Wie erwartet: Joe Biden lehnt live übertragenes Gespräch mit Putin ab

Nachdem Joe Biden den russischen Präsidenten als „Killer“ bezeichnet hat, hat Putin ein live übertragenes Gespräch vorgeschlagen, um öffentlich über die russisch-amerikanischen Beziehungen zu sprechen und zu retten, was da noch zu retten ist. Biden hat das abgelehnt.

Nach dem Interview, in dem der Interviewer Biden in den Mund gelegt hat, Putin sei ein „Killer“, hat Putin gelassen reagiert und Biden zunächst Gesundheit gewünscht. Dann hat Putin vorgeschlagen, die beiden Präsidenten könnten ein live übertragenes Gespräch führen, welches sicher interessant für die Völker beider Länder sei, um bei den Beziehungen zwischen den USA und Russland zu retten, was noch zu retten ist.

Die Botschaften zwischen den Zeilen

Ich habe die Erklärungen Putins komplett übersetzt, weil sie in meinen Augen eine ganze Reihe von Aussagen zwischen den Zeilen beinhalten. So hat Putin darauf hingewiesen, dass das bisher einzige Telefonat der beiden auf Initiative der USA zustande gekommen ist. Er hat dazu gesagt, nun ergreife Russland die Initiative und biete ein Telefonat an, allerdings unter der Bedingung, dass es live übertragen wird.

Das kann man durchaus so verstehen, dass es – sollte dieses Gespräch nicht zu Stande kommen – für lange Zeit keine weiteren Gespräche zwischen Putin und Biden geben wird, Putin würde Anrufe aus dem Weißen Haus nicht mehr entgegen nehmen. Dass er dazu bereit ist, hat er in der Vergangenheit öfters gezeigt. So hat er zum Ende von Poroschenkos Amtszeit keine Anrufe von Poroschenkos mehr angenommen. Das gleiche gab es auch schon mit Erdogan, nachdem die Türkei ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen hatte. Putin zeigt, wo rote Linien sind und reagiert entsprechend. Das könnte bedeuten, dass es – wenn die USA mal wieder etwas von Russland wollen – für Anrufe aus dem Weißen Haus im Kreml „kein Anschluss unter dieser Nummer“ heißen wird.

Dass sich nun etwas radikal in den Beziehungen zwischen den beiden Ländern geändert hat, konnte man am Freitag bereits sehen. Zu einer Videokonferenz von US-Präsident Biden mit UNO-Diplomaten hat Russland als einziges Land nicht seinen UNO-Botschafter geschickt, sondern die Stellvertreterin seines Stellvertreters. Also die wahrscheinlich rangniedrigste Diplomatin, die Russland in New York bei der UNO hat. Da Russland sich noch auf die Kunst der traditionellen Diplomatie versteht und dabei sehr auf die Form achtet, war das ein sehr deutliches Zeichen dafür, in welchem Zustand die Beziehungen zwischen den Ländern nun sind.

Biden lehnt Putins Gesprächsangebot ab

Nachdem schon Bidens Sprecherin Jen Psaki sehr ausweichend auf das Gesprächsangebot geantwortet hat und sagte, Biden habe sehr viel zu tun, hat nun auch Biden das Gesprächsangebot de facto abgelehnt. Er sagte dazu ausweichend:

„Ich bin sicher, dass wir irgendwann miteinander sprechen.“

Es wird also kein Gespräch geben, das – wie Putin vorgeschlagen hat – kurzfristig in den nächsten Tagen stattfinden könnte. Ob es danach überhaupt noch mal ein Gespräch geben wird, steht in den Sternen.

Das Problem im Weißen Haus ist, dass man dort sehr genau weiß, dass Biden in einem Streitgespräch mit Putin keine Chance hat. Beide sind erfahrene Politiker, aber Putin ist tritt mehrmals im Jahr live bei stundenlangen Podiumsdiskussionen auf, bei denen westliche Journalisten versuchen, ihn zu „grillen“. Putin hat daran sichtlich Spaß, wie Sie in meinem Buch über Putin mit vielen Beispielen nachlesen können. Und er ist argumentativ fast unschlagbar, denn er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und antwortet sachlich und mit Argumenten. Beispiele dafür füge ich am Ende dieses Artikel an.

