Energiekrise

„Womit wollen Sie heizen?“ – Wie das russische Fernsehen über die Energiekrise in Europa berichtet

Die Energiekrise und die explodierenden Gaspreise verursachen in Russland großes Erstaunen über die Inkompetenz der EU-Bürokratie. Die Medienberichte sind eher mitleidig als schadenfroh, obwohl die EU Russland die Schuld an den hausgemachten Problemen gibt.

Da ich gerade erst über die Lage am Gasmarkt und die Rezepte, die die EU-Verantwortlichen zur Lösung vorschlagen, berichtet habe, will ich das hier nicht wiederholen. Sie können die Gründe für die Krise, warum die EU sie selbst verschuldet hat und vor allem die unsinnigen „Lösungsvorschläge“ der EU-Kommissare, die die Situation sogar noch verschlimmern werden, hier nachlesen.

Jetzt übersetze ich einen Bericht aus den Abendnachrichten des russischen Fernsehens vom 6. Oktober, der die Fassungslosigkeit russischer Medien über die in Brüssel geballte Inkompetenz aufzeigt.

Beginn der Übersetzung:

Für die grüne Energie riskieren Euro-Bürokraten Menschenleben

Die Tatsache, dass Russland alle Verträge über Gaslieferungen in die EU ordnungsgemäß erfüllt, wurde heute sowohl von der Europäischen Kommission als auch von der Regierung des Hauptimporteurs Deutschland bestätigt. Unterdessen brach der Gaspreis an den europäischen Börsen im Laufe des Tages neue Rekorde und überschritt sogar kurzzeitig die Marke von 1.900 Dollar pro 1.000 Kubikmeter. Die Summe ist so schockierend, dass die gewöhnlich schwerfällige europäische Bürokratie dringenden Handlungsbedarf sieht. Allerdings ist nicht klar, welchen. Spanien schlägt den gemeinsamen Einkauf von Kraftstoff vor, Belgien schlägt die Schaffung gemeinsamer Reserven vor und das für Energie zuständige Mitglied der Europäischen Kommission schlägt finanzielle Unterstützung für die Bevölkerung vor.

Aus Deutschland berichtet unser Korrespondent Michail Antonov.

Der europäische Gasmarkt hat heute einen Schock erlitten. Der Gaspreis stieg an der Londoner Börse auf 1.900 Dollar pro 1.000 Kubikmeter. Das dauerte nicht lange, nur 10 Minuten. Das war eine völlig spekulative Geschichte, die nicht die tatsächliche Lage der Gasreserven widerspiegelte. Ja, sie sind nicht so reichlich vorhanden wie sonst, aber sie sind vorhanden, und die Situation hat wieder einmal gezeigt, dass die Preisgestaltung für Kraftstoffe vollständig dem Markt überlassen wird, was nicht nur das Wohlergehen, sondern auch das Leben der Europäer gefährdet. Wie auch immer, als die Chefin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, heute Morgen zu einer wichtigen Sitzung zum Thema Umwelt eilte, haben Mikrofone ihr den Weg versperrt.

„Machen Sie sich Sorgen wegen der Gaspreise? Sie sehen jeden Tag, dass die Gas- und Strompreise Rekordhöhen erreichen? Sind Sie darüber besorgt?“, wurde sie gefragt.

„Das ist ein ernstes Problem. Die Gaspreise schießen in die Höhe. Aber die Preise für erneuerbare Energien sind in den letzten Jahren gesunken und bleiben stabil. Für uns ist daher klar, dass es langfristig aus energiepolitischer Sicht wichtig ist, in erneuerbare Energien zu investieren, die uns stabile Preise und größere Unabhängigkeit bieten, denn 90 Prozent unseres Gases wird in die Europäische Union importiert. Wir sind führend in der Erzeugung erneuerbarer Energien. Nächste Woche wird die Kommission ein Kommuniqué zur gesamten Energiefrage vorlegen, und wir werden es im Europäischen Rat diskutieren.“, antwortete von der Leyen

