Die Ineffektivität der westlichen Waffenlieferungen
Der Westen hat so viele Waffen in die Ukraine gepumpt, dass die eigenen Arsenale vieler Länder fast leer sind. Im Vergleich dazu war der Effekt der Waffenlieferungen ausgesprochen gering.
Bloomberg meldet, dass viele NATO-Staaten über leere Arsenale klagen und daher keine Waffen und Munition mehr an die Ukraine liefern können. Das Aufstocken der Arsenale wird Jahre dauern, viele Waffensysteme können kurzfristig gar nicht produziert werden. Bevor wir zu der Bloomberg-Meldung kommen, will ich noch einmal daran erinnern, was alleine die USA der Ukraine bereits geliefert haben.
Waffenlieferungen und ihre Wirkung
Vor knapp einer Woche habe ich in einem Artikel erklärt, warum die russische Armee derzeit Schwierigkeiten in der Ukraine hat. Dabei bin ich auch auf die Waffenlieferungen der USA eingegangen, die beachtlich sind.
Das Pentagon hat eine Liste mit den bisher an die Ukraine gelieferten Waffen veröffentlicht. Darin erfährt man, dass allein die USA der Ukraine bereits Waffen und Ausrüstungen im Wert von fast 17 Milliarden US-Dollar geliefert haben. Darunter sind 1.400 Stinger-Flugabwehrsysteme, über 8.500 Javelin-Panzerabwehrwaffen und 32.000 andere panzerbrechende Waffen, rund 988.000 Haubitzengranaten, 60 Millionen Schuss Kleinwaffenmunition, über 150 Artilleriegeschütze, 20 Mi-17-Hubschrauber, 200 gepanzerte Mannschaftstransporter M113, Hunderte von Humvee-Fahrzeuge, 16 HIMARS-Mehrfachraketenwerfer, zehntausende Mörser, Raketen und Granaten und noch vieles mehr. Und das ist nur ein Ausschnitt der Waffenlieferungen der USA.
Dazu kommen noch massenhaft Waffen aus anderen NATO-Staaten. Russland kämpft in der Ukraine faktisch gegen das gesamte Waffenarsenal der NATO-Staaten. Angesichts dieser Mengen an Waffen hätte die Ukraine eigentlich große Erfolge erzielen müssen, aber ihre Offensiven haben nur in der Region Charkow Geländegewinne von weniger als 100 Kilometern erreicht, in anderen Regionen waren die Erfolge trotz massiver ukrainischer Offensiven gleich Null.
Daher überrascht es, dass die Ukraine mit ihren vielen hunderttausend zwangsmobilisierten (wenn auch meist schlecht ausgebildeten) Soldaten und diesem unglaublichen, aus dem Westen gelieferten Waffenarsenal und tausenden, bestens ausgebildeter Söldner nicht mehr Erfolge erzielt hat. Die ukrainische Armee hat das gesamte Waffenarsenal der NATO-Staaten zur Verfügung, ist den von Russland eingesetzten Streitkräften an Mannstärke um ein Vielfaches überlegen und bekommt die volle Unterstützung der amerikanischen, britischen und deutschen Geheimdienste.
Bei den Söldnern handelt es sich zum Einen um Söldner privater Militärfirmen wie Academi (früher Blackwater), die bis zu 2.000 Dollar pro Tag für ihren Einsatz bekommen, aber es dürften auch NATO-Soldaten darunter sein, die offiziell aus dem Dienst ausgeschieden sind, um eine formale Konfrontation zwischen der NATO und Russland zu vermeiden.
Die russische Armee hält sich gegen diese Übermacht erstaunlich gut und hat wahrscheinlich einen sehr großen Teil der vom Westen gelieferten Waffen bereits zerstört. Die aktuellen Bombardements militärisch nutzbarer Infrastruktur in der Ukraine zeigen, dass die russische Armee – entgegen den Meldungen westlicher „Experten“ – weder fast besiegt ist, noch die Luftherrschaft über der Ukraine verloren hat. Die in Russland mobilisierten Soldaten sind noch nicht einmal in großer Zahl an der Front eingetroffen, aber die russische Armee zeigt, was sie kann, wenn sie darf. Worauf das russische Oberkommando die letzten Monate gewartet hat, fragen sich viele russische Experten.
