Kasachstan

Warum die Unruhen in Kasachstan offensichtlich eine weitere Farbrevolution sind

Die Anzeichen verdichten sich, dass es sich bei den Unruhen in Kasachstan um eine weitere vom Westen orchestrierte Farbrevolution handelt.

Nachdem ich in meinem ersten Artikel über die Unruhen in Kasachstan noch zurückhaltend mit einer Einschätzung war, bin ich mir nun aufgrund der Reaktionen des Westens sicher, dass es sich bei den Unruhen in dem Land um eine vom Westen orchestrierte Farbrevolution handelt. Das, und auch warum Kasachstan den USA so wichtig ist, will ich hier erklären.

Kasachstan in der Geopolitik

Das erklärte Ziel der Politik der USA ist es, Russland zu isolieren. Das gilt vor allem für die Beziehungen zu Russlands Nachbarn und Verbündeten. Kasachstan ist beides: Russlands Nachbar, ein enger politischer Freund Russlands und im Rahmen der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (OVKS) auch Russlands Verbündeter. Die OVKS ist ein Verteidigungsbündnis, in dem sich einige Staaten der ehemaligen Sowjetunion zusammengeschlossen haben, darunter unter anderem Russland, Weißrussland und Kasachstan.

Hinzu kommt, dass Kasachstan sehr reich an Öl und Gas ist und auch seine geografische Lage ist für die USA interessant, denn Kasachstan liegt zwischen Russland und China. Für die USA wäre es wie ein Lottogewinn, wenn sie Kasachstan auf ihre Seite ziehen und so einen (geografischen) Keil zwischen Russland und China treiben könnten. Von einer mittelfristigen Perspektive, dort US-Militärbasen aufzubauen, ganz zu schweigen.

Die USA – und damit auch ihre europäischen Satellitenstaaten – haben also allen Grund, sich einen Regimechange in Kasachstan zu wünschen.

Die Proteste

Der Grund für die Proteste in Kasachstan war die Aufhebung der staatlichen Subventionen für Gas, mit dem die Kasachen ihre Autos betanken. Aber obwohl die Subventionen nach Beginn der Proteste wieder eingeführt wurden und sogar die Regierung entlassen wurde, haben sich die Proteste nicht beruhigt, sondern sind eskaliert.

Dass die Proteste in Kasachstan nicht einfach Proteste unzufriedener Bürger sind, zeigen die Bilder aus Kasachstan, am Ende dieses Artikels verlinke und übersetze ich einen Bericht des russischen Fernsehens über die Proteste, der sich sehr von dem unterscheidet, was man im deutschen Fernsehen zu sehen bekommt.

Die Demonstranten gehen brutal vor und seit Beginn der Proteste wurden explizit Polizisten und Soldaten angegriffen. Bis zum Abend des 6. Januar wurden 18 Sicherheitskräfte von den Demonstranten getötet und 748 verletzt. Die Demonstranten haben auch Regierungsgebäude, darunter auch Waffenlager der Sicherheitskräfte gestürmt und sich bewaffnet. Es handelt sich also um bürgerkriegsähnliche Zustände, bei denen gezielt Polizisten und Soldaten angegriffen werden, aber eben nicht um friedliche Proteste.

Die Reaktionen des Westens

Wie der Westen über Unruhen in einem Land denkt, kann man sehr deutlich an den Kommentaren des Westens erkennen. Wenn es in einem westlichen oder pro-westlichen Land Unruhen gibt, werden die Demonstranten beschuldigt, Feinde der Demokratie zu sein und die Proteste scharf verurteilt. Wir erinnern uns als einleuchtendes Beispiel an die Stürmung des Kapitols in Washington. Politik und Medien waren deswegen entsetzt und unterstützen es, dass etwa 700 Menschen deswegen angeklagt sind und mit langjährigen Haftstrafen rechnen müssen.

Wenn es hingegen zu Unruhen kommt, die der Westen gut findet, weil der Westen sich in einem Land eine andere Regierung wünscht, dann ruft der Westen die Regierung des betroffenen Landes auf, die Menschenrechte zu achten, nicht hart gegen die Demonstranten vorzugehen und so weiter. Genau das erleben wir aktuell im Fall Kasachstans und im Westen kritisiert niemand das brutale Vorgehen der Demonstranten gegen die Sicherheitskräfte und die Ermordung von 18 Polizisten und Soldaten, die Stürmung von Regierungsgebäuden (inklusive eines Präsidentenpalastes) und so weiter.

