Die CIA deckt Heroinproduktion in Afghanistan – Wie Arte die Zuschauer für dumm verkauft

Wie immer freue ich mich, wenn Arte seine Sendung „Mit offenen Karten“ zeigt. Diese Sendung ist ein Geschenk, wenn man sehen will, wie die Propaganda der USA/NATO funktioniert. Als nun eine Sendung über Afghanistan herauskam, da wusste ich schon vorher, was ich zu erwarten hatte: Böse Russen und gute Amerikaner und natürlich eine kräftige Verfälschung der Geschichte. Ich wurde nicht enttäuscht und bin im Gegenteil wieder aufs Neue fasziniert davon, wieviel Unwahrheiten Arte in eine 12-Minuten-Sendung packen kann.

Es geht denn auch wie erwartet los: „Im Kalten Krieg besetzte die Sowjetarmee das Land, nach dem 11. September 2001 stand es im Zentrum des Krieges gegen den Terrorismus und der US-Intervention

Man sieht schon hier an den Formulierungen, wohin die Reise geht: Die „Sowjetarmee“ hat das Land „besetzt„, die USA haben „interveniert“. Bei den Russen also die Worte „Besetzung“ und „Armee„, wenn die USA das gleiche tun, dann ist es eine „Intervention“ ganz ohne „Armee“. So werden beim Zuschauer unterbewusst durch Formulierungen Assoziationen gebildet, die die USA als nett und die Russen als böse hinstellen.

Nachdem es dann einige Informationen über Geografie, Bevölkerung und Sprachen in Afghanistan gibt, kommt dann wieder der politische Teil, der damit beginnt, dass Russland im 20. Jahrhundert ein Auge auf Afghanistan geworfen hat. Nun war das gar nicht Russland, es war die Sowjetunion, die genau wie die USA, auf die an sie angrenzenden Länder einen gewissen Einfluss ausüben wollte.

In der Sendung heißt es dann, dass die Briten Afghanistan 1919 anerkannt hätten. Kein Wort aber davon, dass es die Sowjetunion war, die Afghanistan als erstes Land überhaupt anerkannt hat. Und übrigens umgekehrt das gleiche: Afghanistan hat als erstes Land überhaupt die Sowjetunion nach der Revolution anerkannt. Und auch danach waren die Beziehungen zwischen den Ländern knapp 70 Jahre bestens, die Sowjetunion unterstützte Afghanistan wirtschaftlich massiv. Auch schon in den 60 Jahren, in denen Afghanistan kein Teil der sozialistischen Welt war.

Dann kommt bei Arte folgendes: „Mitten im Kalten Krieg beschloss die Sowjetunion im Dezember des Jahres 1979 zu besetzen, um dem kommunistischen Regime in Kabul zur Hilfe zu eilen. Aber das brutale Regime wurde von mehreren afghanischen Widerstandsgruppen bekämpft.

Hier haben wir nun die erste Lüge der Sendung, denn die Sowjetunion beschloss nicht einfach aus einer Laune heraus, Afghanistan zu besetzen. Sie musste von der afghanischen Regierung monatelang dazu überredet werden, die sich einem islamistischen Aufstand gegenüber sah. Die Sowjetunion, die zur muslimischen Welt traditionell gute Beziehungen hatte, setzte auf Dialog, aber die afghanische Regierung wollte den Konflikt gewaltsam lösen.

Und dieser Aufstand war das Werk der USA. Die CIA hat in der „Operation Cyclone“ die islamistischen Gegner der afghanischen Regierung mit dem Ziel unterstützt, die Sowjetunion in einen Krieg zu locken. Das ist nicht etwa eine Verschwörungstheorie, sondern eine gesicherte geschichtliche Tatsache. Zbigniew Brzezinski, damals Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Carter, sagte dazu ein einem Interview im Jahre 1998:

Brzezinski: In der offiziellen Version der Weltgeschichte begann die Unterstützung der Mudschaheddin durch die CIA in den 1980er Jahren, sprich nach dem Einmarsch der Sowjet-Truppen in Afghanistan [am] 24. Dezember 1979. Die bisher gut behütete Realität dahinter sieht jedoch völlig anders aus. Tatsächlich unterzeichnete Präsident Carter den ersten Befehl zur verdeckten Unterstützung der Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul bereits am 03. Juli 1979. Am gleichen Tag schrieb ich dem Präsidenten eine Nachricht, in der ich ihn darauf hinwies, dass meiner Ansicht nach diese Unterstützung unweigerlich zu einer sowjetischen Militärintervention führen würde.

