NGOs und Farbrevolutionen

Welche 25 NGOs Nawalny einen Preis für den Kampf für Menschenrechte verliehen haben

Die Medien berichten, Navalnys Tochter habe für ihren Vater einen von 25 NGOs gestifteten Menschenrechtspreis entgegen genommen und dabei eine Rede gehalten. Interessant ist, wer diese 25 NGOs sind und wer hinter ihnen steht.

NGOs sind mein Steckenpferd, wie man auch an meinem neuen Buch „Abhängig Beschäftigt“ sehen kann. NGOs werden von den westlichen Politikern und Medien als edle Kämpfer für eine gute Sache dargestellt, die von Spenden leben und daher breite Unterstützung erfahren. Das ist schlicht gelogen, wie jeder überprüfen kann, wenn er sich deren Jahresberichte anschaut. Die NGOs lassen sich ihren „Kampf für Demokratie und Menschenrechte“ von einigen wenigen Sponsoren bezahlen.

Um zu verstehen, was es mit dem Menschenrechtspreis auf sich hat, den Navalny nun von 25 NGOs verliehen bekommen und worüber der Spiegel euphorisch berichtet hat, muss ich etwas weiter ausholen, damit auch Leser es verstehen können, für die das Thema neu ist.

NGOs und Farbrevolutionen

Es gibt tausende dieser NGOs, was ausgesprochen praktisch ist, weil man den westlichen Lesern so den Eindruck vermitteln kann, ganz viele, voneinander unabhängige Organisationen kämen alle zu dem gleichen Schluss, was Demokratie und Menschenrechte in der Welt angeht. Das klingt überzeugend, denn der Mensch ist nun einmal so gestrickt, dass er etwas für wahr hält, wenn es alle sagen.

In Wahrheit lassen sich die Finanzströme dieser tausenden NGOs jedoch zu sehr wenigen Quellen zurückverfolgen, was bedeutet, dass einige wenige Menschen und Organisationen sich eine unglaublich große Zahl dieser NGOs geschaffen haben, sie finanzieren und lenken, damit bei den Menschen der falsche Eindruck entsteht, es wären furchtbar viele voneinander unabhängige Organisationen.

Und auch die Vielzahl der NGOs ist auch praktisch, weil man die tatsächliche Finanzierung sehr gut verheimlichen kann, wenn man Geld von seinem Ausgangspunkt durch eine oder sogar mehrere NGOs laufen lässt, was den – wieder falschen – Eindruck erzeugt, es seien unglaublich viele Finanziers und Philanthropen, die die „edle Sache“ unterstützen. Ich habe das Prinzip hier schon anhand sehr vieler Beispiele aufgezeigt und auch in meinem neuen Buch ausführlich mit Originalquellen belegt. Beispiele dafür finden Sie hier und hier.

Die westlichen NGOs gehen in ihrem „Kampf für Demokratie und Menschenrechte“ buchstäblich über Leichen. Entgegen den Legenden, die westliche Medien verbreiten, war keine der „demokratischen Revolutionen“ der letzten Jahrzehnte (arabischer Frühling, Maidan, Orangene Revolution, etc.) ein Volksaufstand. All diese Putsche waren von westlichen NGOs generalstabsmäßig geplant. Wie das funktioniert, habe ich hier aufgezeigt.

Die wichtigsten Regime-Change-Experten

Es gibt einige NGOs, die besonders aktiv an der Organisation von Putschen beteiligt sind. Am bekanntesten ist sicherlich George Soros und seine Open Society Foundation, die sich angeblich für eine offene Gesellschaft, Demokratie und Menschenrechte einsetzt. Das ist eine schöne Legende, die aber mit der Realität nichts zu tun hat. Soros geht es um Macht und Geld und er nutzt seine NGOs, um seine Macht und sein Vermögen zu mehren. Er investiert in Staatsanleihen und sichert seine Investments medial über seine NGOs ab, indem er das politische Klima in die von ihm gewünschte Richtung beeinflusst. Wie das im Details funktioniert, können Sie hier nachlesen.

