wie ich an einigen Beispielen aufzeigen will.

Als die USA zum Beispiel einseitig den INF-Vertrag über das Verbot bodengestützter nuklearer Kurz- und Mittelstreckenraketen gekündigt haben, hat Russland angekündigt, einseitig auf die Stationierung solcher Raketen in Europa zu verzichten, solange die Nato keine solchen Raketen in Europa aufstellt. Das hat die Nato abgelehnt.

Als Putin vorgeschlagen hat, dass Russland und USA ihre Atomraketen aus Europa abziehen sollten, haben die USA mit der Drohung der Stationierung weiterer Atomraketen in Europa reagiert und die Bundesregierung hat die Presse – und damit die deutsche Öffentlichkeit – bei dem Thema angelogen, die Details finden Sie hier.

Statt auf Entspannung zu setzen, hat die Nato 2020 ihre Flüge von Kampf- und Aufklärungsflugzeugen an der russischen Grenze massiv erhöht. In 2020 gab es knapp 4.000 solche Nato-Flüge an den russischen Grenzen.

Die „Qualitätsmedien“ berichten nicht

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen, das waren nur einige wenige Beispiele. Es ist definitiv nicht Russland, das einen Dialog ablehnt. Es war die Nato, die 2014 fast alle bestehenden Gesprächsrunden abgebrochen und russische Vorschläge, den Dialog wieder aufzunehmen, ignoriert oder zurückgewiesen hat. All das ist den Redaktionen der „Qualitätsmedien“ natürlich bekannt, schließlich lesen sie ja die Meldungen der Nachrichtenagenturen, die darüber immer berichtet haben. Aber die „Qualitätsmedien“ scheinen der Meinung zu sein, dass die Leser im Westen davon nichts erfahren sollten und berichten nicht darüber.

Daher kommt Stoltenberg mit seinen Aussagen in dem Interview der „Welt“ auch durch, denn die Leser im Westen wissen von all den russischen Gesprächsangeboten nichts. Die Überschrift im Spiegel lautete „»Wir haben viel zu besprechen« – Nato-Generalsekretär Stoltenberg ruft Russland zu Treffen auf“ und in er Einleitung erfuhr der Spiegel-Leser:

„Nato-Generalsekretär Stoltenberg drängt Russland erneut zu Gesprächen. Zuletzt war eine positive Antwort aus Moskau ausgeblieben. Dabei gehe es um vieles, das im »gemeinsamen Interesse« liege, so der Nato-Chef.“

Dreist gelogen

Wenn man die Vorgeschichte kennt, dann überrascht die Dreistigkeit, mit der Stoltenberg lügt. Andererseits überrascht sie aber auch nicht, denn die transatlantischen „Qualitätsmedien“ decken ihn ja und er weiß, dass er bei einem solchen Interview keine kritischen Fragen zu befürchten hat. Leuten wie mir gibt er keine Interviews und er wird wissen warum, denn mit einer Formulierung wie dieser, die man im Spiegel lesen kann, würde er bei mir nicht durchkommen:

„Die Nato habe die russische Regierung bereits vor über einem Jahr zu einem neuen Treffen eingeladen, darauf habe es aber keine positive Antwort gegeben, so Stoltenberg. »Der Ball liegt jetzt aufseiten Russlands.«“

Da hätte jeder echte Journalist doch sofort nachhaken und fragen müssen, was denn in der Einladung zu dem Treffen gestanden hat und wo das veröffentlicht worden ist.

Der Spiegel ist daher auch vorsichtig und benutzt den Konjunktiv: „Die Nato habe“ Russland vor einem Jahr eingeladen. Wenn der Spiegel der Meinung wäre, dass das Stoltenberg die Wahrheit sagt, hätte er nicht den Konjunktiv benutzt, sondern geschrieben, die Nato hat Russland eingeladen und dazu als Beleg am besten auch gleich noch die damalige Presseerklärung der Nato verlinkt.

