Erdgas und Energiepreise

Wie in Russland über die europäische Gaskrise berichtet wird

Die Preise für Erdgas brechen in Europa immer neue Rekorde und die Ukraine hat Ungarn mit ihrer Politik so verärgert, dass Ungarn kein Gas mehr über die Ukraine bezieht. Die Lage auf dem europäischen Gasmarkt ist außer Kontrolle und vollkommen chaotisch, was die EU-Kommission jedoch selbst verschuldet hat.

Über die Gründe, warum die Preise auf dem Gasmarkt in Europa explodiert sind, habe ich in den letzten Tagen mehrfach berichtet, als die Gaspreise in Europa immer neue Rekorde gebrochen haben und inzwischen bei nie dagewesenen 1.200 Dollar pro tausend Kubikmeter stehen. Das Problem ist hausgemacht, denn die Gazprom liefert sein Gas zum Beispiel nach Deutschland für 220 Euro pro tausend Kubikmeter. Aber da die EU-Kommission den Gasmarkt liberalisiert hat, ist Erdgas zum Spekulationsobjekt geworden und die Zwischenhändler verdienen sich auf Kosten der Verbraucher eine goldene Nase.

Auch die Ukraine zahlt nun – unmittelbar zu Beginn der Heizsaison – einen Teil der Rechnung für ihre vollkommen egoistische und vor allem nationalfaschistische Politik, denn wegen der neuen ukrainischen Rassen- und Sprachgesetze hat Kiew es sich mit seinen Nachbarn, allen voran Ungarn, verscherzt, die wegen der massiven Unterdrückung ihrer nationalen Minderheiten in der Ukraine mehr als nur verärgert sind. Und so kam es, dass Ungarn einen neuen Gasvertrag mit Gazprom geschlossen hat, der die Ukraine umgeht.

Das wäre schon schlimm genug, weil die Ukraine dadurch Transitgebühren verliert, aber es ist noch weitaus schlimmer: Die Ukraine kauft sein 2015 offiziell kein russisches Gas mehr, sondern europäisches. Das passiert aber nur auf dem Papier, de facto handelt es sich um russisches Gas, das ungarische Importeure an die Ukraine verkaufen. Im Ergebnis zapfte sich die Ukraine diese Gasmengen bisher aus dem Transitgas ab, das Ungarn bestellt hat.

Nun gibt es aber kein Transitgas nach Ungarn mehr und so verliert die Ukraine 90 Prozent ihres importierten Gases. Um in der Heizsaison trotzdem heizen zu können, muss Kiew nun Gas zu Rekordpreisen an den europäischen Börsen kaufen. Die Details dieser Problematik habe ich hier im Detail aufgezeigt.

Das russische Fernsehen hat am Sonntag im politischen Wochenrückblick in zwei Beiträgen über diese Problematik berichtet. Zunächst kam ein Kommentar des Moderators im Studio, dann ein Korrespondentenbericht aus Europa und ich habe hier beide Beiträge übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Die Ukraine ist wütend auf Europa, weil ihre Verliebtheit in die Europäische Union, um derentwillen sie die Beziehungen zu Russland bis zum Nullpunkt verschlechtert hat, nicht erwidert wird. Ein weiterer Grund für die Verärgerung Kiews war die Unterzeichnung des Vertrages zwischen dem EU-Land Ungarn und Russland über Gaslieferungen für die nächsten 15 Jahre. Es handelt sich um einen langfristigen Vertrag zu einem für alle Seiten fairen Preis, der sicherlich nicht so verrückt ist, wie die derzeitigen Preise an den europäischen Börsen. Gerade wurde dort ein weiterer Rekord aufgestellt: über 1.200 Dollar pro tausend Kubikmeter.

Kiew ist vor allem einfach nur neidisch. Er wird, wie man so schön sagt, von der Gier erdrosselt. Zweitens ist die Ukraine insofern der Verlierer, weil russisches Gas bisher über die Ukraine nach Ungarn geleitet wurde. Das Problem dabei ist, dass die Ukraine nach guter alter Tradition einen Teil des Gases aus dem Transit einbehält. Immerhin: Wenn sie es früher einfach gestohlen hat, wird das jetzt auf anständige Weise gemacht.

