Kosovo

Wie in Russland über die Eskalation zwischen dem Kosovo und Serbien berichtet wird

An der Grenze zwischen dem Kosovo und Serbien sind Truppen aufmarschiert, nachdem der Kosovo der serbischen Minderheit verboten hat, serbische Nummernschilder an den Autos zu nutzen. Wie das russische Fernsehen über die Eskalation berichtet.

Die für die Region im Norden des Kosovo verantwortlichen Nato-Truppen sehen tatenlos zu, wie kosovarische Polizei in die von Serben bewohnte Region im Norden des Kosovo einrückt, obwohl das nach den geltenden Vereinbarungen verboten ist. Serbien hat seine Armee an die Grenze gebracht und der Nato ultimativ gedroht, in das Gebiet einzurücken, wenn die Nato-Friedenstruppen ihr Mandat weiterhin nicht erfüllen und für nicht den Abzug der kosovarischen Einheiten sorgen.

Um aufzuzeigen, wie in Russland darüber berichtet wird, habe ich einen Beitrag der russischen Abendnachrichten vom Montag über die Situation auf dem Balkan übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Belgrad und Pristina werden bereits am 29. September in Brüssel über Deeskalation sprechen, aber heute hängt nach Angaben der EU viel vom Besuch der EU-Kommissionschefin auf dem Balkan ab: Der serbische Präsident, der gegenüber der NATO bereits zu Ultimaten übergegangen ist, wird Ursula von der Leyen in Belgrad als erster treffen. Vucic hat der Allianz 24 Stunden Zeit gegeben, um zu reagieren. Und nach der Tatsache zu urteilen, dass sich vor wenigen Stunden US-amerikanische, polnische und kanadische Truppen den Kosovo-Spezialkräften an der serbischen Grenze angeschlossen haben, hat die NATO die Bedrohung erkannt. Serbische Kampfpanzer stehen bereits zwei Kilometer von der Grenze zum Kosovo entfernt und sind bereit, die Grenze jeden Moment zu überschreiten.

Die Spannungen an der Grenze haben ihren Höhepunkt erreicht, Belgrad hat seine Truppen in höchste Alarmbereitschaft versetzt und Panzer und Kampfeinheiten verlegt. Hubschrauber und Kampfjets patrouillieren im Konfliktgebiet.

Einheimische blockieren Straßen in der Nähe von Kontrollpunkten mit Lastwagen, errichten Zeltlager und machen Lagerfeuer. Pristina entsandte Bereitschaftspolizisten und setzte Tränengas ein, um die Demonstranten zu bändigen. Drei Serben wurden von kosovarischen Sicherheitskräften am Kontrollpunkt Brnjak zusammengeschlagen und befinden sich nun im Krankenhaus.

Ein Streit um Nummernschilder war der Auslöser für eine neue Runde in dem seit langem schwelenden Konflikt. Pristina verlangte, dass jeder, der in den Norden des Kosovo einreist, die serbischen Nummernschilder abnimmt und stattdessen zeitweilige kosovarische Schilder kauft. Man muss wissen, dass genau dieselbe Regel seit langem von Belgrad praktiziert wird. Diese scheinbare Vergeltungsmaßnahme der kosovarischen Regierung wurde jedoch als persönliche Beleidigung der serbischen Bevölkerung empfunden, die hauptsächlich im Norden des Kosovo lebt. Ihre serbischen Nummernschilder werden nun beschlagnahmt.

„Es ist wichtig, so schnell wie möglich eine Lösung zu finden und die getroffenen Maßnahmen aufzuheben, denn die Menschen sind entschlossen, ihr Recht auf Freizügigkeit zu verteidigen“, sagte Goran Rakic von der Partei Serbische Liste.

Für viele dort lebende ethnische Serben ist der Streit eher ein symbolischer Streit, der auf diplomatischem Wege hätte beigelegt werden sollen. Doch die von Pristina in das Konfliktgebiet entsandten Ordnungshüter haben die Karten neu gemischt. Gemäß der geltenden Vereinbarungen dürfen sie gar nicht dort sein.

Die umstrittenen Gebiete in Nordkosovo sind seit 1999 eine ausschließliche Zuständigkeitszone der NATO-Friedenstruppen, die in der ganzen Woche, in der der Konflikt schwelte, nicht eingegriffen haben. Präsident Aleksandar Vucic erklärte, dass „Nordkosovo und Metohija unter dem dröhnenden Schweigen der Weltgemeinschaft besetzt sind“.

„Serbien hat nur seine Bereitschaft erhöht, nicht aber die Armee und die Polizei geschickt. Serbien ist nicht in den Kosovo eingedrungen, weil wir das Kumanow-Abkommen respektieren, wir haben kein Recht dazu. Für uns ist der Frieden das Wichtigste“, betonte Vucic. „Serbien ist nicht in das Gebiet von Kosovo und Metohija eingedrungen. Erst wenn es zu Pogromen an unserer Bevölkerung kommt, werden wir reagieren. Ich habe der NATO das gesagt, und ich bin sicher, dass sie mich verstanden haben“.

