Die Spiegel-Artikel über Bidens Anti-Trump-Rede waren voll des Lobes. Laut Spiegel hat Biden eine „»Extremismus«-Brandrede“ gehalten, mit der er „gegen die Lügen der Republikaner kämpfen“ wolle, und Biden versuche mit „erhobener Faust, Amerikas Demokratie retten“. Die Rede, in der Biden knapp der Hälfte der US-Amerikaner nicht weniger vorgeworfen hat, Faschisten, Demokratiefeinde und ähnliches zu sein, bezeichnete der Spiegel als „angriffslustig“.

Als Trump auf die Rede antwortete, war der O-Ton des Spiegel natürlich ganz anders. Trumps Rede sei „Hass und Wut“ gewesen, Trump habe „noch schriller als sonst ausgeteilt„.

Wenn der Spiegel seine Leser mit so vielen emotionalen Formulierungen in eine bestimmte Richtung drängen will, ist immer Vorsicht geboten. Daher übersetze ich hier den Bericht aus dem wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens über die letzte Woche in den USA, denn im russischen Fernsehen klingt das alles ganz anders als im Spiegel. Da der Beitrag auch Bilder von Bidens Rede zeigt, empfehle ich jedem, sich den Beitrag zum besseren Verständnis auch anzuschauen, um die Formulierungen zu verstehen. Tatsächlich hatte die Szenerie, in der Biden seine Hassrede gegen eine Hälfte seines Volkes gehalten hat, etwas von einer satanischen Messe. Zusammen mit meiner Übersetzung ist der russische Bericht auch ohne Russischkenntnisse verständlich.

Beginn der Übersetzung:

Bidens Rede bringt das Blut in Wallung

Die Vereinigten Staaten durchleben eine große innenpolitische Spaltung, die zu großen Problemen führen kann. Präsident Biden selbst heizt die Situation an. Er bezeichnet Ex-Präsident Trump und die Republikaner als „Inbegriff des Extremismus, der die Grundlagen“ der USA bedroht. Dabei haben 72 Millionen Wähler bei der letzten Wahl für Trump gestimmt. Doch Bidens eigene Zustimmung ist auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt. Eine Gallup-Umfrage vom August ergab, dass nur 38 Prozent der Befragten mit der Leistung des Präsidenten zufrieden waren. Warum also provoziert Biden die Republikaner und wohin könnte das führen?

Ein Bericht unseres USA-Korrespondenten.

Das tiefe Amerika, das von seinem tiefen Staat mit Repressalien bedroht wird, steht in einer langen Schlange. Donald Trump ist nach Pennsylvania gekommen. Es wären vielleicht weniger gewesen, aber vor Trump hat Joe Biden sie besucht und sie sie alle als halbe Faschisten bezeichnet. Danach war es für sie unmöglich, nicht zu Trump zu kommen.

Trump betrat die Bühne der Wilkes-Berry Township Sports Arena als Spielertrainer der republikanischen Nationalmannschaft bei den Zwischenwahlen. Aus Pennsylvania kommen Doug Mastriano, der für das Amt des Gouverneurs kandidiert, und Mehmet Oz, ein beliebter TV-Arzt in den USA. Er kandidiert für den Senat. Beide sind in Topform, was man von dem Nationaltrainer der Demokraten nicht behaupten kann.

„Wie Sie wissen, war Joe Biden diese Woche in Philadelphia und hat die schlimmste Hassrede gehalten, die je ein US-Präsident gehalten hat. Er verleumdete 75 Millionen Bürger als Bedrohung für die Demokratie und als Feinde des Landes. Aber in Wahrheit ist er der Feind des Staates. Die Feinde des Staates sind er und die Gruppe von Leuten, die ihn kontrollieren, die ihn umkreisen und sagen: Tu dies, Joe, tu das. Mir scheint, dass Philadelphia für Biden die perfekte Wahl war, um dort seine hasserfüllte und wütende Rede zu halten. Übrigens hat er am nächsten Morgen vergessen, was er gesagt hat“, sagte Trump.

