Internetkonzerne

Was der Westen von China lernen kann und sollte

Im Westen geben die längst die großen Konzerne die Richtlinien der Politik vor. Im vielgescholtenen China wäre das nicht denkbar.

Im Westen herrschen im Grunde die Konzerne und das gilt auch für die Internetkonzerne. Die Konzerne machen sich über ihre Lobbyisten die Gesetze, die sie brauchen. Die Liste der Beispiele ist lang, ich will hier nur zwei nennen.

So haben sich 2008 zum Beispiel die Banken über die unter anderem auf Lobbyismus für Banken spezialisierte Anwaltskanzlei Freshfields während der Finanzkrise 2008 das Finanzmarktstabilisierungsgesetz schreiben lassen. Die Kanzlei hat das Gesetz für das Finanzministerium geschrieben, was dazu geführt hat, dass der deutsche Staat den Banken 60 Milliarden geschenkt hat, die Details finden Sie hier.

Und aktuell schreibt BlackRock, der größte Investmentfond der Welt, für die EU-Kommission die Richtlinien des aufsichtsrechtlichen Rahmens für den EU-Bankensektor, wie Sie hier nachlesen können.

In beiden Fällen wurde der Bock zum Gärtner gemacht. Das wäre so, als wenn die in den Gammelfleischskandal verwickelten Firmen die Hygienebestimmungen zur Fleischlagerung schreiben dürften.

Die Liste ist wie gesagt lang und sie umfasst alle Branchen. Die „Qualitätsmedien“ haben daran nichts zu kritisieren, denn auch sie profitieren von dem System, in dem Lobbyisten und NGOs den westlichen Regierungen die Gesetze schreiben können, die deren reichen Besitzer haben möchten, um Reichtum und Macht zu mehren.

Auf das Thema gehe ich übrigens in meinem neuen Buch, das jetzt vorbestellbar ist, im Detail ein. Die Buchbeschreibung finden Sie hier.

Die Macht der Internetkonzerne

Besonders mächtig sind in den letzten Jahren im Westen die Internetkonzerne geworden. Wikipedia entscheidet heute, was als Wahrheit im „Lexikon“ steht. Wozu das führt, habe ich in einer fünfteiligen Serie aufgezeigt, den ersten Teil finden Sie hier.

Facebook und YouTube sind zu Medien geworden, bei denen sich Menschen informieren und durch gezielte Zensur entscheiden diese Konzerne heute über den politischen Diskurs. Missliebige Meinungen und Meldungen werden kurzerhand zensiert und gelöscht.

Und auch die Internetkonzerne wollen ihre eigenen Gesetze machen. Ein der Gründe, warum die Internetkonzerne gegen Trump waren, ist, dass er sie für ihre Aktivitäten haftbar machen wollte, die Details finden Sie hier. Dabei geht es um Milliarden, dagegen sind die Internetkonzerne gemeinsam im US-Wahlkampf vorgegangen und haben Biden zum US-Präsidenten erklärt. Das ist keine Übertreibung, Twitter hat das sogar schon vor der Wahl offen angekündigt.

Die Macht der Internetkonzerne ist im Westen inzwischen so gewaltig, dass sie nicht nur Gesetze „kaufen“ können, indem sie Lobbyisten einsetzen und die öffentliche Meinung in die gewollte Richtung lenken können, sie können sogar darüber entscheiden, wer US-Präsident wird. Man muss ganz nüchtern konstatieren, dass die Staaten im Westen weniger Macht haben, als die großen Konzerne. Was das für die Demokratie bedeutet, ist ein anderes Thema, auf das ich hier aber nicht eingehen möchte.

Der Kampf der Systeme

Es wird inzwischen sogar in den Medien manchmal berichtet, dass der Kampf gegen China ein Kampf der Systeme ist. Und das ist korrekt. Dabei ist das Problem aber nicht, dass China sich noch immer als kommunistisch“ bezeichnet, obwohl es längst eine Marktwirtschaft ist. Und es ist auch unwichtig, dass China ein Einparteiensystem ist. Demokratie ist für den Westen nur dann wichtig, wenn ein Staat eine andere Meinung hat als der Westen, wie die enge Freundschaft zu den pro-westlichen Diktaturen auf der arabischen Halbinsel zeigt. An den dort herrschenden anti-demokratischen Verhältnissen hat der Westen wenig zu kritisieren und er verhängt keine Sanktionen wegen Verletzungen der Menschenrechte.

Der Kampf der Systeme gegen Länder wie China oder auch Russland hat einen viel banaleren Grund: Die dortigen Regierungen lassen sich von den westlichen Konzernen nichts vorschreiben und machen einfach eine eigene Politik.

Schlimmer noch: Sie lassen sich auch von den eigenen Konzernen nichts vorschreiben. Wenn Putin oder Xi Jingping sich wenigstens nach westlichem Vorbild von den eigene Oligarchen und deren Konzernen nach westlichem Vorbild die Politik aufzwingen lassen würden, könnten die westlichen Konzerne die russischen oder chinesischen Konzerne mit der Zeit übernehmen und sich so den Einfluss auf die Politik der Länder sichern.

Aber China und Russland sind der Meinung, dass der Staat die Regeln vorgeben sollte und nicht die Konzerne. Mehr noch: Sie sind sogar der Meinung, dass die heimische Wirtschaft sich gefälligst zum Wohle des eigenen Landes engagieren sollte.

Darum geht es im Kampf der Systeme: Im Westen wird die Globalisierung als heilige Kuh angesehen und das Kapital ist frei. Es schert sich einen Dreck um das eigene Land und geht nur dahin, wo die Profite winken. Soziale Verantwortung oder Verantwortung für das Land, in dem sie groß geworden sind, ist für westliche Konzerne längst ein Fremdwort geworden. Die einzige Verantwortung, die westliche Konzerne kennen, ist die Verantwortung gegenüber den Aktionären, also den Eigentümern. Westliche Konzerne sind nur dem Gewinn verpflichtet, moralische oder soziale Fragen interessieren sie nicht.

Der Kampf der Systeme dreht sich also in Wahrheit um nichts anderes als um die Macht der Konzerne und daher müssen Staaten wie Russland und China in ein schlechtes Licht gerückt werden, denn wenn sich herausstellt, dass es den Menschen in den Ländern gut geht, dann könnte die Öffentlichkeit im Westen ja anfangen, Fragen zu stellen. Daher verschweigen die Medien im Westen zum Beispiel, dass China als einziges Land der Welt die absolute Armut besiegt und 800 Millionen aus der Armut geholt hat, während im Westen die Armut wieder wächst.