„Sind Sie besorgt, dass Präsident Putin die Gasversorgung manipuliert?“

„In dem Kommuniqué werden wir auf alle Komponenten der Energiepreise eingehen.“

Russland und Putin für den Preisanstieg verantwortlich zu machen, ist nicht objektiv. Aber anti-russische Äußerungen sind immer gut. Nehmen wir zum Beispiel den polnischen Präsidenten Duda: Unter Trump hat er sich dafür eingesetzt, dass die Amerikaner ihm helfen, Deutschland aus seiner Position als wichtige Energiedrehscheibe Europas zu verdrängen. Er hat ein Terminal für Flüssiggas gebaut und den Bau der Baltic Pipe von Norwegen angefangen. Aber das amerikanische Gas geht fröhlich nach Asien, wo mehr dafür bezahlt wird und die Pipeline wird bis Ende nächsten Jahres gebaut. Vielleicht. Nebenbei ist es den Polen gelungen, den langfristigen Vertrag mit Gazprom loszuwerden, und ihr Stolz erlaubt es ihnen nicht, ihre Meinung zu ändern. Polen geht ohne Gas in den Winter. Es bleibt ihnen nur noch, über Nord Stream 2 zu schimpfen. (Anm. d. Übers.: Baltic Pipe hat Probleme mit Umweltauflagen in Dänemark und kann möglicherweise nicht zu Ende gebaut werden)

„Eine weitere Bedrohung ist Nord Stream 2. Diese Pipeline hätte nie gebaut werden dürfen. Das ist ein Fehler von strategischer Bedeutung für die gesamte transatlantische Gemeinschaft. Denn nun wird Russland nicht nur in der Lage sein, die Gaslieferungen an die Ukraine, die Slowakei oder Polen zu unterbrechen, sondern auch die gesamte westliche Gemeinschaft strategisch zu erpressen, was weit über Energiefragen hinausgehen wird“, sagte der polnische Präsident Andrzej Duda.

Die Nachricht, dass begonnen wurde den ersten Strang von Nord Stream 2 mit einer Jahreskapazität von 27,5 Milliarden Kubikmetern Gas, mit technischem Gas zu füllen, hat auf dem Markt keinen großen Eindruck hinterlassen – der Preis fiel leicht und stieg dann wieder an. Die Inbetriebnahme der Pipeline und die Einspeisung des Gases in die unterirdischen Speicher sind technologisch kompliziert, daher geht das nicht schnell. Außerdem sind noch nicht alle Formalitäten geklärt, obwohl alle wissen, dass die Pipeline Gas zu einem niedrigeren Preis und umweltfreundlicher liefern wird. Aber auch ohne Nord Stream 2 erfüllt Gazprom seine Verträge.

„Ich habe mit Präsident Putin über das Auffüllen der Gasspeicher in Deutschland und Europa gesprochen. Was Nord Stream 2 betrifft, so durchläuft die Pipeline derzeit den Zertifizierungsprozess und liefert kein Gas. Die Frage ist, ob es Aufträge gibt, die Russland nicht bedient hat. Nach meinen Informationen der letzten Tage gibt es keine solchen offenen Bestellungen, Russland erfüllt seine Erdgaslieferverträge“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

„Die EU sucht nicht nach Schuldigen für die Krise, sondern will die Situation bereinigen und die richtigen Lösungen finden“, sagte Dana Spinant, Sprecherin der Europäischen Kommission.

Die Lösung besteht darin, eine Art strategische Gasreserve zu schaffen und den Energieeinkauf in der gesamten EU zu koordinieren. Und als von der Leyen sagte, dass die erneuerbaren Energien Europa stabile Preise bescherten, vergaß sie hinzuzufügen, dass diese Preise auch im Vergleich zu dem, was der russische Anbieter anbieten kann, konstant höher sind. Der ungarische Ministerpräsident Orban, der ihr folgte, war in seinem Element: Er hat bereits alles ohne die Europäische Kommission koordiniert – er hat jetzt einen 15-Jahres-Vertrag mit den Russen.

„Machen Sie sich Sorgen wegen des Winters? Die Gaspreise sind stark gestiegen. Russland ist bei der Versorgung sehr zurückhaltend.“, fragten Reporter Orban.

