Die Gasknappheit in Europa dürfte sich verschärfen
Die Gasknappheit in der EU dürfte sich verschärfen, denn die USA haben den Bau neuer LNG-Terminals gestoppt, die Flüssiggas nach Europa liefern sollten, und die Ukraine will ihren Gastransitvertrag Ende 2024 auslaufen lassen.
Die Meldung hat in deutschen Medien nicht viele Schlagzeilen gemacht, aber sie war für die Branche ein Alarmsignal. Am Freitag gab das Weiße Haus bekannt, dass die US-Regierung alle neuen Entscheidungen über LNG-Exporte so lange aussetzen werde, bis das Energieministerium neue Kriterien für Genehmigungen vorlegt.
Der Hintergrund ist, dass der Export von LNG in den USA stark angestiegen ist, die USA sind inzwischen der größte LNG-Exporteur der Welt. Um die Nachfrage zu decken, müssen neue LNG-Terminals gebaut werden und diese Baumaßnahmen sind damit erst einmal gestoppt.
Die USA als zuverlässiger Gaslieferant?
Da die EU beschlossen hat, sich vom billigen russischen Gas zu trennen und lieber das teurere US-Frackinggas zu kaufen, das als Flüssiggas (LNG) nach Europa transportiert wird, dürften die Gaspreise in Europa dadurch weiter steigen, denn die EU hat auf steigende Lieferungen aus den USA gesetzt, um die angebliche Abhängigkeit vom bösen russischen Gas zu beenden. Allerdings hat es mit den Lieferungen aus Russland in über 50 Jahren nie Probleme gegeben, mit den angeblich so zuverlässigen USA beginnen die Probleme schon jetzt.
Das Handelsblatt schreibt über die Auswirkungen:
„Sefe, einer der großen Gasimporteure Deutschlands, sieht die Ankündigung kritisch: „Das von der US-Regierung einseitig beschlossene Moratorium betrifft uns als Unternehmen und generell die Stabilität und Versorgungssicherheit der europäischen Energiemärkte. Wir werden nun gemeinsam mit unseren Partnern in den USA die Folgen einer solchen Entscheidung bewerten“, hieß es bei Sefe.“
LNG ist teuer und schmutzig
Besonders heikel ist die Entscheidung aus Washington aber noch aus einem anderen Grund, denn die EU-Kommission und Bundesregierung – und vor allem die Grünen – erzählen uns ständig, dass die Reduzierung von Treibhausgasen angeblich oberste Priorität hat, weil die Welt sonst wegen des angeblich menschengemachten Klimawandels untergeht.
Das Weiße Haus hat die Entscheidung mit einer eigenen Analyse begründet, in der es heißt, wenn alle geplanten LNG-Projekte ungebremst weiterlaufen, würden 3,2 Milliarden Tonnen Treibhausgase zusätzlich freigesetzt. Das wäre mehr, als die gesamte EU in einem Jahr ausstößt.
Und dieses LNG aus den USA präsentieren uns die Klimabewegten in Berlin und Brüssel als Alternative zum viel saubereren russischen Pipelinegas!
Der ukrainische Transit
Wir erinnern uns noch daran, dass eines der wichtigsten Argumente der Gegner von Nord Stream 2 war, dass die Ukraine ihre Einnahmen aus dem Gastransit verlieren könnte, weil Russland den ukrainischen Transit mit Nord Stream 2 umgehen könnte. Der aktuelle Transitvertrag, mit dem die Ukraine russisches Gas nach Europa pumpt, läuft Ende 2024 aus. Kiew hat bereits mehrfach erklärt, dass es den Vertrag nicht verlängern will, obwohl die Ukraine dadurch Milliarden an Transitgebühren verdient. Das bedeutet allerdings, dass der EU ab Januar 2025 weiteres Gas fehlen wird, das dank der Entscheidung aus Washington zumindest vorerst nicht von den USA ersetzt werden kann.
Das Handelsblatt berichtet zwar, dass zwei geplante Flüssiggas-Terminals in Griechenland das Problem lösen und das bisher durch die Ukraine kommende russische Gas ersetzen sollen, aber die Frage ist, woher das viele LNG kommen soll. Und selbst wenn genug LNG verfügbar sein sollte, dürfte die steigende europäische Nachfrage die Preise auf dem Weltmarkt weiter erhöhen.