Der Westen zeigt also sehr deutlich, auf wessen Seite seine Sympathien sind und da in Kasachstan viele westliche NGOs tätig sind, die auch Erfahrungen mit Farbrevolutionen haben, ist davon auszugehen, dass der Westen, so wie auch bei vergleichbaren Ereignissen in der Vergangenheit, seine Finger im Spiel hat. Details dazu, wie solche westlichen NGOs in der Vergangenheit Regimechanges durchgeführt haben, finden Sie hier.

Kasachstan ruft seine Verbündeten zu Hilfe

Der kasachische Präsident hat die Vorgänge in seinem Land am 5. Januar als Aggression von außen bezeichnet und seine Verbündeten von der OVKS um Hilfe gebeten. Das kam im Westen nicht gut an, die EU zum Beispiel hat nicht von den Demonstranten gefordert, die Gewalt einzustellen, sondern Forderungen an die OVKS gestellt:

„Wir haben die Entscheidung von Präsident Tokajew, die OVKS um Unterstützung zu bitten, zur Kenntnis genommen. Es besteht kein Zweifel daran, dass wir von den OVKS-Streitkräften erwarten, dass sie die Souveränität und Unabhängigkeit Kasachstans respektieren.“

Niemand in der OVKS hat ein Problem mit der Souveränität und Unabhängigkeit Kasachstans, im Gegenteil. Und Präsident Tokajew hat die Verbündeten selbst um Hilfe gebeten. Daher ist diese Erklärung der EU mehr als merkwürdig. Jedenfalls habe ich nie eine vergleichbare Erklärung aus Brüssel gehört, in der die EU sich sorgen um die Souveränität und Unabhängigkeit eines Landes macht, wenn ein Staat US-Truppen um Hilfe gebeten hat.

Das Weiße Haus kommentierte die Hilfe der OVKS folgendermaßen:

„Wir verfolgen aufmerksam die Berichte, dass die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit ihre kollektiven Friedenstruppen nach Kasachstan entsandt hat. Wir haben Zweifel an der Art des Ersuchens [Kasachstans], ob es sich um eine rechtmäßige Einladung handelt oder nicht.“

Auch das ist eine mehr als merkwürdige Erklärung, denn was soll daran unrechtmäßig sein, wenn ein Land seine Verbündeten um militärische Hilfe bittet? Die USA sind in so vielen Ländern militärisch aktiv, die die USA nicht einmal eingeladen haben, dass diese Erklärung des Weißen Hauses nur als zynisch bezeichnet werden kann.

Die Lage in Kasachstan

Nun kommen wir zu dem Bericht des russischen Fernsehens aus Kasachstan vom Abend des 6. Januar, den ich übersetzt habe. Ich empfehle Ihnen, sich den Bericht anzuschauen, denn zusammen mit meiner Übersetzung ist er auch ohne Russischkenntnisse verständlich und er zeigt Bilder, die in Deutschland nicht gezeigt werden. Nach der Übersetzung kommen wir noch kurz zu der Frage, ob die Ereignisse in Kasachstan Einfluss auf die Verhandlungen zwischen Russland und den USA haben, die am 10. Januar beginnen.

Beginn der Übersetzung:

Gestern Nacht herrschten in Almaty Chaos und Anarchie. Wer zufällig auf der Straße war, musste von einer Deckung zum anderen rennen, da überall Schüsse fielen. Organisierte bewaffnete Banden sind in der Stadt unterwegs. Sie haben die Arsenale mehrerer Polizeidienststellen und das lokale Büro des Nationalen Sicherheitskomitees besetzt. Die Mitarbeiter der Behörde verlassen das Gebäude mit erhobenen Händen.

Auch Plünderer hatten freie Hand: Supermärkte, Geschäfte und Bankfilialen wurden vollständig geplündert. Letztere wurden mit Baumaschinen angegangen.

Einige Einheimische versuchen vergeblich, die Plünderungen zu stoppen. Aber viele der Plünderer haben Waffen und schrecken nicht davor zurück, sie zu benutzen.

Die Plünderer zerstörten die Büros von fünf Fernsehsendern, die sie zunächst plünderten und dann in Brand setzten. Die Spezialeinheiten der Armee waren die ganze Nacht über in der Stadt. Im Morgengrauen begann in Almaty eine Anti-Terror-Operation.