Das in der Ukraine verbliebene russische Gas wurde so deklariert, als sei es aus dem Westen in die Ukraine gepumpt worden, als sei das Gas in Europa gewesen. Die Bezeichnung dafür ist virtueller Revers. Also ein angeblicher Revers. Denn wozu überhaupt Gas in den Westen leiten, wenn man das auch auf dem Papier erledigen kann? Und so blieb auch die politische Jungfräulichkeit erhalten, denn es ist ja kein russisches Gas, wenn es in Europa gekauft wird. Im Vergleich zu europäischen Preisen war es zwar ziemlich teuer, aber zumindest wärmt einen die Tatsache, dass das Gas – bildlich gesprochen – ein europäisches Etikett trägt. Die Ukraine wurde durch die Tatsache getröstet, dass sie zumindest auf diese Weise in das europäische Energiesystem und damit in die europäischen Werte eingebunden ist.

Der Transit von russischem Gas nach Ungarn war aus diesem Grunde sehr wertvoll. Tatsache ist, dass 90 Prozent der gesamten Gaseinfuhren der Ukraine aus dem ungarischen Gas stammen. Seit dem 1. Oktober fließt kein Gas mehr über die Ukraine nach Ungarn, und damit auch kein Gas mehr, das Kiew angeblich in Europa kauft, in Wirklichkeit aber nur aus der russischen Pipeline „abzapft“. Jetzt müssen sie das Gas in Europa nicht mehr virtuell, sondern tatsächlich kaufen. Willkommen an der Börse, bedienen Sie sich, nehmen Sie, so viel Sie wollen!

Und was ist mit dem Transitvertrag zwischen Gazprom und der Ukraine bis 2024? Das ist ganz einfach. Gazprom erfüllt seine Verpflichtungen gegenüber der Ukraine im Rahmen des Transitvertrags. Es beruht auf dem Prinzip „Take or Pay“. Gazprom pumpt kein Gas mehr in die Pipeline, also zahlt es einfach für das, was es nicht durch die Pipeline pumpt. Für das Unternehmen ist es rentabler, die beiden anderen Routen zur Belieferung Ungarns zu nutzen. Der Vertrag mit Budapest umfasst Turk Stream und dessen Abzweigung über Serbien, darüber fließen 3,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Und eine weitere Milliarde wird von Nord Stream 2 über Österreich nach Ungarn gelangen. Das ist sowohl für den Verkäufer als auch für den Käufer entspannter und sicherer. Es ist ein sicherer Vertrag bis 2036, ohne die bisherige Hysterie.

Die Ukraine ist natürlich bereits hysterisch geworden. Sie hat sich bei der EU über Ungarn beschwert. Die wird zwar kaum helfen, aber das Bild des beleidigten, sanftmütigen und elenden Opfers muss aufrechterhalten werden. Natürlich wäre es wichtiger, sich mit Ungarn zu vertragen. Das wird jedoch kaum gelingen. Nachdem Selensky das Gesetz über die einheimischen Völker, zu denen die Ungarn nicht gehören, auf den Weg gebracht und bereits unterzeichnet hat, versprach Ungarn zunächst, der Ukraine den Weg zur NATO zu versperren, und der Vertrag über Gaslieferungen unter Umgehung der Ukraine ist ein so kalt serviertes Gericht, wie es sich für Rache gehört.

Ich behaupte nicht, dass Ungarn Rache übt. Ich möchte nur sagen, dass Kiew wahrscheinlich nicht in der Lage sein wird, Ungarn zu beschwichtigen, denn die Situation der Ungarn in der Ukraine ist heute nicht besser als die der Russen: eine aggressive Ukrainisierung und strenge kulturelle Einschränkungen. Aber das war nunmal Kiews eigene Entscheidung.

Europa hat andere Sorgen als die Ukraine. In Deutschland zum Beispiel hat das dortige Pendant unseres Katastrophenschutzministeriums im Fernsehen ein Trainingsvideo für den Fall eines Ausfalls von Strom und Heizung gezeigt. Darin zieht sich die Schwiegermutter zu Hause eine Daunenjacke über, klebt die Fenster mit Folie ab, um Wärme zu sparen, und bastelt aus einem Tontopf einen Heizlampenschirm, der mit Kerzen erwärmt wird. Die blonde Schwiegertochter und der schwarze Schwiegersohn freuen sich, dass es bei ihr so warm ist. Und – das ist die Hauptsache – diese europäische Familie erhebt keine Vorwürfe gegen die Idiotie der europäischen Beamten, die Deutschland sogar dazu gebracht hat, primitive Heizgeräte für den Fall des totalen Einfrierens zu erfinden.

