Kasachstan

Die Lage beruhigt sich, die OVKS-Friedenstruppen sollen Kasachstan schon in zehn Tagen verlassen

Nach den Unruhen ist in Kasachstan weitgehend Ruhe eingekehrt, der Abzug der Friedenstruppen der OVKS soll in zwei Tagen beginnen und in zehn Tagen abgeschlossen sein.

Die Unruhen in Kasachstan sind vorbei, im Land ist wieder weitgehend Ruhe eingekehrt, in Almaty wurden sein 24 Stunden keine Schießereien mehr gehört. Die Friedenstruppen der OVKS haben an den Kampfhandlungen anscheinend nicht teilgenommen, ihre Aufgabe war es vielmehr, strategische Objekte zu bewachen und so kasachische Sicherheitskräfte freizustellen, die gegen die Extremisten gekämpft haben. Nun wurde mitgeteilt, dass die internationalen Friedenstruppen schon in wenigen Tagen die Heimreise antreten werden.

Das russische Fernsehen hat am 11. Januar in den Abendnachrichten Korrespondentenberichte aus Almaty gesendet, die ich übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Waffenverstecke und Plünderungen: Almaty nach den Pogromen

Der internationale Flughafen von Almaty, der durch Angriffe von Extremisten beschädigt wurde, wird bald wieder geöffnet. Morgen wird der Devisenhandel an der Börse wieder aufgenommen, die Banken werden wieder Devisengeschäfte durchführen. Das Internet funktioniert. Das Militär hat Almaty jedoch noch immer nicht verlassen, die Ausgangssperre ist in Kraft und die Fahndung nach Extremisten geht weiter. Unsere zwei Korrespondenten berichten über die Lage in Kasachstan.

Die Präsenz der Soldaten wird in der Stadt immer weniger spürbar, sie haben den zentralen Teil der Stadt verlassen, obwohl der Bereich um das Akimat immer noch abgeriegelt ist und es nicht betreten werden darf, aber man sieht es: das Gebäude ist fast abgebrannt. (Anm. d. Übers.: Das Akimat ist der Sitz der Exekutive in Almaty) Das Internet funktioniert in Almaty den ganzen Tag über. Im Internet sind Aufnahmen aufgetaucht, die zeigen, wie Militante das Polizeigebäude gestürmt haben. Das Filmmaterial zeigt, dass die Angreifer schwer bewaffnet und organisiert waren. Mehr als 1.200 Menschen wurden festgenommen. Die Polizei fand Verstecke mit gestohlenen Waffen.

Geschäftsleuten wurde ein schwerer Schlag versetzt. Dieses Einkaufszentrum wurde von Plünderern verwüstet. Sogar zweimal. Alle Pavillons wurden zerschlagen, die Geldautomaten geplündert und es ist klar, dass sie hier in nächster Zeit keine Kunden mehr empfangen können. Tatjana muss ihr Geschäft von Grund auf neu aufbauen – in einer Nacht wurde ihr Laden verwüstet und die Waren zerstört. Die Schaufensterscheibe wurde zertrümmert. Die junge Frau verkaufte Schuhe und Kleidung. Den Plünderern gelang es, alles zu erbeuten, was die Extremisten nicht zerstören konnten. Die Strafverfolgungsbehörden sind nun auf der Suche nach denjenigen, die die Stadt verwüstet haben. Dieser 27-jährige Einwohner des Gebiets Pawlodar wurde wegen des Verdachts auf Diebstahl eines Militär-LKW und Plünderung festgenommen.

Die Polizei ist in erhöhter Alarmbereitschaft. Bei der Hotline gehen täglich Hunderte Anrufe von Einwohnern Almatys ein. Während der Unruhen half dieses Nudelrestaurant den Spezialkräften, Rettungskräften und Militärangehörigen und verteilte kostenlos Essen. Jedes Paket enthielt Suppe, Nudeln und Brot. Sie verstehen, dass die Tragödie von Almaty alle betrifft. Und es wird jede Hilfe wird gebraucht. Gulbanu Maigarina, die Gründerin der Kette von Nudel-Fast-Food-Restaurants, sagte, dass ihre Restaurants in drei Tagen etwa 6.000 Mahlzeiten verteilt haben.

Die Stadt hat mehrere Dutzend Buslinien eingerichtet. Immer mehr Geschäfte, Drogerien, Cafés und Restaurants öffnen wieder. Die Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung mit Ausgangssperren von 20 Uhr bis 7 Uhr morgens und Kontrollpunkten an den Ein- und Ausgängen der Stadt, an denen jedes Auto gründlich durchsucht wird, bleiben jedoch in Kraft.

Diese tadschikischen Spezialeinheiten haben wiederholt an Anti-Terror-Übungen der OVKS teilgenommen. Heute sind sie für die Sicherheit im Wärmekraftwerk Almaty zuständig. Das Heizkraftwerk Nr. 1 ist das älteste in der Republik. Es versorgt die Haushalte und viele Unternehmen in Almaty mit Wärme und Warmwasser.

„Die Menschen sind sehr nett, freundlich und gastfreundlich, und sie haben uns gestern Abend sogar auf eigene Kosten Abendessen zubereitet und unseren tadschikischen Pilaw gekocht“, sagte der Erste Stellvertretende Stabschef der tadschikischen Streitkräfte, Mirovar Khushbakht.

In Almaty kehrt der Alltag ein und die Menschen lächeln wieder. Isakhan Syrgabayev, Geschäftsführer des Heizkraftwerkes Nummer 1 in Almaty, ist glücklich, weil gestern sein Enkel auf die Welt gekommen ist.

