Deutschland vs. Russland

Täglich grüßt das Murmeltier: Schon wieder angebliche russische Hackerangriffe

Deutsche Medien melden, dass Russland mal wieder mit Hackern angreift, dieses Mal geht es um eine angebliche russische Beeinflussung der Bundestagswahl.

Der Spiegel hat die Meldung unter der Überschrift „Cyberangriffe auf Politiker – Generalbundesanwalt ermittelt gegen Putins Hacker“ gebracht. Auf den Spiegel-Artikel einzugehen, lohnt sich nicht, denn dort steht nichts Neues drin. Mal wieder sollen russische Hacker dies oder jenes getan haben, Belege oder Beweise werden wie immer keine präsentiert oder auch nur genannt.

Das einzige, was auf den Spiegel-Leser beeindruckend wirken dürfte, ist die Tatsache, dass nun der Generalbundesanwalt ermittelt. Der durchschnittliche Spiegel-Leser ist immer noch der Meinung, die Justiz in Deutschland wäre unabhängig, weshalb das Vorgehen des Generalbundesanwaltes auf den Spiegel-Leser so wirkt, als habe die deutsche Politik mit all dem nichts zu tun. Dass der Generalbundesanwalt weisungsgebunden ist und nur das umsetzt, was ihm seine Vorgesetzte, die Justizministerin, anweist, weiß der durchschnittliche Spiegel-Leser ja nicht. Wenn das für Sie neu ist, können Sie es hier im Detail nachlesen.

Da es für die erneuten Anschuldigungen gegen Russland auch dieses Mal keine Belege gibt, gehe ich auf die deutschen Vorwürfe nicht ein. Der Vollständigkeit halber übersetze ich aber die offizielle Erklärung, die Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, bei ihrer Pressekonferenz am Donnerstag veröffentlicht hat.

Beginn der Übersetzung:

Der stellvertretende Sprecher des Auswärtigen Amtes der Bundesrepublik Deutschland stellte in der Regierungspressekonferenz am 6. September auf neue anti-russische Behauptungen über angebliche Aktivitäten der Hackergruppe „Ghostwriter“ auf, die von den staatlichen Strukturen unseres Landes gegen Mitglieder des Bundestages und der Länderparlamente der Bundesrepublik Deutschland gerichtet sind.

Die Geschichte mit den Vorwürfen, Russland sei in Hackerangriffe auf deutsche Gesetzgeber verwickelt, ist keineswegs neu. Die deutsche Seite hat bereits 2015 und 2017 ähnliche Geschichten verbreitet. Das Internet vergisst nichts. Wenn Sie die Suchmaschinen nach diesen Informationen durchsuchen, werden Sie feststellen, dass der damalige deutsche Innenminister de Maiziere nach dem Bundestagswahlkampf 2017 zugeben musste, dass es keine russische Einflussnahme auf die Wahl gab. Aber aus diesen Fehlern will man in Berlin offenbar nicht lernen.

Trotz unserer wiederholten Appelle über diplomatische Kanäle haben unsere Partner in Deutschland nie Beweise für eine russische Beteiligung an den Hackerangriffen vorgelegt. Ich möchte betonen, dass wir die bestehenden diplomatischen Kanäle dafür genutzt haben. Die russischen Vorschläge für eine gemeinsame Untersuchung wurden ignoriert. Gleichzeitig initiierte Deutschland auf dieser Grundlage zwei anti-russische Sanktionspakete der Europäischen Union.

Wir sind sicher, dass auch die Anschuldigungen im Fall der so genannten Gruppe „Ghostwriter“ ähnlich haltlos sind und dass – wie bei den Anschuldigungen aus den Vereinigten Staaten von Amerika – ein rein außenpolitisches Motiv vorliegt. Es scheint sich um eine weitere PR-Aktion im Rahmen des Wahlkampfes vor der Bundestagswahl am 26. September 2021 zu handeln.

Berlin verhält sich, wenn es um Anschuldigungen gegen Russland geht, wie ein schlechter Schüler, der versucht, den Lehrer aus Übersee zu kopieren, von ihm „abzuschreiben“, in der Hoffnung, eine gute Note zu bekommen und politische Punkte zu sammeln.

