Am 24. Mai 2021 hat der Westen Weißrussland vorgeworfen, eine Ryanair-Maschine in einem Akt der „Luftpiraterie“ und mit Hilfe einer MiG-29 zur Landung in Minsk gezwungen zu haben. Der Westen hat daraufhin mehrere neue Runden von Wirtschaftssanktionen gegen Weißrussland verhängt. Bisher standen die Vorwürfe aus dem Westen der Version aus Weißrussland gegenüber, aber es gab keine neutralen Berichte.

Das hat sich nun geändert, denn am Montag hat die internationale Flugsicherheitsbehörde ICAO ihren Untersuchungsbericht vorgelegt, der die Vorwürfe des Westens Lügen straft. Der Bericht ist noch nicht offiziell veröffentlicht worden, sondern zunächst den Mitgliedsstaaten zugeleitet worden. Allerdings hat das auf Flugsicherheit spezialisierte Portal Aviation Herald bereits eine Kopie des Berichtes erhalten und sie zitiert ausführlich daraus.

Die Lüge der erzwungenen Landung

Weißrussland hat bereits einen Tag nach dem Vorfall den kompletten Funkverkehr zwischen den weißrussischen Fluglotsen und der Ryanair-Maschine veröffentlicht. Aus dem Funkverkehr ging klar hervor, dass es keinerlei Druck von Seiten der Fluglotsen gegeben hat und dass die Piloten der Ryanair-Maschine selbst die Entscheidung getroffen haben, wegen der gemeldeten Bombendrohung gegen die Maschine in Minsk zu landen, den kompletten Funkverkehr können Sie hier nachlesen.

Der ICAO-Untersuchungsbericht bestätigt alles, was aus dem weißrussischen Funkverkehr hervorgeht, auch die Tatsache, dass die Crew des Ryanair-Fluges nachdem sie über die Bombendrohung informiert worden ist, selbst die Entscheidung getroffen hat, nach Minsk abzudrehen.

Die angebliche Drohung mit der MiG-29

Westliche Medien und Politiker haben danach behauptet, dass Weißrussland die Ryanair-Maschine nicht nur über Funk angewiesen habe, in Minsk zu landen (was nicht wahr ist, wie der ICAO-Bericht bestätigt), sondern der Westen hat auch behauptet, es sei eine weißrussische MiG-29 aufgestiegen, die das Flugzeug nach Minsk eskortiert und zur Landung gezwungen habe.

Auch diese Behauptung des Westens stellt sich in dem Bericht der ICAO als Lüge des Westens heraus. Aviation Herald schreibt:

„Eine MIG-29 wurde entsandt, war jedoch noch 55 km von der Ryanair-Maschine entfernt, als die Boeing landete. Die MIG brach den Einsatz ab und kehrte zur Basis zurück.“

Das deckt sich exakt mit dem, was Weißrussland nach dem Vorfall gemeldet hat. Die Ryanair-Piloten haben 15 Minuten, nachdem sie über die Bombendrohung informiert wurden, entschieden, nach Minsk abzudrehen und eine Luftnotlage zu melden. Erst danach ist eine weißrussische MiG-29 routinemäßig aufgestiegen, was in allen Länder der Welt ein Standardverfahren bei Luftnotlagen ist. Die Ryanair-Maschine sei jedoch in Minsk gelandet, bevor die MiG-29 sie erreicht hat, so die Erklärungen aus Weißrussland seinerzeit.

Der ICAO-Untersuchungsbericht bestätigt auch das vollumfänglich, was bedeutet, dass die ICAO Weißrussland in allen Kernfragen recht gibt: Es gab keinen Druck von Seiten Weißrusslands und auch keine Drohung mit einer MiG-29, die Piloten haben sich selbständig zu Landung in Minsk entschieden. Die Lüge des Westens über die angebliche „Luftpiraterie“ von Präsident Lukaschenko ist nicht mehr zu halten.

Aber der ICAO-Bericht hat auch Fragen, die wir uns nun anschauen.

Die fragliche Mail

Der ICAO-Untersuchungsbericht hat laut Aviation Herald im Großen und Ganzen zwei offene Fragen. So ist die Herkunft der Mail mit Bombendrohung weiterhin unklar. Die Mail wurde an mehrere Flughäfen geschickt und zwar wenige Minuten, bevor die Ryanair-Maschine in den weißrussischen Luftraum einflog. In Minsk sei die Mail über die normalen Dienstwege an die Fluglotsen weitergeben worden, damit die die Piloten informieren, so der Bericht.