Sie begannen vom zentralen Platz aus, wo Spezialeinheiten der Armee und gepanzerte Fahrzeuge mehrere Dutzend bewaffnete Mitglieder von Banden einkreisten, die Stadt von Radikalen zu säubern. Um die Mittagszeit wurden an den Eingängen der Stadt Barrikaden errichtet, offenbar um die Sicherheitskräfte daran zu hindern, Verstärkung heranzuziehen. Im Zentrum wurde die Säuberung fortgesetzt. Hier durchsuchen Soldaten ein Fahrzeug, in dem mehrere Karabiner gefunden wurden. Im Zentrum von Almaty kam es zu regelrechten Straßenkämpfen.

Zusätzliche Armeekräfte werden in das Zentrum verlegt, in den Straßen umherstreifende Banditen drohen Bewohnern, die sie mit ihren Handys aus den Fenstern ihrer Wohnungen filmen.

Bei Einbruch der Dunkelheit sind auf dem zentralen Platz von Almaty weiterhin Schüsse zu hören. Die Anti-Terror-Operation zur Säuberung der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans von bewaffneten Gruppen und Extremisten wird in der Stadt fortgesetzt.

Ende der Übersetzung

Die Gespräche zwischen Russland und den USA

Für den 10. Januar sind die ersten Gespräche zwischen Russland und den USA über gegenseitige Sicherheitsgarantien angesetzt, worum es dabei geht, können Sie hier nachlesen. Da es eine der Forderungen Russlands ist, dass die USA aufhören, in Russlands Nachbarschaft Regimechanges zu organisieren, dürften die Ereignisse in Kasachstan kaum zu einer Verbesserung des Gesprächsklimas beitragen, auch wenn die USA natürlich behaupten werden, mit den Ereignissen in Kasachstan nichts zu tun zu haben.

Das Weiße Haus teilte auf eine Frage von Journalisten mit, dass die Ereignisse in Kasachstan keinen Einfluss auf die anstehenden Gespräche haben würden. Ob Russland das genauso sieht, bleibt abzuwarten.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

40 Antworten

  1. Hallo Herr Röper,

    Ich wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr in unruhigen Zeiten und freue mich auf Ihr neues Buch.

    Netzfund:

    ⚡️Kasachstan⚡️Drahtzieher sitzen in Paris und Kiew

    Muchtar Ablyazov, Multimillionär & ehemaliger Energie- und Handelsminister Kasachstans, outet sich in aktuellen Videos & TV-Auftritten als „Oppositionsführer“ („kasachischer Chodorkowski“) und Drahtzieher der gut organisierten gewaltsamen & tödlichen Proteste / Terror
    in Kasachstan.

    👉Er gibt in Videos seine Pläne bekannt was die Protestler & radikalen Angreifer in Kasachstan wie und wann zu tun, zu besetzen und durchzuführen haben (Video-1).

    👉Er gibt zu dass er selbst im Exil in Paris ist und das „Stabquartier“ in der Ukraine in Kiew, von wo der Protest gelenkt werden.

    👉Video-2: Ablyazov ruft im ukrainischen TV bei „Ukraine 24“ (gehört ukrainischem Milliardär Achmetow) zum „nötigen“ Staatsumsturz auf.

    👉Ablyazov wurde in seiner Abwesenheit wegen Veruntreuung von Staatsgeldern als Minister und wegen Auftragsmorden in Kasachstan zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Frankreich gewährt ihm Asyl und liefert ihn nicht aus.

    Via Bürgerinitiative

    Wenn das stimmt, 1 : 0 für RU!👍🏻

    Demnächst fliegen ja ein Franz und ein Jens Plötner nach Moskau!

    Herzliche Grüße
    Salander

  2. Kasastan ist für Russland so unverzichtbar, wie Kanada für die USA.
    7.000 km schwer kontrollierbare Grenze haben beide gemeinsam.
    Die offensichtlich lange vorbereiteteen Unruhen (es wird ja nicht mehr für oder gegen etwas demonstriert, sondern nur noch randaliert und geplündert) sind ein orgaanisierter Mob, der offensichtlich as Frankreich, Ukraine und Polen gesteuert wird.
    Hier müsste mit der „chinesischen Methode“ eingegriffen werden: Land abriegeln (schwer, aber machbar) und Internet etc. blockieren. Einfach laufen lassen geht nicht, dann hätte das Land einen permanenten Bürgerkrieg, sehr zur Freude der NATO-Länder.

