Aus der Geschichte nichts gelernt: Es gibt wieder offenen Rassenhass in Deutschland
Ich bekomme derzeit viele Mails mit Hilferufen. Es schreiben mir Deutschrussen, die sich in ihrer „neuen Heimat“ plötzlich Diskriminierungen und Anfeindungen ausgesetzt sehen, die an ganz dunkle Zeiten erinnern.
Ich bin wirklich schockiert über das, was ich derzeit aus Deutschland zu hören bekomme. Ausgerechnet in Deutschland, dem Land, das aus seiner Geschichte gelernt haben sollte, dass Rassenhass keine gute Idee ist, wird der offene Rassenhass wieder kultiviert.
Die Anfänge
Um zu verstehen, was derzeit in Deutschland vor sich geht, müssen wir auf die Jahre 1933 und 1934 schauen. Damals sind die Nazis an die Macht gekommen und haben begonnen, Juden und Andersdenkende zu diskriminieren und zu verfolgen. Wenn Sie glauben, dass die Deutschen daraus gelernt haben, dann zeigen uns die Ereignisse der letzten Tage, dass das ein Irrtum ist.
Die Nazis haben die Juden seinerzeit ja nicht sofort in Vernichtungslager geschickt, die Wannseekonferenz fand erst 1942 statt. Es fing alles ganz „harmlos“ an. Zuerst wurden Juden „nur“ angefeindet und dann gab es mal einen Tag, an dem jüdische Geschäfte boykottiert wurden. In den Geschichtsbüchern und Dokus wird das bereits als eine ganz schlimme Form der Unterdrückung dargestellt, was es natürlich auch ist.
Aber was passiert seit einer Woche mit den Russen in Deutschland? Sogar mit denen, die Deutsche sind, in Deutschland geboren wurden und vielleicht noch nie in Russland waren? Plötzlich gibt es Restaurants, die es ablehnen, Russen zu bedienen. Eine Postfiliale in Koblenz hat folgendes Bild an ihre Scheibe geklebt.

Ein Edeka-Markt in Kiel fühlte sich, zu folgendem bemüßigt.

Pauschaler, gewalttätiger Rassismus in Deutschland
Einem Russlanddeutschen, dem ein Busunternehmen gehört, wurden 30 Busse zerschlagen und betriebsunfähig gemacht, das Video wurde auf Telegram geteilt. Eine Lehrerin verbieten es Kindern, Jacken zu tragen, auf denen Russland geschrieben steht. Einem russischer Lebensmittelmarkt wurden die Scheiben eingeschlagen. Russischen Touristen, die mit dem Auto mit russischen Nummernschildern in Deutschland unterwegs, werden die Autos beschädigt. Diese Beispiele, von denen ich einige schon aus sozialen Netzwerken kannte, wurden in diesem Video zusammengefasst.
Außerdem höre ich von Russlanddeutschen, dass ihre Kinder in der Schule angespuckt werden und ähnliches mehr.
Genau so hat es 1933 nach der Machtübernahme der Nazis auch angefangen. Es gibt überhaupt keinen Unterschied: Medien und Regierung haben eine ethnische Gruppe zum Feind erklärt und bei vielen Menschen verfängt das. Den Juden haben die Nazis vorgeworfen, „Volksfeinde“ zu sein und die Russen werden gerade zum Feind der gesamten zivilisierten Welt hochstilisiert. Die Anfeindungen finden meist ungestraft statt und kein Staatsanwalt fühlt sich berufen, gegen einen Restaurantbesitzer wegen Volksverhetzung zu ermitteln, wenn er Russen nicht mehr bedienen will. Ob die Staatsanwaltschaft auch so zurückhaltend wäre, wenn ein deutscher Restaurantbesitzer verkünden würde, dass er keine Juden mehr bedient?
Was kann ein Mensch mit russischen Wurzeln in Deutschland, der vielleicht sogar selbst ein Putin-Kritiker ist, für die russische Politik? Warum werden Kinder angefeindet, die nun wirklich nichts dafür können und gar nicht verstehen, was Politik ist?
Unterdrückung Andersdenkender
Und wie war das mit der Meinungsfreiheit? Immerhin gibt die russische Regierung Gründe für ihr Vorgehen an, die man diskutieren könnte. Mit welchem Recht lehnen es Restaurants, Supermärkte oder Postfilialen ab, Menschen zu bedienen, die eine andere Meinung vertreten?