Und auch Russland muss deswegen verteufelt werden. Wenn die Menschen aus dem Westen in großer Zahl nach Russland reisen würden, könnten sie schnell erleben, dass die anti-russische Propaganda des Westens auf Lügen aufgebaut ist. Daher wurde gerade zur Zeit der Fußball-WM 2018 in Russland massiv gegen Russland geschrieben, denn es waren Millionen Menschen aus dem Westen in Russland und die waren vollkommen überrascht, dass Russland so völlig anders ist, als ihnen die Medien zu Hause erzählen. Also machen die Medien den Eindruck, es wäre gefährlich, nach Russland zu reisen und viele Menschen haben deshalb Angst, nach Russland zu reisen und dort Urlaub zu machen. Dabei ist die Kriminalität in Russland heute um die Hälfte niedriger als zum Beispiel in Deutschland.

China und seine Internetkonzerne

Vor allem China hat sich in Sachen Internet vom Westen unabhängig gemacht. China hat seine eigenen Messenger, seine eigenen sozialen Netzwerke und seine eigenen Lieferdienste. Facebook, Google, YouTube, Amazon und so weiter spielen in China keine Rolle. Stattdessen gibt es dort Alibaba, TikTok, WeChat und so weiter.

Der Spiegel hat kürzlich unter der Überschrift „Alibaba, TikTok, WeChat – So entmachtet China seine Techgiganten“ darüber berichtet, dass China seine Internetkonzerne an die kurze Leine genommen hat:

„Chinas Techtycoons sind Demutsübungen gegenüber ihrer Führung gewohnt. Seit Dienstag vergangener Woche aber überbieten sie sich geradezu in Unterwerfungsgesten. »Niemals«, gelobt der Onlinehändler JD.com, werde er seine »dominante Marktposition missbrauchen«. Niemals, verspricht der Lieferdienst Meituan, werde man gegen Wettbewerbsregeln verstoßen. Bytedance, das Start-up hinter der Videoplattform TikTok, legte gleich 13 Gelübde ab – darunter die Zusage, »nicht illegal Daten zu sammeln«.
Chinas Kartellamt, die Steuer- sowie die Internetaufsicht hatten 34 Digitalunternehmen nach Peking einbestellt – Konzerne mit einem Börsenwert von mindestens 2700 Milliarden Dollar. Die Ansage der drei Behörden war deutlich: Die Techgiganten hätten eine »ungeordnete Kapitalvermehrung« zu vermeiden, um Chinas wirtschaftliche und soziale Sicherheit zu gewährleisten und einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen. Bis Mitte Mai haben sie nun Zeit, sich einer »Selbstüberprüfung und Selbstkorrektur« zu unterziehen. Danach drohen schwere Strafen. Die »roten Linien« des Gesetzes seien »unantastbar«.“

Der Grund für Chinas Einschreiten dürfte Alibaba gewesen sein. Der Chef von Alibaba war vor einiger Zeit plötzlich für einige Zeit verschwunden und man darf spekulieren, dass der chinesische Staat ihn „einkassiert“ hat, um ihn daran zu erinnern, dass in China immer noch chinesische Regeln gelten und nicht die Regeln des Westens. In dem Spiegel-Artikel konnte man lesen:

„Anfang November wollte die Ant-Gruppe, wie Alibaba selbst vom charismatischen Unternehmer Jack Ma gegründet, an die Börse gehen und ein geopolitisches Zeichen setzen. Es sollte die größte Neuemission aller Zeiten werden und nicht in New York, sondern in Shanghai und Hongkong über die Bühne gehen – in einem Sektor, in dem China dem Rest der Welt davonzueilen schien.
Doch zur Verblüffung und zum Schrecken der Investoren sagte Peking den Börsengang kurzfristig ab. Das »regulatorische Umfeld« habe sich geändert, so die Begründung, und Ant erfülle die neuen Kriterien nicht. Jack Ma verschwand aus der Öffentlichkeit, die Behörden leiteten Ermittlungen gegen den Mutterkonzern Alibaba ein. Mitte April präsentierten sie das Ergebnis: Wegen »monopolistischer Geschäftspraktiken« muss Alibaba 2,75 Milliarden Dollar Strafe zahlen.“

Man kann nun vermuten, dass China unter anderem genau das verhindern wollte, was ich schon angedeutet habe: Dass sich westliche Firmen bei dem Börsengang (oder in der Folge davon) bei Alibaba einkaufen und so ihre Macht auf China ausdehnen.

Der Spiegel berichtet dann über mögliche Gründe für das Vorgehen der chinesischen Regierung und nennt drei Gründe. Entscheidend ist auch in meinen Augen der letzte von ihnen:

„Der dritte und wohl wichtigste Grund für den Feldzug gegen Big Tech ist aber ein anderer. Es geht dabei, wie fast immer im modernen China, um staatliche Kontrolle – über die Daten, die die Firmen sammeln, über die enormen Vermögen, die dabei entstanden sind, und über Unternehmer wie Jack Ma, die der Führung einfach zu mächtig geworden sind. Die Macht gehört der Partei, daran hat auch Chinas Internetboom nichts geändert. Der Umstand, dass die Staatsmonopolisten unangetastet bleiben, belegt das deutlich.“

Der Spiegel formuliert es negativ, wenn er schreibt, „die Macht gehört der Partei.“ Man könnte es aber auch so formulieren: Die Macht gehört dem Staat.

Wie ich oben ausgeführt habe, ist das in meinen Augen das Entscheidende: Es geht um die Frage, wer die Macht hat: Die Oligarchen und ihre Konzerne, wie es im Westen der Fall ist, oder der Staat, wie es in China oder Russland der Fall ist.

Weiter heißt es im Spiegel:

„Der neue Interventionismus zeigt bereits Wirkung. Mehr als 100 Start-ups haben ihre Börsenpläne in China auf Eis gelegt, seit die Regierung den Gang von Ant aufs Parkett abgesagt hat. Bei vielen anderen sind bereits die Inspektoren im Haus und arbeiten sich durch Kontoauszüge und Papiere.“

Auch das bestätigt meine These, dass China verhindern will, dass westliche Konzerne über den Umweg von Unternehmensbeteiligungen Macht und Einfluss in China erlangen wollen. Genau dagegen geht China offenbar vor, wenn es derzeit gegen Börsengänge aktiv wird.