    1. …genau, und dat hat die USA/NATO ja ganze Arbeit geleistet, wenn bis zu 20.000 Kämpfer nun in Almaty wüten, das muss ja schon sehr lange vorbereitet gewesen sein, jetzt war wohl der richtige Zeitpunkt für die Strategen in Washington etc….das passt alles wie Faust aufs Auge

  3. Das Ganze erinnert mich an die Ukraine. Gerade die Gewalt gegen die Sicherheitsorgane war damals ein wesentliches Merkmal. Die Demonstranten wurden vom Westen trainiert, Polizeiketten auseinander zu reissen. Und auf den Dächern waren Scharfschützen, die für Unruhe sorgten. Ein gleiches Bild sehe ich jetzt wieder und da verstärkt sich bei mir die Vermutung das G. Soros mal wieder seine dreckigen Finger im Spiel hat.
    Ich kann mir nur wünschen, daß die Kasachen rigoros gegen die Aufständischen vorgeht. China hatte seine Farbrevolution erfolgreich abgewehrt, daran sollte sich Kasachstan ein Beispiel nehmen.

    1. Interessante Erlebnisse und „Erkenntnisse“ eines ukrainischen Politologen:

      _____://riafan.ru/1583474-zastryavshii-v-alma-ate-ukrainec-raskryl-nepriyatnye-dlya-kieva-podrobnosti-besporyadkov
      06.01,2022
      „Застрявший в Алма-Ате украинец раскрыл неприятные для Киева подробности беспорядков
      …“

      GeDeepLt:

      In Almaty gestrandeter Ukrainer enthüllt für Kiew unangenehme Details der Unruhen

      Almaty, 6. Januar. Der ukrainische Politologe Andriy Bordov wartete auf dem Flughafen Alma-Ata auf seinen Flug nach Kiew, als eine Gruppe von Radikalen den Flughafen stürmte.

      Der Politikexperte sprach in einer Live-Sendung des ukrainischen Fernsehsenders Nash über die Einnahme des Flughafens und seine Flucht mit Hunderten von anderen Passagieren.

      Bordov gab an, dass er von Nur-Sultun aus geflogen sei, in Almaty umsteigen und nach Kiew fliegen sollte. Er gab zu, dass er buchstäblich eine halbe Stunde vor dem Einsteigen in sein Flugzeug stand. Das Moskauer Flugzeug war bereits voll beladen, hatte aber keine Zeit zum Abheben. Das Flugzeug blieb mehr als sechs Stunden lang auf der Landebahn stehen, umringt von einem wütenden Mob von Randalierern. Den Radikalen gelang es sogar, einige der Flugzeuge zu beschädigen. Einige versuchten, sie zusammen mit den Fahrgästen in Brand zu setzen.

      Andrej stand bereits an seinem Gate, als eine Gruppe bewaffneter Männer in den Saal stürmte. Der Politiker beschwerte sich, dass seine Fluggesellschaft die Passagiere ohne jegliche Koordination zurückgelassen hatte. Er und etwa tausend andere Menschen, die nicht auf ihre Flüge gewartet hatten, rannten schließlich kopflos die Startbahn hinunter. Sie hatten Glück, dass das Sicherheitspersonal des Flughafens sie in das Frachtterminal ließ und sie zu dem Tor führte, durch das sie die Stadt betraten. Ihre 33-köpfige Gruppe, die nach Kiew fliegen wollte, versuchte dann, die Anweisungen des ukrainischen Außenministeriums zu befolgen, die besagten, dass man in einem Notfall die Botschaft oder das Konsulat anrufen solle und die Diplomaten helfen würden. In Wirklichkeit war es nicht so einfach, und zur Angst um ihr Leben gesellte sich die Scham über die ukrainischen Behörden und insbesondere über das ukrainische diplomatische Korps in Kasachstan.