In der Tat. Weniger als 24 Stunden später hat Biden versucht, die Worte der Rede zurückzunehmen, die bereits als die düsterste politische Aussage in der jüngeren US-Geschichte bezeichnet wurde. „Ich glaube nicht, dass die Trump-Anhänger eine Bedrohung für das Land sind. Ich denke, dass jeder, der zu Gewalt aufruft, der Gewalt nicht verurteilt, der sich weigert, einen Wahlsieg anzuerkennen, der darauf besteht, die Regeln für die Stimmenauszählung zu ändern, eine Gefahr für die Demokratie darstellt. Alles, wofür wir stehen, sind die Grundlagen der Demokratie. Als die Menschen für Donald Trump stimmten und ihn unterstützten, stimmten sie nicht für den Angriff auf das Kapitol. Sie haben nicht für die Abschaffung von Wahlen gestimmt. Sie haben für die geförderte Philosophie gestimmt“, sagte Biden.

Biden lieh sich das typisch amerikanische Ambiente – die Independence Hall, in der die Verfassung verabschiedet wurde und in der sich die Freiheitsglocke befindet -, um seine neue politische Philosophie vorzustellen.

Der Chef des Weißen Hauses hat seine Rede vom Teleprompter abgelesen, es war also alles doppelt geprüft. Einige Zitate aus seiner Rede waren der Presse im Vorfeld zugespielt worden. Die meisten Fernsehsender fanden sie so toxisch, dass CBS anstelle von Biden „Young Sheldon“, NBC „Law & Order“ und ABC „Push Your Luck“ ausstrahlten. Nur die gehorsamen Sender MSNBC und CNN übertrugen Bidens Missgeschick live.

Unter den Klängen der Hymne „Hail to the Chief“ tauchte er mit seiner Frau und zwei Marinesoldaten aus der Dunkelheit auf. Eine Entourage, die eher zu einer Kriegserklärung passt, aber Biden hat die Feinde des Volkes im Volk selbst gefunden: „Zu viel von dem, was heute in unserem Land passiert, ist nicht normal. Donald Trump und die MAGA-Republikaner stehen für einen Extremismus, der die Grundfesten unserer Republik bedroht. Es besteht kein Zweifel, dass die Republikanische Partei heute von Donald Trump und den MAGA-Republikanern beeinflusst, angetrieben und eingeschüchtert wird. Und das ist eine Bedrohung für das Land“

Der alarmierende rote Hintergrund verstärkte die düsteren Assoziationen. Während Biden eine halbe Stunde lang seine „Etude in Crimson“ schrieb, kamen den Zuschauern verschiedene Parallelen in den Sinn. Es war entweder eine wiederbelebte Dystopie oder etwas Schlimmeres.

„Es war eine düstere Rede, düstere Worte, eine düstere Szenerie. Ich dachte: Wer hat diese Rede geschrieben und diese Entourage zusammengestellt? Der Satan? Es war eine Rede, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt“, meint der Politiker Mike Huckabee.

Es gab keine ungebetenen Gäste auf dem Ball. Diejenigen hingegen, denen es aktiv missfiel, dass Biden ihnen beim Kampf um die Seele der Nation auf ihre Seelen spuckte, wurden von der Polizei im Voraus in den nahe gelegenen Straßen von Philadelphia zerstreut. Aber viele der Trumpisten haben nicht nur Ideale, sondern auch Pick-up-Trucks mit kräftigen Hupen, Megaphonen und einem unerschöpflichen Vorrat an idiomatischen Ausdrücken (Anm. d. Übers.: Trotz der Absperrungen war „Fuck Biden“ zu hören).

Die Organisatoren versuchten, die unflätige Sprache auf dem Unabhängigkeitsplatz zu unterdrücken, aber harte englische Worte kamen an die richtigen Ohren. Und Biden antwortete: „Die Leute auf der anderen Seite haben das Recht zu protestieren, das ist eine Demokratie. Aber die Geschichte und der gesunde Menschenverstand lehren uns, dass Chancen, Freiheit und Gerechtigkeit für alle die Grundlage für eine florierende Demokratie sind.“

All jene, die sich nicht mit eiserner Faust zum Triumph der Demokratie treiben lassen wollen, muss man eben von Bord des Schiffes der Geschichte werfen. Sie werden ausgeklammert.

