Ukraine: Lieber keine Impfung als eine russische Impfung

Der ukrainischen Präsident Selensky stellt die anti-russische Politik über Wohl und Gesundheit seiner Bürger. Den russischen Impfstoff lehnt er ab, seine Begründungen sind kurios.

Die Ukraine ist ein bettelarmes Land, das von Corona und den Folgen schwer getroffen wurde. Aber das stört die Regierung nicht, sie würde ihre Bürger eher weiter verarmen oder gar an Corona oder den Folgen der Maßnahmen sterben lassen, als den russischen Impfstoff ins Land zu lassen. Der ukrainische Präsident Selensky hat das nun erneut bestätigt, als er nach dem russischen Impfstoff gefragt wurde. Auf die Frage, ob eine Impfung mit dem russischen Sputnik-V in der Ukraine möglich sein werde, antwortete Selensky:

„Es gibt keinerlei Bestätigung dafür, dass Sputnik-V garantierte Ergebnisse liefert.“

Das ist bemerkenswert, denn nachdem The Lancet die Daten der Russen über Sputnik-V bestätigt hat, ist sogar in der sonst so anti-russischen Presse im Westen die Kritik an dem russischen Impfstoff verstimmt, da er in allen Kategorien (Wirksamkeit, Preis, Handling, Nebenwirkungen) ganz vorne steht und damit objektiv derzeit der weltweit beste Corona-Impfstoff ist.

Selensky kann so etwas jetzt aber „ungestraft“ sagen, denn er hat gerade erst die letzten kritischen Fernsehsender in dem Land verboten, die ihm solche Lügen zur besten Sendezeit um die Ohren gehauen und mit aktuellen Berichten von zum Beispiel CNN oder BBC über den russischen Impfstoff garniert hätten. Die ukrainische Bevölkerung ist mittlerweile völlig von Medien abgeschnitten, die ihre Regierung kritisch sehen. Daher kann man dem ukrainischen Normalbürger inzwischen so ziemlich alles erzählen und ihm auch genauso leicht alles verschweigen, was nicht ins Bild passt – zum Beispiel, dass der russische Impfstoff tatsächlich sehr gut und auch noch billiger ist, als seine Konkurrenten.

Stattdessen wiederholte Selensky seine These vom „hybriden Informationskrieg“ und fügte hinzu, dass „die Bürger der Ukraine keine Versuchskaninchen“ seien und dass er „kein Recht habe, an ihnen Experimente durchzuführen.“

Aber die Journalisten waren mutig und gaben noch nicht auf. Mit Hinweis auf das laufende Zulassungsverfahren für Sputnik-V in der EU wurde Selensky dann gefragt, ob Sputnik-V in der Ukraine zugelassen werden könne, wenn er eine Zulassung der EU hat. Seine Antwort war bestechend:

„Mir scheint, Russland hat 140 Millionen Einwohner, bevor sie uns den Impfstoff anbieten, sollen sie erstmal ihre Bevölkerung impfen.“

Da Russland (und übrigens auch China) im Gegensatz zu den westlichen Pharmakonzernen die Produktion ihrer Impfstoffe in Lizenz erlauben, war diese Antwort kompletter Unsinn. Die Ukraine könnte morgen beginnen, den russischen Impfstoff in Lizenz im eigenen Land zu produzieren, ohne dass die Russen weniger Impfstoffe für ihre eigenen Bürger zur Verfügung hätten. Aber kritische Fragen stellt in der Ukraine spätestens seit der letzten Woche niemand mehr, denn nun sind alle Medien auf Linie gleichgeschaltet.