Entsprechend waren die Reaktionen aus Russland. Auf die Formulierung von Stoltenberg hat die Sprecherin des russischen Außenministeriums geantwortet, die Nato solle ihr Tor wieder auf das Spielfeld tragen, dann würde Russland den Ball sofort hineinschießen. Und der russische Außenminister hat darauf hingewiesen, dass es die russischen Vorschläge zur Wiederaufnahme der Gespräche sind, die bei der Nato seit über einem Jahr auf dem Tisch liegen. Im Gegensatz zur Aussage von Stoltenberg hat Russland seine Gesprächsangebote öffentlich gemacht, jeder kann sie auf der Seite des russischen Außenministeriums finden und über viele habe ich berichtet.

Der Spiegel und seine Desinformation

In dem schon zitierten Spiegel-Artikel kann man auch noch lesen:

„Bemühungen um die Wiederaufnahme von Gesprächen im Nato-Russland-Rat waren zuletzt mehrfach gescheitert. Als ein Grund gilt, dass Russland in dem Format nicht mehr über den Ukrainekonflikt reden will. Dies wiederum wollen vor allem östliche Nato-Staaten nicht als Bedingung für neue Gespräche akzeptieren.“

Das klingt gut, ist aber Unsinn. Das weiß der Spiegel auch, nicht umsonst formuliert es so, dass „als ein Grund gilt, dass Russland in dem Format nicht mehr über den Ukrainekonflikt reden will.“ Wo „gilt“ das denn, lieber Spiegel?

Der Nato-Russland-Rat hat erstens mit dem Ukrainekonflikt nichts zu tun und zweitens ist Russland durchaus bereit, über den Konflikt zu reden. Russland ist nur nicht bereit, sich von der Nato Ultimaten stellen zu lassen.

Der Ukrainekonflikt ist ein inner-ukrainischer Konflikt, den Kiew mit den Rebellen im Rahmen dessen lösen muss, was im Normandie-Format und im Minsker Abkommen beschlossen wurde. Dazu ist Kiew aber nicht bereit, wie man dort inzwischen offen verkündet.

Aber davon, dass die ukrainische Regierung sich inzwischen vollkommen offen weigert, das Minsker Abkommen umzusetzen, haben Spiegel-Leser noch nie etwas gehört, weshalb der Spiegel so einen Unsinn schreiben kann, ohne dass seine Leser darüber stolpern.

Das zeigt einmal mehr:

Spiegel-Leser wissen weniger!

Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen „Spiegleins“ lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

13 Antworten

  1. Der Stoltenzwerg, ein Adlatus, des Oberbefehlshaber und alleinigen HeerFÜHRER, des Nato Bund, der jeweilige US Präsidenten Darsteller. ALLE Organisationen, die Die Herrscher Dynastien schaffen, sind nach dem FÜHRER Prinzip gestaltet.

  2. Etwas OT, aber wenn es nach der Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen geht soll D gegenüber RU ganz andere Seiten aufziehen inkl NordSteam2-Stopp. Klar, nicht gänzlich neu die Info, aber gleich wird deren Antrag im Bundestag besprochen „Kurskorrektur in der Russlandpolitik – Menschenrechte, Demokratie und europäische Friedensordnung konsequent verteidigen“:

    https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw23-de-russlandpolitik-843426

    Alleine auf der ersten Seite stehen so viele Lügen, dass einem schlecht werden könnte. Dass sie am Ende des Antrags einen besseren kulturellen Austausch fordern, vor allem auf Jugendebene, ist löblich hervorzuheben, macht es in der Summe aber nicht gut.

    1. Wenn die Grünen kulturellen Austausch fordern, noch dazu vor allem auf der Jugendebene, dann ist das eher besonders gefährlich. Es läuft auf politischen Kindesmissbrauch hinaus – die wollen dort FFF und LBGTQWERTZ Bewegungen installieren und das vor allem mit Kindern.

  3. Herr Stoltenberg.

    Ausgerechnet. Was für ein Lügner, was für ein Hetzer, was für ein Kriegstreiber.
    Eine der übelsten Gestalten des Westens.

    Kein Vertrauen mehr für solche Politiker.