      „Es war beängstigend und dann beschämend für die Ukraine. Nur durch die persönlichen Beziehungen eines unserer Flüchtlinge konnte ich den Konsul erreichen. Im Konsulat ging niemand ans Telefon. Der Diplomat gab uns die Nummern von Personen, die wir anrufen und um Hilfe bitten sollten. Sie versicherten uns am Telefon, dass sie 9 Plätze reserviert hätten, obwohl wir 33 ukrainische Staatsbürger waren, und baten uns dann, auf die Evakuierung zu warten. Es kam nie jemand, und so suchten wir bereits auf eigene Faust nach einer Unterkunft. Ich zum Beispiel wohnte bei einem Bekannten eines meiner Leidensgenossen. In der Nacht erhielten wir einen Anruf vom Konsulat und wurden angewiesen, uns ruhig zu verhalten, bis sich die Situation geklärt hatte. Das war das Ende des Engagements der Diplomaten“, empörte sich Bordov.

      Der politische Analyst merkte ironisch an, dass dies für die derzeitigen ukrainischen Behörden unangenehm sein mag, aber die Massenunruhen in Kasachstan erinnern am ehesten an die letzte Phase des Euromaidan im Jahr 2014 und sehen nicht nach spontanen Protesten aus. Gruppen von gut ausgebildeten, bewaffneten Kämpfern nehmen schnell und professionell Verwaltungs-gebäude in Beschlag, schießen auf Polizeibeam-te und plündern Arsenale. Bordov zeigte sich zuversichtlich, dass die Unruhestifter in erster Linie nichts mit friedlichem Protest zu tun haben. Es handelt sich um dieselben „aufgelade-nen“, speziell ausgebildeten Radikalen wie diejenigen, die 2014 Berkut-Kämpfer im Zentrum Kiews angriffen und zur gleichen Zeit Büros des Innenministeriums und des SBU im ganzen Land angriffen und Genossen auf dem Maidan mit scharfer Munition versorgten.

      Die Moderatoren wurden nach diesen Worten nervös und versuchten, das Gespräch zu lenken, indem sie an die Flucht einiger hochrangiger kasachischer Beamter am ersten Tag der Unruhen erinnerten. Der politische Analyst fuhr jedoch fort, über das seltsame Verhalten der „friedlichen Demonstranten zu sprechen, die Elektronikgeschäfte und Julevirka zerstörten und plünderten“, Geldautomaten demolierten und auf Sicherheitskräfte schossen.

      Schließlich bekräftigte er, dass es ihn so sehr an Kiew im Jahr 2014 erinnere, dass er Angst habe und sich schäme, sowohl für seine Landsleute, die den Maidan zugelassen hätten, als auch für die Kasachen, die ihr Land in denselben Abgrund treiben würden.
      …“

  4. Ich denke nicht, dass es sich hier um eine „klassische“ Farbrevolution handelt. Nachdem die letzten Versuche einer Farbrevolution in Venezuela, Bolivien und Weißrussland gescheitert sind, dürfte dem Westen klar sein, dass das nicht mehr funktioniert.
    Es geht hier wohl eher „nur“ darum, maximales Chaos zu verursachen, als wirklich ernsthaft einen Regimechange zu erreichen.
    Vor den anstehenden Verhandlungen mit Russland scheint man sich davon etwas zu versprechen. Außerdem könnte das der Auftakt einer groß angelegten Zündelorgie in der Region sein, der nicht nur Russland und den Stans schadet, sondern auch China und seiner Belt and Road-Initiative.

    1. keine klassische Farbrevolution …
      Damit dürften Sie recht haben. Wer den Auslöser für die Unruhen ignoriert, begibt sich schnell in falsches Fahrwasser. Auslöser war bekannrtlich die Verdoppelung der Gaspreise, praktisch aus den gleichen Gründen wie in Deutschland. Hierzulande hält das angepasste Volk das Maul und hat keinen Grund, die aufmüpfigen „Kasachen“ gleich mal als ‚gesteuert‘ zu verunglimpfen. Zum anderen ist die Entmachtung des früheren Machthabers Nasarbajew entscheidend. Dessen mächtiger Clan ist stark genug, um das Land im Gegenzug ins Chaos zu stürzen. Westliche NGOs haben natürlich ihre helle Freude an der Entwicklung und versuchen im Trüben zu fischen, wie es so passend heißt. Die berechtigten und leider wieder einmal korrumpierten Interessen der Menschen von vornherein zu übergehen (wo gibt es dieses Phänomen nicht!) ist mehr als bedauerlich.