„Die EU muss ihre Politik ändern, zumindest teilweise. Der Grund für den Preisanstieg ist, dass die Europäische Kommission einen Fehler gemacht hat. Wir müssen einige Regeln ändern, sonst werden alle darunter leiden. Das betrifft Ungarn aber nicht. Die Preise in Ungarn werden sinken“, versicherte Viktor Orban.

Das Gasfeld in den Niederlanden wird als „Groningen-System“ bezeichnet. Er wurde auf der Grundlage langfristiger Verträge entwickelt, die eine Planung von Investitionen und Gewinnen ermöglichten, und der Gaspreis war über den Energiewert des Brennstoffs – Megawatt – an einen Korb von Erdölprodukten gebunden. Vor Beginn dieses Jahrzehnts basierten die Beziehungen zwischen Gazprom und den europäischen Verbrauchern auf dem Gronigen-System, und wenn alles beim Alten geblieben wäre, würden die Europäer heute nach Schätzungen 300 bis 400 Dollar pro 1.000 Kubikmeter zahlen. Die Tatsache, dass sie gezwungen sind, das Fünffache zu zahlen, die Tatsache, dass jeder Tag ein Schock ist, ist der Preis der Liberalisierung des Gasmarktes. Einer der Enthusiasten für diese Liberalisierung ist der ehemalige EU-Kommissar für Energie, Andris Piebalgs, ein Lette. Die aktuelle Krise kann getrost nach ihm benannt werden. Er war es, der Anfang der Zehnerjahre mit der Entwicklung des Spothandels begann, alle möglichen Direktiven, die die Positionen von Gazprom trafen, wurden geprägt und der Kurs zur Abkehr von Kohle und Kernenergie zugunsten von Windrädern und Solarbatterien wurde eingeschlagen.

An ihn und andere wie ihn richtete Wladimir Putin seine berühmte Frage nach Brennholz. (Anm. d. Übers.: Die zitierte Aussage hat Putin vor zehn Jahren bei einer Podiumsdiskussion in Deutschland gemacht, ich habe darüber auch in meinem Buch über Putin geschrieben.)

„Ich weiß nicht, aus irgendeinem Grund mag die deutsche Öffentlichkeit die Kernenergie nicht. Ich will das nicht kommentieren, aber… (Putin zögert, was Lachen im Saal hervorruft) Ich verstehe nicht, womit Sie heizen wollen. Sie wollen kein Gas, Sie entwickeln keine Kernenergie. Und was werden Sie zum Heizen verwenden? Brennholz? (Lachen im Saal) Aber Brennholz müssen Sie auch aus Sibirien holen… (Noch mehr Lachen im Saal) Sie haben kein Holz“, sagte der russische Präsident.

Es gibt kein Brennholz – die Karpaten sind abgeholzt worden. In Deutschland, Polen und Frankreich wird wieder Kohle eingesetzt und es werden Kernreaktoren hochgefahren. Aber die Klimavorschriften der Europäischen Union sind in Stein gemeißelt, sagt Frans Timmermans, stellvertretender Leiter der Europäischen Kommission. Man muss noch einige Monate abwarten, um zu sehen, ob sich dieses Statut nicht auch als ein Denkmal der Dummheit erweist.

„Die Markterwartungen zeigen, dass dies eine vorübergehende Situation ist. Die Gaspreise werden jedoch über den Winter hoch bleiben und im Frühjahr und Sommer deutlich fallen. Die unterirdischen Gasspeicher in Europa sind zu etwa 75 Prozent gefüllt. Diese Menge liegt zwar unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, reicht aber aus, um den Bedarf für die Wintersaison zu decken. Der Preisschock schadet unseren Bürgern, insbesondere den schwächsten, da er den Inflationsdruck erhöht“, erklärte Kadri Simson, EU-Kommissar für Energie.