Die weißrussischen Fluglotsen haben dann die ukrainischen Fluglotsen, die zu dem Zeitpunkt noch für den Flug verantwortlich waren, gebeten, den Flug an die weißrussische Luftsicherung zu übergeben. Danach haben sie die Piloten informiert. Dabei haben die weißrussischen Fluglotsen mitgeteilt, dass die entsprechende Mail an mehrere Flughäfen gegangen sei, was auch so im Funkverkehr zu lesen ist.

Die ICAO konnte nicht klären, woher die weißrussischen Floglotsen wussten, dass die Mail an mehrere Flughäfen gegangen war.

Der Kontakt mit Ryanair

Aus dem von Weißrussland veröffentlichten Funkverkehr konnte man ersehen, dass die Piloten mehrmals nachgefragt haben, ob Ryanair über den Vorfall informiert wurde. Der ICAO-Bericht sagt, dass die weißrussischen Fluglotsen zwar geantwortet hätten, Ryanair sei informiert worden, aber dafür, dass Ryanair zu dieser Zeit von Weißrussland informiert worden ist, fand der Bericht keine Belege.

Das ist insofern interessant, weil eine der offenen Fragen war, warum die Piloten sich im letzten Moment zum Umkehren nach Minsk entschieden haben, obwohl ihr Zielflughafen Vilnius bereits näher war als Minsk. Der Grund war offensichtlich keine Anweisung von Ryanair, denn anscheinend hatten die Piloten keinen Kontakt zu ihren Vorgesetzten und haben die Entscheidung alleine getroffen. Aviation Herald schreibt:

„In dem Bericht heißt es, dass sich die Ryanair-Besatzung zu jedem Zeitpunkt an ihre Standardverfahren und -anforderungen hielt.“

Leider lässt sich nicht mehr nachvollziehen, warum die Piloten diese Entscheidung getroffen haben. Die Blackbox zeichnet zwar alle Gespräche im Cockpit auf, überschreibt sie aber routinemäßig nach einer halben Stunde, wenn diese Funktion von den Piloten – zum Beispiel bei einem Notfall – nicht abgeschaltet wird. Aviation Herald schreibt:

„Die CVR-Aufzeichnungen des Zwischenfalls gingen verloren, da die Fortsetzung des Fluges bei gezogenem Leistungsschalter verboten war und das CVR in Minsk nicht gesichert/ausgelesen worden war.“

Die westlichen Lügen sind nicht mehr zu halten

Sollten die westlichen Medien überhaupt über diesen Untersuchungsbericht berichten, dann dürften sie sich auf die offenen Fragen stürzen und den Eindruck erwecken, Weißrussland sei schuld und habe etwas zu verbergen, weil es diese zwei offenen Fragen gibt, die Weißrussland – laut Bericht – nicht erschöpfend beantworten konnte.

Das allerdings wäre ein Ablenkungsmanöver, denn in den Kernfragen bestätigt der Bericht die Version Weißrusslands: Es gab zu keinem Zeitpunkt Druck auf die Piloten, sie haben die Entscheidung zur Landung in Minsk selbst getroffen und die Ryanair-Maschine wurde nicht von einer MiG-29 eskortiert oder gar zur Landung gezwungen.

Wenn man nun noch bedenkt, dass die EU und die USA den Vorfall als Grund für eine ganze Reihe neuer Sanktionen gegen Weißrussland angeführt haben, dann müsste man jetzt ja erwarten können, dass die westlichen Staaten sich entschuldigen, die Sanktionen zurücknehmen und dass die westlichen Medien ihre Falschmeldungen von Mai und Juni 2021 richtig stellen.

Das wird natürlich nicht passieren.

Der Erkenntnisse des ICAO und die Tatsache, dass die Ergebnisse der Untersuchung kaum groß in westlichen Medien thematisiert werden dürften, bestätigen, was der Anti-Spiegel schon damals vermutet hat: Es sieht ganz so aus, als hätte der Westen die Geschichte inszeniert, um einen Vorwand für neue Sanktionen und eine Medienkampagne gegen Weißrussland zu bekommen. Darauf gab es schon vorher einige Hinweise, zum Beispiel die Tatsache, dass die in EU-Staaten sitzende weißrussische Opposition die Verhaftung des Bloggers schon in sozialen Netzwerken gemeldet hat, als dieser noch gar nicht verhaftet war.

Bleibt noch hinzuzufügen, dass russische Medien über die Veröffentlichungen von Aviation Herald berichten, während im Blätterwald des Westens bei diesem Thema Windstille herrscht. So gut informieren die ach so freien, objektiven und kritischen westlichen Medien ihre Leser.