Kriegsvorbereitungen

Das russische Fernsehen über die Eskalation in der Ukraine

Wie jeden Sonntag in diesem Jahr waren auch an diesem Sonntag die Eskalationen in der Ukraine wieder Thema im russisches Wochenrückblich. In Kiew wird inzwischen offen von einem Krieg mit Russland gesprochen.

Natürlich waren die Eskalationen aus Kiew und deren Unterstützung aus den USA am Sonntag wieder Thema im Wochenrückblich des russischen Fernsehens. Neben dem, wovon im russischen Fernsehen die Rede war, sind noch einige andere Dinge in Kiew vorgefallen, über die ich in den nächsten Tagen ein neues Ukraine-Update schreiben werde. Hier beschränke ich mich auf die Übersetzung des Berichtes aus der russischen Sendung „Nachrichten der Woche.“

Die deutschen Medien haben Kiews Schritte zur Eskalation seit Januar verschwiegen. Aber da sie das Thema Ukraine nun auch wieder für sich entdeckt haben und Russland schon jetzt die Schuld für das geben, was demnächst kommen wird, dürfte es für viele interessant sein, wie im russischen Fernsehen darüber berichtet wird.

Beginn der Übersetzung:

Schlechte Nachrichten aus der Ukraine. In Kiew spricht man mehr und mehr von Krieg. Auf der Website des ukrainischen Verteidigungsministeriums wurde ein Bericht über die Telefongespräche von Verteidigungsminister Andrej Taran mit seinem amerikanischen Amtskollegen Lloyd Austin veröffentlicht. Taran hat dabei Russland natürlich militärische Aggression vorgeworfen und Austin versprach der Ukraine militärische Unterstützung: „Der US-Verteidigungsminister betonte, dass die Vereinigten Staaten im Falle einer Eskalation der russischen Aggression die Ukraine nicht allein lassen werden.“

Pentagon-Sprecher John Kirby seinerseits fügte hinzu, Austin Lloyd habe in diesem Gespräch die Eskalation der „Eskalationen russischer Provokationen“ verurteilt und die Position von US-Verteidigungsminister Austin klargestellt: „Er bekräftigte auch das Engagement der USA, die Fähigkeiten der ukrainischen Streitkräfte aufzubauen, um sich wirksamer gegen die russische Aggression zu verteidigen.“

Gleichzeitig erinnerte Kirby selbst daran, dass Washington der Ukraine in den vergangenen fünf Jahren mehr als zwei Milliarden Dollar für der Bereich der Sicherheit bereitgestellt habe. Dieses Geld ist Kiew zu Kopf gestiegen und jetzt zieht es den Krieger in die Schlacht. Ihre Vorbereitungen rechtfertigen sie plötzlich mit den regelmäßig stattfindenden russisch-weißrussischen Militärübungen. Dabei ist bei „Sapad-21“ nichts Neues geplant, aber es werden echte Ängste geschürt. (Anm. d. Übers.: Die Manöver „Sapad“ finden derzeit alljährlich statt, sind also tatsächlich nichts Neues, auch wenn es im Westen jetzt oft so dargestellt wird)

Und es wurde über das erste Telefongespräch zwischen den Präsidenten Biden und Selensky berichtet. Informationen gibt es kaum, aber laut dem Weißen Haus hat „Präsident Biden die anhaltende Unterstützung der Vereinigten Staaten für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine angesichts der anhaltenden russischen Aggression im Donbass und auf der Krim bestätigt.“

Die Bedeutung all dieser diplomatischen Fragmente kann man beispielsweise mit einem Blick auf die jüngste Rede des Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte, Khomtschak, im Parlament beurteilen. Er klang recht aggressiv und versicherte den Abgeordneten, dass die Ukraine zu einem Krieg mit Russland bereit sei: „Unser gemeinsames Ziel ist es, den Krieg zu gewinnen, einen dauerhaften Frieden zu gewährleisten und die territoriale Integrität wiederherzustellen. Dies erfordert die Konsolidierung der Kräfte des ganzen Volkes.“