Mit anderen Worten: Es gibt Gas, aber es ist einfach teuer. Wegen des kalten Wetters im letzten Winter, der Erholung nach der Pandemie, der gestiegenen Nachfrage in Asien, der Dürre in Brasilien. Das hat der Markt entschieden. Und ohne Vertrag sind die Staaten machtlos – das Einzige, was sie noch tun können, ist Videos darüber zu drehen, wie man trotz Kälte nicht friert. Und das ist kein Scherz. Einigen Schätzungen zufolge werden im kommenden Winter rund 80 Millionen Menschen in Europa die Heizung in ihren Häusern nicht einschalten, um Essen kochen zu können. Und 7 Millionen Haushalte laufen Gefahr, dass ihnen aufgrund von Schulden der Strom abgestellt wird.

Die letzte Heizperiode in Deutschland begann am 12. Oktober. Dieses Jahr wird sie wahrscheinlich ein paar Tage früher beginnen. Am Sonntagabend werden plus drei Grad erwartet. Das bedeutet, dass die aktive Entnahme von Gas aus den Speichern beginnen wird, und es wird fast nichts geben, um den Gasverbrauch zu kompensieren – Europa geht mit dem, was es hat, in den Winter und das zu einem Preis von 2.000 Dollar pro tausend Kubikmeter.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

23 Antworten

  1. Alles GUT …. Der wahre Stratege wird gewinnen (!)

    Ein guter Beitrag für Deutschland & weiterer EU. Weg von der Schuldfrage :“Wer ist für die derzeitige Preisgestaltung verantwortlich“ … hin zu der Zukunft. Wer sich mit der Plattform https://agsi.gie.eu/?fbclid=IwAR0HmQUtPoZkyH2ri7bwkJT1b3UvErVrlHJiMRnza6W7vEr1zBmiBSXEPxo#/ beschäftigt, der bestätigt die russischen Aussagen über die genügenden Reserven um einen auch harten Winter zu überstehen. Der hohe Preis ist die Strafe für alle EU-Mitgliedsstaaten, den „Bekloppten“ in Brüssel rein alles „abzukaufen“, was ihnen die DEUTSCHE EX-Verteidigungsministerin vor die Nase setzt.

    In Verbindung der weiteren Ereignisse vom 06.Oktober 2021 ( Putin sprach bekanntermaßen ein Machtwort gegenüber dem Gasexporteur http://www.gazprom.de/about/marketing/europe/, dass einerseits Millers zu offensiver Gangart für den Konzern ( Lieber 3 Mrd.Strafe zahlen, als die vereinbarte Menge an Gas durch die Ukraine zu pumpen) gestoppt wurde ( GEGEN die Interessen Russlands (!) – Alleine dafür gebührt dem Präsidenten schon der Friedens-Preis)

    ..und andererseits nun die russische Börse in St,Petersburg aktiviert wurde jede Menge an zusätzliches Kontingent für Europa zur Verfügung zu stellen ( Was jedoch noch so ca.14 Tage dauert, bis die Lager gefüllt sind) https://tass.ru/ekonomika/12597627

    und andererseits nun die EU selbst in die Rolle vom Angreifer zum Verteidiger durch die Ansichten von Generalanwalt Bobek, dass die Nord Stream 2 AG die gesamte Erdgasrichtlinie auf Fernleitungen zwischen der Europäischen Union und Drittländern für sich selbst, ALS NICHTIGE EU-Richtlinie weiter vor Gericht anfechten kann.

    Kurzfristig gesehen, sollte somit eine einstweilige Anordnung/Verfügung zeitnah Zustandekommen können, dass eben sogar die vorhandenen Pipelines auf Volllast durch Russland bestückt werden kann.

    https://curia.europa.eu/jcms/upload/docs/application/pdf/2021-10/cp210179de.pdf

    Mittelfristig besteht so mal zumindest die theoretische Hoffnung, dass Europa sich nicht mehr in der Sache von den Amerikanern vollquatschen lässt und alle Pipelines ihre Aufgabe zum Wohlstand ALLER wird beitragen können.