Die Idiotie wird durch eine fertige Gaspipeline aus Russland – Nord Stream-2 – unterstrichen, die die hausgemachte Energiekrise in Europa jederzeit abwenden kann. Aber nicht doch! Um Russland zu ärgern, frieren sie sich lieber die Ohren ab. So ist das jetzt in Europa.

Aus Europa berichtet unsere Korrespondentin Anastasia Popova.

Mehr als 1.200 Dollar pro Kubikmeter Gas sind auf dem europäischen Terminmarkt bereits Realität. Ein spürbarer Schlag für ganze Branchen der europäischen Wirtschaft. Alles ist betroffen: Stahl, Zement, Keramik, Glas, Petrochemie. Der deutsche Riese BASF senkt die Produktion in Deutschland und im belgischen Antwerpen; das norwegische Unternehmen Yara reduziert seine Ammoniakproduktion um 40 Prozent. Die hohen Preise haben auch den größten Kupferproduzenten des Kontinents getroffen.

In Großbritannien wurden Chemiefabriken, die Kohlendioxid produzieren, vollständig stillgelegt, neun britische Energieunternehmen haben ihren Betrieb eingestellt, und die Düngemittelproduktion wurde auf Eis gelegt, was auch die Landwirtschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte. (Anm. d. Übers.: Das Kohlendioxyd der Chemiefabriken wird für Düngemittelherstellung gebraucht)

Die Preise für alles steigen spürbar an, was am Ende der Verbraucher bezahlt. In Frankreich stieg die Gasrechnung im Oktober um 12,6 Prozent, und für November wurde ein weiterer Anstieg um 15 Prozent erwartet. Die Regierung friert die Preise in der Hoffnung ein, dass sich der Sturm auf dem Gasmarkt bis zum Frühjahr legen wird.

„Wir werden sie blockieren, es wird keine weiteren Erhöhungen der Gaspreise geben. Ich habe dazu die gesetzgeberische Möglichkeit. Und ab April, so die Experten, dürfte der Gaspreis sinken“, sagte Jean Castex, der französische Premierminister.

Frankreich hat es leichter: Der Strom kommt aus eigenen Kernkraftwerken, aber Gas muss importiert werden. 36 Prozent kommen aus Norwegen, 17 Prozent aus Russland und je weitere 8 Prozent aus Algerien und den Niederlanden. Alternative Energien werden trotz der enormen Subventionen auf gesamteuropäischer Ebene nur ein Drittel des französischen Bedarfs decken. Und das auch nicht vor 2030. Im Moment herrscht in Europa ein windstiller Herbst, der einmal mehr zeigt, dass man sich noch nicht vollständig auf grüne Energie verlassen kann. Daher die explosive Nachfrage nach konventionellen Brennstoffen wie Kohle und Gas.

Die Speicher in den Niederlanden sind nur zur Hälfte gefüllt, was am Ende der Heizsaison vorkommen kann, nicht aber zu Beginn der Heizsaison. Die Preise für den Endverbraucher können nach verschiedenen Schätzungen innerhalb eines Jahres um 500 Euro steigen. Auch in Belgien steigen die Preise, die Gasrechnung wird im Durchschnitt um 784 Euro steigen.