Solche Erklärungen haben nichts mit der tatsächlichen Bekämpfung von Bedrohungen im Informationsumfeld und der Stärkung der internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Informationssicherheit zu tun.

So einer Rhetorik und den unbegründeten Anschuldigungen, die Teil der Kampagne sind, steht Russlands konsequenter Kurs gegenüber, der darauf abzielt, gleichberechtigte, professionelle Beziehungen mit allen Staaten sowohl im bilateralen Format als auch auf regionalen und globalen Plattformen aufzubauen.

Wir haben kürzlich, am 3. September 2021, am Rande der russisch-deutschen ressortübergreifenden hochrangigen Arbeitsgruppe zu sicherheitspolitischen Fragen in konstruktiver und sachlicher Atmosphäre Konsultationen zur internationalen Informationssicherheit geführt und vereinbart, diese zu systematisieren. Die nach dieser Veranstaltung veröffentlichte Erklärung ist auf der Website des russischen Außenministeriums abrufbar.

Wir verstehen die aktuelle Erklärung daher als den Wunsch bestimmter deutscher Politiker, ihrem wichtigsten Verbündeten, an dem sich diese Lobby orientiert, zu zeigen, dass sie angeblich die Russen in Schach halten und keine Bresche in der transatlantischen Solidarität zulassen, und gleichzeitig vor der Bundestagswahl die abgedroschene „Bedrohung aus dem Osten“ in Deutschland in Umlauf bringen. Wir empfehlen unseren deutschen Partnern, zu einem zivilisierten Wahlkampf zurückzukehren, ohne Unterstellungen und unbegründete Anschuldigungen gegen andere Länder. Wenn Sie anprangern, beschuldigen und Behauptungen aufstellen, seien Sie so freundlich, wenigstens irgendwelche Fakten vorzulegen.

Das ist ein sehr interessanter Punkt, denn, wie wir verstanden haben, mag man Fakten in Berlin nicht so gerne.

Ende der Übersetzung

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

12 Antworten

  1. Ich habe soeben den Wahlomat bedient und war der Meinung, alles richtig gemacht zu haben: Die Grünen landeten ganz unten.

    Wo kann ich diesen schlimmen Fall, der aber möglicherweise auch auf Beeinflussung durch den Ivan zurückzuführen ist, zur Selbstanzeige bringen? Falls Ihr Beziehungen habt, könnt Ihr evtl. ein gutes Wort für mich beim zuständigen Politoffizier einlegen: Ich habe IMMER den Müll ordentlich getrennt und war schon auf Schwulenparties, ich bin die Toleranz par excellence.

    Danke!

  2. Politiker können es nicht recht machen, nicht allen recht machen. Es gibt naturgemäss immer Menschen bis hin zu ganzen Parteien die alles anders sehen. Ich würde die Frau Merkel wiederwählen. Weiss aber, dass ich hier (wahrscheinlich) der einzige bin der sie mag. Ich rechne ihr den Atom- und Kohle Ausstieg hoch an. Und ihre Art als Mensch. Muss aber auch gestehen, dass ich zu wenig von der deutschen Politik weiss. ZB. wundere ich mich doch sehr über die mangelhaften Sozialleistungen und fantasievoll steigenden Wohnungsmieten. Ich denke, primär geht es allen Politikern egal welcher Couleur eher um Wirtschaft und Arbeitsplätze. Sehr viel Wahl, die fremde Mächte beeinflussen könnten, ist eigentlich nicht.

  3. Eckehaaaaaaardt! Weeeerneeeer! Die Russen sin daaa!

    🙂

    Ich hab mir gestern endlich mal den Film „Akte Magnitzky – Hinter den Kulissen“ (The Magnitzky Act – Behind the Scenes) angeschaut. Ein Film, finanziert unter anderem mit deutschen Gebührenzahlergeldern, aber von oben verboten. Man bekommt diesen Film in der EU einfach nicht zu sehen.

    Wer wissen will, was im Westen, der westlichen Politik und vor allem in den westlichen Medien falsch läuft, hat hier ein Paradebeispiel anhand eines Regisseures, eines Russen, der vor diesem Film wirklich extrem gegen den Kreml und Russland eingestellt war, aber bei den Recherchen zu dem Film erkennen mußte, daß im Westen eiskalt gelogen und manipuliert wird, und sogar Gesetze und Sanktionen gegen Russland auf diesen Lügen aufgebaut werden: Andrej Nekrassow.