Der Spiegel-Artikel endet mit folgendem Satz:

„Von einem Ende des Tech- und Börsenbooms könne keine Rede sein, beschwichtigt die Regierung. Peking baue weiterhin auf die Digitalisierung. Doch wer in China damit Geld verdienen will, muss sich fortan fügen.“

Und das ist eben der Unterschied zum Westen: In China muss sich die Wirtschaft dem Staat unterordnen und das passt dem von der Wirtschaft regierten Westen und seinen von der Wirtschaft kontrollierten Medien überhaupt nicht.

Dass China keine Demokratie ist, bestreite ich nicht und ich mache hier keine Werbung für das politische System in China. Aber kann man im Westen von Demokratie sprechen, wenn die Macht de facto gar nicht vom Wähler ausgeht?

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

30 Antworten

  1. „Man könnte es aber auch so formulieren: Die Macht gehört dem Staat.“

    Man könnte nicht, man es so formulieren. Der chinesische Staat arbeit nicht gegen das Volk, wie man an der Armutsquote sehen kann. Was dagegen hier im Westen möglich ist, zeigt dieser Hammer:

    clubderklarenworte.de/exklusiv-rki-schriftverkehr/

    Muss man lesen! Es zeigt die „Demokratie“ in D.

    1. Es sollte natürlich heißen „man muss es so formulieren.“ 😬

      In dem auf der Seite verlinktem PDF fällt eine Passage besonders auf, abgesehen natürlich von zig-geschwärzten Seiten:

      „1. Unser Papier kam bei den beiden (geschwärzt wegen § 3, 1a IFG) sehr gut an und wird ob seiner hohen Qualität und Umsicht nun den Weg in das Krisenkabinett der Bundesregierung finden.
      2. Ich bin aufgefordert worden, Ihnen zu sagen, dass wir unsere Arbeit unbedingt fortsetzen sollen.“

      § 3, 1a IFG besagt folgendes:

      „Der Anspruch auf Informationszugang besteht nicht,
      1.
      wenn das Bekanntwerden der Information nachteilige Auswirkungen haben kann auf
      a)
      internationale Beziehungen“

      Wer hat denn dafür gesorgt, dass das Papier den Weg in das Krisenkabinett der Bundesregierung finden wird und welche Ausländer können dies überhaupt? Wer verlangt, dass demokratisch nicht legitimierte Personen, die nicht einmal mit ihrem Namen einstehen, weiterarbeiten sollen und warum würde das nachteilige Auswirkungen auf internationale Beziehungen haben? Für mich ein starkes Indiz, wenn nicht sogar um einen Beweis, dass es sich um eine Plandemie handelt.

  2. ‚Von einem Ende des Tech- und Börsenbooms könne keine Rede sein, beschwichtigt die Regierung. Peking baue weiterhin auf die Digitalisierung. Doch wer in China damit Geld verdienen will, muss sich fortan fügen.“ ‚

    Einerseits blockiert die chinesische Regierung den Börsengang von Tech-Unternehmen und erfolgreichen Start-Ups, andererseits könne von einem Ende des Börsenbooms keine Rede sein. Für mich ein Widerspruch. Kann mir jemand hier im Forum diesen evtl. auflösen?

    Die Systemfrage, also welches System ist für das Wohlergehen der gesamten Menschheit (incl. Gesundheits, Umwelt-, Klima- u. Wohlstandsfragen) langfristig das bessere, drängt in der Tat immer intensiver auf eine Antwort. Es gehört aber noch eine zweite Frage dazu:
    Wird das gemäß obiger Frage objektiv bessere System sich dann auch
    wirklich durchsetzen oder siegt am Ende dann doch das vielleicht propagandistisch effektivere und „bessere“ System, welches die Men-
    schen mit wohlfeilen Versprechen besser um den Finger wickeln kann.
    Meine vorsichtige Antwort: es wird auf absehbare Zeit beide Systeme
    geben (sagen wir noch die nächsten ca. 100 Jahre ), die in einer Art Koexistenz in relativem Frieden miteinander auskommen. Was danach kommt, kann man seriöserweise nicht wirklich vorhersagen, weil zu viele Faktoren eine Rolle spielen (u.a. auch die Mentalität der verschiedenen Völker – eher die individuelle Freiheit liebend oder eher diszipliniert und obrigkeitshörig – und in welchem Tempo der wissenschaftlich-technische Fortschritt weitergeht). Ja, ich halte es für tatsächlich möglich, sogar realistisch, dass sich die von Oligarchenpropaganda benebelten westlichen Völker noch mindestens weitere 100 Jahre lieber von Internet-, Industrie-, Finanz- u. Medienkonzernen was vormachen und ausbeuten lassen, also sich die Richtung, wo es lang geht, DIKTIEREN lassen, als dass sie sich einer Partei anvertrauen, die unter Einschränkung von Grundrechten (was man sicher auch als Diktatur bezeichnen muss), dann aber doch für mehr Gerechtigkeit sorgt, d.h. unter anderem gerechtere Verteilung von Wohlstand, Gesundheitsversorgung und Bildungschancen.

    1. „Einerseits blockiert die chinesische Regierung den Börsengang von Tech-Unternehmen und erfolgreichen Start-Ups, andererseits könne von einem Ende des Börsenbooms keine Rede sein. Für mich ein Widerspruch. Kann mir jemand hier im Forum diesen evtl. auflösen?“

      China (Führung) diktiert was zulässig und vertretbares Risiko ist und was nicht.
      Man schaut auf Balance. An die Börse können Firmen aber hinter einem Börsengang steht mindestens 1 Firma die soweit ist das sie als staatlicher Ersatz fungieren kann.
      Bei Alibaber als umfassendste Schnittstelle ist es nicht der Fall. Daher das Börsenverbot. Man könnte auch sagen “ die Leine war zu lang „.

      Aber ich denke, man fürchtet eher dass das Erreichte ( Armutsbekämpfung, technischer Fortschritt usw) mit der Verantwortungslosigkeit bestellter Chefs zu nichte gemacht wird. Heute noch China morgen steht das Tech Centrum irgendwo und man verliert nicht nur die Kontrolle sondern die Einnahmen.