Kiew ist in Gesprächen mit allen Produzenten von Coronavirus-Impfstoffen weltweit, mit Ausnahme der russischen Hersteller. Ende letzten Jahres hat Kiew einen Vertrag über die Lieferung von mehr als 1,9 Millionen Dosen des Impfstoffs des chinesischen Unternehmen Sinovac Biotech unterzeichnet. Die Ukraine erwartet auch die Lieferung eines Impfstoffs im Rahmen des COVAX-Programms: In der ersten Phase erhält Kiew nach eigenen Angaben 1,2 Millionen Dosen, insgesamt soll die Ukraine nach Angaben des Gesundheitsministeriums, 8 Millionen Dosen bekommen. Ende vergangener Woche gab die ukrainische Regierung bekannt, dass das Land im Februar die ersten 12 Millionen Dosen des Impfstoffs erhalten wird. Dabei handelt es sich um Impfstoffe von Astra-Zeneca und Novavax. Den Versuch eines ukrainischen Unternehmens, eine Zulassung für Sputnik-V zu bekommen, hat die Regierung hingegen abgelehnt.

Der Regierung in Kiew sind die eigenen Bürger ganz offensichtlich weniger wichtig, als das anti-russische Narrativ. Darin ist Kiew sogar noch radikaler, als der Westen, der nach dem Artikel im The Lancet seine Propaganda-Kampagne gegen den russischen Impfstoff quasi über Nacht eingestellt hat.

Und dass das hochverschuldete Land sich nun Impfstoffe kauft, die auch noch teurer sind, als der russische, kommt noch hinzu. Anscheinend findet Selensky, dass sein Land sich noch nicht in ausreichendem Maße in die Abhängigkeit des IWF begeben hat.

Da wundert es nicht, dass die Beliebtheitswerte von Selensky, nachdem er vor nicht einmal zwei Jahren mit 73 Prozent die Wahl gewonnen hat, inzwischen im freien Fall sind und aktuell bei 15 bis 20 Prozent liegen.

Für einen solchen Einbruch der Beliebtheitswerte brauchte sein Vorgänger Poroschenko noch fast vier Jahre. Selensky, der inzwischen bereits „Poroschenko 2.0“ genannt wird, überflügelt seinen Vorgänger auf immer mehr Gebieten…

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Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

6 Antworten

  1. Mich verwundert es, dass Präsidenten relativ armer Länder ohne große eigene Pharmaindustrie, wie Selensky, Lukaschenko usw. überhaupt Impfstoffe einsetzen wollen. Es gibt nämlich etwas drastisch besseres, preiswerteres und sichereres als Impfstoffe:
    http://www.freizahn.de/2021/01/das-universelle-gegenmittel/
    Allerdings hat mich vor diesem Hintergrund auch sehr gewundert, dass Putins Russland Geld und Ressourcen für Impfstoffe aufgewendet hat, statt die Chancen zu nutzen, die sich durch dieses universelle Gegenmittel gerade auch für Russland innen und außenpolitisch, wirtschaftspolitisch und strategisch ergeben haben.

    1. Freilich. Irgendwo hat schon jemand eine Gorilka-Infusion als Gegenmittel ausprobiert, mit positivem Erfolg. Nein, kein Quatsch, der Patient lebt. Also wird wieder kreuz die Quere gequacksalbert. Willkommen im Mittelalter!

  2. Um ein Land mit gleichgeschalteten Medien zu finden, braucht man nicht lange zu suchen, gerade in Deutschland nicht, denn viel näher geht nicht. Und es gibt Leute in diesem komischen Land, die wollen anderen vorschreiben, was Meinungsvielfalt ist?

  3. Verständlich, dass die Sputni v nicht wollen, das Zeug wurde schließlich von Rassisten produziert.

    „The majority of participants in the trial were also white so further research is needed to confirm the results across other ethic groups.“

    https://edition.cnn.com/2021/02/02/health/russia-sputnik-v-phase-3-intl/index.html?utm_medium=social&utm_content=2021-02-02T12%3A46%3A53&utm_source=twcnnbrk&utm_term=link%20

    Offensichtlich unterscheiden Ukrainer sich ja ethisch von weißen Russen, zumindest die Regierungslumpen. Nun werde ich mal versuchen herauszufinden, wie sich moralisches Verhalten auf die Wirkung von Impfstoffen auswirkt. 😂

    1. „Ethic groups“, haha, nett. Also sollten sie nicht so sehr Schwarze, Weisse, Gelbe separat untersuchen… sondern eher Grüne/Mainstream-Journalisten auf der einen und normale Menschen auf der anderen.

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