    Vor allem schon deshalb, weil die EU ihre A..backen wird zusammenkneifen müssen, um nicht vor der gesamten Weltöffentlichkeit als die Idioten , die sie sind, auch bezeichnet zu werden….wenn die Dokumente dann doch öffentlich werden würden, wenn die Sache nicht außergerichtlich geregelt werden kann, die laut dem Beschluss vom 20.Mai 2021 https://curia.europa.eu/juris/document/document.jsf?text=&docid=226681&pageIndex=0&doclang=DE&mode=req&dir=&occ=first&part=1&cid=6243645

    wieder aus den Akten entfernt wurden….

    Das einzige Problem wird sein, ob die nun (durch Putins Machtwort) wieder durch die Ukraine einsetzenden Druckverhältnisse im Leitungssystem ausreichen werden, um die eigenen Reserven …aus den Gasspeicher herauszuholen (und Eigenförderung) in der Ukraine ausreichen werden, dass die Ukraine das Gas auch im Land verteilen können….. ? Die Frage wird die wichtigste sein, sonst droht der Ukraine durch ihre (durch den Westen verordnete) Russenfeindlichkeit der totale Kollaps.

    Hier muss der Laie kein EXPERTE sein um zu sehen, dass zwar eine relativ große Menge an Gas schon in der Ukraine lagert, jedoch sich seit den zugedrehten Räder ab 01.10.2021 in Richtung Ungarn NICHTS mehr tut…Nichts mehr tun kann, mangels notwendigem GasDruck

    https://agsi.gie.eu/?fbclid=IwAR0HmQUtPoZkyH2ri7bwkJT1b3UvErVrlHJiMRnza6W7vEr1zBmiBSXEPxo#/historical/UA

    Warten wir mal ein par Tage, ob solche Russlandhasser wie Röttgen, oder sich doch die Vernunft durchsetzt….

    Vielleicht wird es gerade die Aussicht auf Verlust von Wohlstand in der EU es sein, dass Denken zu ändern, bezogen auf Russland….. Insoweit…ALLES GUT

  2. Man lese das Buch von Frank Henning, einem der fachkundigsten Menschen überhaupt, „Klimadämmerung“.

    Aber nur wenn man emotional ausgeglichen ist, sonst schwankt man zwischen tiefer Resignation und Wutausbrüchen beim Lesen, es ist schon furchtbar, wenn man das ideologische Dilettantentum normalerweise betrachtet, aber wenn man es von einem Fachmann serviert bekommt, möchte man beim Lesen nur noch verzweifeln, weil alles viel schlimmer ist, als man es sich vorstellen kann.

    Morgen sitze ich wieder im Flugzeug nach Moskau – es gehört zwar nur indirekt zum Thema, aber ich freue mich dann für zwei Wochen wieder in einem Land zu sein, wo sich unwillkürlich das Gefühl einstellt Teil eines größeren Ganzen zu sein.

  3. Frei nach Tom Gerhardt: „Endlisch normaaale Leute!“.

    Russland wird aber auch die westliche Entwicklung dahingehend machen, u.a. dass vollkommene Absurditäten den Diskurs bestimmen und den Blick verstellen. Ich glaube da (leider) fest an die russische Jugend und westliche Propaganda.

    1. Sieglauben gar nicht, wie sehr Sie dem Nagel getroffen haben! Hinzu kommt, dass weite Teile der russischen Lehrerschaft sich für Oppositionelle hält und diese Ideologie den Kindern rüberbringt. Es ist zum Heulen!

      1. Wenn sie sich selbst abschießen wollen, kann sie keiner aufhalten.
        Lustig wär’s, wenn sie das „durchmachen“, während der „Westen“ inzwischen so etwas wie Vernunft angenommen hätte. Dann wären sie wieder die „Rückständigen“…..

    1. Naja, gleichzeitig will man ja jährlich 400K sogenannte „Flüchtlinge“ ins Land holen. Ich hab gehört die wollen auch heizen.
      Wenn man nur Inkompetenz in Wärme umwandeln könnte…dann hätten wir in Deutschland ausgsorgt. 🙂

  4. Ein Hoch auf selbstgestrickte Socken und Pulli. Wohl dem der das noch kann.
    Vielleicht sollte ich noch ein paar Schnellkurse anbieten, denn selbst wenn Gas kommt werden es viele nicht bezahlen können.