Die Preise in der EU sind das Ergebnis der von den Briten geschaffenen Architektur des europäischen Gasmarktes, die auf Börsenhandel und willkürlichen Finanzinstrumenten nach dem Vorbild des Ölmarktes beruht. Alle Schwankungen werden sofort von Spekulanten ausgenutzt, die mit dem Weiterverkauf der Ware oder der Rechte daran Geld verdienen. Die Idee war, den Wettbewerb zu verstärken und zu vermeiden, dass für freie Kapazitäten bezahlt wird. Kurzfristige Verträge sind keine Garantie dafür, dass während Zeiten mit hoher Nachfrage, von denen es in diesem Jahr bereits drei gab, die nötige Menge Gas auf dem Markt verfügbar ist. Infolgedessen gab es kein überschüssiges Gas auf dem Markt und als der Engpass eintrat, sind die Preise explodiert. Gleichzeitig verringerte Norwegen seine Lieferungen. Die USA, ein langjähriger Verbündeter, auf den sich Europa zu verlassen pflegt, haben die EU erneut im Stick gelassen und ihr Flüssiggas nach Asien geschickt, wo die Preise noch höher sind und so die europäischen Preise in die Höhe treiben.

Unter solchen Bedingungen ist es am vorteilhaftesten, langfristig zu planen, was Ungarn getan hat: „Das ist keine politische Frage, sondern eine Frage der strategischen Sicherheit. Die Politik kann keine Heizungen wärmen, aber Gas kann das tun“, sagte der ungarische Außenminister Péter Szijjártó.

Ein paar Tage nach der feierlichen Unterzeichnung wurde das Ventil an der serbisch-ungarischen Grenze feierlich geöffnet und das Gas wird nun an der Ukraine vorbeigeleitet: 3,5 Milliarden Kubikmeter fließen durch Serbien, eine weitere Milliarde durch Österreich.

Kiew verliert etwa 10 Milliarden Kubikmeter Transit, Gas muss nun zu Rekordpreisen in Europa gekauft werden, was in der Ukraine die Tarife für Warmwasser und Heizung um bis zu 70 Prozent erhöhen wird. Gleichzeitig werden Kohle und Brennholz, mit denen die Ukrainer in diesem Winter ihre Häuser heizen wollen, teurer.

In Kiew herrscht Hysterie. Eine Sitzung der Gemeinsamen Regierungskommission mit Ungarn für Wirtschaft wurde abgesagt, Budapest wurde beschuldigt, die europäischen Ideale zu verraten, und die Europäische Kommission wurde aufgefordert, den Vertrag zu überprüfen.

Der ungarische Außenminister protestierte öffentlich gegen diese Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Landes und berief daraufhin den ukrainischen Botschafter ein. Auch Ministerpräsident Viktor Orban ignorierte die Äußerungen nicht: „Ungarn ist ein souveräner Staat und wir entscheiden selbst, von wem wir Gas kaufen und wie es geliefert wird. Wir wählen den Weg, der uns die größte Sicherheit garantiert, und niemand hat das Recht, uns daran zu hindern. Sagen Sie den Ukrainern, sie sollen ihre Probleme selbst lösen.“

Die Europäische Kommission zog es mit dem Argument, dass sie keine Kenntnis vom Inhalt des Vertrags mit Gazprom habe, vor, sich nicht in die Diskussion einzuschalten.

Brüssel hat seine eigenen Prioritäten: nicht die Ukraine, sondern die Vorbereitung auf die Heizsaison mit Rekordpreisen. Gazprom ist bereit dazu und könnte zusätzliches Gas liefern, zumal eine der beiden Leitungen von Nord Stream 2 technisch vollständig bereit ist und nur noch die nötigen Papiere ausgestellt werden müssen. Das erfordert jedoch politischen Willen, an dem es im heutigen Europa immer noch mangelt. Genauso mangelt es an anderen Lösung für das von ihnen selbst geschaffene Problem mit dem Gaspreis an den Börsen.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

15 Antworten

  1. Schön zu lesen. Wenn es auch leider uns betrifft. Was Ungarn/Ukraine angeht macht man sich in der EU vmtl. über Ausgleichszahlungen an die Ukraine Gedanken. Flankiert von Medienberichten, dass Orban ganz doll nazi ist.