    2. „Ich denke nicht, dass es sich hier um eine „klassische“ Farbrevolution handelt“

      Dass es nicht einmal ein Konzept für ein neues prowestliches Regime gab, sah man auch am Umgang der „Revolutionäre“ mit den Medien. Als sie das Fernsehgebäude in Almaty besetzt hatten, wären Bilder wie diese hier https://www.youtube.com/watch?v=E2_wbfCIa2o (Rumänien 1989) die nächste logische Konsequenz gewesen. Doch stattdessen wurde das Medium Fernsehen nicht einmal genutzt, es gab offenbar kein Konzept für ein geregeltes Folgeprogramm. Stattdessen blendeten die Techniker, bevor man sie aus dem Gebäude gejagt hatte (das danach geplündert wurde) schlicht und einfach ein Testbild ein:

      https://twitter.com/KimjongilPower/status/1478710980695707652

  5. Nach dem ersten Schockmoment aufgrund der auf den ersten Blick gut orchestrierten Aktionen kann man ja konstatieren, dass diese mutmaßliche Revolution wohl nicht als Revolution geplant war, sondern nur als Warnung an Russland und um zu beobachten wie Russland reagiert und wie schnell Russland reagiert. Demzufolge war das durchaus erfolgreich für den Westen. Ein erfolgreicher Regime-Change in Kasachstan war anscheinend gar nicht gewollt, aber dem ablehnend gegenüber war man wohl auch nicht und es hätte die Aktion für den Westen nur noch versüßt. Dieser Ansicht komme ich, weil die gut orchestrierten Aktionen ziemlich schnell in sich zusammengefallen sind – also sozusagen die Luft aus dem Ballon entwichen ist – und man daraus schließen kann, dass Polizei und Militär bzw. deren Führungskräfte nicht eingeweiht waren oder dagegen waren.
    Hier geht es wohl um die altbekannte Strategie aus den Zeiten des Kalten Kriegs wovon die Rand Corporation berichtete: Russlands Kräfte überdehnen (damals Sowjetunion).

  6. Ich hatte schon unter Ihrem vorherigen Beitrag zur Situation in Kasachstan kommentiert:
    „Ich sehe das Problem darin, dass es nach dem Zusammenbruch des „Ostblocks“ kein Gebiet mit einer alternativen Gesellschaftsordnung mehr gibt. In den Nachfolgestaaten der Sowjetunion herrscht Feudalkapitalismus, einige Wenige haben sich, die Gunst der Stunde nutzend, meist aus Führungspositionen heraus, schamlos am ehemaligen Volkseigentum bereichert. Dies betrifft genauso die RF. Das schafft die Grundlage für von aussen initierte Farbrevolutionen, bunte Bilder aus dem „Westen“, massive Beinflussung durch ausländische Medien und NGO, Beeinflussung mit eigentlich wertlosen bunten Scheinen, da geht ganz schnell bei der Masse der Bevölkerung unter, dass hier der Teufel mit dem Belzebub ausgetrieben wird. Die einfache Bevölkerung der DDR hat das dann auch zu großen Teilen erfahren müssen, die Ukraine wäre auch ein neueres Beispiel. Was wir erleben ist einfach Imerialismus(bzw. Faschismus), der Kampf um Einflussphären (hatte es gerade mit drei „S“ geschrieben, nein geht gar nicht) und Rohstoffe. Um Irrtümern vorzubeugen, ich finde die Position der RF unter W.Putin hervorragend. Er wurde aber auch noch anders sozialisiert und versucht, wenigstens im Ansatz, den sozialen Frieden in der RF zu erhalten (alle Angaben ohne Gewähr).
    Nach erfolgreicher Übernahme hat die „normale“ Bevölkerung dann nur das Problem, dass sich nicht mehr nur die nationalen Oligarchen die Taschen füllen…. Siehe Ukraine mit Reversgas und Fa. Biden…“
    Ich sag mal so, selbstverständlich ist hier die „5te Kolonne“ der USA unterwegs, kriegsvorbereitend. Ein Mehrfrontenkrieg ist immer problematisch. Und was treibt unterdessen die Bevölkerung der BRD? Erhöhung der Verbrauchsbesteuerung ohne Ende. Nach Mitteilungen des RND werden wohl über ein Viertel (!) der Werktätigen von der Erhöhung des Mindestlohnes „provitieren“. Was sagt uns das?