Der militaristische Qualm im Parlament war so dicht, dass er sogar Abgeordnete der Fraktion „Diener des Volkes“ des Präsidenten erschreckt hat. Eine von ihnen, Anna Kolesnik, schickte zwei Textnachrichten an Freunde, die von Journalisten auf ihrem Handybildschirm fotografiert wurden: „Wir hören Khomchak. Aus diesem Land muss man verschwinden.“ (Anm. d. Übers.: Die Bilder werden in dem Beitrag gezeigt und mal wieder ist bemerkenswert, dass ukrainische Abgeordnete, die vehement gegen alles Russische hetzen, ihren Freunden Textnachrichten auf Russisch schreiben)

Währenddessen sprach Putin mit Merkel und Macron am Telefon unter anderem über die Ukraine. Die Pressestelle des Kremls berichtet: „Während eines ausführlichen Meinungsaustauschs über die Lage in der Ukraine wurde die Alternativlosigkeit des Minsker Abkommens aus dem Jahr 2015 als Grundlage für die Lösung des inneren Konflikts in dem Land bestätigt. Der russische Präsident betonte, wie wichtig es sei, dass die Kiewer Regierung alle zuvor auf höchster Ebene getroffenen Vereinbarungen erfüllt, vor allem die Aufnahme eines direkten Dialogs mit Donezk und Lugansk und die Lösung der rechtlichen Aspekte des Sonderstatus des Donbass. Auf russischer Seite wurde ernste Besorgnis über die von der Ukraine provozierte Eskalation der bewaffneten Konfrontation auf der Kontaktlinie und über die faktische Weigerung geäußert, die im Juli 2020 in der Kontaktgruppe vereinbarten „zusätzlichen Maßnahmen zur Stärkung der Waffenruhe“ umzusetzen. Die politischen Berater der Staats- und Regierungschefs werden die gemeinsame Arbeit fortsetzen.“

Selensky war bei dem Gespräch nicht dabei. Er setzt seine Versprechen nicht um, auch nicht die, die er während des Normandie-Treffens in Paris gemacht hat. Das bedeutet, dass es erst einmal nichts mit ihm zu besprechen gibt. Dafür ist er auf einem anderen Gebiet aktiv, dem amerikanischen. Und die drängen ihn in den Krieg. Was bedeutet ihnen schon Selensky? Oder die Ukraine?

In Kiew wird das nicht einmal verborgen. Zum Beispiel sagt der Vertreter der Ukraine in der Trilateralen Kontaktgruppe zum Donbass, Alexej Arestovich, was der Sinn der kommenden Nato-Manöver „Defender Europe 2021“ im Mai und Juni ist:

„Defender Europe 2021 bedeutet übersetzt „Europa schützen“. Der Sinn ist, dass von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer – nun, lassen Sie es uns offen sagen – der Krieg gegen Russland geübt wird, die bewaffnete Konfrontation mit Russland trainiert wird“, sagte Arestovich.

Defender Europe 2021 ist das größte Manöver seit dem Kalten Krieg.

Für den Donbass ist die alarmierende Situation auch ohne Berichte über militärische Garantien aus Amerika an Kiew klar. Die Zahl der Soldaten der ukrainischen Streitkräfte im Donbass wurde in letzter Zeit unter dem Deckmantel der Rotation um ein Drittel erhöht. Das Minsker Abkommen ist vergessen. Im Donbass spürt man das alles am Boden. Zum ersten Mal seit Ende Juli wurde das Gebiet der Lugansker Republik beschossen. Die Eskalation ist offensichtlich. Kiew wetzt die Krallen.

