Dass die Lage Kiews verzweifelt ist, ist nicht neu. Während sich in Russland jeden Monat 30.000 Freiwillige zum Dienst an der Front melden, gelingt es der Ukraine nicht einmal mit gewaltsamen Verschleppungen von Männern auf offener Straße, auch nur annährend genug Soldaten für die Front zu rekrutieren.

Kiew hat gerade erst die Einberufungsregeln verschärft und das Mindestalter für den verpflichtenden Kampfeinsatz an der Front heruntergesetzt, um mehr Soldaten zu rekrutieren. Berichte zufolge war das eine Bedingung aus Washington für die Genehmigung der neuen Waffenlieferungen, weil alle Waffen der Welt nichts nützen, wenn es keine Soldaten gibt, die sie in die Hand nehmen können.

Um mehr Kanonenfutter an die Front zu zwingen, hat das ukrainische Außenministerium diese Woche verkündet, Ukrainern im Ausland keine Pässe mehr auszustellen. Damit will man die nach Europa geflüchteten Ukrainer rekrutieren, denn wenn man einen neuen Pass braucht, bekommt man nun nur noch ein Papier, das einem die Rückreise in die Ukraine ermöglicht, wo man sich um einen Pass bemühen kann, wenn man nicht zwangsweise an die Front verschleppt wird, bevor man es auch nur aufs Amt schafft.

Da aber auch das offenbar nicht reicht, haben nun die ersten EU-Staaten verkündet, sie würden wehrfähige Ukrainer in die Ukraine abschieben. Die polnische Regierung hat erklärt, sie sei bereit, Kiew bei der Rückholung wehrpflichtiger Ukrainer in das Land zu unterstützen. Der polnische Verteidigungsminister sagte am Mittwoch im polnischen Fernsehen:

„Wir sagen seit langem, dass wir auch die Möglichkeit haben, der Ukraine dabei zu helfen, sicherzustellen, dass diejenigen, die dem Militärdienst unterliegen, in die Ukraine zurückkehren.“

Er schloss dabei ausdrücklich nicht aus, dass Warschau im Falle einer entsprechenden Anfrage aus Kiew beim Transport der Ukrainer aus Polen behilflich sein könnte.

Das scheint eine abgesprochene Aktion zu sein, denn Litauen erklärte sofort, dem Beispiel Polens zu folgen und Maßnahmen zu ergreifen, um wehrpflichtige ukrainische Staatsbürger in ihre Heimat zurückzuführen. Auch in Litauen verkündete das der Verteidigungsminister, was bei ihm so klang:

„In der Ukraine gibt es einen kritischen Mangel an Reserven zur Mobilisierung, an Männern im wehrfähigen Alter, die das Land verlassen haben. Der Weg, sie zurückzubringen, ist der richtige.“

Er sagte weiter, dass ins Ausland gegangene Ukrainer sich nicht an den Kampfhandlungen beteiligen, sei „unfair gegenüber denen, die für ihren Staat kämpfen“.

Der Verteidigungsminister stellte allerdings fest, dass es in Litauen nicht viele davon gebe. Seiner Meinung nach handele es sich um 10.000 bis 15.000 Menschen. Er wies darauf hin, dass „die Ukrainer nicht massenhaft inhaftiert und ausgewiesen werden“, denn insgesamt seien seit Beginn der Eskalation über 87.000 Ukrainer nach Litauen geflohen. Er erklärte außerdem, man müsse die Entscheidung des litauischen Innenministeriums abwarten, aber er gehe davon aus, dass es eine für Litauen akzeptable Lösung vorschlägt.

Aus Brüssel ist bisher kein Kommentar dazu zu hören, auch Erklärungen der Bundesregierung sind dazu bisher nicht bekannt. Das ist deshalb bemerkenswert, weil es bisher Gesetz war, dass man Kriegsflüchtlinge nicht zurück in den Krieg schicken darf. Aber anscheinend gilt für die EU und die Bundesregierung im Kampf gegen Russland auch das humanitäre Völkerrecht nichts mehr.

Die Ukraine wird gezwungen, für die Interessen der USA bis zum letzten Ukrainer zu kämpfen. Damit meint es der US-geführte Westen offensichtlich todernst.