Frage: Aber trotz dieses Risikos waren sie ein Befürworter dieser verdeckten Operation. Vielleicht wünschten Sie sich ebenfalls eine Kriegserklärung der Sowjetunion und wollten diese provozieren?

Brzezinski: Das ist so nicht ganz richtig. Wir haben die Russen nicht gedrängt zu intervenieren, wir haben nur absichtlich die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht.

Frage: Als die Sowjets ihre Intervention mit der Bekämpfung einer verdeckten Einmischung der Vereinigten Staaten in Afghanistan begründeten, glaubte ihnen niemand, obwohl diese Aussage im Grunde genommen richtig war. Bereuen Sie diesen Schritt aus heutiger Sicht nicht?

Brzezinski: Was soll ich bereuen? Diese verdeckte Operation war eine hervorragende Idee. Sie bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten und sie erwarten ernsthaft, dass ich das bereue? Am Tag, an dem die Russen offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern. Und tatsächlich sah sich Moskau während der folgenden 10 Jahre gezwungen, einen Krieg zu führen, den sich die Regierung nicht leisten konnte, was wiederum die Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch des sowjetischen Herrschaftsgebiets zur Folge hatte.

Frage: Und sie bereuen es also auch nicht, den islamischen Fundamentalismus unterstützt und somit Waffen und Know-how an zukünftige Terroristen weitergegeben zu haben?

Brzezinski: Was ist wohl bedeutender im Lauf der Weltgeschichte? Die Taliban oder der Zerfall des sowjetischen Reiches? Ein paar verwirrte Moslems oder die Befreiung Mitteleuropas und das Ende des Kalten Krieges?

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Die USA haben die islamistischen Terroristen, mit denen wir seit 2001 angeblich Krieg führen, selbst erst geschaffen und bewaffnet. Und wie hieß einer ihrer Anführer mit besten Verbindungen zu CIA? Richtig: Osama bin Laden.

Aber bei Arte dazu natürlich kein Wort, bei dieser Sendung über Geopolitik werden die entscheidenden Informationen einfach weggelassen. Ist das Inkompetenz oder bewusste Täuschung der Zuschauer? Egal, für welche Antwort Sie sich entscheiden, es wirft mal wieder kein gutes Licht auf die Macher dieser Sendung.

Die Sendung berichtet dann über den Kampf der Mudschaheddin gegen die Sowjetunion, den die Sowjetunion verlor. Die Rechnung der USA war aufgegangen, man hatte der Sowjetunion „ihr Vietnam“ bereitet. Die Sendung bei Arte erzählt zwar von der US-Unterstützung für die Mudschaheddin, vermeidet es aber, in diesem Zusammenhang Osama bin Laden oder die Taliban zu erwähnen.

Auch der Drogenanbau, der in den 1980er Jahren in Afghanistan unter der Schirmherrschaft der CIA begann, wird erst ganz am Ende der Sendung kurz erwähnt, dazu kommen wir also später, obwohl es zum Verständnis der Sachverhalte der Sendung an dieser Stelle hätte erwähnt werden müssen.

In der Sendung geht es dann um den Bürgerkrieg der 1990er Jahre, den die Taliban schließlich für sich entscheiden konnten und darum, dass die Taliban radikalen Islamisten Zuflucht gewährten, „darunter Osama bin Laden, dem Kopf der Anschläge von September 2001„. Hier also die erste Erwähnung von bin Laden, jedoch ohne auf seine Verbindungen zur CIA hinzuweisen.

Dann heißt es: „Aber die Anschläge waren verhängnisvoll für die Taliban, denn ihr Regime wurde von einer US-geführten Militärkoalition gestürzt und in Afghanistan wurden Nato-Truppen stationiert.