      Wir können diesbezüglich doch ein Lied davon singen. Jeder schleppt seine Gewinne ungehindert raus aus Deutschland, Steuern zahlen? Am Allgemeinwohl orientiert? Nix da, das sollen doch die Anderen machen, ich nehme die Anderen geben.

      Erfolgreich ist ein Produkt weil es nachgefragt wird und nicht weil die Firma an der Börse verschachert wird. Ein Börsengang geht mit dem Ausverkauf von Knowhow einher.
      Dann wird an Verwertungsrechten geschraubt und ehe man sich versieht zahlt man für die eigene Erfindung.

  3. Ein glänzender Artikel!

    In wenigen Zeilen die Systemunterschiede zusammengefasst.
    Schade dass der Anti-Spiegel nur eine sehr begrenzte Reichweite hat.

    Die meisten Menschen in unseren Breiten glauben ja noch immer, dass sie in einer Demokratie lebn.

  4. Guter Artikel – kurz und bündig auf das Wesentlichste gebracht. Dennoch darf man einwerfen, dass absolut KEIN auf Atheismus und Materialismus basierendes (Wirtschafts-) System (Sozialismus/Kommunismus, Kapitalismus/Imperialismus) zu wirklichem Wohlstand führen kann, weil die geistige Komponente unseres Daseins unberücksichtigt bleibt. Diese kann man weder mit Moral und Ethik, mit Propaganda und Erziehung derart unters Volk bringen, dass Jeder in seinem ganz individuellem Leben mehr glücklich als unglücklich ist.

    In einer Demokratie darf sich jeder Depp zum Präsidenten oder Kanzler wählen lassen, in einer Diktatur kann sich jeder Depp mit Intrigen und Militär hochputschen, in einer Monarchie wird dem Volk eine schöne heile Welt vorgespielt, auch wenn Infanten am Hebel zu sitzen glauben.

    Doch das Sein entsteht aus dem Bewusstsein – sowohl im Westen als auch im Osten. Den Kampf der Systeme wird nur Derjenige gewinnen, bei dem sogar die Geistigkeit noch über der Wirtschaft steht. Wenn der Geist und das Herz rein sind, dann ordnet sich Alles Andere dem unter. Und da im Osten die Spiritualität mehr gelebt wird als im Westen (die christlichen Kirchen haben hier einfach versagt), wird der Osten im wirklichen Vorteil bleiben. Es ist damit also nicht so sehr der Kampf der (Wirtschafts-) Systeme als vielmehr der Kampf der Weltanschauungen (incl. Religionen), der einer näheren Betrachtung bedarf …

    1. Sie haben absolut recht, widerspricht der Aussage das Artikels auch in keinster Weise!
      Weil wir uns hier im Westen immer mehr abkoppeln (wollen) vom „Geist“bzw. vom Bewusstsein werden wir immer bewusstloser.
      Die Ergebnisse der Bewusstlosigkeit oder der Geistlosigkeit werden immer offensichtlicher – und das Ende der Fahnenstange ist dabei noch lange nicht erreicht.

      Schön, auch von anderen Menschen zu lesen, die ähnliche Gedanken haben. Ein Grund zur Hoffnung?

    2. Die Frage ist nur, was wollen Sie an die Stelle von Anbetung des Mammon setzen? Der Vorgänger des heutigen hemmungslosen Materialismus war der vielfach gewalttätig-rücksichtslose Christenglaube, um nicht zu sagen -wahn. Durch diesen wurde doch Europa/die westliche Welt erst zur „Führungs“ Macht, die allem und jedem seinen Willen aufzudrängen lernte. China ist da wohl historisch immun mit ihren fernöstlichen und teilweise recht intelligenten Weltanschauungen. Christen werden wohl verfolgt in China, und das nicht ohne Grund, was ich vor diesem Hintergrund nachvollziehen kann. Ja, es gibt gute und weitsichtige Weltanschauungen, aber die Masse (bei uns) läßt sich wohl immer noch lieber von Kriegsparolen usw. antreiben als hier und da auch mal NEIN zu sagen…. die Wirkung folgt auf die Ursache….

    3. Ich weiß nicht woher der Artikel stammt, aber er trifft genau ins Schwarze!
      Was unterscheidet Affen und Menschen? Sie würden niemals den dümmsten zu ihrem Anführer wählen.

  5. Sehr geehrter Herr Röper,

    ich kann Ihre Leitfrage und Kernaussagen nur sehr bedingt teilen und nachvollziehen.

    An der Oberfläche mögen Ihre Einschätzungen stimmen.

    Bei genauer Betrachtung der beiden Systeme müssen Sie anerkennen, dass sowohl China, als auch der Westen, sich kaum in Ihrer Politik unterscheiden und die Abhängigkeit und wirtschaftliche Verflechtung zwischen den beiden Mächten so groß ist, dass jegliche Propaganda und jedes Säbelrasseln gegen China nur als „Teile und Herrsche“ für das eigene Volk betrachtet werden kann.

    Kaum ein westlicher Großkonzern verzichtet darauf seine Waren in China herzustellen.

    China dagegen kauft fleissig und ungehindert Firmen in Deutschland, Europa und der ganzen Welt ein.

    In beiden Systemen wird die Meinung der Bevölkerung durch den Staat und die Internetkonzerne unterdrückt, zensiert und denunziert.

    Und wenn Sie von der Beseitigung der absoluten Armut sprechen: Auch bei uns sind die Hungerkrisen überwunden.

    Nein, was wir sehen ist, dass der Wertewesten erschreckend ähnlich dem chinesischen Vorbild ist.

    Besonders die Corona-Maßnahmen haben das nun endgültig und für jeden sichtbar gemacht.

    1. Teile und Herrsche ist Leben und Leben lassen.

      Sowohl China als auch Russland lassen Leben wenn gerecht geteilt wird. Gerecht Teilen bedeutet allerdings hier zu aller erst Steuern im Inland zu zahlen, sich an gesellschaftlichen Herausforderungen angemessen zu beteiligen u.a.m.

      Beide Länder verbieten Reichtum nicht so lange Dieser nicht allein darauf basiert das er Hungerlöhne zahlt oder gar nichts bezahlt, Steuern hinterzieht und/oder durch unterlassene Investitionen die Existenzgrundlage der Arbeitenden als auch das Drumherum gefährdet.