Diese Motorradschützen aus Armenien haben sich in der Bäckereifabrik von Almaty gut eingelebt. Als die Läden geschlossen waren, kamen die Leute zum Brotkauf direkt in die Fabrik. Das Backen von Kuchen und Gebäck musste aufgegeben werden, es wurde nur noch das Nötigste gebacken. Viele Bäcker wurden nach Hause geschickt. Während der Pogrome war die Großbäckerei von Almaty in Betrieb, aber es war für die Mitarbeiter schwierig, zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen. Jetzt, mit der Ankunft der Friedenstruppen, ist es morgens und abends nach der Arbeit wieder voll am Eingang. Der Mobilfunk und das Internet funktionieren in der Stadt wieder. Das ist zum großen Teil den Spezialkräften zu verdanken. Das Büro des größten Kommunikationsunternehmens des Landes wird von einer abgestellten Brigade der Luftlandetruppen aus Kubinka bewacht.

„Unsere Aufgabe besteht darin, illegale bewaffnete Gruppen und Plünderer daran zu hindern, in das Büro einzudringen. Wir sind für diese Art von Einsätzen ausgebildet, wir erfüllen nur unsere Pflicht“, sagt der Kommandeur der Einheit, Denis Ivanov.

Am Dienstagmorgen erwachte das Leben in der Stadt wieder. Der Präsident ist zuversichtlich, dass es keine neuen Anschläge geben wird.

„Die akute Phase der Anti-Terror-Operation ist vorbei. Die Lage ist in allen Regionen stabil. Daher erkläre ich, dass die Hauptmission der OVKS-Friedenstruppen erfolgreich abgeschlossen wurde. Der schrittweise Abzug des gemeinsamen OVKS-Friedenskontingents wird in zwei Tagen beginnen. Der Rückzug wird nicht länger als zehn Tage dauern“, sagte Kassym-Jomart Tokajew, das Oberhaupt der Republik.

„Die Friedenstruppen haben ihre Hauptaufgaben in nur einer Woche bewältigt. Das Kontingent wird jedoch schrittweise abgezogen, um die Stabilität in der Region zu erhalten. Die Einheiten aus Armenien, Kirgisistan und Tadschikistan ziehen zuerst ab, gefolgt von denen aus Weißrussland. Als letzte werden die russischen Friedenstruppen abreisen“, sagte Andrej Serdjukow, Kommandeur des OVKS-Friedenskontingents.

Ein weiterer Evakuierungsflug des russischen Verteidigungsministeriums hat stattgefunden und mehr als zweihundert Russen sind heute nach Hause zurückgekehrt.

„Wie meine Kollegen, mit denen ich zusammengearbeitet habe, sagten: Die genauesten Uhren der Welt sind Schweizer Uhren, richtig? Nun, Schweizer Uhren sind nichts im Vergleich zu der Präzision unseres Militärs!“, ist Evgeny Bobrov, Generalkonsul des russischen Generalkonsulats in Kasachstan, überzeugt.

Dank der gemeinsamen Arbeit von Militär und Diplomaten konnten etwa zweitausend Menschen evakuiert werden. Auch die Friedenstruppen werden sehr bald nach Hause fliegen.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

9 Antworten

  1. Wie ich geschrieben habe. Das war eh kein geplanter Regime-Change, sondern nur eine Warnung an Russland ,,Wir sind hier, vor deiner Haustür“ und um zu schauen und festzuhalten wie, überhaupt und wie schnell Russland reagieren würde – wie damals mit den Überflügen über Russland durch US-Flugzeuge. All das kann man bestens für Kriegssimulationen und für den potenziellen heißen großen Krieg gebrauchen. Aber auch und vor allem um von den Gesprächen zwischen USA-Russland im Bezug auf NATO abzulenken.

  2. Es waren doch angeblich 20000 ausländische Banditen, welche die Unruhen auslösten. Nun gab es 5000 Festgenommene, was sind das nun für Landsleute?
    Wie viele Deutsche? Amis? Franzosen? Italiener.
    Warum hört man nicht’s? Waren es doch keine ausländischen Banditen?

  3. _____://www.fondsk.ru/news/2022/01/12/chto-v-kazahstane-svezhie-novosti-i-kommentarii-12-janvarja-55305.html

    „Что в Казахстане: свежие новости и комментарии, 12 января
    …“

    Auszug geDeepLt:

    „Was in Kasachstan passiert: aktuelle Nachrichten und Kommentare, 12. Januar


    Interessant ist, dass die türkischen Einkaufszentren im Zentrum von Almaty von den Pogromen praktisch unbeschädigt blieben. In der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans gibt es im Zentrum kein einziges komplettes Geschäft, Büro, Café oder Restaurant mehr. Türkische Geschäfte heben sich von den Pogromen ab, insbesondere der riesige Ramstore-Supermarkt des türkischen Unternehmens Migros Turk wurde nicht beschädigt, nicht geplündert und sogar alle Fenster blieben unversehrt, berichtet Kriegsberichterstatter Semyon Pegov vom Ort des Geschehens.

    …“

  4. Eine „Schwächung“ Rußlands sehe ich hier nicht, eher im Gegenteil: Eine schnelle und unerwartete Verlegung spezialisierter Luftlandetruppen plus Material, Dislozierung und rascher Abzug nach Erledigung der Aufgabe, ohne Verwicklung bei internen Kämpfen. Ich denke auch, daß man sich das weltweit genau angesehen hat – vor dem Hintergrund der planlosen Flucht der Amis aus Afghanistan – und daraus Schlüsse ziehen wird (nicht nur in Saudiarabien). Auf weitere Details (Türkei, Gaspreise, Usbekistan …) darf man gespannt sein.

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