Wem Putins angeblicher „Palast“ tatsächlich gehört

Am Samstag ist der Besitzer des Gebäudes, das Navalny als Putins „Palast“ bezeichnet hat, an die Öffentlichkeit gegangen. Es handelt sich dabei um einen russischen Bauunternehmer, der viele der wichtigsten Bauten in Russland verantwortet hat.

Arkady Rotenberg ist in Russland ein bekannter Mann. Sein Name steht in Russland für viele wichtige Bauten der letzten Jahre, zum Beispiel für die Krimbrücke oder Teile der olympischen Anlagen in Sotschi. Natürlich hat so ein Mann auch Kontakte zu Putin und natürlich wird Navalny nun behaupten „Seht Ihr, der „Palast“ gehört zu Putins Umfeld!“

Im Westen wird gerne behauptet, dass bei Rotenberg Bauprojekten Korruption im Spiel ist. Bewiesen wurde das nie und wenn man sich die Kosten anschaut, dann sind die Bauten von Rotenberg nicht teurer, als vergleichbare Objekte im Westen. Aber es gibt einen feinen Unterschied: Immerhin werden die Bauprojekte von Rotenberg pünktlich fertig. Manchmal sogar vor den geplanten Frist, ganz im Gegensatz zu Projekten wie dem Berliner Flughafen oder der Elbphilharmonie, um nur einige Beispiele zu nennen.

Rotenberg hat nun bekannt gegeben, dass ihm der „Palast“ am Schwarzen Meer gehört, der derzeit weltweit Schlagzeilen macht. Das Gebäude hat schon vor über zehn Jahren Schlagzeilen gemacht, weil bei dem Bau so ziemlich alles falsch gelaufen ist. Rotenberg hat nun mitgeteilt, das er das Objekt vor einiger Zeit gekauft hat und zu einem Hotel machen will.

Rotenberg hat dem russischen Fernsehen ein Interview gegeben. Darüber wurde am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ berichtet und ich habe den Bericht übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Alle fragen sich, wer der wahre Besitzer des mystischen „Palastes“ in Gelendschik ist. Wir konnten ihn treffen. Und wir sagen es gleich: Er stand als einer der Ersten auf den Sanktionslisten der Vereinigten Staaten und der Europäischen Union. Er ist es nicht gewohnt, sich zu verstecken. Er ist ein berühmter Mann. Einer der Industriellen und Bauunternehmer, die Russland lieben und er baut die größten Objekte in den riesigen Weiten des Landes – vom Fernen Osten bis zum hohen Norden und dem Süden Russlands.

Die Krimbrücke ist die größte Brücke in Russland und sie verbindet die Halbinsel mit dem Festland. Die Straßen des olympischen Sotschi und das Kinderzentrum Artek. Dieser Mann, Arkady Rotenberg, hat eine direkte Verbindung zu den größten Gebäuden und Rekonstruktionen des modernen Russlands. Ein Milliardär, dessen Projekte bei ausländischen Politikern oft Sanktions-Anfälle und Anfälle von wirtschaftlichem Hass verursachen. Die Großbaustelle bei Gelendschik gehört auch ihm.

„Es ist bekannt geworden, dass das Objekt in der Nähe von Gelendschik, das jetzt in aller Munde ist, Ihnen gehört. Stimmt das oder nicht?“

„Jetzt ist es kein Geheimnis mehr und ich kann es bestätigen. Ich bin der Nutznießer dieses Objektes“, sagte Rotenberg.

Wie sich herausstellt, ist der „Palast“ kein Palast, sondern ein Luxushotel der Art, von denen es in Russland nur wenige gibt. Aber jetzt werden es mehr.

„Als ich das gekauft habe, hatte ich die Idee, dort ein Apartmenthotel zu machen. Und ich habe diese Idee entwickelt und versuche, sie umzusetzen. Es ist ein großartiger Ort. Da gibt es natürlich viele Schwierigkeiten, die wir geerbt haben. Vieles wurde da von Anfang an falsch gemacht, das müssen wir jetzt alles ändern, aber insgesamt werden wir das Ziel, das ich erreichen wollte, erreichen. Das wird ein schöner Ort, am dem die Leute eine gute Zeit verbringen werden“, ist Arkady Rotenberg sich sicher.