Am 27. September empfing Präsident Aleksander Vucic die Botschafter der USA, des Vereinigten Königreichs, Frankreichs, Italiens und Deutschlands sowie den Leiter der ständigen Delegation der EU, die energisch Maßnahmen zur Deeskalation forderten und als Antwort hörten, dass Serbien eine Demütigung seiner Landsleute nicht zulassen werde.

Der russische Botschafter besuchte zusammen mit Verteidigungsminister Nebojsa Stefanovic die Stellungen der serbischen Armee in der Nähe von Kosovo und Metohija. Die diplomatische Mission kam zu dem Schluss, dass die serbische Regierung keine übermäßigen Maßnahmen ergreifen und nicht gegen die internationalen Abkommen verstößt.

„Es gab einen ausführlichen Meinungsaustausch mit den serbischen Partnern über die Situation im Norden der serbischen Provinz, die durch die provokativen Schritte Pristinas entstanden ist“, erklärte der russische Botschafter Alexander Botsan-Kharchenko. „Die serbische Seite verhält sich äußerst verantwortungsbewusst und zurückhaltend und setzt das vom Nationalen Sicherheitsrat des Landes unter Vorsitz von Präsident Vucic verabschiedete Maßnahmenpaket konsequent um.“

Nach diesen Bildern zu urteilen treffen weiterhin Infanterie und gepanzerte Fahrzeuge an der Grenze zum selbsternannten Kosovo ein. Panzer werden auf Traktoren transportiert, Soldaten treffen in Lastwagen ein und jugoslawische J-22-Kampfbomber der serbischen Luftwaffe wurden am Himmel gesichtet.

„Leider wird seit sieben Tagen gegen die Brüsseler Vereinbarung, die Resolution 1244 des UN-Sicherheitsrates und die Vereinbarung mit den KFOR-Friedenstruppen verstoßen, wonach sich die kosovarische Polizei nicht im Norden von Kosovo und in Metohija aufhalten sollte. Insbesondere dürfen sie keine Handlungen begehen, die nicht nur die Stabilität der Republik Serbien, sondern auch die Stabilität der gesamten Region bedrohen“, betonte der serbische Verteidigungsminister Nebojsa Stefanovic.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief in einem Telefongespräch mit dem serbischen Präsidenten zu Zurückhaltung und Verhandlungen auf. Vucic sagte, dass die serbische Armee innerhalb von 24 Stunden eingreifen werde, wenn die Friedenstruppen nicht handeln würden.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

11 Antworten

  1. Ich hoffe, die Leute dort vergessen NIE – WER dort bombardiert hat – und mit welcher Berechtigung…

    Ständig versucht man nun Serbien zu erpressen, damit es sich von Russland löst – bis dato ohne Erfolg… – und wir erwarten, daß das auch weiterhin erfolglos bleibt.

    1. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, aber ich unterstelle einmal, dass in letzter Zeit der Kosovo von westlichen Kräften intensiver infiltriert und aufgestachelt wurde, damit dort wieder ein Krieg entfacht wird. Damit wäre schon einmal eine heiße Front gegen Weißrussland und Russland eröffnet. Eine weitere Eskalation ist dann zeitnah am Donbas zu erwarten und schlussendlich beginnt die NATO wieder mit Manövern an ihrer Ostfront.

    2. Ich denke das haben die meisten Menschen dort leider schon längst vergessen – das Elend auch.
      Warum sonst sollte man sich jetzt wegen Nummernschilder in eine solche Lage manövrieren?
      Aber nichts passiert einfach so, und wenn man mit einem pro-russischen Land stänkern kann ist die NATO natürlich nicht weit weg…….

      1. Also bitte. Wer glaubt denn allen ernstes daran, dass es da um Nummernschilder geht?
        Bitte mal die Naivität ablegen.

        Und nein, die meisten Menschen haben es auf dem Balkan eben nicht vergessen – insbesondere nicht in Serbien. Es sind gerade einmal 22 Jahre seit dem Kosovokrieg und den blutigen 90er Jahre. Fast jeder im Balkan hat aufgrund dessen Erfahrung mit Krieg und den Folgen.

    3. Ein lächerlicher russischer Flugzeugträger könnte in dieser Situation helfen, wenn inzwischen die serbische Flugabwehr gestärkt wird. Serbien und Kroatien können sich einigen und sich gegenseitig nützlich sein!

    4. Im Gegensatz etwa zum griechischen Volk, welches von den USA einer erfolgreichen Gehirnwäsche unterzogen worden ist, um die Verbrechen die die USA und auch Großbritannien an ihm im angeblichen Bürgerkrieg zwischen 1945-1949 begangen haben, vergessen zu machen, wird das serbische Volk niemals die Bombardierung von zivilen Wohngebieten, zivilen Industrieanlagen, zivilen Infrastrukturobjekten und Kulturgütern sowie den Einsatz von Uranmunition und die gezielte Bombardierung von Chemiewerken mit dem Ziel der dauerhaften Schädigung der natürlichen Lebensgrundlagen und der Gesundheit der serbischen Bevölkerung durch die NATO vergessen!