    1. Also den hab ich mir ja einmal bei einer seiner „Verkündigungen“ angesehen. Da war der so „hippelig“ mit einem hochfrequenten Blickwechsel zwischen Blatt und Auditorium – der wußte, daß er da Hühnerscheiße erzählt.

    1. Guten Tag,
      junger Mann, so Ihre Ausdrucksweise,
      machen Sie sich doch einmal klar: Alle Leute welche in unserer heutigen Lage auf Seiten der Regierung stehen, haben nicht die Möglichkeit wie Sie, sich schlauer zu machen.
      Das hat auch gesellschaftliche Gründe. Leben Sie in einer Regierungskonformen Blase, dann werden Sie kaum gegen an schwimmen. Dieses Verhalten machen Sich alle Regierungen zu nutze. Überzeugen Sie jemanden der nicht überzeugt werden darf, aus gesellschaftlichen Gründen.
      Ab einer gewissen Reife wird jedem klar, ängstliche Menschen lassen sich meist nur indirekt ansprechen. Auf Deutsch; ich trage seit Jahren beim Radfahren eine Signalweste,
      auf dem Rücken beschrieben mit:
      uncut-news.ch und darunter friedliche-loesungen.org .
      Da braucht man auch nichts zu erklären, denn das sind Netzadressen.
      Angesprochen wurde ich in all den Jahren nur sehr selten, von Jungen Leuten.
      Das war sehr kurz dargestellt, doch hoffentlich verständlich.
      Im Übrigen ist mein Vater 1911 geboren, war SPD nah und wurde dafür auf einen Sperrbrecher geschickt, hatte aber überlebt. Dieser Mann hat mir von der SA erzählt, wie es damals so war. Die Leute haben es nicht aus politischen Gründen hingenommen, sondern es entwickelte sich alles über Jahre. Vergleichen Sie das mal mit Heute……
      Und eines noch: Die Strafe für die Verbrecher, welche das alles zu verantworten haben,
      soll sein: Entzug aller Bürgerrechte, verlassen des Landes verboten.
      Da macht sich niemand die Finger schmutzig.
      Es ist eure Welt………

      1. „Vergleichen Sie das mal mit Heute……“

        Eben. Man sieht es ja am ehemaligen Schutzmann, aus dem ein Kampfroboter geworden ist, der hemmungslos sogar alte Menschen zu Boden wirft.

  4. Ich meine, wer das noch glaubt, dem ist nicht mehr zu helfen. Oder turnen die Russen in Mexiko oder Kanada rum oder bauen dort Schutzschirme auf. Ich finde auch die Typen, denen das Gehirn im Turbowaschgang und bei 120°C gewaschen worden ist können sich da nicht rausreden. Es ist doch jedem ganz klar, wer hier der aggressive Teil ist. Wer das nicht sieht, der hätte auch damals die Juden für aggressiv gehalten. Ich finde in Anlehnung an Hannah Arendt „Niemand hat das Recht blöd zu sein“. Man muss ja nun wirklich nicht viele Gehirnzellen anwerfen um zu sehen, dass die Russen hier nicht erklären müssen.

  5. Thomas, da ist dir aber ein Fehler unterlaufen: „Spiegel-Leser wissen weniger!“ Die wissen nicht weniger, die wissen nichts!

    Bei Stoltenberg habe ich immer das Gefühl, der Kerl ist geistig umnachtet und gehört in die Psychatrie. Es ist doch nur kompletter Unsinn, was der von sich gibt!
    Einen Dialog will der mit Russland führen? Dialog heißt, dass beide Seiten auf gleicher Höhe miteinander disputieren. Aber das ist nicht vorgesehen. Stoltenbergs „Dialog“ besteht darin, dass er im Namen der NATO Forderungen an Russland stellt, die einer Kapitulation gleichkommen. Logisch, dass Russland keine Lust hat, mit diesen Strolchen zu reden. Und wie wir am Bruch der NATO-Russland-Akte, dem Bruch des INF-Vertrages, dem Organisieren von Staatsstreichen sehen, braucht man mit den US/NATO-Halunken auch keine Verträge schließen, weil sie sich sowieso nicht daran halten.

Schreibe einen Kommentar