Dass dieser Nato-Angriff auf Afghanistan ein Bruch des Völkerrechts war und ist, wird mit keiner Silbe erwähnt. Es gab dazu bis heute keine Resolution des UN-Sicherheitsrates und Afghanistan hat kein anderes Land angegriffen, was gemäß Völkerrecht eine militärische Reaktion erlaubt hätte.

Da die Anschläge des 11. September gemäß offizieller Untersuchung von Arabern durchgeführt wurden, die vorher in Deutschland gelebt hatten, hätte man eigentlich auch Deutschland und Saudi-Arabien mit der gleichen Begründung angreifen können, wie Afghanistan. Vom Völkerrecht war der Angriff auf Afghanistan jedenfalls nicht gedeckt, die Tatsache, dass der angebilche Kopf der Anschläge, Osama bin Laden, sich in Afghanistan aufhielt, ist aus Sicht des Völkerrechts nicht ausreichend.

In der Sendung wird dann in blumigen Worten erklärt, wie die „internationale Gemeinschaft“ versucht hätte, „dem Land wieder auf die Beine zu helfen„. Dass die Nato-Intervention ein totaler Misserfolg war, der kein gesetztes Ziel erreicht hat, muss man sehr genau zwischen den Zeilen versuchen herauszuhören. Die Taliban sind in den letzten Jahren so stark geworden, dass man nun bereits wieder mit ihnen verhandeln muss. Die afghanische Regierung hat zu keinem Zeitpunkt das Land regiert, sondern bestenfalls einige Teile. Immerhin erwähnt der Film, dass alleine 2017 13.000 Menschen bei Terroranschlägen ums Leben gekommen sind. Dass in Afghanistan nun aber mehr Menschen durch Terror sterben, als je zuvor, wird vorsichtshalber verschwiegen.

Dann wird erwähnt, dass sich seit 2015 der IS in Afghanistan ausbreitet, gegen den nun die Taliban kämpfen. An dieser Stelle müsste man einmal folgendes recherchieren: Dass der IS in Syrien Verbindungen zur CIA hatte, ist kein Geheimnis. Es könnte also durchaus sein, dass die USA den IS in Afghanistan unterstützen, damit er die Taliban beschäftigt. Das kann ich nicht belegen, aber es liegt nahe. Die USA haben schon oft sogar zwei gegnerische Kriegsparteien unterstützt, damit sie sich gegenseitig schwächen. Da passt das Auftauchen des IS in Afghanistan gut ins Bild.

Dann geht es bei Arte auch um die Wirtschaft, die in Afghanistan am Boden liegt: „Zurzeit boomt in der afghanischen Wirtschaft allerdings nur der Drogenhandel. Der UNO zufolge nahm der Opiumanbau 2017 um 63% zu, das schafft landwirtschaftliche Arbeitsplätze

Was Arte komplett verschweigt ist, dass die CIA in den 1980er Jahren den Drogenanbau in Afghanistan überhaupt erst eingeführt hat. Hierzu Professor Michel Chossudovsky von der Universität Ottawa bei globalresearch: „Die Geschichte des Drogenhandels in Zentralasien ist eng verwoben mit den verdeckten Operationen der CIA in diesem Gebiet. Vor dem Afghanistankrieg richtete sich die Opiumproduktion Pakistans und Afghanistans nach den kleinen Märkten der Region. Es gab dort keinerlei Produktion von Heroin. (Alfred McCoy: Drug Fallout: The CIA’s Forty Year Complicity in the Narcotics Trade. The Progressive, 1. August 1997) (…) „Das Kapital der CIA kontrollierte ebenfalls diesen Heroinhandel. Als die Guerillas der Mudschaheddin Regionen Afghanistans besetzten, wiesen sie die dort ansässigen Bauern an, Opium als eine Art revolutionäre Steuer anzubauen. Jenseits der Grenze, in Pakistan, unterhielten afghanische Anführer und einheimische Syndikate unter dem Schutz des pakistanischen Geheimdienstes Hunderte Heroinlabore. (…) In der Zeit nach dem Kalten Krieg war in Afghanistan unter dem Schutz der CIA ein akuter Anstieg der Opiumproduktion zu verzeichnen. Seit der Invasion der Vereinigten Staaten in Afghanistan im Jahr 2001 ist die Opiumproduktion um das 33fache angestiegen. Die jährlichen Einnahmen aus dem Drogenhandel der Region des Goldenen Halbmondes wird auf 120 bis 194 Milliarden Dollar (2006) geschätzt, dieses bedeutet einen Anteil von mehr als einem Drittel am jährlichen weltweiten Absatz. (Michael Chossudivsky: Heroin is good for Your Health. Occupation Forces Support Afghan Drug Trade. Global Research, April 2007. Siehe auch: Douglas Keh: Drug Mones in a Changing World. Technical document No. 4, 1998)