Auch das sind Methoden aus dem Jahr 1933, denn damals wurden Andersdenkende auch unterdrückt. Wer vor 1933 bei der SPD oder ein Gewerkschaftler war, der musste mit ähnlichen Diskriminierungen rechnen. Der Fairness halber muss ich anmerken, dass es heute in Deutschland (noch?) keine Lager gibt, in die man die lautesten Andersdenkenden interniert. Aber abgesehen davon scheint es in Deutschland heute gefährlich zu sein, eine andere Meinung zu haben, als die von Regierung und Medien vorgegebene.
Das sieht man auch an den Medien. Ganz wie 1933 werden die „Feindsender“ verboten. In der EU wurde die Ausstrahlung von RT und Sputnik verboten, obwohl im Grundgesetz in Artikel 5 folgender Satz steht: „Eine Zensur findet nicht statt.“
Und? Ist das Grundgesetz nicht mehr gültig?
Die alten Muster funktionieren noch
Fast alles, was den Nazis in den Geschichtsbüchern als Sünden und Verbrechen der ersten Wochen oder Monate ihrer Herrschaft vorgeworfen wird, findet in Deutschland derzeit statt. Nur dass es nicht „die Juden“, sondern „die Russen“ trifft. Und auch der aktuelle Umgang mit Andersdenkenden weckt sehr unschöne Erinnerungen.
Wer sich gefragt hat, wie die Nazis es geschafft haben, die Deutschen so sehr zu radikalisieren, der sollte in diesen Tagen mit sehr weit offenen Augen durch das Leben gehen, denn derzeit kann man es beobachten. Und wir dürfen nicht vergessen: 1933 herrschten in Deutschland Massenarbeitslosigkeit und Hunger, in einer so verzweifelten Situation sind die Menschen viel empfänglicher für den Aufbau von Feindbildern. Dass das heute, wo in Deutschland zumindest kein Hunger gelitten wird und es den meisten Menschen trotz aller Probleme relativ gut geht, auch so einfach umgesetzt und eine ganze Bevölkerungsgruppe pauschal verurteilt werden kann, hätte ich nicht erwartet. Und schon gar nicht so schnell, in nur wenigen Tagen.
Auch 1933 waren ja nicht alle Deutschen Nazis, bei den letzten halbwegs freien Wahlen haben die Nazis trotz des Drucks auf Andersdenkende nur knapp über 40 Prozent der Stimmen bekommen. Es reicht für die Radikalisierung eines Volkes aus, wenn eine radikale Minderheit Medien und Politik anführt und wenn eine Minderheit mit den Diskriminierungen beginnt. So hat es auch 1933 angefangen und der Rest ist Geschichte.
Gesetzlich verankerte Diskriminierung
Es kommt aber noch dicker, denn die Diskriminierung ist bereits gesetzlich festgeschrieben. Das ist über die Sanktionen geschehen. Ich habe von mehreren Deutschen, die mit Russen verheiratet sind, Mails bekommen. Sie alle haben mir einen gleichlautenden Brief zukommen lassen, in dem die ING-Bank ihnen mitteilt, dass ihre Konten gesperrt werden könnten, weil sie Russen sind.
Der Brief zeigt die bereits gesetzlich verankerte Willkür, denn offiziell müssen laut den Sanktionsbestimmungen Guthaben von Russen in Höhe von über 100.000 Euro eingefroren werden. Da aber die Bank für die Umsetzung verantwortlich ist und nun diese Konten permanent überwachen müsste, damit nicht durch irgendeine Überweisung ein Guthaben von 100.000 Euro und einem Cent entsteht, kann die Bank das Konto auch schon bei weit geringeren Guthaben quasi vorsorglich sperren.

In der Nazi-Zeit hat man Neid gegen wohlhabende Juden geschürt und deren staatlich organisierte Enteignung wurde „Arisierung“ genannt. Heute passiert das gleiche bei wohlhabenden Russen und man hat auch wieder ein schönes Wort erfunden: Sanktionen. Das Prinzip ist das gleiche, man nimmt einem Menschen, der persönlich nichts verbrochen hat, sein Vermögen weg.