      Der Staat muss ob er will oder nicht ein irgendwie geartetes Überleben sichern und wie das ausgehen kann haben der 1. und 2. WK gelehrt.

      Musste der Staat eine Antwort auf die Folgen der Industrialisierung finden? Ja!
      z.B.

      https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Ueber-uns-und-Presse/Historie/historie_detailseite.html

      Musste der Staat eine Antwort auf die Kriegsfolgen finden? Ja!

      „Der Krieg hinterließ dramatische Lücken in der Demografie Deutschlands (mehr noch in jenen Frankreichs, Serbiens, Montenegros und der Türkei) und erzeugte eine noch nicht gekannte soziale Not bei Kriegswaisen und -witwen.“

      https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg#Verluste

      Damals galt der Mann noch als alleiniger Ernährer. Die Gefallenen fielen als Ernährer weg aber sie fielen auch als Teil der Produzenten weg.
      Gleiches kaum 1 Generation später nochmal. Nur gesellten sich dann noch die Spätfolgen des 1.WK hinzu.

      Nach 1945 mussten die Staaten wie auch immer funktionieren und der Osten nutzte die Frauen eben um die fehlenden Männer zu ersetzen. was aus der Not heraus geschah brachte eben andere positive Effekte hervor, wie die Unabhängigkeit der Frau, selbstbewusste gesellschaftliche Teilhabe u.a.m.

      Man kann auch grob sagen, die Gruppe der Brandbeschleuniger bekämpft die Brandlöscher.

      Also wer sollte die Maßstäbe setzen?

      1. Beide nicht!

        Sowohl China als auch der Westen folgen dem gleichen Prinzip: egoistische Interessen, Machtkonzentration und Ausbeutung.

        Ohne China und seine Billiglöhner, miesen Arbeitsbedingungen und die schlechten Qualitätstandards würde es die Globalisierung, wie wir sie derzeit erleben, überhaupt nicht geben.

        Genauso sind unsere westlichen Konzerne und Staaten nicht an faire Arbeitsbedingungen und Menschenrechte interessiert.
        Das Recht des Einzelnen wird nur solange verteidigt, wie es den Herrschenden zum Vorteil reicht.

        Der Westen, China, Russland und die meisten anderen Staaten teilen alle das selbe Problem: Die elitäre Herrschaft von einigen wenigen über die Masse der Bevölkerung.

        Und wir alle hängen im Netz der Propaganda und Systemdiktatur.

        Wer nicht folgt wird aussortiert.

        1. Wer hat denn China den Boden bereitet?

          Erst konnte man nicht schnell genug seine Krallen in den chinesischen Markt schlagen, dann jammerte man über die schlechte Qualität und nun jammert man über zu viel China.

          Auch die Moralkeule „Geiz ist geil“ ist voll daneben, weil die, die dieses Motto nutzen die Gleichen sind die das Herr der deutschen oder chinesischen Billigarbeiter ausnutzen.

          Wie las ich im Zusammenhang mit Korruption in Deutschland vor ein paar Tagen?
          Früher machten wir uns die Parteien/Regierungen gefügig, heute drohen wir mit Abwanderung, das ist billiger.

          Man kann China oder Russland nicht vorwerfen was man selbst tut.
          Man könnte Wege des Ausgleichs suchen aber das ist ja Sozialismus, das geht ja gar nicht.
          Der Mensch ist das Produkt seiner Umwelt.

          „Wer im Kleinsten das Größte sieht, vermag sich die Bescheidenheit zu bewahren.“ (Alexander Paukner)

          https://www.youtube.com/watch?v=lQy_SESY2ls

        2. Der Westen diktiert den Chinesen die Preise. Wie kommt ein Land da zu Wohlstand ? Das sehen wir bei den Lebensmitteln in D. Der Produzent bestimmt den Preis, denn er kennt den Aufwand, den er betreiben muss. Aber bei den Händlern ist billig, billiger oder fast geschenkt der Renner. Auch hier schaut der Staat zu. Ein Staat gibt in seinem Land einen Rahmen für den funktionierenden Alltag vor und in diesem geht es vorwärts. Wenn aus einer Freiheit eine Narrenfreiheit wird, was hat man dann gekonnt?

  6. Wer da findet „Dabei ist das Problem aber nicht, dass China sich noch immer als „kommunistisch“ bezeichnet, obwohl es längst eine Marktwirtschaft ist“
    hält auch den Wertewesten für eine Zivilisation.

    Allerdings zerlegen Sie diesen Ihren Satz selbst im eigenen folgenden Artikel mehrfach als sachlich falsch.
    Ist das Ihrer Aufmerksamkeit entgangen?

    Und für mich ein Problem: Glaube ich nun den von Ihnen vorgetragenen Fakten, Fakten, Fakten oder aus reiner Sympathie Ihrem kryptischen Glaubenssatz, China bastele an planloser (Fünfjahres?)-Marktwirtschaft.

    Weil ich das nicht unterscheiden kann, bin vermutlich i c h der Trottel.

  7. Ich sehe keinen Unterschied der Systeme. China macht dem Westen alles nach, kopiert nicht nur dessen Erzeugnisse durch Nachbau, es übernimmt auch die Mode und Architektur und damit die Lebensweise. Auch die Raffgier anderen Völkern gegenüber ist dieselbe. Chinesen sind heute auch schon fett und starren auf die Scheibe in der Hand. Ich sehe mit großer Traurigkeit, daß kaum mehr ein Land seine eigene Kultur pflegt, daher muß man nicht mehr verreisen, denn alles ist gleich (geschaltet). Die Wirtschaft kümmert sich wirklich einen Dreck um Mitarbeiter. Es siegt nur noch das Kapital. Ethik, Werte bleiben auf der Strecke. Als vor 150 Jahren die Zeit der Industrialisierung begann, lebten die Menschen genauso unter aller Würde. Und was sie jetzt mit uns unter dem Vorwand der Mikrobe veranstalten, hat mit Freiheit, Wahrheit oder Menschenwürde nichts mehr zu tun. In welchem Land ist das Leben noch lebenswert? Überall Mischvolk, Masken, Kriminalität, Mafia bis hoch zu Medien und Politik. Aber das Geschehen überall kapieren nicht mal die Erzkommunisten, auch nicht die in China.