  2. „(Anm. d. Übers.: Das Kohlendioxyd der Chemiefabriken wird für Düngemittelherstellung gebraucht)“

    Das ist natürlich Quatsch. Das Kohlendioxid ENTSTEHT bei der Herstellung des Düngemittels, sozusagen als verwertbarer Abfall. Das funktioniert so: Viele erinnern sich sicherlich an die verheerende Explosion im Hafen von Beirut vor einiger Zeit. Damals flogen mehrere tausend Tonnen Ammoniumnitrat in die Luft. Das war Dünger oder zumindest ein Grundstoff der Düngemittelproduktion (hochbrisanten Sprengstoff werden Landwirte sicherlich nirgends in Mitteleuropa zu kaufen kriegen). Der Name sagt es schon: Da steckt Ammoniak drin. Dieses besteht aus Wasserstoff und Stickstoff. Um es herstellen zu können, benötigt man also Wasserstoff. (Das ist übrigens einer der Gründe, warum die Mobilität der Welt nicht auf Wasserstoff basieren sollte, denn wenn Wasserstoff künftig grün hergestellt werden soll, wird man viel grünen Strom benötigen, und diesen Wasserstoff in einer Brennstoffzelle mit ca. 50 Prozent Wirkungsgrad zu verpulvern wäre eine ziemliche Verschwendung, verglichen mit seiner chemischen Verwendung in der Ammoniakherstellung; zuerst sollte also diese „vergrünt“ werden.) Der Wasserstoff wird gewonnen, indem man CH4 (Erdgas) mit heißem Wasserdampf versetzt, wobei Wasserstoff und Kohlenmonoxid entsteht. Das CO kann dann noch mal mit Wasserdampf zu CO2 und erneut einem Anteil Wasserstoff reagieren. Dieses CO2 – von dem wir ja eigentlich viel zu viel haben, woran also kein Mangel herrschen sollte – ist so rein, wie es für viele Prozesse benötigt wird. Was aus den Schloten kommt, ist dafür eher ungeeignet.

    Also: Erdgas -> Wasserstoff + CO2. Dann: Wasserstoff -> Ammoniak -> Dünger. Aber: Erdgas teuer, darum entfällt das Ganze.

    1. Hmm, aber für sog. „Trockeneis“ wird es gebraucht, das is ja CO², und wenn ich das richtig in Erinnerung habe, jammert da gerade die britische Lebensmittelindustrie…

      Aber alles in allem wird uns diese Geschichte das Lachen noch regelrecht „vereisen“…

  3. Wenn man das absolute nicht Reagieren der EU-Staaten in dieser Hinsicht sieht, außer irgendwelcher Verlautbarungen die abgegeben werden, dann kann man nur schlussfolgern, dass Ganze ist gewollt. Die Verbraucher werden schon zahlen und dafür das sie nicht in Massen auf die Straßen strömen haben wir mit unseren Corona-Maßnahmen gesorgt.

  4. „Alternative Energien werden trotz der enormen Subventionen auf gesamteuropäischer Ebene nur ein Drittel des französischen Bedarfs decken. Und das auch nicht vor 2030.“

    Da wirkt die gute Frau Popowa im Detail doch aweng überfordert. Wie die Subventionssituation außerhalb Deutschlands aussieht, kann ich nicht beurteilen. Die Franzosen sind jedoch eher für Subventionen von EdF berüchtigt (und zwar in zweistelliger Milliardenhöhe) als für die erneuerbarer Energien. In Deutschland haben wir mit dem EEG keine Subventionen, sondern Umlagen, d.h., der Staatshaushalt ist davon nicht betroffen (die Privathaushalte und die kleiner und mittlerer Betriebe dafür umso mehr, was auch dazu führt, dass hierzulande die Leute mit Windstrom eher auf die Palme zu bringen sind als mit Kohlestrom, weil sie die dort üblichen Subventionen nicht im eigenen Portemonnaie spüren).

    Richtig ist, dass die Erneuerbaren Frankreich nicht aus jeder Patsche helfen können, besonders dann nicht, wenn, wie Frau Popowa annähernd richtig feststellt, das Jahr ein windschwaches ist (dass der Herbst windSTILL ist, liegt dagegen zu zwei Dritteln bis vier Fünfteln abseits der Realität).