Westliche Werte
Wo sind sie nun, all die BLM-Aktivisten, wenn es um Rassismus gegen Menschen mit russischen Wurzeln geht? Wo sind die Medien, die angeblich gegen Rassismus stehen, diesen Rassismus mit ihrer emotional aufgeladenen Hass-Propaganda (das Wort „Berichterstattung“ kommt mir bei dem, was westliche Medien derzeit veranstalten, nicht mehr über die Lippen) selbst erst geschaffen haben? Wo sind denn die Politiker, die gegen jede Form der Diskriminierung aus rassischen, ethnischen, religiösen und was-weiß-ich-nicht-noch für Gründen sind?
Sind das die berühmten westlichen Werte? Für die Handlungen einer Regierung alle Menschen in Sippenhaft nehmen, die auch nur ethnisch mit dem Land verbunden sind? Das sind die westlichen Werte? Ich bin nach einigen Jahren meiner Arbeit mit dem Anti-Spiegel nicht überrascht und schon lange desillusioniert, was die „westlichen Werte“ angeht, aber dass das nun so deutlich zu Tage tritt, das schockiert mich dann doch.
Wehret den Anfängen!
Sie meinen, ich übertreibe? Das sagten auch 1933 viele Menschen. Und viele Juden sind bis zuletzt freiwillig in Deutschland geblieben, weil sie sich nicht vorstellen konnten, wie das enden würde. Sie dachten bis zuletzt, dass diese Phase auch wieder vorbeigehen würde.
Ich sage nicht, dass Deutschland wieder auf diesem Weg ist. Ich sage nur, dass wir gerade etwas erleben, was es in der deutschen Geschichte schon mal gegeben hat, nämlich im Jahre 1933. Ich rede nicht von 1935, als der Rassismus in den Nürnberger Rassegesetzen offiziell besiegelt wurde. Ich rede von den Anfängen, ich rede von 1933. Bis auf die ersten Straflager für Andersdenkende, sie wurden „Konzentrationslager“ genannt, ist das sehr vergleichbar. Übrigens wurden Juden zu Anfang auch nicht in Lager gesteckt, das kam erst viel später. Die Juden wurden in den ersten Jahren der Nazi-Herrschaft „nur“ diskriminiert.
Heute verlieren Andersdenkende (selbst, wenn sie, wie Anna Netrebko, nicht mal Andersdenkende sind) ihren Job, weil sie sich nicht offen im Sinne der Regierung äußern wollen. Schon zu sagen, dass man sich als Künstler nicht zu Politik äußern will, reicht aus. Im Westen wird vollkommene Systemtreue gefordert, wenn auch bisher „nur“ von Russen.
Ich frage nochmal: Sie meinen, ich übertreibe? Dann möchte ich an eine weitere Lehre aus der Nazi-Zeit erinnern, die Martin Niemöller so treffend formuliert hat:
„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler.
Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“
Noch wird niemand abgeholt, aber viele schweigen, wenn Menschen diskriminiert und schikaniert werden. Von dieser neuen Realität berichten mir in diesen Tagen leider viele Leser, die in Deutschland als Menschen mit russischen Wurzeln leben, oder mit Russen verheiratet sind.
Sind wir wirklich schon so weit gekommen?
PS: Wenn die Leute, die derzeit „die Russen“ in Deutschland für Putin verantwortlich machen und als Lehrer Kindern verbieten, Jacken mit der Aufschrift „Russland“ zu tragen, es ernst meinen würden, wo waren sie dann, als die USA den Irak in einem durch Lügen herbeigeführten Krieg zerstört und am Ende über 600.000 Menschen ermordet haben? Haben die damals auch Kinder amerikanischer Mitbürger angespuckt oder ihnen das Tragen von Jacken mit der amerikanischen Flagge verboten?
Nein. Das ist das Verdienst der „Qualitätsmedien“. Die haben das Leid im Irak und die Lügen der US-Regierung nicht emotionalisiert und erst recht nicht „die Amerikaner“ zu Feinden der zivilisierten Welt aufgebaut. Das ist auch gut so, denn was kann ein einfacher Amerikaner in Deutschland, oder sein Kind, für die US-Politik?
Bei „den Russen“ gelten offensichtlich andere Regeln.