    Und während wir dann rum bibbern haben wir Zeit nachzusehen wer für den Ausverkauf der Daseinsfürsorge verantwortlich ist. Welchen Parteien es nicht schnell genug gehen konnte bei den Privatisierungen, wer dabei als Berater seine Finger im Spiel hatte und wer jetzt am lautesten jammert.
    Wasserpreise freigeben, Mieten frei geben, Heizen freigeben und bloß kein russisches Gas u.s.w. der Markt sollte es richten. Tut er jetzt und nun jammert man über den Markt.
    Und die EU will nun das die Pleiteregierungen ihren Bürgern helfen völlig überteuerte Rechnungen zu zahlen mit noch mehr Schulden? Hat das der Chefberater der EU vorgeschlagen?

  5. Schon lustig wie Russland hier auf überrascht spielt.
    So als ob es den geopolitischen Strategen in der russischen Regierung nicht klar war, dass die EU in genau diese Richtung gehen WILL. Genau das wollen die EU-Bürokraten. Den Gasimport aus Russland unattraktiv gestalten und den Umbau der Industrie erzwingen. Überhaupt den Handel mit Russland und deren Vertragstreue negativ darstellen. Dass da paar Millionen europäische Bürger frieren werden juckt die EU wie auch die deutsche Regierung herzlich wenig. Die zählen eben zu Kollateralschäden. Hauptsache die EU-Industrie oder zumindest die deutsche Industrie wird unabhängiger von russischen Gasimporten.

    1. dem stimme ich zu. Man sollte daher eher von geballter KOMPETENZ (statt Inkompetenz) in der EU reden, da hier sicher ein Plan dahinter steckt. Und der geht auch auf. Nur nicht zum Wohle der Vielen.

  6. Auf seiner Seite smoothiex12.blogspot.com amüsiert sich der (eigentlich) Militäranalytiker Andrei Martyanov gerade zum EU-Gaspreis („It Was So Difficult To Predict, Not“ – es war nicht wirklich schwer, das vorherzusehen).

    In etwa so: Die Eliten der EU sind miserabelst ausgebildet, sie haben schon einfache Kausalität nicht mehr auf dem Radar, die Welt besteht aus dem, was man sich wünscht, und basta. Mit solchen Leuten kann man nicht reden. Sie leben nicht in dieser Realität von Tatsachen. Ihnen fehlen elementare Mechanismen, um sich der Welt gewahr werden zu können.

    Man könnte diesem Theater aber auch das danebenstellen, wie die Pläne des WEF zum großen Kaputtschlagen sich ausnehmen, dann hat das schon wieder ein plausibles Gesicht

    (Matthew Ehret hat sich hierzu gerade via Strategic Culture eine Rede des UN-Vorsitzenden angeschaut und in einen größeren Zusammenhang gestellt, „Guterres and the Great Reset: How Capitalism Became a Time Bomb“) –

    den Vorsatz des De-industrialisierens, auf dass die Jongleure von obigem Zuschnitt des gehobenen Idiotentums, zuständig für Macht und Finanz, alle Zukunft der Welt garantiert alleine auf ihrer Seite haben. Vermeintlich.

    Und das heißt dann Not und Elend. Absehbar. Solange die Medien die Welt rosarot anpudern, einen Horizont des einfachen Wachseins wegzensieren, soweit sie können, ist das dann die Panikhypnose in Fortsetzung, Hurra! wir sind Katastrophe! Und alles glotzt blöde und wartet. Auf die nächste seriöse Stimme. Zur Gleichschaltung.

    (Wo ich lebe, dominieren die Wälder, das verleiht ein wenig Distanz zu all solchem Wahnsinn.)