    Der Film wird massiv zensiert. Kopien, die auf Youtube oder vimeo auftauchen, werden umgehend gelöscht – spannenderweise mit dem Hinweis auf das Copyright der Produzentenfirma Piraya, die gleichzeitig den Film in der EU aber gar nicht zeigen darf. Hier ist die Seite, wo man ihn bekommen kann:

    https://www.magnitskyact.com

    Und zwar in Englisch, und in Englisch mit deutschen oder niederländischen Untertiteln.
    ABER: Ihr müßt ein VPN vorschalten oder einen Browser, der eure Herkunft verbirgt. Denn aus Deutshckland zB,. läßt sich der Film nicht anschauen bzw, herunterladen. Ich hab mich (mittels Kaspersky VPN) als „Russe“ getarnt, und den Film jetzt auf Festplatte.

    Ein echtes Zeitdokument über westliche Politik und Medienzensur. Und wie gesagt: Der Regisseur Nekrassow, war vor diesem Film „einer von den Guten“ und hatte ursprünglich vor, nach seinem Film über Litwinenko auch hier wieder einen Film zu schaffen, der Russland anprangern sollte. Ihm kam nur die Wahrheit (über Browder, Obama, Beck & Co) in die Quere…

    1. Die Freundschaft Nekrassows mit dem britischen Doppelagenten und vor seinem Tod zum Islam konvertierten Lobbyisten tschetschenischer Islamisten Litwinenko hat die Objektivität von Nekrassows Urteilskraft in Bezug auf den Fall Litwinenko leider stark beeinträchtigt.

      1. Würde ich gern mehr dazu erfahren.

        Auffällig ist ja mit der Geschichte bis heute, daß der Fall Litwinenko rückblickend perfekt „ins Bild paßt“ etwa zu den Fällen Skripal und Nawalny. Nur daß man da (angeblich) ein Gift verwendete, das „eindeutig“ auf Russland als Übeltäter hinwies. Polonium war wohl zu wenig „eindeutig“. Und auch wenn ich über den Fall Litwinenko zu wenig weiß, gab es da ja auch im Nachhinein bekanntgewordene Fakten die nicht in die Geschichte paßten. So die Aussage des BND, daß die angeblichen Attentäter gar nicht zur Tatzeit in England gewesen seien. Paßt wiederum gut zum Fall Skripal, der laut offizieller Story in den Morgenstunden vergiftet worden sein muß, als die Täter noch in London waren…

        Irgendwie weiß man immer zu wenig, kann das sein?

  4. Ist mal nur ein naiver Gedanke von einem digitalen Leichtgewicht: Wäre es nicht möglich, dass Sie (vielleicht unter Vermittlung von Herrn Röper) den Film (möglichst mit deutschen Untertiteln) auf NuoViso hochladen. Herr Röper setzt dann auf dem anti-spiegel einen Link dorthin, damit seine Leser nicht so lange suchen müssen und schon können wir alle den Film auch sehen. Sie haben mich mit Ihrem guten Kommentar richtig neugierig gemacht.

    1. Ich denke, urheberrechtliche Probleme kann Nuoviso jetzt brauchen, wie ein drittes Knie.

      Der einfachste Weg ist der über VPN. Das erwähnte von Kaspersky (Kaspersky VPN Secure Connetion) ist ein einfach installierbares Programm, das sogar relativ preiswert ist. 30 Euro für ein Jahr oder 5 Euro für einen Monat für die Pro-Version, die man aber benötigt, weil man sonst nicht auswählen kann, welche Landes-Kennung (IP) man nimmt.

      Ich hab mir diese Software besorgt, um dieses Jahr weiter die Formel 1-Rennen zu sehen. ORF und Servus übertragen ja im Stream, aber man muß Österreicher sein, um sie empfangen zu können.
      Und damit ist es dann ganz einfach: ein Land als Serverstandort wählen, wo der Magnitzky-Film nicht gesperrt ist, und von der Website herunterladen.

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