Aber es gibt auch NGOs, die gar keine sind. Immerhin bedeutet NGO „Nicht-Regierungsorganisation“, aber kann man von einer Nicht-Regierungsorganisation sprechen, wenn die Organisation von einer Regierung gegründet wurde und von ihr komplett finanziert wird? Das National Endowment for Democracy ist ein klassisches Beispiel für „NGOs“, die keine sind.

Das National Endowment for Democracy (NED) ist eine US-amerikanische Stiftung mit dem erklärten Ziel der weltweiten Förderung der Demokratie. Sie wurde 1983 vom US-Kongress in Washington gegründet und erhält von diesem für ihre Arbeit eine jährliche Finanzierung aus dem US-Bundeshaushalt.

Nicht in allen Fällen haben die Aktivitäten des NED zu demokratischen Veränderungen geführt, das NED war offensichtlich schon zufrieden, wenn mit seiner Hilfe pro-amerikanische Regierungen an die Macht kamen, die amerikanischen Konzernen freien Zugang zu ihren Märkten, Bodenschätzen und so weiter ermöglicht haben, sodass danach das Ziel der „Förderung der Demokratie“ nicht weiterverfolgt werden musste.

Auf den Punkt brachte die Arbeitsweise des NED sein Mitbegründer und ehemaliger Vorsitzender Allen Weinstein, der zur Tätigkeit des NED in einem Interview mit der Washington Post am 21. September 1991 sagte, das NED tue das, „was vor 25 Jahren die CIA verdeckt getan hat.“ Dieses Interview selbst ist leider nicht mehr im Netz verfügbar, jedoch wird es bis heute übereinstimmend von „Freund und Feind“ zitiert.

Das NED war seit seiner Gründung an allen Regimechanges der USA beteiligt und finanziert alles und jeden, der die Gegner der USA – egal mit welchen Mitteln und Zielen – bekämpft. Die Leiter dieser „ehrenwerten“ Organisation haben ganz offen darüber gesprochen, wie sie die geplanten Regimechanges in Russland und Weißrussland unterstützen, wie ein veröffentlichtes Telefonat gezeigt hat. Die Details finden Sie hier.

Das waren nur zwei Beispiele für Regime-Change-Experten, es gibt aber noch viele mehr. Sie haben alle nur ein Ziel: Jede Regierung, die sich der Politik der USA nicht unterordnet, zu stürzen.

Navalny und die NGOs

Navalny wird ebenfalls von westlichen NGOs finanziert, wie jeder selbst problemlos überprüfen kann. Wie das geht, können Sie hier nachlesen.

Navalnys Tochter studiert an der US-Elite-Universität Stanford. Wie ist sie wohl dahin gekommen? Versuchen Sie mal Ihr Kind auf diese Uni zu schicken und dann auch noch die 22.000 Dollar jährlich nur für Kost und Logis aufzubringen, die Studiengebühren kommen da noch oben drauf. Normalsterbliche haben kaum eine Chance, an diese Elite-Universitäten zu kommen. Aber zufälligerweise studieren viele der Kinder von Leuten, die den USA freundlicherweise zur Hand gehen, wenn die USA eine andere Regierung stürzen möchten, an diesen Unis. Aber wer da einen Zusammenhang sieht, ist natürlich ein Verschwörungstheoretiker.

Der Menschenrechtspreis für Navalny

Nun hat Navalny eine Menschenrechtspreis verliehen bekommen und der Spiegel hat darüber berichtet. Bevor wir zu dem Spiegel-Artikel kommen, will ich einige der NGOs vorstellen, die den Preis verleihen. Das ist zum Verständnis wichtig.

Der Preis wird vom vom sogenannten „Genfer Gipfel für Menschenrechte und Demokratie“ verliehen, das ist ein Zusammenschluss von mehr als 25 westlichen NGOs mit wohlklingenden Namen, was dem Leser (siehe oben) das Gefühl geben soll, da hätten sich viele voneinander unabhängige Organisationen zusammengeschlossen. Wer sich die Liste der 28 Partner auf deren Seite anschaut, der versteht sofort, worum es da geht. Die genannten NGOs sind gegen die Regierungen Chinas, Venezuelas, Russlands, des Iran und gegen afrikanische Länder, die den USA gegenüber ungehorsam sind. Ich habe mir nach dem Zufallsprinzip vier NGOs vorgenommen, die ich noch nicht kannte und zeige hier auf, wer hinter ihnen steht. Ich lade Sie ein, gerne auch die anderen NGOs näher anzuschauen.