Biden hingegen ist dement, das lässt sich kaum mehr verbergen, er wäre für Putin eine „leichte Beute.“ Das weiß man im Weißen Haus sehr genau und daher war es klar, dass man Putins Angebot ablehnen würde.

Wie die Medien damit umgehen

Leider habe ich den Spiegel-Artikel über Putins Angebot für das live übertragene Gespräch nicht gespeichert. Ich könnte schwören, dass er im Nachhinein umgeschrieben worden ist. Zunächst war es – nach meiner Erinnerung – ein recht sachlicher Artikel darüber. Vielleicht hat ja ein Leser den ursprünglichen Text des Artikels gespeichert.

Jetzt jedenfalls steht dort jetzt in der Einleitung zu lesen:

„Der verbale Schlagabtausch zwischen Joe Biden und Wladimir Putin geht weiter – auch wenn der jüngste Vorstoß des Kremlchefs wohl nicht ganz Ernst gemeint ist.“

Ich habe in meinem Artikel über Putins Gesprächsangebot gefragt, wie die Medien es wohl verkaufen werden, wenn Biden das Gesprächsangebot ablehnt. Immerhin war die Ablehnung zu erwarten. Und der Spiegel-Artikel zeigt die Linie der „Qualitätsmedien“: Sie tun so, als habe Putin das Gesprächsangebot gar nicht ernst gemeint, also muss Biden darauf nicht reagieren. Und dass Biden das Angebot abgelehnt hat, wird daher auch gar nicht berichtet.

Im Spiegel klingt das jetzt so:

„Ganz ernst gemeint dürfte Putins Angebot kaum sein – vielmehr ist es als weitere Stichelei gegen den US-Präsidenten auszulegen. Zwischen Putin und Biden war es zuletzt zu einem offenen verbalen Schlagabtausch über die Medien gekommen.“

Der Spiegel sieht eine „weitere Stichelei gegen den US-Präsidenten.“ Das ist dreist, denn es gab keinen verbalen Schlagabtausch. Es gab eine beispiellose Beleidung aus Washington und eine sehr ruhige Reaktion Putins. Aber das soll für den Spiegel-Leser anders klingen.

Wie gesagt: Ich bin mir sicher, dass der Artikel zunächst völlig anders geschrieben war. Aber ich kann es nicht beweisen. Wenn jemand den Originaltext gespeichert hat, wäre ich dankbar, ihn zu bekommen, um zu überprüfen, ob ich das richtig erinnere und der Spiegel seinen Artikel tatsächlich umgeschrieben hat, nachdem klar wurde, dass das Weiße Haus das Gesprächsangebot ablehnt.

Bevor wir zu den versprochen Beispielen dafür kommen, wie Putin mit kritischen Fragen westlicher Journalisten umgeht, hier noch ein Video von heute, das die deutschen Medien wohl auch nicht zeigen werden. Biden schafft es nicht einmal mehr unfallfrei, die Treppe zu seinem Flugzeug hochzugehen.

Joe Biden stumbles on steps of Air Force One

Nun zu einigen Beispielen von Putins Podiumsdiskussionen, die ich übersetzt habe.

Putin im Mai 2014 zur Ukraine
Putin 2014 zur Frage der aggressiven russischen Politik - Putins Antwort auf eine Frage der BBC
Putin 2014 zum Thema Syrien

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

14 Antworten

  1. Bei dem Treppenunfall kommt mir wieder in den Sinn, wie Biden im Wahlkampf zuletzt auftrat – er war im Fernsehen fast nur noch rennend zu sehen… „Topfit“, so war die Botschaft….

  2. Der Herr Präsident rennt nicht, der hat nur einen erstarkenden Bewegungsdrang. Der u.a. Ausdruck bestimmter Alterserscheinungen gehört.