  7. Ich sehe das mit dem Gaspreis so:
    1. Es war der Wunsch der EU-Kommission, dass mit Russland möglichst wenig langfristige Gaslieferverträge abgeschlossen werden.
    2. Da Russland die Einnahmen aus dem Gasgeschäft dringend benötigt, ging man davon aus, dass Russland dann sein Gas auf dem Spot-Markt anbieten muss, was dort zu einem Überangebot und sinkenden Preisen führt. Die EU hätte dann doppelt gewonnen: Zum einen bekäme sie günstiges Erdgas und zum anderen „Putin“ weniger Einnahmen. Das hat anfangs – dank Corona – auch prima funktioniert.
    3. Dumm nur, dass die Erdgasnachfrage in Ostasien schon seit geraumer Zeit anzieht. Russland kann die dringend benötigten Devisen nun auch dort verdienen und braucht kein Erdgas auf dem europäischen Spot-Markt anzubieten.
    4. Dadurch kommt es hier zu einer Angebotslücke, die die Preise in die Höhe treibt.
    5. Dafür „Putin“= Russland verantwortlich zu machen, ist schon mehr als dreist.
    Aber geschickte PR

    1. „Da Russland die Einnahmen aus dem Gasgeschäft dringend benötigt“
      wie kann man diese Behauptung uuntermauern. Staatsverschuldung und Überschuss Russlands sprechen ja eigentlich dagegen

    2. Die Darstellung der Grundstrategie der EU, trifft mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit „den Nagel auf den Kopf“. Entsprechend wurde ja auch schon 2019 die Richtlinie 2019/6922 ( Am 17. April 2019 erließen das Parlament und der Rat die Änderungs-Richtlinie 2019/6922 ( zur Änderung der Richtlinie 2009/73 über gemeinsame Vorschriften für den Erdgasbinnenmarkt) .formuliert und durchgesetzt, mit der
      bestimmte Vorschriften für den Erdgasbinnenmarkt auf Gasfernleitungen aus Drittländern Anwendung finden.

      Schauen wir mal, wie sich die Schlussanträge im Rechtsstreit Schlussanträge des Generalanwalts in der Rechtssache C-348/20 P Nord Stream 2 AG / Parlament und Rat von Generalanwalt Bobek des EuGH dann tatsächlich auswirken werden. ( Oben , im Erstkommentar verlinkt)

      Und nun kommt ihren Ausführungen unter Punkt 3 :
      Zitat:(..3. Dumm nur, dass die Erdgasnachfrage in Ostasien schon seit geraumer Zeit anzieht. Russland kann die dringend benötigten Devisen nun auch dort verdienen und braucht kein Erdgas auf dem europäischen Spot-Markt anzubieten.(..)

      eine ganz besondere Bedeutung zu…

      In Deutsch veröffentlichte RT heute den Artikel :
      https://de.rt.com/asien/125373-energiekrise-china-gasimporteure/

      unter der Überschrift:
      Energiekrise: Peking fordert von Gasimporteuren Versorgungssicherung für den Winter um jeden Preis

      Zusammenfassend:
      Zitat: Die Energiekrise in China zwingt Peking dazu, den Druck auf die Gasimporteure zu erhöhen. Diese sollen rechtzeitig vor dem Winter ausreichend Flüssiggas einkaufen, um eine Verschlimmerung der Lage zu verhindern.

      Faktenlage:
      Zitat: Die großen staatlichen Unternehmen Chinas seien bereit, hohe Kassapreise zu zahlen, um Lieferungen von Konkurrenten in Asien und Europa abzuwerben, obwohl sie hierdurch extreme Verluste erleiden könnten. Zum Vergleich: Eine LNG-Kassaladung, die im vergangenen Jahr etwa 17 Millionen US-Dollar kostete, kostet derzeit mehr als 130 Millionen US-Dollar.

      Unter diesen Voraussetzungen :
      Werden die Europäische Kommission und der Rat, tatsächlich GEGEN die eigenen Interessen ihrer Bürger in der gesamten EU, die durch die Betreibergesellschaft von den Nordstream-Pipelines angefochtene Richtlinie tatsächlich durchsetzen wollen ? Der Energiebedarf wird in den kommenden Monaten nicht stagnieren, sondern stetig wachsen. Sprich, in 12 Monaten sich massivst verschärft haben. (Sofern dann die EU überhaupt noch existiert) ….