Diese Zahlen sind von 2006, seit dem ist der Drogenanbau weiter gestiegen, Afghanistan ist heute der größte Heroinproduzent der Welt. Und man muss sich schon fragen, warum die Nato das zulässt. Dieser großflächige Anbau von Opium kann ja nicht im Geheimen stattfinden, die Mohnfelder sind aus der Luft gut sichtbar und es wäre kein Problem, diese Felder in Brand zu stecken und den Heroinexport aus Afghanistan zu beenden. Die Frage ist, warum das nicht geschieht.

Um diese Frage zu beantworten, muss man sich an die 1980er Jahre erinnern. In der Zeit, in der in Afghanistan der von der CIA unterstützte und gedeckte Anbau von Drogen begann, fand auch die Iran-Contra-Affäre statt. Dabei hat die CIA unter anderem Kokain aus Mittelamerika in die USA geschmuggelt und mit den Einnahmen ihre illegalen Operationen finanziert. Das ist aufgeflogen und es wurden Verantwortliche zu langen Gefängnisstrafen verurteilt. Unter anderem übrigens Elliott Abrams, der heute der US-Beauftragte für Venezuela ist und wieder merkwürdige Aktivitäten der US-Geheimdienste in Mittelamerika koordinieren darf.

Aber die Iran-Contra-Affäre hat deutlich gezeigt, dass die CIA in den 1980er Jahren keinerlei Berührungsängste mit den Drogenkartellen hatte und gerne auch Drogen ins eigene Land geschmuggelt hat, wenn dies Schwarzgeld für andere Operationen einbringt. Es liegt also der Verdacht nahe, dass dies auch in Afghanistan seinerzeit der Fall war und bis heute der Fall ist. Wie sonst lässt sich erklären, dass Afghanistan unter der Aufsicht von Nato und CIA zum größten Heroinexporteur der Welt werden konnte?

Aber diese Fragen stellen westliche Medien nie, obwohl alle Daten und Informationen offen zugänglich sind. Da finde ich es erfrischend, dass diese Fragen immerhin im russischen Fernsehen gestellt werden.

Aber sie werden nicht bei Arte gestellt, da geht man über dieses Thema lieber hinweg. Dabei müssten doch gerade Journalisten im Westen die entscheidenden Fragen stellen. Man muss sich doch fragen, wofür dort Soldaten der Bundeswehr sterben. Für eine schwarze „Kriegskasse“ der CIA oder für ein besseres Afghanistan?

Und es müssten die entscheidenden Fragen gestellt werden:

  1. Warum lässt die Nato den Opiumanbau in Afghanistan zu?
  2. Wer profitiert von den Gewinnen?

Schweigen im Walde in der westlichen Presse zu diesen Fragen. Und bei Arte und seinen „offenen Karten“ erst recht. Aber ich sagte ja schon mehrmals, dass diese Sendung nicht „Mit offenen Karten“, sondern „Mit gezinkten Karten“ heißen müsste.

2 Gedanken zu „Die CIA deckt Heroinproduktion in Afghanistan – Wie Arte die Zuschauer für dumm verkauft“

    1. Gute Frage. Meines Wissens geht ein sehr großer Teil davon nach Europa, aber ich habe dies noch nicht im Detail recherchiert. Aber wen es interessiert, ich bin sicher, dass es dazu eine Menge Informationen gibt, die sich in öffentlich zugänglichen Quellen finden lassen.

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