    Aber bleiben wird politisch korrekt, Biden ist schon so lang an der Seite demokratischer Kriegsfürsten das er wohl jeden als Killer bezeichnet um Verwechslungen auszuschließen. Klappt eben nur nicht immer.

  3. Der kann das Angebot gar nicht annehmen. Er würde sich und sein Land bis auf die Knochen blamieren. Wer weiß, welchen Mist er von sich geben würde, denn man kann ihm in so einem Gespräch nicht jedes Wort ins Ohr flüstern oder aufschreiben. Wie würde die Welt ein Land beurteilen, dass einen völlig senilen und dementen Präsidenten hat, der nicht mehr Herr seiner Sinne ist? Und der soll die Wahlen gewonnen haben? Es wäre sowohl innenpolitisch und außenpolitisch das reinste worst case Szenario. Keiner würde die USA mehr für voll nehmen. Und Putin müsste sich nicht einmal Mühe geben. Er könnte höflich und gelassen bleiben und Biden trotzdem so richtig vorführen. Das Gespräch würde wohl einer amerikanischen Sitcom mit Elbandi gleichen, man könnte den Mitschnitt als neuste Comedy Show in den USA verkaufen. Aber Harris scheint ja schon die neue Präsidentin zu sein, wenn man Herrn Biden Glauben schenken will. Putin sollte dann doch gleich das Gespräch mit dieser Dame führen.

    1. Alle westlich-neoliberalen „Politiker“ würden sich blamieren, nicht nur Biden. Man lausche doch nur Putins Argumentation. Was könnten die ihm entgegensetzen? Bei so einem Gespräch können die nur verlieren, die Menschheit würde allerdings sehr viel gewinnen.

      Ole_Bienkopp: „… er war im Fernsehen fast nur noch rennend zu sehen… „Topfit“, so war die Botschaft….“

      Der Mann könnte einem Leid tun, wenn er nicht so eine Kanaille wäre. Es ist nur bedauerlich, dass er wahrscheinlich gar nicht mitbekommt, was für eine lächerliche Figur er bei seinem Untergang abgibt.

    2. Man schaue sich nur an, wieviele Schnitte in dem Skype-„Interview“ Bidens mit dieser Sängerin waren! Und da waren Fragen und Antworten 100% vorbereitet und ablesbar ausgedruckt.

  4. Die Frage die man stellen muss lautet doch, Wer zieht die Fäden im Hintergrund?
    Ein Semi-Debiler Opa, der sich nicht einmal die Schuhe zubinden kann, ist für die Welt ein größeres Risiko. Die Falken haben in den USA eh schon viel zu viel Macht, da wird es nicht friedvoller, wenn ein Trottel nicht mehr sagen kann, was er fünf Minuten vorher gegessen hat, aber sich erinnern kann, was vor 50 Jahren passierte….

  5. Es ist eigentlich schon traurig, dass ein Land wie die USA mit 328 Mio. Einwohnern keinen besseren Kandidaten stellen konnte. Das ganze ist eine Schmierenkomödie erster Klasse… und ein Beweis, dass gar nicht der Präsident das Land regiert.

  6. Um das Bild vom Schachspieler/Pokerspieler vom ersten Artikel aufzugreifen: Die amerikanische und westeuropäische politische Administration braucht nicht in Verlegenheit zu kommen. Der Kurzkommentar des Spiegels über das Gesprächsangebot wird von vielen Bürgern angenommen. Schon Herr Karpov wurde als ein unsympathischer Schachspieler dargestellt und es wirkte auf die Massen.

  7. Das letzte Jahr hat uns eindrücklich die ungeheure Macht der Propaganda gezeigt, wie es schon im Exerzitienbuch der Gesellschaft Jesu so schön heißt (§ 365): „das Weiße als schwarz sehen, wenn es die Kirche so definiert“. Der Gesundheitszustand von B. spielt überhaupt keine Rolle, er läuft an kurzer Leine bis zum Abgang als Sündenbock. Sogar die Hölle wird ihn ablehnen.

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