Wie die Ryanair-Landung in Minsk propagandistisch ausgeschlachtet wird
Die Landung des Ryanair-Flugzeugs in Minsk ist geradezu ein Lehrstück, wenn es um die westlichen Medien geht. Vieles, was da nun behauptet wird, klingt für deren Leser nur deshalb überzeugend, weil die „Qualitätsmedien“ vorher vieles einfach verschwiegen haben.
In diesem Artikel will ich anhand von einigen Beispielen aus den letzten Tagen aufzeigen, wie die westlichen Medien ihre Leser desinformieren. Vieles, was die „Qualitätsmedien“ in ihren Artikeln über die Ryanair-Landung in Minsk schreiben, können sie nur deshalb ohne größere Shitstürme schreiben, weil sie ihre Leser vorher dumm gehalten und ihnen wichtige Ereignisse und Informationen schlicht verschwiegen haben.
Der im Westen verschwiegene Putschversuch
Am 27. Mai ist beim Spiegel ein Artikel mit der Überschrift „Erzwungene Ryanair-Landung – Lukaschenko nennt inhaftierten Protassewitsch einen »Terroristen«“ veröffentlicht worden, der exemplarisch aufzeigt, was ich meine. So kann man da zum Beispiel lesen:
„Der 26-Jährige und seine Helfer hätten einen »blutigen Aufstand« in Belarus geplant, sagte Lukaschenko. »Sie sollten die Hauptsache hier verstehen: An Bord des Flugzeugs war ein Terrorist«, sagte Lukaschenko laut der Zeitung des Präsidentenamtes, »Belarus Segodnja«. Das sei über die Grenze von Belarus hinaus bekannt gewesen, meinte er mit Blick auf Russland.“
Dieser Absatz ist ein Meisterwerk im Weglassen. Mitte April wurde bekannt, dass führende weißrussische Oppositionelle mit Unterstützung des Westens einen blutigen Putsch in Weißrussland geplant haben. Das hat übrigens niemand bestritten, denn die Beweise waren zu eindeutig. Der russische Geheimdienst hat Videoaufnahmen der Gespräche der Putschisten veröffentlicht, sodass es keinerlei Zweifel gibt (die Details finden Sie hier). Und da es nicht bestritten werden konnte, haben die westlichen Medien das Thema kurzerhand totgeschwiegen.
Das ist praktisch, denn weil der Spiegel-Leser davon nie gehört hat, kann der Spiegel den geplanten blutigen Aufstand in Anführungsstriche setzen und der Spiegel-Leser muss das (weil er nie davon gehört hat) für eine freche Lüge Lukaschenkos halten. Mehr noch: Es klingt für den Spiegel-Leser geradezu lächerlich, dass ein 26-jähriger, milchgesichtiger Junge einen einen „blutigen Aufstand“ geplant haben soll.
Da ist es schon fast lustig, wie dreist der Spiegel dann noch anfügt, das „sei über die Grenze von Belarus hinaus bekannt gewesen“ und dabei auf Russland verweist. Stimmt, in Russland ist das bekannt, im Westen aber nicht, denn „Qualitätsmedien“ wie der Spiegel haben es ihren Lesern ja verschwiegen!
Die Vergangenheit des „Bloggers“
Nachdem der Spiegel seine Leser so dreist hinter die Fichte geführt und Lukaschenkos Aussagen unglaubwürdig gemacht hat, kommt in dem Artikel folgendes:
„Zugleich warf Lukaschenko Protassewitsch vor, er habe in der Ostukraine aufseiten von Regierungstruppen gekämpft. »Er hat viel Erfahrung als Söldner.« Der Journalist hatte zwar 2014 als Reporter aus der Ukraine berichtet. Damals begann im Osten des Landes der Krieg zwischen prorussischen Kräften und der Zentralregierung in Kiew. Kampfhandlungen sind Protassewitsch aber nicht nachgewiesen worden.“
Der Spiegel-Leser soll denken, Lukaschenko denke sich das alles aus, um den unschuldigen Blogger, so wie schon mit dem „blutigen Aufstand„, zu verunglimpfen. Aber wieder falsch, denn der unschuldige Blogger hat nicht nur im Dobass gekämpft, er hat sich seinerzeit damit auch in Interviews gerühmt und es gibt reichlich Fotos von ihm, auf denen er schwer bewaffnet im Donbass posiert. Aber da der deutsche Leser davon nichts erfährt, um das zu erfahren und die Interviews zu lesen, muss man Russisch können, kommt der Spiegel auch mit dieser Desinformation seiner Leser durch.