Ende der Übersetzung


Wenn Sie sich für die Ukraine nach dem Maidan und für die Ereignisse des Jahres 2014 interessieren, als der Maidan stattfand, als die Krim zu Russland wechselte und als der Bürgerkrieg losgetreten wurde, sollten Sie sich die Beschreibung zu meinem Buch einmal ansehen, in dem ich diese Ereignisse detailliert auf ca. 670 Seiten genau beschreibe. In diesen Ereignissen liegt der Grund, warum wir heute wieder von einem neuen Kalten Krieg sprechen. Obwohl es um das Jahr 2014 geht, sind diese Ereignisse als Grund für die heutige politische Situation also hochaktuell, denn wer die heutige Situation verstehen will, muss ihre Ursachen kennen.

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

7 Antworten

  1. Die deutschen MSM haben sich aufgerafft, das Thema Ukraine zu behandeln, aber nur, indem sie Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell zitierten: „… at der Ukraine im Konflikt mit den prorussischen Rebellen im Osten des Landes Unterstützung zugesichert“
    natürlich muss von Brüssel wieder irgend ein Sanktionsgrund hervorgezogen werden. Ist alles Russland schuld, womit isch auch zeigt, dass das 3er-Telefonat mit angeblicher Forderung, Minsk müsse umgesetzt werden, reine Scheinheigkeit war.
    https://www.n-tv.de/politik/EU-sichert-Ukraine-Unterstuetzung-zu-article22470300.html
    „… schrieb Borrell am späten Sonntagabend nach einem Telefonat mit dem ukrainischen Außenminister Dmitri Kuleba auf Twitter. „Unerschütterliche EU-Unterstützung für die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine““

    natürlich, bei so viel vermeintlicher oder tatsächlicher Unterstützung sind die Kriegsgeilen völlig aus dem Häuschen.

  2. Hallo vielen Dank für deine Arbeit. Wie ich schonmal als Kommentar da ließ. Bitte ich drum die Chornologie weiter zu führen. Das ist eine Super sach die später vieles vereinfacht. Vielen Dank

  3. Bei euro news gab es einen nach dem üblichen Schema aufgebauten Bericht, wonach sich der Konflikt wieder hochschaukelt und: „Jetzt schalten sich die USA ein und richten mahnende Worte an Putin.“
    Ausgeblendet wird, dass die Ukraine öffentlich verkündet, Minsk II nicht umzusetzen und das Armeechef Chomtschak erklärt hat, dass die ukrainische Armee zum Angriff bereit ist, denn das passt alles nicht ins Bild von der Ukraine, die sich angeblich nur gegen den Aggressor Russland verteidigt.

    Einen ähnlichen Bericht hat der Staatssender ZDF verfasst. Auch dort wird von den Warnungen an Russland durch Biden gesprochen und dass dieser der Ukraine allen möglichen Schutz zusichert. Aber auch beim ZDF kein Wortüber den Bruch von Minsk II durch die Ukraine und natürlich auch die US/NATO sowie den Aufmarsch der ukrainischen Armee.
    Die typische westliche Desinformation. Russland soll offensichtlich erneut mittels einer false flag Aktion wie der Brutkastenlüge oder der irakischen Massenvernichtungswaffen als Aggressor dargestellt werden um die Präsenz der NATO weiter auszubauen und vor allem um US-Raketen in der Ukraine stationieren zu können!

  4. Nun SIE können die NATO NAZI Truppen, ja nicht ewig fürs NICHTSTUN bezahlen, irgendwann müssen die fürs Geld, auch mal Morden, Verstümmeln,Vergewaltigen, Rauben, Plündern, Massakrieren und den Heldentod sterben.

  5. Falls in den USA die gesamte Stromlieferung ausfällt ist dort das ganze Land auf Hamsterfahrt. Die Bürger werden nicht eher ruhe geben bis alle Märkte leer sind.

    Es würde zuerst auch genügen alle Militär depos zu eliminieren vor allem in Italien.

    Falls ein amerikanischer Soldat seinen Fuß auf die Krim setzt ist das Maß voll. Dann sollte nicht mehr geredet werden. Die Nachschubverbindungen der USA müssten unterbrochen werden.
    Deutschland ohne Strom ist Tod ebenso die anderen EU Länder.

    Ich hoffe mal das es nicht dazu kommt.

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