Wir treffen uns mit Rotenberg im Moskauer Umland auf einer Eishockeybahn. Das Hobby des Eishockey-Trainers ist der Sport. Wie im Sport geht er Risiken ein und nimmt Projekte an, an die andere sich nicht herantrauen. Für den Bau der Krimbrücke war er einer der ersten, die unter westliche Sanktionen geraten sind. Vor einigen Jahren erklärte er in einem Interview mit unserer Kollegin Naila Asker-Sade, warum er keine Angst vor diesen Sanktionen habe: „Ach die Sanktionen. Das ist eine Art Kinderspiel. Auf mich haben die keinen so tiefgründigen, bleibenden Eindruck gemacht. Wir haben immer in Russland gearbeitet, unsere Investitionen waren in Russland.“

Das Apartmenthotel in der Nähe von Gelendschik hat jetzt Werbung auf der ganzen Welt bekommen. Es wird Kunden in den russischen Süden locken. Rotenberg hat sich zum Ziel gesetzt, das Hotel bis 2023 zu eröffnen.

„Wir müssen es in zwei Jahren schaffen. Die Frist haben wir uns gesetzt. Wenn wir es wie üblich vor Ablauf der Frist schaffen, ist es noch besser. Deshalb lade ich Sie ein. Kommen Sie hin, wenn es fertig ist. Dann wird es diese Gespräche darüber, wer wo war und wessen Zimmer das ist, nicht mehr geben. In der Zwischenzeit arbeiten wir, wie wir es immer getan haben.“, sagte der Unternehmer.

Rotenberg, der unter Sanktionsdruck steht, hat seine Aktiva nie öffentlich gemacht. Aber er hat sie auch nie versteckt. Es baut ein Netz von modernen Resorts und Hotels auf. Das Hotelgeschäft, wie auch die Baubranche, ist für ihn aber nicht mehr neu. Er ist im großen Maßstab in die Branche eingestiegen. Unmittelbar nach der Fertigstellung der Arbeiten an der Krimbrücke ist er auf zwei Objekte aufmerksam geworden: In der Nähe von Gelendschik und auf der Krim, auf Ai-Petri.

Das Sanatorium „Ai-Petri“ ist einer der beliebtesten Kurkomplexe an der Südküste der Krim. Jedes Jahr erholen sich hier mehr als 15.000 Gäste. In zwei Jahren wurden zig Millionen in das Sanatorium investiert. Es ist geplant, mehr als eine Milliarde Rubel zu investieren.

Sein Hotelgeschäft umfasst mehr als nur ein Gebäude am Südufer der Krim.

„Es gibt einige Objekte auf der Krim, es gibt was in Sotschi, es gibt einige Objekte im Fernen Osten, es gibt ein Objekt im Altai, das ich prüfe. Ich bewege mich in diese Richtung, ich mag das, ich denke, das wird eine schöne Geschichte“, sagte Rothenberg.

Im Altai, das ein unentdecktes touristisches Potenzial von Weltklasse hat, beginnt der Bau eines größeren Komplexes als in der Nähe von Gelendschik. Es ist ein ganzes Skigebiet. (Anm. d. Übers.: Das Altai-Gebirge ist eine unglaublich schöne Region in Russland mit vollkommen unberührter Natur, die sicher zu den schönsten Flecken der Erde gehört. Suchen Sie gerne mal im Internet nach Bildern.)

„Wir prüfen mehrere Möglichkeiten für den Bau eines Resorts mit einer Gesamtkapazität von bis zu 5.700 Personen pro Stunde. Das Konzept sieht den Bau von Liften und 5 bis 12 Skipisten mit einer Gesamtlänge von bis zu 20 Kilometern vor. Die Skipisten in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen werden mit Kunstschnee und Beleuchtungssystemen ausgestattet“, sagte Witali Kaschnikow, ein Vertreter des Investors.

Jedes Haus, das Rotenberg baut, bedeutet Geld, das nicht ins Ausland gebracht worden ist.

„Ich sehe mich nicht nur als Bauunternehmer, sondern als Geschäftsmann. Wir werden hier viel Geld verdienen. Ich denke, dass das Geld in Russland investiert werden sollte, das heißt, dass das Geld hier bleiben sollte. So wie Geld in der Familie bleiben sollte, das ist für mich das gleiche“, sagte Arkady Rotenberg.

Das Gebäude an der Schwarzmeerküste ist nicht das erste und sicherlich nicht das letzte Projekt von Rotenberg, das für Kontroversen sorgt. Die Krimbrücke war in diesem Sinne eine gute Schule. Skandale sind für Geschäftsmann seit Jahren wie eine sportliche Herausforderung.

Ende der Übersetzung

Werbung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

13 Antworten

  1. Auf dem Bild, ist ein Bodenständiger, Anständiger Mensch zu sehen. Der sich seinen Humor bewahrt hat und im Leben schon viel gearbeitet hat. Schon höhen und tiefen erlebt hat und damit Gelassen wurde.

  2. Soweit und solange die „russische Oligarchie“ so „denkt“ wie der Mann:
    „Ich denke, dass das Geld in Russland investiert werden sollte, das heißt, dass das Geld hier bleiben sollte. So wie Geld in der Familie bleiben sollte, das ist für mich das gleiche”
    ist die RF nicht zu schlagen. Damit können die Völker der RF auch gut leben.