    1. Genau , Putin hat früh genug den Oligarchen im Lande Einhalt geboten und hält nun das Land mit starker Hand zusammen – und schützt das Volk bestmöglich vor ausländischer Ausbeutung.

      1. Er hat nur der völligen Ausplünderung des Landes Grenzen gesetzt, er (Putin) hat mit Sicherheit -deswegen meine Betonung auf seine Sozialisierung – im Rahmen der bestehenden Möglichkeiten, um nicht wie Kennedy zu enden, die russische Situation m Rahmen seiner Möglichkeiten stabilisiert.

  7. „Auch das ist eine mehr als merkwürdige Erklärung, denn was soll daran unrechtmäßig sein, wenn ein Land seine Verbündeten um militärische Hilfe bittet? Die USA sind in so vielen Ländern militärisch aktiv, die die USA nicht einmal eingeladen haben, dass diese Erklärung des Weißen Hauses nur als zynisch bezeichnet werden kann.“

    Das ist keine merkwürdige Erklärung. Das ist die konsequente Fortführung der üblichen US-EU Linie: Für die US-EU nicht genehme Regierungen einfach als illegitim bezeichnen, um dann angeblich für das unterdrückte Volk zu sprechen und zu agieren.

  8. Da lässt sich prima eine Lektion für die Situation hierzulande (DE) ableiten, du kannst dich noch so sehr anstrengen und dich vor dem Regime beugen, du wirst niemals in Ruhe gelassen werden. Der einzige Weg aus dieser Sackgasse, ist Widerstand.

    Kasachstan hat vor einigen Jahren seine Amtssprache, bzw. das Alphabet, vom Kyrillischen ins Lateinische geändert, ich bin mir nicht mehr sicher was genau die Hintergründe bzw. die offizielle Begründung war, ich kann mich nur noch erinnern, beim Lesen der Meldung gelacht zu haben. Ich lache immer noch. Da hat man sich so sehr bemüht, mit dem Westen mit zu schwimmen und sich so weit nach vorne gebückt, dass man dem eigenen Volk plötzlich vorschreibt, es soll jetzt die gleiche Sprache anders schreiben, mit den Buchstaben des Westens… und dann kommt die vom westen angezettelte Farbrevolution doch noch.

    Also, meine Damen und Herren, mit Boostern bis der Arzt, der Pfarrer und dann der Bestatter kommen ist es nicht getan, die lassen euch nie wieder in Ruhe. Widerstand ist der einzige Weg. In dem Sinne noch eine kleine Rechenaufgabe, wenn die EU 447 Millionen Einwohner hat, Brüssel jetzt aber 4,6 Milliarden Impfdosen gekauft bzw. bestellt hat (und über noch mehr verhandelt!), wie oft wird sich jeder Bürger boostern müssen, bis alle Impfdosen verbraucht sind? Für die Zahlen habe ich leider keine allzu vertrauenswürdige Quelle, da muss jeder für sich entscheiden ob ihr den Angaben von „bundesregierung.de“ glaubt.

  9. Stichwort US-Militärstützpunkt: In unserem Veteranenchor (Nishnij Nowgorod) sind u.a. 2 ehemalige Offiziere von den Geheimen. Interessant, mit denen zu reden. Einmal ging es um Kasachstan. Ich hatte rund 10 Jahre zuvor gehört / gelesen, dass es dort US-Stützpunkte gibt und gemeint, dass diese Schakale eh nie wieder abziehen wollen. Die Antwort: „Wollen wollten sie nicht, aber es gibt keine US-Stützpunkte mehr dort“.
    Das dazu. Stichwort: Polizistenmorde: 18 Polizisten sollen ermordet worden sein – das ist noch weitestgehend im Rahmen der Norm, aber – einer davon (bei EuroNews hieß es „mehrere“) ist enthauptet worden. Das ist eine Tradition, die der Region fremd ist und die ein zweifelhaftes Licht auf die Akteure wirft. Diese können in den seltensten Fällen Russisch oder Kasachisch, womit einiges klar sein dürfte.

    1. Zuerst berichtete die halbstaatliche Agentur AFP über die Enthauptungen. Was für Salanders obigen Kommentar spricht, dass Paris mit dem Geschehen zu tun hat oder zumindest eingeweiht war.

