Ende Juli 2023 fielen Teile einer Rakete der ukrainischen Luftabwehr auf eine Kathedrale in Odessa und richteten dabei beträchtliche Schäden an. Natürlich hat Kiew das umgehend propagandistisch genutzt, um Russland zu beschuldigen, die Kathedrale gezielt angegriffen zu haben. Beweise, beispielsweise Teile der angeblichen Rakete, hat Kiew nie vorgelegt.

Das aber störte die westlichen Medien nicht, die die Kiewer Version umgehend aufgegriffen haben. Der Spiegel hat beispielsweise getitelt „Russische Raketenangriffe auf Odessa – Wenn nichts mehr heilig ist“ und geschrieben:

„Selbst die Geistlichen überkam der Zorn. Inmitten der Trümmer ihrer Kirche sprachen sie von »Barbarei« und »Terrorismus«, liefen unter Tränen vorbei am zusammengebrochenen Altar, an eingeknickten Säulen und tiefen Rissen in den mit Gold verzierten Wänden. Männer in Bauhelmen und Frauen in Kopftüchern fischten Ikonen und Raketentrümmer aus dem Schutt. In der Nacht auf den gestrigen Sonntag wurde die Verklärungskathedrale im historischen Zentrum Odessas bei einem russischen Luftangriff getroffen. (…) Das Verteidigungsministerium in Moskau streitet zwar ab, auf die Kathedrale gezielt zu haben; diese sei wohl von herabstürzenden ukrainischen Luftabwehrraketen getroffen worden. Daran, dass die russische Armee für die Verwüstung in der Kirche verantwortlich ist, besteht aber kein Zweifel.“

Zivile Opfer

Für den Spiegel und die anderen westlichen Medien ist Russland der Feind und sie übernehmen jede Meldung aus Kiew ungeprüft. Tatsächlich sind die russischen Angriffe auf Ziele in der Ukraine sehr präzise und sie gelten militärischen Zielen. Nur recht selten kommt es dabei zu zivilen Opfern, was heute besonders deutlich wird, wenn die Meldungen aus Gaza anschaut, wo die israelische Armee wahllos zivile Ziele bombardiert. In Gaza hat der wahllose Beschuss durch die israelische Armee in zwei Wochen bereits fast 5.000 Zivilisten getötet. In der Ukraine sind es laut UNO in anderthalb Jahren 9.000 zivile Opfer. Noch deutlicher wird es bei der Zahl der getöteten Kindern, denn in Gaza sind in den wenigen Tagen des Krieges mehr Kinder durch israelische Bomben gestorben, als in der Ukraine in anderthalb Jahren.

Um das in aller Deutlichkeit zu sagen: Jeder Zivilist, der in einem Krieg zu Schaden kommt, ist einer zu viel!

Aber der Vergleich zeigt, dass die westlichen Vorwürfe, Russland würde in der Ukraine einen „brutalen Krieg“ führen, nicht haltbar sind, denn wenn westliche Staaten – oder aktuell Israel – einen Krieg führen, ist die Zahl der zivilen Opfer um ein Vielfaches höher als das, was wir in der Ukraine erleben.

Als in Odessa die Raketentrümmer auf die Kathedrale gefallen sind, war das ein so außergewöhnliches Ereignis, dass westliche Medien darüber tagelang berichtet und Russland heftig beschuldigt haben. Es sei daran erinnert, dass der Spiegel getitelt hat, Russland sei „nichts mehr heilig“.

In den zwei Wochen, die Israel nun den Gazastreifen bombardiert, hat Israel bereits mehrere Gotteshäuser verschiedener Religionen bombardiert. Alleine in den letzten 24 Stunden wurde die orthodoxe Kirche des Heiligen Porphyrios in Gaza, in der Zivilisten Schutz vor den israelischen Angriffen gesucht haben, von israelischen Bomben getroffen, wobei mindestens 18 Menschen, darunter neun Kinder, getötet wurden. Außerdem hat Israel die Al-Ansa-Mosche im Westjordanland bombardiert, die gar nicht im Gazastreifen liegt, wobei zwei Menschen ums Leben gekommen sind. Israel behauptet, dort wäre ein Tunnel der Hamas-Kämpfer gewesen.

Die westlichen Medien

Aus irgendwelche Gründen fehlen in westlichen Medien nun aber Schlagzeilen darüber, dass Israel „nichts heilig“ wäre, obwohl Israel schon jetzt mehr Gotteshäuser bombardiert hat als Russland in anderthalb Jahren (angeblich) bombardiert hat.

Auch dass Israel am 17. Oktober eine Schule im Gazastreifen bombardiert hat, wurde in Deutschland weitgehend verschwiegen. In der Schule hatte die UNO ein provisorisches Flüchtlingslager eingerichtet, in dem über 4.000 palästinensische Flüchtlinge Schutz gesucht haben. Die Meldung der UNO über die Bombardierung, in der die UNO auch mitgeteilt hatte, allen Kriegsparteien mitgeteilt zu haben, dass es sich bei der Schule um ein UNO-Flüchtlingslager handelte, fanden die westlichen Medien jedoch nicht erwähnenswert.

Man könnte diese Liste fortsetzen, die zeigt, dass Israel unterschiedslos zivile Ziele bombardiert, was die westlichen Medien jedoch nicht für berichtenswert halten. Das zeigt, wie parteiisch die westlichen Medien in Konflikten sind. Israel ist gut, über dessen Kriegsverbrechen wird nicht berichtet. Russland hingegen ist für die westlichen Medien böse und wird aller Sünden beschuldigt, egal, wie zweifelhaft der Wahrheitsgehalt der Vorwürfe ist.

Die Vorgeschichte

Die westlichen Medien und Politiker wenden auf solche Vorwürfe ein, dass Israel das Recht habe, sich zu verteidigen, weil es von der Hamas angegriffen wurde. Das Recht auf Verteidigung spricht Israel auch niemand ab, die Frage ist nur, ob es „Verteidigung“ ist, wenn Israel wahllos Zivilisten in Gaza bombardiert.

Andererseits ignorieren die westlichen Medien, dass die Ukraine die Zivilisten im Donbass, die sich als Russen verstehen, seit 2014 angegriffen hat. Dieser Beschuss des Donbass wurde Anfang 2022 massiv verstärkt. Warum spricht der Westen Russland das Recht ab, Russen zu verteidigen, die angegriffen und bombardiert werden, wenn der Westen Israel das Recht einräumt, Israelis zu verteidigen?

Wer nun einwendet, dass der Donbass damals nicht zu Russland gehört hat, dem sei die Frage gestellt, ob das Kiew das Recht gibt, die dort lebende Bevölkerung zu bombardieren? Haben russische Zivilisten kein Recht auf den Schutz ihres Lebens?

Hinzu kommt, dass der Westen genug Einfluss auf Kiew hatte, um diese Angriffe zu stoppen. Dass es sie gab und dass sie im Februar 2022 massiv verstärkt wurden, konnte man in den OSZE-Berichten nachlesen.

Alleine am 21. Februar 2022, also noch vor Beginn der russischen Militäroperation, hat die OSZE in Donezk über 1.100 Explosionen gemeldet, in Lugansk waren es 926 Explosionen. Aber die westlichen Medien haben darüber nie berichtet.

Ob die westlichen Medien Israel wohl kritisieren würden, wenn dort über 2.000 Explosionen stattfinden würden und Israel daher eine Militäroperation gegen diejenigen beginnt, die Israel so heftig beschießen?

Das war eine rhetorische Frage, denn die Antwort geben uns die westlichen Medien derzeit jeden Tag aufs Neue.