Die NGOs hinter dem Menschenrechtspreis sind alle kleine und unbekannte NGOs, über die es oft nur wenig Informationen gibt. Die meisten haben nicht einmal einen Wikipedia-Eintrag, so unwichtig sind sie. Sie kosten die Sponsoren daher wohl auch nicht allzu viel Geld, aber die Medien können bei Bedarf über deren Pressemeldungen und Preisverleihungen berichten, wenn es gerade ins von den Sponsoren gewollte Bild passt. Und da es in diesem Jahren Wahlen in Russland gibt, ist alles willkommen, was man gegen Russland einsetzen kann, um dort die Wahl zu beeinflussen. Wir werden also bis September noch einiges erleben und sicher wird der Sommer interessant.

Forum 2000

Die erste NGO, die ich nach dem Zufallsprinzip ausgewählt habe, ist das Forum 2000. Und es war gleich ein Volltreffer, denn auf deren Seite sagen sie offen, dass ihr Hauptpartner das National Endowment for Democracy (NED) ist. Das ist eines der Beispiele dafür, wie die US-Regierung über das NED andere NGOs lenkt, damit sie die US-Politik unterstützen. Das Forum 2000 ist also ein weiteres Regime-Change-Instrument im Hintergrund, das bei Bedarf für die Finanzierung, Lenkung und mediale Unterstützung von US-treuen Politikern im Ausland eingesetzt werden kann.

Als weitere Partner nennt das Forum unter anderem die EU-Kommission, die Friedrich-Naumann-Stiftung, das Außenministerium der Tschechischen Republik und US-Botschaften. Es sind also hauptsächlich staatliche Stellen, die das Forum 2000 finanzieren. Ist das dann eine Nicht-Regelungsorganisation oder ein bezahlter Erfüllungsgehilfe der westlichen Politik?

Freedom Right Project

Eine weitere, vollkommen unbekannte NGO mit wohlklingendem Namen ist das Freedom Right Project, über das es im Netz kaum Informationen gibt. Was man aber findet ist, dass das Freedom Right Project sich massiver Unterstützung der John Templeton Foundation erfreut. Die Foundation wurde vom Gründer des Franklin Templeton Investmentfonds gegründet und hat (siehe Soros) ebenfalls die Aufgabe, die Investments des Fonds zu schützen.

Wie es der Zufall will, ist mir das Templeton-Gespann schon bei der Ukraine-Krise aufgefallen, denn wie auch Soros war Templeton in ukrainische Staatsanleihen investiert und als dem Land nach dem Maidan die Pleite drohte, haben die Stiftungen von Soros und Templeton medial massiv für Hilfsgelder aus der EU getrommelt. Wären die Gelder nicht geflossen, hätten Templeton und Soros über zehn Milliarden Dollar verloren.

Und sowohl Soros, wie auch Templeton haben danach hervorragend in der Ukraine verdient. Soros ist in den ukrainischen Frackinggas-Markt eingestiegen und Templeton hat – laut einem inzwischen gefeuerten ukrainischen Staatsanwalt – sechs Milliarden an Korruptionsgelder aus der Vor-Maidan-Zeit gewaschen. Dabei wurde den Korruptionären aus der Vor-Maidan-Zeit, so der Staatsanwalt, das Geld abgenommen und zugunsten der Maidan-Finanziers aus der Ukraine in die USA geschafft.

Die Ukraine versucht erfolglos, an die vor dem Maidan durch Korruption veruntreuten Gelder zu kommen und der Staatsanwalt, der daran gearbeitet hat, wurde gefeuert. Und der Generalstaatsanwalt, der ihn gefeuert hat, hat gerade von Joe Bidens Regierung einen Preis für die Korruptionsbekämpfung bekommen. Zufälle gibt´s…

Human Rights Foundation

Auch diese Organisation ist denkbar intransparent, was ihre Finanzen angeht. Die Human Rights Foundation hat sich angeblich dem Kampf für die Menschenrechte verschrieben. Ihr Chef ist der Kreml-Kritiker Garry Kasparov. Aber auch hier findet man, wenn man ein wenig sucht, Informationen darüber, wer den Verein unterstützt und finanziert.

