Wollen die Afghanen unter der Scharia leben?
Mit Umfragen ist es immer so eine Sache, aber es gibt sehr glaubwürdige Umfrage-Institute. Das vielleicht beste Institut will ich hier vorstellen, zumal es interessante Informationen über Afghanistan bietet.
Umfragen werden immer wieder kritisiert, weil sie zur Manipiulation der öffentlichen Meinung genutzt werden. So kann man schon durch die Fragestellung die möglichen Antworten lenken oder gar politisch nicht gewollte Antworten ausschließen, indem man sie in der Umfrage nicht zur Auswahl stellt. Diese daher manchmal manipulierten Umfrageergebnisse werden medial genutzt, um der Öffentlichkeit zu erklären, was die Mehrheit angeblich möchte. Da der Mensch psychologisch so gestrickt ist, dass er sich tendenziell der Mehrheit anschließt, können solche manipulierten Umfragen am Ende sogar Wahlen in eine gewollte Richtung beeinflussen.
Sicher sind auch die Fehler, die Umfragen in den letzten Jahren bei der Vorhersage von Wahlergebnissen gemacht haben, zum Teil damit zu erklären. Wenn die Umfragen so gemacht werden, dass sie die Befragten in eine gewollte Richtung lenken, dann kann das bei Wahlen zu Überraschungen führen. Gleiches gilt, wenn die Medien bestimmte Parteien oder Ideen so sehr verteufeln, dass die Befragten sich in der Umfrage nicht trauen, entsprechend zu antworten, aber in der Privatsphäre der Wahlkabine trotzdem ihr Kreuz bei den verteufelten Parteien machen. Man muss daher bei Umfragen immer vorsichtig sein und die Fragestellungen und die zur Wahl gestellten Antworten genau lesen, um zu verstehen, ob sie ein – höflich ausgedrückt – ungenaues Ergebnis provoziert haben.
Das Pew Research Center
Es gibt jedoch ein Umfrage-Institut, das mir seit vielen Jahren sehr positiv auffällt. Das ist das US-amerikanische Pew Research Center. Auf das Center bin ich schon 2014 gestoßen, als ich für mein Buch über die Ukraine-Krise recherchiert habe. Damals hat Pew nämlich unmittelbar nach der Wiedervereinigung der Krim mit Russland in der gespaltenen Ukraine eine große Umfrage durchgeführt und die Ergebnisse korrekterweise getrennt nach Regionen analysiert. Dabei kam unter anderem heraus, dass die öffentliche Meinung auf der Krim exakt das Ergebnis des Referendums über die Vereinigung mit Russland widergespiegelt. Darüber haben westliche Medien natürlich nicht berichtet, denn dann hätten die Leser im Westen ja bemerkt, dass die Bewohner der Krim zu 88 Prozent zu Russland gehören wollen und dass das Ergebnis des Referendums keineswegs gefälscht war.

Man fragt sich also, warum Pew so gute Ergebnisse liefert. Pew gehört zu einer NGO und scheint keine staatliche Finanzierung der US-Regierung zu erhalten, zumindest habe ich bisher keine Hinweise darauf gefunden. Trotzdem hat sich bei mir der Eindruck verfestigt, dass Pew von der US-Regierung aktiv genutzt wird, um die wahre Stimmung in den Ländern der Welt zu erkunden und die US-Politik entsprechend auszurichten, um bei Bedarf in bestimmten Ländern Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen.
Das erklärt auch, warum die Ergebnisse von Pew praktisch nie in den Mainstream-Medien erwähnt werden: Sie spiegeln die Wahrheit wieder und widersprechen daher sehr oft den in den westlichen Medien transportierten Narrativen und könnten den westlichen Leser an den von der Politik propagandierten Zielen und vor allem den Begründungen zweifeln lassen.
Was wollen die Afghanen?
Das zeigt sich nun am Beispiel Afghanistan. In Afghanistan kann man derzeit sicher keine zuverlässigen Umfragen durchführen, aber früher war das durchaus möglich und Pew hat das 2013 getan. Das geschah im Rahmen einer großen Umfrage in islamischen Staaten, in der danach gefragt wurde, wie die Moslems in den Staaten zur Scharia stehen.
Die Scharia steht fundamental gegen die „westliche Demokratie“, denn die Scharia will einen Gottesstaat, in dem Wahlen nur bedingt Einfluss auf Gesetze nehmen können, denn die Gesetze sind im „heiligen Buch“ festgelegt und es steht nur den theologischen Führern zu, diese zu interpretieren. Für uns im Westen mag das kein Lebensstil sein, dem wir uns unterwerfen wollen und er widerspricht dem, wie wir leben wollen. Aber es gibt eben Menschen, die so leben wollen. Und das gilt es zu akzeptieren und zu respektieren. Das verlangt schon das Völkerrecht, das den Völkern Selbstbestimmung einräumt und jedem Land das Recht gibt, selbst zu entscheiden, wie und in welchem politischen und gesellschaftlichen System es leben möchte.
Die Frage ist also, was wollen die Afghanen. Und darauf hat die Umfrage von Pew Research eine klare Antwort gegeben. Laut der Umfrage von 2013 haben 99 Prozent der Afghanen gesagt, sie wollten unter der Scharia leben. Deutlicher geht es wohl nicht.

Aber aus irgendeinem Grund sollen die Menschen im Westen das nicht erfahren. Große Medienberichte darüber, dass die Nato in Afghanistan offen gegen die Werte kämpft, die den Afghanen wichtig sind und unter denen sie leben wollen, habe ich jedenfalls nicht gefunden.
Ich bin sicher kein Anhänger der Scharia, aber ich bin ein Anhänger des Völkerrechts und der Demokratie. Und wenn 99 Prozent der Afghanen unter der Scharia leben möchten, dann akzeptiere ich das, denn es ist nur demokratisch, wenn man den Willen der Afghanen akzeptiert, auch wenn er dem eigenen Weltbild komplett widerspricht. Und nebenbei gesagt ist das auch der einzige Weg zum Frieden in dem Land, denn der 20 Jahre andauernde Versuch des Westens, den Menschen in Afghanistan ein anderes Leben schmackhaft zu machen, ist krachend gescheitert.
Bei all den schrecklichen Bildern, die wir derzeit aus Afghanistan zu sehen bekommen, sollten wir uns daher fragen, ob der Westen diese Bilder nicht selbst verschuldet hat, indem er versucht hat, den Afghanen in einem 20-jährigen Krieg mit hunderttausenden toten Afghanen eine „Freiheit“ aufzuzwingen, die 99 Prozent der Afghanen gar nicht wollen.
Kommentare werden geladen...