    Wir kennen heute einen Rockefeller, Morgan, Ford, Vanderbilt, Hearst, etc. , etc, deshalb noch, weil sie „Amerika groß gemacht“ haben – (mit dem kleinen, alledings signifikanten Unterschied: Die mußten damals nicht unbedingt „so denken“, da war die „Lage“ eine vglw. „komfortablere“.)

  3. Aber…. ab. aaa….ber der Nawalny hat doch eine Rechnung aus Putins Amazon-Konto über eine goldene Kloooooooobürsteeeeee!!!

    Wird nix nützen. Egal, ob das jetzt stimmt (was ich für wahrscheinlich halte) oder nicht, die NATO-Blöker lachen sich schon schief über „Putins Ablenkungsmanöver“. Die glauben wohl auch erst an Meteoriten, wenn ihnen direkt einer auf den Kopf fällt…

  4. Klingt alles plausibel, aber mir fehlen bei dem Beitrag doch einige Informationen, die die Sache glaubwürdiger machen würden: Wann hat Rotenberg das Anwesen gekauft? (Hat er es überhaupt gekauft, denn er bezeichnet sich ja nicht als den Eigentümer, sondern merkwürdiger Weise als „Nutznießer“). Von wem hat er es gekauft? Wer hat es gebaut? Offenbar war es nicht von vornherein als Hotel geplant, sondern wird erst jetzt zum Hotel umgebaut. Da gibt es also noch einiges aufzuklären, von voller Transparenz ist dieser Beitrag noch weit entfernt.

    1. Und es kommt, wie es kommen mußte:

      „…
      Und wenn sich dann einer aufmacht, das zu überprüfen, dann dauert das naturgemäß eine Weile, weil derjenige ja nachforschen muß, gerade nicht irgend etwas zusammenbasteln kann, sondern reale schlüssige Belege zu liefern hat.
      In der Zeit hat sich der Ursprung der Geschichte schon “gesetzt” – und wenn dann doch der eine oder andere die demgegenüber oft zudem noch trivialen, völlig unspektakulären, Fakten zur Kenntnis nimmt – ja dann kann da was nicht stimmen, denn das ist doch viel zu einfach, da muß doch mehr dahinter stecken, das “weiß” man doch.“

    2. khsiber: „Da gibt es also noch einiges aufzuklären, …“

      Warum? Was geht uns das an? Die Geschichte handelt von einem ausländischen Agenten, der mit Lug und Trug Chaos stiften soll. Der Beitrag widerlegt diese Lüge auf transparente Weise.

      Humml: „Und es kommt, wie es kommen mußte:“

      Sie können es noch so oft wiederholen, wer es nicht verstehen will, der will es auch beim wiederholten Male nicht.

      1. Meinen Sie die Frage „Was geht uns das an“ ernst? Es geht uns auch streng genommen nichts an, wer der aktuelle Eigentümer (oder „Nutznießer“) des Anwesens am Schwarzen Meer ist. Dennoch haben wir es mit Interesse zur Kenntnis genommen.
        Auch wenn ich Nawalny für einen Gauner und politischen Hasardeur halte, heißt das nicht, dass ich nicht neugierig wäre, die „ganze Geschichte“ dieses merkwürdigen Schlosses zu erfahren.

        1. Selbstverständlich meine ich die Frage ernst. Dabei habe ich aber nicht bedacht, dass manche Menschen eben neugieriger sind als ich. Die Frage nach den Hintergründen des Gebäudes lenkt m. M. n. nur vom Thema ab, das ja nun mal Nawlny und seine Lügengeschichten ist.

        2. Tja, das „Informationsinteresse“ ist halt verschieden.
          Die einen intressieren sich für das, was die „Bunte“, oder seit einiger Zeit auch „unser gemeinsamer öffentlich-rechtliche Rundfunk“ so zu bieten hat.
          Ander – ich z.B: – interesieren sich mehr dafür, wie etwa die RF mit ihren „nationalen Projekten“ vorankommt oder was da auf zwischenstaatlicher Ebene so „im Hintergrund“ abläuft.
          Jeder wird da halt nach seine Fasson „glücklich“ (oder auch nicht).

          1. Das Interesse an Einem schließt das Interesse an Anderem nicht aus. Außerdem kann sich, wenn man einer trivialen Geschichte auf den Grund geht, auch einmal ein Fenster zu einer anderen, vielleicht weniger trivialen Geschichte öffnen.

            1. Selbstverständlich. Aber mit Ihren Fragen oben kommen Sie ja vom Thema ab, um das es im Artikel geht. Warum sollte die hier jemand beantworten? 🤔 Wenn Rotenberg lügt wird es schon jemand herausfinden. 😉

Schreibe einen Kommentar