Einer der Unterstützer ist Bill Browder, der in den wilden Jahren der Jelzin-Ära in Russland hunderte Millionen gemacht hat, in Russland wegen Betrugs angeklagt wurde und das Land verlassen hat. Seitdem macht er im Westen erfolgreich Lobbyarbeit gegen Russland, der Magnitski-Act, der in den USA das Verhängen von Sanktionen unter anderem gegen Russland enorm vereinfacht hat, geht auf ihn zurück. Er ist ein Unterstützer der US-Demokraten und finanziert Russlands Regierungskritiker. Auch in der EU hat der Mann großen Einfluss, Details finden Sie hier.

Ein weiterer Sponsor der Human Rights Foundation ist – Überraschung – die John Templeton Foundation.

UN Watch

UN Watch ist eine Organisation, die vom American Jewish Committee gegründet, finanziert und geleitet wurde. Ihr erklärtes Ziel ist es, gegen die ihrer Meinung nach ungerechte Behandlung Israels durch die UNO vorzugehen. Menschenrechte sind also nicht deren Ziel, zumindest dann nicht, wenn es um die Menschenrechte der Palästinenser geht. Zwar behauptet UN Watch seit 2013 unabhängig vom American Jewish Committee zu sein, seine Lobbyarbeit bei der UNO für Israel geht aber ungebrochen weiter.

Allerdings hat sich UN Watch nun breitet aufgestellt und thematisiert unter anderem auch Russland im Sinne der US-Politik. Im Vorstand von UN Watch sitzt – wieder Überraschung – Garry Kasparov.

Man könnte die Liste der Verbindungen weiter führen und man kann noch mehr Verbindungen zwischen diesen NGOs finden und ich bin bereit, darauf zu wetten, dass bei den meisten der anderen 24 als Partner des Menschenrechtspreises genannten NGOs die Fäden auch bei diesen und einigen anderen wenigen Leuten und Organisationen zusammenlaufen.

Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind Gegner der russischen Regierung und sie haben finanzielle Interessen in Russland, denen die russische Regierung im Weg steht.

Was Spiegel-Leser erfahren

Im Spiegel klingt das natürlich ganz anders. Da ist unter der Überschrift „Inhaftierter Oppositionspolitiker – Nawalnys Tochter überbringt Botschaft aus dem Gefängnis“ ein Artikel erschienen, in dem so über die Verleihung des Preises an Navalny, den seine Tochter entgegengenommen hat, berichtet wird:

„Daria Nawalnaja bedankte sich im Namen ihres Vaters für den Preis vom sogenannten Genfer Gipfel für Menschenrechte und Demokratie. Dahinter stehen 25 Nichtregierungsorganisationen, die sich für Menschenrechte einsetzen. Nawalny erhalte den Preis für seinen »außerordentlichen Mut und die heroischen Bemühungen«, mit denen er auf die »schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen« durch die russische Regierung unter Präsident Wladimir Putin aufmerksam mache, sagte Hillel Neuer, Chef der Nichtregierungsorganisation UN Watch. »Es ist ein Zeichen, dass sich die Welt kümmert«, sagte Nawalnaja über den Preis.“

Der Spiegel-Leser erfährt nichts über die NGOs, von ihren Interessen und Sponsoren, die hinter dem Preis stehen. Stattdessen drückt der Spiegel auf die Tränendrüse, indem er die Videobotschaft von Navalnys Tochter über die Haft ihres Vaters ausführlich thematisiert. Das ist ein klassisches Mittel der Propaganda: Man appelliert an die Emotionen des Lesers, anstatt über Fakten und Hintergründe zu berichten.