      Werden die Europäer tatsächlich die ausgesteckte Hand Putins wieder abweisen…. ?
      Auch oben im Erstkommentar verlinkt)

      Denke, wenns so weitergeht mit diesem Gesocks in Brüssel, und Deutschland… dann bleibt aber auch Putin selbst keine Wahl mehr, dem Gazprom-Miller freie Hand zu lassen und jeden Tropfen, der NICHT in die EU aufgrund den vorhandenen Verträgen geliefert werden muss, eben unter Auslastung aller Rohre unter Höchstdruck nach Asien umzuleiten….

      Dann aber, im wahrsten Sinne des Wortes:

      GUTE NACHT

      Übrigens: Bisher berichtete die Tagesschau nicht einmal von den Schlussanträgen des tschechischen Generalanwaltes… Ob der Spiegel darüber was sagte ? Mir wurscht…

  8. Hin und wieder verirren sich auch echte Informationen in die Nachrichten.

    1. Russland liefert was geordert wurde (von unterschiedlichen Seiten bestätigt)
    2. Russland liefert zu dem im Liefervertrag genannten Bedingungen (von unterschiedlichen Seiten bestätigt)
    3. Norwegen und GB führten überfällige Wartungsarbeiten durch was zu verringerter Durchleitung führt.
    4. Russland führt turnusgemäß Wartungsarbeiten durch und liefert trotzdem vertragsgemäß
    5. Lieferverträge scheinen eher einem Spiel mit dem Feuer abgeleitet und damit zur Spekulation freigegeben
    6. Entflechtung auf EU Anordnung führte nicht zu mehr Wettbewerb sondern nur zu mehr Fressern am Futtertrog

    Aber klar Russland ist es mal wieder. Hm, wer trötete gleich noch einmal man könne auf Gas aus Russland verzichten und stattdessen doch Flüssiggas kaufen? Also Russland war es nicht. Es war auch nicht Russland das von China den Kohleverzicht forderte. Es war auch nicht Russland verantwortlich das man mit China einen Wirtschaftskrieg begonnen hat.
    Nun nimmt China keine Kohle mehr aus Australien, verbessert stattdessen seine Klima Bilanz und kauft viel zusätzliches Gas am Markt. Ist China nun schuld ?

    1. Ab einem gewissen Zeitpunkt verkehrt sich jede Verschiebung der Verantwortlichkeiten zum Nachteil dessen, der nicht fähig ist, seine eigenen Fehler zu korrigieren. Und dieser Zeitpunkt, steht kurz bevor. Noch sind die Bösen „Der Ober-Russe“, noch sind es in Kürze auch die Chinesen, bald werden es in abgeschwächter Form auch die Amerikaner asein. Doch den Fakt von sündhaft teurer – oder gar nicht vorhandener Energie heben die Verschiebungen von Verantwortung nicht auf.

      Und so kommt, – aus deutscher Sicht- was kommen wird müssen. Man wird mal für gewisse Zeit die Russlandfeindlichkeit auch verschieben müssen. Wie immer sich das gerade zum jetzigen Zeitpunkt in Deutschland wird gestalten lassen.

      Am ehesten wohl, wenn die Uckermärkerin offen der EU die Schuld gibt. Die hat eh nix mehr zu verlieren..

      1. „Am ehesten wohl, wenn die Uckermärkerin offen der EU die Schuld gibt. Die hat eh nix mehr zu verlieren..“

        Das stimmt schon, aber vielleicht will sie eine Weile ihre Rente genießen?

  9. Schon wenn man die im ersten Kapitel aufgeführten Maßnahmen liest die durch die einzelnen EU-Mitglieder genannt werden, muss man an der Zurechnungsfähigkeit dieser Menschen zweifeln. Das aber nur wenn man das dahinter stehende System nicht erkennt.
    “ Das die Kapitalisten, die so sehr gegen das Recht auf Arbeit schreien, nun überall von den Regierungen „öffentliche Unterstützung“ verlangen (….), also das „Recht auf Profit“ auf Staatskosten geltend machen, ist schön.“
    Marx an Engels 08.12.1857 MEW29,229

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