Die westliche Arsenale sind leer
Bloomberg meldet heute unter der Überschrift „Die Verbündeten der Ukraine können nicht schnell genug an Waffen kommen, da die Bestände schrumpfen„, dass die Arsenale viele westlicher Staaten leer sind. In dem Artikel erfahren wir zum Beispiel:
„Kiews Verbündete haben seit dem Einmarsch Russlands im Februar bereits Waffen, Munition und Ausrüstung im Wert von Milliarden von Dollar geliefert. Das setzt die Munitionsvorräte unter Druck, darunter 155-mm-Granaten für Artillerie, sagten einige der Personen, von denen die USA der Ukraine seit Beginn des Krieges weit über eine Million Patronen geliefert haben.
Je länger sich der Krieg hinzieht, desto eher könnten die Partner der Ukraine versucht sein, ihre Unterstützung zurückzufahren, da sie sich um ihre eigene Sicherheit sorgen, wodurch möglicherweise die Art von Rissen entstehen könnte, die Putin neben den Spannungen über den Zugang zu Energie in Europa auszunutzen versucht. Abgesehen von Mehrfachraketen haben sich die Verbündeten der Ukraine vor allem auf die Lieferung von Waffen und Panzern aus der Sowjetzeit konzentriert, deren Vorräte ebenfalls knapp werden.
Diese Bestände müssen durch moderne Waffen ersetzt werden. Gleichzeitig benötigen die Mitglieder der Nordatlantikvertrags-Organisation mehr Waffen, um die Präsenz der Allianz an ihrer Ostflanke zu verstärken.“
Über die Schwierigkeiten, die gelieferten Waffen zu ersetzen, erfahren wir:
„Es könnte Jahre dauern, bis das Angebot mit der Nachfrage gleichzieht. Die Rüstungsunternehmen haben Schwierigkeiten, die Produktion in dem erforderlichen Umfang auszuweiten.“
Ganz konkret betrifft das Waffensysteme, die als regelrechte Wunderwaffen gegen die russische Armee gefeiert und in gigantischer Stückzahl geliefert wurden, aber kaum Wirkung entfaltet haben:
„In einer Telefonkonferenz für Analysten am 26. April sagte Raytheon Technologies Corp. Chief Executive Officer Greg Hayes, dass das Unternehmen frühestens im Jahr 2023 Aufträge für größere Nachschublieferungen von Stinger-Raketen und Javelin-Panzerabwehrmunition erhalten werde, da es schwierig sei, die für ihre Herstellung benötigten Materialien zu beschaffen. (…) „Leider hat das Verteidigungsministerium seit etwa 18 Jahren keine Stinger mehr gekauft und einige der Komponenten sind nicht mehr erhältlich“, sagte Hayes damals unter Bezugnahme auf das Pentagon. Er sagte, Raytheon müsse einen Teil der Elektronik des Flugkörpers neu entwickeln und „das wird uns ein wenig Zeit kosten.“ Die US-Armee erteilte dem Unternehmen daraufhin im Mai einen Auftrag im Wert von 624 Millionen Dollar für die Produktion von 1.300 Stinger-Raketen, einschließlich der Unterstützung bei der Beseitigung der Veralterung, der Modernisierung von Schlüsselkomponenten und der Beschleunigung der Produktion.““
Man beachte dabei, dass die USA der Ukraine bereits 1.400 Stinger-Raketen geliefert, aber nur 1.300 nachbestellt haben. Und auch die sind erst einigen Jahren verfügbar. So sieht es offenbar bei den meisten Waffensystemen aus, die an die Ukraine geliefert wurden. Sie sind vergleichsweise wirkungslos geblieben, wenn man bedenkt, dass die USA zum Beispiel 8.500 Javelins geliefert haben, aber selbst nach optimistischsten NATO-Meldungen „nur“ einige hundert russische Panzer zerstört worden sind. Und andere NATO-Staaten haben auch tausende Anti-Panzer-Waffen geliefert.
Offensichtlich gilt für die russische Armee das alte Sprichwort: Totgesagte leben länger.
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