Der Spiegel und Bellingcat

Außerdem wird in dem Artikel – wieder nach propagandistischem Lehrbuch – mit suggestiven Formulierungen gearbeitet. Der Spiegel wiederholt das Narrativ der angeblichen Vergiftung Navalnys und seine angeblich ungerechtfertigte Haftstrafe. Zuerst erfährt der Spiegel-Leser:

„Ihr Vater Alexej Nawalny wurde im August 2020 Opfer eines Giftanschlags. Deutsche Ärzte behandelten ihn danach in Berlin. Labore in Deutschland, Frankreich und Schweden wiesen in seinem Körper Spuren des militärischen Kampfstoffs Nowitschok nach. Nach Recherchen von SPIEGEL, Bellingcat und weiteren Partnern waren mindestens acht Agenten des russischen Geheimdienstes FSB offenbar an dem Giftanschlag auf Nawalny beteiligt; der Kreml bestreitet jede Verantwortung.“

Dass die westlichen Militärlabore ihre Ergebnisse geheim halten und wir ihnen daher blind glauben müssen, verschweigt der Spiegel. Und dass die Recherchen von Bellingcat und dem Spiegel das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt werden, kann der Spiegel auch nicht berichten. Und dass Bellingcat ebenfalls ein Projekt der westlichen Geheimdienste und Regierungen ist, die Bellingcat fast vollständig (wieder über den Umweg über NGOs) finanzieren, das muss der Spiegel-Leser auch nicht wissen. Die wirklich interessanten Details zu den Finanzen von Bellingcat finden Sie hier und Sie werden dabei wieder auf einige der eben schon genannten NGOs stoßen, weil die auch Bellingcat finanzieren.

Bellimgcat ist immer dann zur Stelle, wenn die westlichen Regierungen Material gegen Russland, Syrien und andere „böse“ Staaten brauchen. Dafür wird Bellingcat mit Millionen finanziert und liefert bei Bestellung prompt, wie wir gerade wieder an einem Beispiel erleben durften. Und in Deutschland ist der Spiegel der Partner von Bellingcat, der diese „Recherchen“ der Öffentlichkeit präsentiert. Was das über den Spiegel aussagt, darf sich jeder selbst denken.

Ohne Lügen geht´s im Spiegel nicht

Danach erfährt der Spiegel-Leser noch:

„Mitte Januar wurde Nawalny bei seiner Rückkehr aus Deutschland nach Russland an einem Moskauer Flughafen festgenommen. Kurz darauf verurteilte ihn ein Gericht zu mehreren Jahren Straflager. Er soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von dem Giftanschlag erholte. Das Urteil wurde international als politisch motiviert kritisiert.“

Die Formulierungen sind wieder aus dem Propaganda-Handbuch, denn es wird davon gesprochen, Navalny „soll gegen Meldeauflagen“ verstoßen haben. Navalny war zu einer Bewährungsstrafe verurteilt und hat gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen. Das Wort „Bewährungsauflagen“ vermeidet der Spiegel jedoch, weil die Leser dafür Verständnis aufbringen könnten. „Meldeauflagen“ klingt für die deutschen Leser hingegen nach Polizeistaat.

Navalny hat nachweislich gegen die Bewährungsauflagen verstoßen, und zwar nicht nur in Deutschland. Er hat während seiner Bewährung immer wieder nicht genehmigte Demos organisiert, was niemand bestreitet, was ihm aber verboten war. Warum der russische Staat davor jahrelang die Augen verschlossen hat, darüber kann man nur spekulieren.

Und auch die Formulierung, Navalny habe gegen die Auflagen verstoßen, „während er sich in Deutschland von dem Giftanschlag erholte“ ist unwahr. The Lancet hat im Dezember einen Artikel der Charité über die Behandlung Navalnys veröffentlicht, in dem zu lesen war, dass Navalny bereits im Oktober vollständig genesen war. Damit hätte er sich nach seiner Genesung wieder regelmäßig bei der Polizei melden müssen, was er nachweislich drei Monate lang nicht getan hat, denn er ist bis Januar in Deutschland geblieben. Wie würden wohl deutsche Gerichte mit jemandem umgehen, der drei Monate bewusst gegen seine Bewährungsauflagen verstößt? Richtig: Sie würden die Bewährung aufheben und ihn seine Haftstrafe absitzen lassen. Genau das ist mit Navalny in Russland passiert.