      Das serbische Volk wird auch nie den Sturz seines legitimen Führers Milosevics durch die von der CIA-Frontorganisation aufgebaute subversive Bewegung Otpor und dessen spätere Ermordung in Den Haag vergessen!

      In Serbien kommen ebenso wie im Irak bis heute mehr missgebildete Neugeborene zur Welt als in der Ukraine und Weißrussland in den Hotspot-Gebieten der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl.

  2. 2. Juli 1914 (einige Wochen vor dem 1. Weltkrieg) Kaiser Franz Joseph I. gerichtet an Kaiser Wilhelm II:

    „Das Bestreben meiner Regierung muß in Hinkunft auf die Isolierung und Verkleinerung Serbiens gerichtet sein. Die erste Etappe auf diesem Wege wäre in einer Stärkung der Stellung der gegenwärtigen bulgarischen Regierung zu suchen, damit Bulgarien, dessen reelle Interessen mit den unsrigen übereinstimmen, vor der Ruckkehr zur Russophilie bewahrt bleibt.

    Wenn man in Bukarest erkennt, daß der Dreibund entschlossen ist, auf einen Anschluß Bulgariens nicht zu verzichten, jedoch bereit wäre, Bulgarien dazu zu veranlassen, sich mit Rumänien zu verbinden und dessen territoriale Integrität zu garantieren, so wird man dort vielleicht von der gefahrlichen Richtung zurückkommen, in welche man durch die Freundschaft mit Serbien und die Annäherung an Rußland getrieben worden ist.

    Wenn dies gelingt, konnte der weitere Versuch gemacht werden, Griechenland mit Bulgarien und der Turkei zu versöhnen; es würde sich dann unter der Patronanz des Dreibundes ein neuer Balkanbund bilden, dessen Ziel darin bestehen würde, dem Vordringen der panslawistischen Hochflut ein Ziel zu setzen und unseren Ländern den Frieden zu sichern.

    Dieses wird aber nur dann möglich sein, wenn Serbien, welches gegenwärtig den Angelpunkt der panslawistischen Politik bildet, als politischer Machtfaktor am Balkan ausgeschaltet wird.

    Außerdem verlas Graf Hoyos eine Aufzeichnung, die er über ein Gespräch mit dem Herrn Unterstaatssekretär in gleicher Sache aufgesetzt hat.
    Zu letzterer Aufzeichnung darf ich bemerken, daß sowohl Graf Berchtold, als insbesondere Graf Tisza ausdrücklich hervorgehoben wissen wollte, daß alles, was Graf Hoyos in dieser Besprechung mit dem Herrn Unterstaatssekretär gesagt habe, nur als dessen rein persönliche Auffassung anzusehen sei. (Diese Feststellung bezieht sich insbesondere darauf, daß Graf H. geäußert hat, es werde hier eine völlige Aufteilung Serbiens ins Auge gefaßt.“

    Quellen:
    https://wwi.lib.byu.edu/index.php/I,_1._Handschreiben_Kaiser_und_K%C3%B6nig_Franz_Josephs_an_Kaiser_Wilhelm,_2._Juli_1914
    https://archive.org/details/diedeutschendoku12byukaut/page/n71/mode/2up?view=theater

    Das ist besonders interessant im Hinblick auf die NATO-Bombardierung auf Serbien:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Rambouillet#Zitate

    „Der Rambouillet-Text, der Serbien dazu aufrief, den Durchmarsch von NATO-Truppen durch Jugoslawien zu genehmigen, war eine Provokation, eine Entschuldigung dafür, mit den Bombardierungen beginnen zu können. Kein Serbe mit Verstand hätte Rambouillet akzeptieren können. Es war ein ungeheuerliches diplomatisches Dokument, das niemals in dieser Form hätte präsentiert werden dürfen. […] Die Serben haben sich vielleicht in der Bekämpfung des KLA- (UÇK-)Terrors barbarisch verhalten. Jedoch wurden 80 % der Brüche des Waffenstillstandes, zwischen Oktober und Februar, von der KLA begangen. Es war kein Krieg der ethnischen Säuberung zu dieser Zeit. Wenn wir die Lage korrekt analysiert hätten, hätten wir versucht den Waffenstillstand zu unterstützen und nicht die ganze Schuld auf die Serben geschoben.“

    – Henry Kissinger

    „Holbrooke: Sie verstehen unsere Position?

    Milosevic: Ja.

    Holbrooke: Es ist Ihnen absolut klar, was passieren wird, da Sie unsere Position kennen?

    Milosovic: Ja, ihr werdet uns bombardieren. Ihr seid eine große und mächtige Nation. Ihr könnt uns bombardieren, wenn ihr wollt.“

    Außerdem ist wegen dem Kosovo bzw. aufgrund der Geisteskrankheit des US-Generals Wesley Clark (kommt der Name euch bekannt vor? Genau, das ist der selbe General, der nach dem 11. September erzählte, dass in nächsten Jahren 7 Länder weggebombt werden) beinah der 3. Weltkrieg ausgebrochen: https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsto%C3%9F_nach_Pri%C5%A1tina

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