    1. Dieser Takt scheint aber im Wesentlichem vom Westen und seiner Weltvorstellung ausgegangen zu sein. Dass es ihm jetzt wieder auf die Füße fällt, ist da eigentlich nur logisch.

  8. Mit der Analyse und der damit verbundenen Feststellung das in der heutigen Welt die Konzerne die alleinige Macht haben, wird bestätigt das Karl Marx mit seiner Analyse des Kapitals, vor 150 recht hatte. Er nannte es Imperialismus und beschrieb diesen in seinen Werken genau mit den Fakten die wir heute in unserer Welt erleben. Es gibt immer weniger Konzerne in dieser Welt mit einer immer größeren Macht Konzentration, die eigentliche, größte Macht sind die Finanzkonzerne, die Macht der Staaten wird immer weiter zurückgedrängt usw. kann man alles nachlesen wenn man will. Wollen in der heutigen Zeit bloß viele nicht und singen lieber das ihnen über Jahrzehnte durch die Mainstreammedien eingebläute Lied des Antikommunismus weiter. Der Untergang des Sozialistischen Lagers bestätigt sie natürlich auch, es hat zu viele Fehler gegeben. Das sagt aber nicht, dass die von Marx und Engels festgestellten ökonomischen Gesetze des Kapitals heute keine Gültigkeit mehr haben. Den Beweis dafür erleben wir heute hautnah. Und wer jetzt wieder gleich ohne sich kundig zu machen zur Gegenargumentation ansetzt, den bitte ich erst mal das Kapital zu lesen.
    Auseinandersetzen kann man sich natürlich über die Vorstellungen, der Beiden Philosophen, zu einer neuen Gesellschaftsordnung trefflich, zumal der Untergang des real existierenden Sozialismus dafür genügend Stoff liefert. Es wurden auch, ob nun von außen aufgedrängt oder aus inneren Ansichten heraus zu viele Gesetzmäßigkeiten, die Marx und Engels gerade für die Übergangsphase genannt hatten, nicht beachtet. Was zu den bekannten Ergebnis führte, eine Hauptfrage, die menschliche Frage, wurde viel zu wenig beachtet.
    Übrigens ist es auch so eine durch die Mainstreammedien verbreitete Meinung, die DDR währe an der Wirtschaft gescheitert, dem ist nicht so. Steht wunderbar analysiert in dem Buch „Was war die DDR wehrt? von Siegfried Wenzel, einem der Unterhändler beim „Einigungsvertrag“. Wenn man diese Fakten kennt, dann weis man auch warum die Wirtschaft der DDR von den Medien so niedergeschrieben wurde. Es wurde der Weg für das Kapital bereitet, sich das Volksvermögen der DDR unter den Nagel zu reißen. Der deutsche Steuerzahler hat dann die Zeche bezahlt, besser die bezahlt er heute noch. Der „OSSI“ und der „Wessi“ wurden wunderbar aufeinander gehetzt! Teile und Herrsche funktionierte auch hier wunderbar und das bis heute!
    Warum schreibe ich das so, die Medien haben schon immer die Aufgabe, die ihnen durch die Herrschenden vorgegeben wird, es hat sich in dieser Hinsicht nichts geändert. Nur das damals die westliche Presse mit dem Stilett gearbeitet hat und die östliche mit dem Holzhammer. Heute ist es umgekehrt, wie es Herr Röper so wunderbar aufzeigt. Heute arbeitet die westliche Presse mit dem Holzhammer, auch wenn es leider noch zu viele nicht merken, weil die Tagesschau ihr Gebetsbuch ist. Damals war man im Osten in der Defensive und nutzte den Holzhammer, heute nutzt ihn der Westen.

  9. Zu den beiden eingangs erwähnten Beispielen hätte ich ein drittes beizusteuern, das ich für sehr wichtig halte, da es damals (1999) einen Paradigmenwechsel in Deutschland markierte – weg vom verschämt im Stillen betriebenen Lobbyismus, hin zu offener, direkter Einmischung in die Politik.

    Der Lobbyismus hatte ja schon diverse Blüten getrieben. Bekannt wurde Horst Seehofer mit seinem in der Kabarettsendung „Pelzig hält sich“ geäußerten Bonmot: „Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und die die gewählt sind, haben nichts zu entscheiden:

    https://youtu.be/19asrm-S4i0

    Und es war auch Seehofer, der sich als Gesundheitsminister der Regierung Kohl einmal öffentlich darüber beschwerte, daß die Leute in seinen Beratungsrunden zu Reformen und neuen Gesetzen doch wenigstens so nett sein sollten, die Argumentationsvorlagen, mit denen sie in der Runde auftauchten, aus den Heftern der Ersteller herauszunehmen, damit man nicht gleich sehe, von welcher Kanzlei oder welchem Konzern die Vorschläge kämen.

    Und dann kam Schröder und die Rot-Grüne Regierung. Zunächst noch mit Oskar Lafontaine als Finanzminister. Der wollte den Finanzmärkten ans Leder, und deren gröbste Auswüchse, die 9 Jahre später zur globalen Finanzkrise führen sollten, einhegen. Die Finanzindustrie zog daraufhin alle Register, ließ Lafontaine öffentlich in der britischen Presse als „Gefährlichsten Mann Europas“ diffamieren, und bearbeitete Kanzler Schröder wohl auch hinter den Kulissen nach allen Regeln der Kunst. Das Ergebnis war Lafontaines nicht angekündigter Blitz-Rückzug aus der Regierung 1999.