Russland freut das sogar, denn auch Russland baut den Export von LNG aus. Die EU ist übrigens der größte Abnehmer von russischem LNG und auf Russland entfallen über zehn Prozent der europäischen LNG-Importe. Daher dürfte die Ironie an der Geschichte sein, dass Russland seinen Anteil am LNG-Import der EU noch ausbauen kann, was bedeuten würde, dass die EU weiterhin russisches Gas kauft, nur eben als teureres LNG anstatt als günstiges Pipelinegas.
Übrigens will auch die Ukraine ab 2025 kein russisches Gas mehr beziehen, sondern von der EU mit dem ohnehin knappen LNG beliefert werden.
Korrupte Geschäfte
In dem Artikel des Handelsblattes findet sich ein sehr interessanter Absatz:
„Die Ukraine selbst kauft schon seit 2015 kein Gas mehr direkt in Russland ein, sondern bezieht Gas aus Westen, vor allem aus der Slowakei, Ungarn und Polen. Dabei handelt es sich auch um russisches Gas, das zuvor im Transit durch die Transgas-Pipeline über die Ukraine nach Westeuropa gepumpt wurde.“
Was hier so nebenbei erwähnt wird, ist eines dreistesten Korruptionsgeschäfte überhaupt.
Nehmen wir das kurz auseinander: Das Handelsblatt schreibt, die Ukraine „bezieht Gas aus dem Westen“, um danach hinzuzufügen, dass es sich dabei um russisches Gas handelt, das nie im Westen gewesen ist, sondern während des Transits aus der Pipeline ins ukrainische Gasnetz gespeist wird.
Wenn Gas zurückgeleitet wird, nennt man das „Revers“. Wenn das Gas, wie in diesem Fall, nur auf dem Papier zurückgeleitet wird, nennt man das „virtuellen Revers“. Leser des Anti-Spiegel wissen von diesem viruellen Revers schon seit Juni 2020. Und im Juli 2020 habe ich das erste Interview mit Alexander Onischenko veröffentlicht, der nach dem Maidan die rechte Hand des ukrainischen Präsidenten Poroschenko gewesen ist. In dem Interview hat Onischenko die Geschichte mit dem Gas-Revers genau erklärt.
Während der Öffentlichkeit seit 2015 erzählt wurde, die Ukraine kaufe Gas aus Europa, wussten Experten natürlich, dass es sich dabei um virtuellen Revers gehandelt hat, und dass die Ukraine weiterhin russisches Gas kauft, das in EU-Ländern lediglich „umgestempelt“ wird. Und damit wurden Milliarden verdient.
Formell haben Zwischenhändler in der EU russisches Gas bestellt und der Ukraine verkauft, die das Gas direkt aus der Transitpipeline gezapft hat. Allerdings haben die Zwischenhändler dafür eine „kleine Gebühr“ von bis zu 100 Dollar pro tausend Kubikmeter Gas genommen. Wenn man bedenkt, dass die Ukraine das russische Gas damals direkt bei Gazprom für etwa 200 Dollar gekauft hat, bevor sie auf „europäisches“ Gas umgestiegen ist, versteht man, dass die „kleine Gebühr“ etwa 50 Prozent Aufschlag auf den ursprünglichen Gaspreis ausgemacht hat. Die Zwischenhändler haben damit jedes Jahr Milliarden verdient.
Als ich 2020 darüber berichtet habe, galt das noch als böse Verschwörungstheorie und „russische Propaganda“. Aber alles, was Onischenko mir erzählt hat, hat sich später als wahr herausgestellt. Dass für die Umetikettierung des Gases 100 Dollar pro tausend Kubikmeter in Rechnung gestellt wurden, wurde in der Ukraine beispielsweise Ende 2021 öffentlich.
Langjährige Leser des Anti-Spiegel kennen die Geschichte und wissen, wer diese Milliarden verdient hat. Die Geschichte findet sich auch in meinem Buch „Das Ukraine-Kartell“ über die korrupten Geschäfte des Biden-Clans in der Ukraine, denn den Gas-Revers hat der Biden-Clan kontrolliert. Bezahlt haben das die ohnehin bettelarmen Ukrainer über ihre Gas-, Strom- und Heizrechnungen.
Aber all das brauchen die Leser des Handelsblattes ja nicht zu wissen…
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