    Was jedoch im Jahre 2030 sein wird, kann sie nicht wissen. In der Branche der Erneuerbaren herrscht derzeit wegen des hohen Börsenstrompreises Goldgräberstimmung. Man weiß nicht so richtig, wie man sich verhalten soll. Einerseits winken bei 15…20 ct/kWh Börsenstrompreisen und Gestehungskosten von 6…10 ct/kWh Gewinnspannen, wie sie derzeit nur die Impfstoffhersteller verbuchen können. Andererseits weiß man nicht, wie lange diese Bedingungen anhalten werden. Dauern sie lange, wird das die Wirtschaft in den Boden rammen, und dann will niemand mehr Strom. Dauern sie nicht lange, werden sich die Gewinnphantasien verflüchtigen, und wer eine solche Anlage errichtet, will über mindestens ein Jahrzehnt Planungssicherheit, was für deutsche (Noch-Altmeier-)Verhältnisse heißt: Es kann mittelfristig gut und gerne weniger attraktiv kommen, als es momentan scheint.

  5. Ich liebe die russische Ironie, besonders wenn sie von einem gemütlichen wohlbeleibten Herrn so souveränt serviert wird. Ein besonderer Genuß sind solche Nebengeschichten wie das rührende Überlebenstraining der Deutschen.

    Meine eigenen Versuche mich vorzubereiten, sind wahrscheinlich ähnlich rührend, ich habe ja keine Erfahrung mit russischen Wintern. Zumindest weiß ich aber, bei wem ich mich zu „bedanken“ habe.

    Sehr schön auch zu sehen, wie pedantisch Rußland darauf achtet, selbst vertragstreu und rechtschaffen zu bleiben und sich trotz verzweifelter Versuche des Westens eben NICHT auf dessen Niveau herabläßt. Das wird die „Partnerwahl“ erheblich erleichtern, wenn wir uns mal aus den Fesseln von USA und EU gelöst haben. Und ebenso wird klar sein, wer dann Senior- und wer Juniorpartner sein wird.

    Es dauert nicht mehr lange. Der Baustellen des Westens sind Legion und am Beispiel Ukraine sieht man, daß er nicht mehr alle Löcher stopfen kann. Man versucht seit geraumer Zeit davon abzulenken, erst mit „Klima“, dann mit dem Corona-Terror. Vielleicht wird schon diesen Winter entschieden, wer frieren muß. Durchaus möglich, daß sich die Deutschen auch dafür „freiwillig“ melden, damit die Ukraine es nicht tun muß. Sonst würde sie ja den bösen Russen fallen…

  6. Wenn man sich die Auswirkungen auf die Wirtschaft so anschaut, könnte man zu dem Schluss kommen, dass es nicht nur um Heizungen geht. Das Ganze könnte auch als Wirtschaftskrieg gegen die EU gewertet werden, die bis jetzt von den günstigen Gasliefreungen aus Russland profitiert hat. Da haben die transatlantischen Agenten in der EU ganze Arbeit geleistet.

  7. Und während Oma mit Daunenjacke und Kerzenofen im Wohnzimmer friert, heizen Bundesregierung und EU-Kommission den Kalten Krieg gegen die eigene Bevölkerung an.

    Gestern hat ein Gericht in Kassel entschieden, dass es der Bundesregierung frei steht, Impfungen mit Sputnik-V nicht als Impfungen an zu erkennen. Man erinnert sich, die EU sabotiert die Zulassung von Sputnik-V mit bürokratischen Tricksereien.

    Genau wie die Gaslieferungen durch Nordstream II: Da verschleppt die Bundesregierung die Zulassung. Angeblich muss noch geprüft werden, ob Drittanbieter ausreichend Zugang haben, und ob die Pipeline in das deutsche Marktgebiet integriert ist. Wie lange das dauert? Lange. Und danach leitet man den „Entscheidungsentwurf dann an die Europäische Kommission, die wiederum zwei Monate Zeit für eine Stellungnahme hat.“ In der Stellungnahme kann man dann „weitere Daten“ von Russland anfordern, die man dann wieder prüft und nach Brüssel leitet und danach mit Rückfragen zurück an Russland.

    Und wenn sie nicht gestorben sind, dann prüfen sie noch weiter.

    Zur Erinnerung: Das Nordstream-Projekt läuft schon seit 15 Jahren, das Konzept und alle Prozessschritte wurden von Aufsichtsbehörden ausgiebig geprüft. Wenn jetzt Zertifizierungsprüfungen durchgeführt würden, die erst nach Fertigstellung gemacht werden können: Ok.

    Aber den Marktzugang hätte man seit 15 Jahren prüfen können.

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