    Ihm ins Amt folgte der „einmal zu oft beförderte Grundschullehrer“ (V.Pispers) Hans Eichel. Ihm zur Seite wurde als Staatssekretär Heribert Zitzelsberger gestellt, der dann im Eilverfahren eine der umfassendsten Steuerreformen der Geschichte der Bundesrepublik aufsetzte. Schon zum Jahreswechsel 1999/2000 wurde sie präsentiert, und weitgehend bejubelt, da 54 Mrd DM (vor der Euro-Einführung) für die Bürger und 18 Mrd DM für Unternehmen an Ersparnissen dabei rumkommen sollten. Es spricht für die schon damals schlechte Qualität der deutschen Journaille, daß ihnen der größte Hammer, die völlige Steuerbefreiung der Gewinne aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen, in dem Konzept entgangen war. Nicht so den Investmentbankern von Goldman Sachs, die ungläubig in Berlin anriefen, um sich den Coup bestätigen zu lassen:

    https://www.zeit.de/2005/37/Steuern/komplettansicht

    Es folgte der größte Steuerausfall in der Geschichte Deutschlands, da die Unternehmen die neuen Möglichkeiten weidlich nutzten. So fielen im Jahr 2001 die Einnahmen aus der Körperschaftssteuer, die im Jahr zuvor noch rund 24 Milliarden Euro (ja, diesmal sind es Euro!) betragen hatten, nicht nur komplett aus, es mußten sogar noch Steuergelder zurückgezahlt werden! Man erzählte sich, daß in jenem Jahr in Stuttgart die Einnahmen aus der Hundesteuer die aus den Unternehmenssteuern übertrafen – und das mit Mercedes und Porsche am Standort! Sogar der Porsche-Chef Wiedeking, Freund von Schröder und Finanzkapitalist aus Leidenschaft, rief diesen an, um ihn zu überreden, das Ganze fallen zu lassen. Es nützte nichts.

    An den Folgen knabbern wir heute noch, denn die meisten dieser Regelungen sind seitdem unverändert, und somit gehen jedes Jahr Milliarden an potenziellen Einnahmen verloren, die in den Unternehmen als Gewinne zu Buche schlagen. Die Kommunen, denen damals massenhaft Einnahmen wegbrachen, halfen sich in den Folgejahren mit windigen Finanzmarktgeschäften wie „Crossborder-Leasing“ und vor allem Steuererhöhungen für die Bürger und dem Hochtreiben von Parkgebühren über die Runden. Im Bund stopfte die Regierung Merkel ab 2005 die Löcher schließlich mit der massiven Erhöhung der Mehrwertsteuer um fast ein Viertel.

    Soweit die Geschichte. Aber was hat das mit dem Eingangsthema zu tun? Nun, der Schöpfer dieser Katastrophen-Reform, Staatssekretär Heribert Zitzelsberger, war vor seinem Wechsel ins Finanzministerium der Chef der Steuerabteilung der Bayer-AG!

    https://de.wikipedia.org/wiki/Heribert_Zitzelsberger

    Also der für Steuern zuständige Chef eines der größten Konzerne der Bundesrepublik entwarf die besagte Unternehmenssteuerreform mit dem größten Steuerausfall der Geschichte… Dagegen sind Böcke als Gärtner echte Fachleute!

  10. Mich würde mal interessieren, inwieweit das chinesische Imperium außenpolitisch tickt.

    China rüstet auch immer mehr auf. Zum Schutz vor den USA? Wird China irgendwann expandieren, andere Länder überfallen für mehr Lebensraum?

    Wird China irgendwann mal Russland einen Dolch in den Rücken stechen?

    Inwiefern ist und kann China als Imperium aggressiv werden?

    Was, wenn China sich auf einmal überlegt, den Osten Russlands anzugreifen weil Russland zB zwischen zwei Imperien liegt?

    Hoffe China wird außenpolitisch in Zukunft als Imperium mehr Vernunft haben als die USA.

  11. Dass (leider) sehr viele Menschen im Westen glauben, sie leben in einer Demokratie, ist eigentlich tragikomisch. Die Menschen in China wissen wohl, dass sie nicht in einer „Demokratie westlicher Art“ leben, aber wollen sie das auch? In China hat es eine lange Tradition, das die Regierung(sbeamten) einen hohen Stellenwert und Ansehen haben – schon zu Kaiserzeiten. Heute sind sehr viele Menschen in China nicht mit allem einverstanden (aer wo ist das so?), aber sie sehen auch die Fortschritte. Sie sind stolz meist stolz auf ihr Land. Ca. 70 % vertrauen ihrer Regierung, von der oberen Mittelschicht sind es noch mehr (Edelman Trust Barometer). Und sie sind genauso selbstbewusst und gebildet, wie in vielen anderen Ländern. Dass sie in vielen Bereichen überwacht werden, wissen sie und gehen damit in der Regel recht gelassen um. Teilweise wird es begrüßt, da es in bestimmten Situationen nützlich ist. Wir können uns gar nicht vorstellen, wie eine 20 Millionenregion organisatorisch herausfordernd ist. Unsere Schwiegertochter ist Chinesin, Sohn und sie leben derzeit in China / Peking. Sie lacht nur über unsere Großstädte – die sind ja so klein und unbevölkert. Auch solche traditionellen und auch organisatorischen Strukturen müssen mit berücksichtigt werden. Ja, in den Städten gibt es McDonalds & Co. Aber die Traditionen werden in den meisten Familien sehr gepflegt, z.B. Ahnenverehrung, Neujahrsfest. Auch in China gibt es nicht die e-i-n-e Tradition und Kultur. Aber auch hier wird versucht, vieles zu erhalten, auch in den Minderheiten. Dass dies auch dort nicht einfach ist – ja warum sollte es dort einfacher sein? Ja, die Chinesen kaufen sich auch im westen ein. Warum nicht? Die westlichen Firmen sind dort doch auch präsent. Dass die chinesische Regierung sagt, hier gehe es aber nach unseren Regeln und es kann nicht jeder machen, was er will – es ist ihr gutes Recht. Im übrigen ist der westliche Protektionismus viel größer, man verschleiert es bloß mehr. Apropos 5-Jahrespläne: Vor ein paar Tagen hieß es aus dem Kanzleramt – das machen wir, damit die Wirtschaft (gemeint sind die Konzerne, Anmerkung vom Verfasser, denn kleine Betriebe sind nicht gemeint) Planungssicherheit haben..JA, was ist denn das? Auch die chinesische Regierung redet den Firmen nicht in allem rein. Aber sie setzt einen Rahmen. Die 5-Jahrespläne sind bezogen auf die gesehenen Herausforderungen – z.B. Ausbau der Energieversorgung, Ausbau der Seidenstraße, Erhöhung der sozialen Vorsorge (Gesundheit, Rente, Urlaub). China ist eben anders, man muss ja nicht dort leben, vieles mag uns seltsam und diktatorisch erscheinen, was er teilweise auch ist – aber ist es mittlerweile bei uns anders? Oder wollen wir nicht wahrhaben, was bei uns schon Usus ist? Und sehen wir nicht die Pläne, die offen genannt sind, im neuen Infektionsschutzgesetz z.B.? Geplante Bargeldabschaffung? etc.?