    2. Gerade sendete Rossia24 eine Rede von Tokaev, in der er dem besonnenen Teil seiner Landsleute dankt und Besserung verspricht. Er erwähnte, dass etwa 20.000 Interventen allein in Alma Ata (Almaty) festgestellt wurden.Heilige Milchkuh! Wenn das keine fremdgesteuerte Intervention ist, heiße ich ab sofort Emil.

  10. Bemerkenswert ist, wie diese Gewalt-Orgie zum „Aufbegehren des Volkes“ verklärt wird und wenn man umgekehrt sieht, dass zum Beispiel im Fall von Chemnitz, wo ein Beweis-Video eine „Hetzjagd“ zeigte, dass einer hinter einem anderen herlief, die Republik den Atem anhielt.

    Was hier in Deutschland „abgeht“ ist immer ausgesprochen niedlich und auch lächerlich. Dort werden Köpfe abgesäbelt, hier fliegen Wattbäuschchen und werden falsche Pronomen benutzt.

  11. Afghanistan ist nicht weit entfernt. Und die isr. ISIS in Syrien unterfordert. In Kasachstan gibt es ca. 14.000 NGOs.

    MOSKAU, 7. Januar – RIA Nowosti. Der in Abwesenheit in Kasachstan verurteilte Ex-Chef der BTA Bank , Mukhtar Ablyazov , bezeichnete sich selbst als Anführer der Opposition und der Proteste im Land.
    In Kasachstan begannen in den frühen Tagen des Jahres 2022 Massenproteste. Dann widersetzten sich die Bewohner der Städte Zhanaozen und Aktau in der Region Mangistau – einer Ölförderregion im Westen des Landes – einer Verdoppelung der Preise für Flüssiggas, dann breiteten sich die Proteste auf andere Städte aus. In Alma-Ata , der alten Hauptstadt der Republik, kam es am 4. und 5. Januar zu Zusammenstößen mit Sicherheitskräften, die Polizei setzte Gas und Blendgranaten ein. In ganz Kasachstan wurde das Internet abgeschaltet und die Ausstrahlung einer Reihe von Fernsehsendern vorübergehend eingestellt. In Kasachstan wurde der Ausnahmezustand verhängt.

    Link
    @unzensiert_infoseite
    @unzensiert / @unzensiertV2

  12. „Eine Lehre aus der Vergangenheit: Wenn die Russen in deinem Haus sind, kann es schwer sein, sie zum Gehen zu bewegen“

    Und das sagt wer? … Richtig, der us-amerikanische Außenminister!
    ______://vz.ru/news/2022/1/7/1137715.html

    „Brüller“ trifft es hier noch nicht einmal annähernd….

  13. Eine der beiden Hauptrouten der neuen Seidenstraße läuft durch Kasachstan soweit ich weiß. Also noch ein weiter wirtschaftlicher Grund, hier für eine gewisse Instabilität zu sorgen.

      1. Ein paar aktuelle Details zu Venezuelas Guiado gibt es ebenfalls, über eine Google-Suche zu „Venezuelan Opposition Curb Powers of Their Leader Guaido“.

        Kurzfassung: Nicht einmal die selbsternannte Oppositions-„Nationalversammlung“ steht noch hinter Guiado: Zwar hat man sein „Mandat“ für ein Jahr verlänger. Sein Zugriff auf Gelder und Institutionen wurde jedoch stark eingeschränkt (wegen immer mehr Korruptionsvorwürfen). Die EU zieht ihre Unterstüztung langsam zurück, einzig die USA halten ihn noch für den legitimen Präsidenten Venezuelas.

        Was auch damit zusammenhängen könnte, dass Guiado aktuell noch das Sagen hat über die Citgo Holding Inc, eine der größeren Raffinerie- und Tankstellenketten in den USA. Maduro hat 49.9 % von Citgo an die russische Rosneft verpfändet, die US-Regierung ist gar nicht glücklich mit der Vorstellung, bei einem Abtritt Guaidos ihren Sprit von den Russen zu kaufen zu müssen …

        Die Geister, die ich rief.

  14. Wenn jetzt Russland 2500 bis 5000 Fallschirmspringer nach Kasachstan entsendet, können diese an der Grenze zur Unkraine nicht mehr eingesetzt werden.
    Nebenbei bekommen Aufklär-Satelliten dann mit, woher die die Soldaten kommen (und wo sie ggf. fehlen)
    Aus meiner Sicht handelt es sich um ein Ablenkungsmanöver um Russland zu beschäftigen.

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