Der Spiegel und die NGOs

Wir sehen hier mal wieder, wie groß der Einfluss von NGOs ist. Die westlichen Medien feiern NGOs immer als selbstlose Kämpfer für Demokratie und Menschenrechte und kritisieren Länder, die westliche NGOs an der Arbeit hindern, als Diktaturen. Dabei wissen Medien wie der Spiegel sehr genau, wie gefährlich NGOs sind. Das konnte man sehr anschaulich sehen, als der Spiegel die Arbeit einer russischen NGO in Berlin als eine „heimtückische Form der Kriegsführung“ bezeichnet hat.

Man beachte: In Deutschland gibt es eine russische NGO und der Spiegel hat bereits Schaum vorm Mund bekommen. In Russland sind über tausend westliche NGOs aktiv. Wie würde der Spiegel wohl reagieren, wenn es auch nur hundert russische NGOs in Deutschland geben würde?

Und was tut der Westen in Ländern wie Russland mit seinen NGOs? Ist das vielleicht die wahre „heimtückische Form der Kriegsführung“?

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

8 Antworten

  1. Danke Herr Röper, für diese Zusammenfassung. Ich finde es gut, dass sie auch schon behandelte Themen kurz wiederholen und per Links erneut darauf verweisen. So kann man sich die Ereignisse schnell in Erinnerung rufen. Bei der Masse an Propaganda die über einen hereinprasselt, gerät vieles in Vergessenheit.

    1. Da muss ich Ihnen vollkommen recht geben! Die Massenmedien wiederholen die Unwahrheiten auch tausendmal! Nach dem Motto: Irgendwas negatives wird schon in den Gehirnen der Menschen hängenbleiben!

      Da hätte ich noch eine Interessante Thematik, die mir erst vor einigen Wochen vor die Linse kam!

      Symbolik und Zeichen von Mario Prass! Das wäre doch für Herrn Röper doch auch ein spannendes Feld zur Untersuchung? Der Titel lautet: „Spieglein, Spieglein an der Wand…..“

      Ob das nicht auch viel mehr erklären würde, warum die Welt so ist, wie Sie ist?

      https://m.youtube.com/watch?v=dim_kl8QDr8

  2. „Ihr Vater Alexej Nawalny wurde im August 2020 Opfer eines Giftanschlags. Deutsche Ärzte behandelten ihn danach in Berlin.“

    Wie der Spiegel krampfhaft versucht nicht zu erwähnen, dass erst einmal russische Ärzte für Navalny da waren und ihn zuerst behandelten. Im Übrigen war vonseiten der russischen Ärzte, die Navalny behandelten, soweit ich mich erinnere von einer Pankreatitis die Rede.

  3. Jetzt pünktlich zum ersten Gipfel Putin – Biden haben sie noch so einen
    Zauberer ausgegraben, der angeblich vom russischen Geheimdienst vergiftet wurde, irgendein Künstler. Kam gestern abend in der Sendung
    „Hintergrund“ im DLF. Als wichtige „Recherche-Plattformen“ wurden wieder genannt (3x dürft Ihr raten): Bellingcat und The Incider. War wieder die pure Propaganda, ist bestimmt noch in der DLF-Mediathek zu finden.

  4. Mittlerweile glaube ich mit der Aufklärung ist es wie bei den Covidgläubigen. Sie wollen glauben und Fakten bringen sie auch nicht davon ab. Deswegen ist es eigentlich egal, was die Russen machen oder die Amis so labern. Die Aufgeklärten wissen das eine und die anderen glauben jeden Mist.
    Also können die Russen auch mal durchgreifen ohne Angst zu haben, dass Aufgeklärte dann doch anfangen zu glauben, dass der Westen der Gute sei. Da denke ich schon das nur eine gewissen Härte dem Westen Respekt abnötigen wird. Und auch die Möchtegernrebellen in Russland selber. Deren Beweggründe würde ich gerne kennen (Dummheit, Eitelkeit, Geldgier) Ist ja schon komisch, wenn die ihr eigenes Land in einen Bürgerkrieg treiben so wie in der Ukraine, Syrien, Hong-Kong, Weißrußland. Da muss man ja schone ien starke Triebfeder haben.

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