  12. Der „Staat“ in China ist die Chinesische Kommunistische Partei CCP und ihr Führer Xi Xinping.
    Das ist die absolut übelste Mafia, nicht besser als die Oligarchen bei uns. Xi ist Mao Verehrer (der hat 40 Mio Tote auf dem Gewissen) und hat sich als Diktator bis an sein Lebensende ausrufen lassen.

    Die Brüder sind nicht besser als die Oligarchenmafia im Westen. Man kann sogar sagen, dass unsere Mafia dahin will, wo die Chinesen schon sind. Absolute Kontrolle über ihre Bürger, gerade mit Hilfe von Technologie.

    Das Märchen von der Armutsbekämpfung wird ins rechte Licht gerückt, wenn man weiss, dass der Westen massiv in China investiert hat, um a.) billige Waren zu produzieren und b.) sich einen neuen Bösewicht heranzuzüchten, der als Begründung zur Knechtung der eigenen Bevölkerung dient. Anmerkung für Fortgeschrittene: Also genauso, wie man das mit den Sowjets im Kalten Krieg getan hat.

    Ich denke, diese Politik dient den Eliten in beiden Systemen und glaube daher das Märchen dieser „Feindschaft“ nicht. Letztendlich geht es immer und in erster Linie darum, die eigene Bevölkerung zu kontrollieren und bestmöglichst als arbeitssame Mulis abzuzocken.
    Empfehle wie immer den Corbett Report, wenn man sich der Idee zu öffnen wagt, dass da was dran sein könnte.

    Hier eine Videoempfehlung zum Thema Armut und China:
    https://www.youtube.com/watch?v=z-k_ed7D7Dw

    Die beiden sind 2 enttäuschte Expats, die jeweils über 1 Jahrzehnt in China gelebt haben, Chinesische Frauen geheiratet haben und aus China fliehen mussten wie alle Expats, die nicht Dauerreklame für die CCP machen wollen.

      1. Eine Sprache zu sprechen bedeutet nicht automatisch das Land zu verstehen.
        Es hat auch etwas mit Wertigkeit von Taten und Ereignissen zu tun.

        Ich werte einen gefüllten Magen als wichtiger als hinterm Berg einen 100.000 I-Net Verbindung zu haben.
        Ein menschenwürdiges Dach über dem Kopf als wichtiger als das nächste Vergnügungsviertel….

        https://www.youtube.com/watch?v=WAyhKKS5o1I

        https://www.youtube.com/watch?v=9Ci0ocJ7MUQ

        https://www.youtube.com/watch?v=52NFnq0p36s

          1. Doch ich meinte den Expant Beitrag.

            Das ist so das klassische Beispiel. Gerade als junger Mensch hat man Träume, will überall sein, was bewegen, irgendwo arbeiten Hauptsache Ausland.
            Aber Ausland ist nicht Heimat, dass fängt bei der Wohnung an und hört beim Essen auf. Ja und dann gibt es die Rahmenbedingungen die von Kultur/Glauben und Politik bestimmt werden.
            All das macht das Land aus, all das formt einen Konsens in der Gesellschaft den man akzeptieren muss. Je fremder um so schwieriger ist die Anpassung.

            Wenn China z.B. zwangsumsiedelt um den Menschen ein anderes oft auch leichteres Leben zu bieten dann trommelt die Partei. Warum sollte sie das nicht? Bei uns trommelt man auch oder viele trommeln und klopfen auf die Schulter. Dort ist es Propaganda und bei uns?
            Dort gibt es Unzufriedene und bei uns? Man erinnere sich nur einmal an die Menschen bei uns denen man wegen der Kohle die Heimat nahm. Das neue Haus irgendwo ersetzt eben nicht das Dorf, die Gemeinschaft, das Gewohnte eben das Heimatgefühl.

            China hat viel erreicht, hat vieles vielleicht auch im Hau Ruck Verfahren getan und hat manches Gesetz „übersehen“ aber auch China muss schnell sein und wie schnell hat man in Hong Kong gesehen.

            Teilweise radikale zerstörerische Proteste der Jungen auf der Anderen Seite Alte in Schlaf-Käfigen. Glaspalast und Elend können nicht mehr näher zusammenrücken als dort.
            Die Kolonialzeit ist vorbei und jetzt muss China eine Antwort geben und da gibt es Sieger und Verlierer.
            Baut China nun Sozialwohnungen und gibt keine Zustimmung für Firmenniederlassungen dann macht China Propaganda für Sozialwohnungen und der Westen macht Propaganda weil China die Wirtschaft behindert.

            Man muss hin und wieder mal vom hohen westlichen Ross absteigen und trotz aller Probleme auch das Erreichte sehen.

            Es ist noch nicht so lang her das schimpften im Westen die Arbeiter über die gierigen Chef’s weil sie Unternehmen verlagerten. Dann schimpften die gierigen Chef’s über die schlecht ausgebildeten Arbeiter in China und jetzt ist China der sagt wo es lang geht und nicht irgend ein Unternehmen.
            Jetzt ist es aber wieder das böse China und die armen gebeutelten westlichen Unternehmen.
            Als Detroit nach der Abwanderung der Industrie nur noch das Elend verwaltete da trommelte die US Regierung ganze Lobeshymnen auf das Freihandelsabkommen mit Mexiko. Die Menschen in Detroit schimpften auf die Menschen in Mexiko.

            Hat auch nur einer damals dagegen angekämpft, ist vor das weisse Haus gezogen, wo war da die Gewerkschaft, die schützende Hand mächtiger Sozialverbände, Anwälte der Schwachen?
            Im eigenen Land versagt aber mit dem erhobenen Finger jetzt durch China rennen wollen.

            Anstatt immer nur zu meckern sollte man einfach froh über die Möglichkeit sein die einem geboten wurde. Ist noch nicht so lang her da hätte es keine Expants gegeben die über das Land und die Menschen herziehen könnten.
            Denn wer das Erreichte übersieht der übersieht die Leistungen, Entbehrungen und den Verzicht der eigenen Eltern und Großeltern.

            Aber vielleicht ist Respekt und Wertschätzung heute nur noch ein Relikt von Damals, etwas rückständiges aus der Mottenkiste.

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