Dass die russische Regierung sich längst im Krieg mit dem kollektiven Westen sieht, habe ich schon oft berichtet. Das ist auch kein Wunder, denn der Westen liefert der Ukraine Waffen, Aufklärungsdaten, Geld und so weiter für ihren Kampf gegen Russland. Außerdem sind NATO-Generäle ganz offen in die Planungen und in die operative Steuerung der Kampfhandlungen gegen Russland eingebunden. Welche Regierung würde Länder, die sich so verhalten, nicht als Kriegspartei betrachten?

Um richtig verstanden zu werden: Es geht jetzt nicht einmal um die Frage, wem man die Schuld an den Ereignissen in der Ukraine gibt. Es geht mir nur um Fakten und um die Gefahren, die daraus erwachsen. Die Europäer können Russland ja für die Ausgeburt des Bösen halten, wenn sie unbedingt wollen, aber es stellt sich die Frage, wie es um ihren Selbsterhaltungstrieb bestellt ist, wenn sie faktisch zur Kriegspartei gegen die größte Atommacht der Welt geworden sind.

Der US-geführte Westen hat seine Waffenlieferungen für die Ukraine seit Februar 2022 immer weiter aufgestockt. Von Schutzwesten im März 2022 zu Leopard-Panzern ein Jahr später und atomwaffenfähigen Kampfflugzeugen in naher Zukunft. Kiew greift immer offener russisches Gebiet an und es stellt sich die Frage, wann Russland darauf mit einem Schlag gegen diejenigen reagiert, die die Waffen dafür liefern.

Die westlichen Regierungen wissen schließlich, dass Kiew ihre Waffen auch für Angriffe gegen russisches Gebiet nutzt. Das zeigt schon die offizielle Sprachregelung, denn die lautet, man unterstütze keine Angriffe auf russisches Gebiet, aber letztlich müsse Kiew entscheiden, wie es die Waffen einsetzt.

Dass die russische Regierung sich tatsächlich mit dem Westen im Krieg sieht, zeigt eine aktuelle Äußerung des russischen Außenministers Lawrow. Ein Journalist aus dem Kreml-Pool fragte Lawrow nach den Erklärungen aus den USA, sie könnten bald ATACMS-Raketen mit 300 Kilometer Reichweite an Kiew liefern. Lawrows Antwort war:

„Ich bin nicht in der Lage, deren Erklärungen zu kommentieren, die haben sieben Freitage pro Woche. Vielleicht bereiten sie die öffentliche Meinung darauf vor. Aber dass das nichts am Kern der Lage ändert, ist eine Tatsache. Aber was passiert, ist, dass die Ukraine jahrelang darauf vorbereitet wurde, mit ihren Händen und ihrem Körper zu kämpfen, um Russland eine strategische Niederlage zuzufügen. Egal, was sie sagen, sie steuern diesen Krieg, sie liefern Waffen, Munition, Geheimdienstinformationen, Satellitendaten – sie führen einen Krieg gegen uns.“

Die Aussage „die haben sieben Freitage pro Woche“ ist eine russische Redewendung, mit der Leute charakterisiert werden, die unberechenbar sind.

Man muss hierbei bedenken, dass Lawrow ein Berufsdiplomat mit fast 50 Jahren Berufserfahrung ist, der es gewohnt ist, seine Worte immer genau abzuwägen. Er ist keiner von denen, die unbedachte Äußerungen machen.

Irgendjemand sollte den Traumtänzern, die in Europa Regierungen spielen dürfen, mal erklären, dass sie de facto einen Atomkrieg riskieren. Sie dürfen Russland ja gerne für böse halten, aber das sollte kein Grund sein, die eigene Existenz beenden zu wollen. Russland immer weiter zu provozieren und sich darauf zu verlassen, dass Putins Geduld ewig hält, scheint mir keine durchdachte Politik sein.

Ich schreibe das ganz bewusst für all jene, die Russland für böse halten, denn ich hoffe, dass sie trotz allem noch genug gesunden Menschenverstand bewahrt haben, um zu verstehen, dass ein schlechter Frieden immer noch besser ist als ein guter Krieg. Und eines sollte allen klar sein: Einen guten Krieg, noch dazu möglicherweise mit Atomwaffen, kann es in Europa nicht geben.

Aber genau so einen Krieg riskieren die von der Leyens, Baerbocks, Scholz, Stoltenbergs und wie sie alle heißen mögen. Anscheinend ist ihnen das nicht einmal bewusst.