Daher wirkt auch der darauf folgende Absatz des Spiegel-Artikels bei den nicht-informierten Spiegel-Lesern:
„Trotzdem behauptete Lukaschenko nun: »Dieses Dreckschwein hat im Südosten der Ukraine Menschen getötet. Diese Fakten sind nicht nur bei uns, sondern auch bei unserem Bruderstaat Russland bekannt – und in der ganzen Welt.«“
Wie soll man einen Mann, der bei dem berüchtigten Asow-Bataillon gekämpft hat und Menschen getötet hat, denn sonst nennen? Und als Krönung kommt danach noch der Satz:
„In Belarus steht auf sehr schwere Verbrechen die Todesstrafe, die auch noch vollstreckt wird.“
Das stimmt zwar, aber zu dem Zeitpunkt war schon allgemein bekannt, dass Protasewitsch nicht die Todesstrafe droht. Auf die ihm vorgeworfenen Vergehen stehen in Weißrussland bis zu 15 Jahre Haft. Aber das muss der Spiegel-Leser ja auch nicht wissen, denn dem Spiegel geht es schließlich nicht darum, seine Leser zu informieren, ihm geht es um Propaganda, wie man an diesem Beispiel wieder eindrücklich sehen kann.
Demo in Kiew
Wie verzweifelt die „Qualitätsmedien“ sein müssen, weil sie ihren Lesern einfach keine Protest gegen Lukaschenko mehr zeigen können, weil die Menschen in Weißrussland inzwischen verstanden haben, dass sie bei den Protesten im letzten August nur benutzt wurden, greifen sie zu immer lustigeren Mitteln. Am Montag ist beim Spiegel ein Videobeitrag mit der Überschrift „Belarussen fordern Lukaschenkos Rücktritt – »Lang lebe Belarus«“ erschienen. Darin ging es um eine Protestkundgebung gegen Lukaschenko. Allerdings war das nicht etwa eine Großkundgebung in Minsk, wie die Überschrift noch vermuten lässt, sondern es war eine Versammlung von einigen Dutzend Menschen in Kiew.
Die Bilder sind trotzdem so aufgenommen worden, dass es so aussah, als seien es zumindest einige hundert Leute, aber der Sprecher des Beitrages sagt selbst, dass es nur „einige Dutzend“ gewesen sind.
Das zeigt die ganze Verzweiflung in den Redaktionen der westlichen Regimechange-Medien, wenn sie schon über eine Versammlung von ein paar Dutzend Menschen außerhalb von Weißrussland berichten müssen, um bei ihren Lesern zumindest irgendwie den Eindruck zu erwecken, die Menschen in Weißrussland seien unzufrieden und würden von dem bösen, „letzten Diktator Europas“ unterdrückt.
Das Phänomen kann man immer wieder beobachten. Wenn in Moskau, einer 12-Millionenstadt, 2.000 Menschen gegen Putin demonstrieren, dann machen die „Qualitätsmedien“ daraus einen Massenprotest. Wenn aber in Berlin über hunderttausend Menschen gegen die Corona-Politik der Bundesregierung protestieren, ist das für die „Qualitätsmedien“ keine große Sache. Und im Falle von Weißrussland sind nun schon „einige Dutzend“ Demonstranten ein berichtenswerter Protest gegen Lukaschenko.
Wenn es mir gelingt, hier im russischen St. Petersburg „einige Dutzend“ Deutsche zu einem Protest gegen Merkel zu versammeln, ob der Spiegel darüber wohl auch einen anderthalb-minütigen Videobeitrag bringen würde?
Die Bundesregierung stellt sich dumm
Unterhaltsam war auch, wie die Bundesregierung auf Nachfragen reagiert hat. Ich habe vor einigen Tagen einige Beispiele aus den letzten zehn Jahren aufgeführt, die gezeigt haben, dass die Ryanair-Landung in Minsk nichts besonderes war. Solche Vorfälle gab es auch im Westen, zu erwähnen ist besonders der Vorfall in Kiew 2016. Damals hat die Ukraine einem aus Kiew gestartetes weißrussisches Passagierflugzeug die Anweisung gegeben, nach Kiew zurückzukehren und dann einen Passagier, einen Anti-Maidan-Aktivisten, aus dem Flugzeug geholt. Danach konnte die Maschine wieder starten, die Details finden Sie hier.
Bei der Regierungspressekonferenz wurde Regierungssprecher Seibert gefragt, wieso die Bundesregierung diese – im Gegensatz zu dem aktuellen Fall in Minsk – erzwungene Landung in Kiew nicht scharf verurteilt hat. Das Gestammel von Seibert war mal wieder unvergleichlich und natürlich hat er die Frage nicht beantwortet, sondern gesagt, solche Vergleiche würden nicht weiterhelfen.
Wenn Sie sich für mehr Beispiele für freche Verfälschungen der Wahrheit in den „Qualitätsmedien“ interessieren, sollten Sie Beschreibung meines neuen „Spiegleins“ lesen. Das Buch ist eine Sammlung der dreistesten „Ausrutscher“ der „Qualitätsmedien“ im Jahre 2020 und zeigt in komprimierter Form, wie und mit welchen Mitteln die Medien die Öffentlichkeit in Deutschland beeinflussen wollen. Von „Berichterstattung“ kann man da nur schwer sprechen. Über den Link kommen Sie zur Buchbeschreibung.
https://anti-spiegel.ru/2021/das-neue-anti-spiegel-jahrbuch-ist-da/
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