„Wenn Sie nicht mit der Mehrheit der Amerikaner übereinstimmen, sollten Sie wissen, dass das extrem ist. Das ist eine extremistische Denkweise“, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karin Jean-Pierre.

Siebzig Millionen Menschen haben für Trump gestimmt. Und Bidens Politik wird von 38 Prozent der amerikanischen Erwachsenen unterstützt. Man muss also erst noch herausfinden, wer hier wirklich in der Minderheit ist.

„Joe Bidens Informationsministerin, Karin Jean-Pierre, ist wahrscheinlich die diskreditierteste Rednerin in der Geschichte der Revolutionen. Der Bagdad-Bob aus Saddams Zeiten sah um ein Vielfaches würdevoller aus. Sie ist unfassbar. Also, eine Frage an die Klasse: Kinder, sind 38 Prozent weniger oder mehr als die „Mehrheit“? Mathematik ist nicht die Stärke von Karin Jean-Pierre und schon gar nicht die Stärke ihres Chefs, des Mannes, der Anweisungen vom Osterhasen erhalten hat“, sagte Tucker Carlson vom Sender Fox News.

Das Kaninchen hat jedoch den Vorteil einer großen Karotte. 24 Stunden lang werden die Amerikaner auf liberalen Fernsehkanälen damit gefüttert. Von morgens bis abends verfluchen sie den üblichen Trumpismus.

Es ist nicht zu übersehen, dass die spirituelle Séance des Weißen Hauses, mit der das Gespenst des Bürgerkriegs heraufbeschworen wird, genau zum richtigen Zeitpunkt stattfindet. Bis zu den Zwischenwahlen bleiben zwei Monate. Im November haben die Demokraten alle Chancen, wie Sperrmüll aus dem Kapitol zu fliegen, da bleibt „Teile und herrsche“ das einzige Rezept im Vorrat von Bidens Parteigängern. Mit Trump kann man immer noch dem linksliberalen Flügel der eigenen Partei Angst machen, dessen Stimmen Biden immer mehr verliert. Aber Amerika mit Trump von den wirklichen Problemen abzulenken, ist schwierig.

„Der Winter kommt. Die Familien kommen kaum noch über die Runden. Strom- und Energiekosten belasten das Familienbudget. Die Bürger sind gezwungen, jeden Tag schmerzhafte Entscheidungen zu treffen, nur um ihre Rechnungen bezahlen zu können. Wussten Sie, dass mehr als 20 Millionen amerikanische Haushalte – das ist etwa jede sechste Familie – Rückstände bei den Versorgungsleistungen hat?“, fragt der Kongressabgeordnete Kevin McCarthy.

Doch Biden hat auch Kredite aufgenommen. Und er verteilte Vorschüsse mit dem Versprechen, Amerika von den von ihm selbst zugefügten Wunden zu heilen. Er war mal ein friedensstiftender Präsident. Ein Jahr später droht der Kriegsherren-Präsident Andersdenkenden mit der Macht der US-Luftwaffe: „An alle tapferen, rechtsgerichteten Amerikaner, die sagen, es gehe darum, Amerika unabhängig und sicher zu halten. Wenn Ihr Euer Land bekämpfen wollt, braucht Ihr F-15. Ihr braucht mehr als Handfeuerwaffen.“

Das ist wieder wie in Pennsylvania. Anfang der Woche war der amerikanische Präsident dort, um seinen Plan zur Verbrechensbekämpfung verkünden. Das Weiße Haus bittet den US-Kongress um 37 Milliarden Dollar. Die Bundesstaaten fordern astronomische 380 Milliarden Dollar. Als ob es nicht Biden gewesen wäre, der vor zwei Jahren die BLM-Krawallmacher unterstützt und denen zugenickt und zugezwinkert hat, die die Entlassung amerikanischer Polizisten aus dem Dienst forderten.

An einigen Orten folgten den Worten Taten. In den liberalsten Staaten, Kalifornien, zum Beispiel. Der Polizeichef von Oakland hat nach einer Reihe von Schießereien buchstäblich alle Hände voll zu tun, er klagt über sechs Morde in vier Tagen. Und das ist New York. Auf der prestigeträchtigen Fifth Avenue, gegenüber dem Central Park und dem Guggenheim Solomna Museum, treibt eine Bande schwarzer Jugendlicher auf Motorrollern ihr Unwesen. Frauen werden ihrer Ketten und Handtaschen beraubt. Männer werden ihrer Uhren beraubt. Wer sich widersetzt, kann mit dem Leben dafür zahlen. Im Jahr 2022 sind in den USA bereits rund 29.500 Menschen durch Waffengewalt gestorben. 46 Prozent dieser Todesfälle waren Morde.

Sogar der große und schreckliche Ozzy Osbourne hatte Angst in diesem Amerika. Er und seine Frau kehren nach England zurück.

Aber auch hier hat Biden die Republikaner auf überraschende Weise in die Pflicht genommen. Er durfte die Polizei wegen George Floyd beschimpfen, aber sie dürfen das FBI nicht wegen der „Maskenshow“ bei Trump in Mar-a-Lago beschimpfen. „Ich möchte meinen republikanischen MAGA-Freunden im Kongress Folgendes sagen. Das können Sie nicht tun. Was bringen wir unseren Kindern bei? Es ist so einfach. Aber jetzt werden immer mehr Angriffe auf das FBI verübt, das Leben von Strafverfolgungsbeamten und ihren Familien wird bedroht, nur weil sie das Gesetz befolgen und ihre Arbeit machen. Ich möchte dies so deutlich wie möglich sagen. In diesem Land ist kein Platz für diejenigen, die das Leben von Polizeibeamten gefährden. Es gibt keinen Platz. Nein, niemals. Punkt. Ich bin gegen die Einstellung der Finanzierung der Polizei. Ich bin auch dagegen, die Mittel für das FBI zu streichen“, sagte Biden.

Alles in allem sind das Parallelen zur Ukraine, auf die Biden schon so lange starrt, dass sie unter seiner Aufsicht die amerikanische Politik übernommen hat. Das hat auch was von Selensky und Poroschenko, die Frieden im Donbass versprachen, aber den Krieg anheizten. Es hat auch was von Janukowitsch und Timoschenko. Paul Manafort, der für die ukrainische Partei der Regionen gearbeitet hat, kann davon ein Lied singen. „Biden war der Verbindungsmann, den Janukowitsch alle zwei Monate anrief. Janukowitsch hat etwas getan, womit ich nicht einverstanden bin. Er hat seine politische Gegnerin Timoschenko ins Gefängnis gebracht, weil sie als Premierministerin unter einem anderen Präsidenten, Juschtschenko, Gasgeschäfte mit Russland gemacht hatte. Dann wandte sich Biden an Janukowitsch und sagte: In Demokratien verhaftet man seine politischen Gegner nicht, man steckt sie nicht ins Gefängnis und erhebt keine Anklage“, erinnerte sich Manafort. (Anm. d. Über.: Zum Verständnis finden Sie bei Bedarf hier mehr Informationen über Manafort)

Janukowitsch wurde in Washington als Diktator bezeichnet, weil er Druck auf die Opposition ausgrübt hat. Selensky, unter dem die Opposition in der Ukraine ausgelöscht wurde, wird als Demokrat bezeichnet. Erneut wird vorgeschlagen, Geld in die Hand zu nehmen, um die Lebens- und Verteidigungsfähigkeit dieses demokratischen Regimes aufrechtzuerhalten. Biden bittet den Kongress dringend um weitere 11,7 Milliarden Dollar für Waffen für Kiew. Das Weiße Haus ist in Eile. Am 30. September endet das laufende Haushaltsjahr in Amerika und mit dem Beginn des neuen Kalenderjahres könnte die Mehrheit der Demokraten im Capitol Hill enden.

Ende der Übersetzung