Was man in Deutschland über den Konflikt zwischen Iran und Israel nicht erfährt
Der Angriff des Iran auf Israel ist ein klassisches Beispiel dafür, was deutsche Medien ihren Lesern alles verheimlichen. Daher ist es interessant, auch Medien außerhalb des westlichen Medienblase zu lesen.
Israels Angriff auf die iranische Botschaft in Syrien hat eine Eskalation im Nahen Osten ausgelöst, die nur schwer wieder unter Kontrolle zu bringen war. Der Vergeltungsschlag des Iran hat deutlich gezeigt, dass der Iran keine Angst mehr vor Israel oder den USA hat, und er hat gezeigt, wie verwundbar Israel tatsächlich ist, denn die 300 Geschosse aus dem Iran haben die Luftabwehr nicht nur überfordert, sondern Medienberichten zufolge die Hälfte der israelischen Luftabwehrmunition verbraucht.
Außerdem hat der Iran alle Nachbarn und auch die USA 72 Stunden zuvor über den anstehenden Angriff informiert, man war in Israel also vorbereitet. Aber was passiert, wenn der Iran bei der nächsten israelischen Aggression keine Vorwarnung mehr gibt und nicht 300, sondern tausend Raketen abfeuert?
Das Weiße Haus hat nach dem iranischen Vergeltungsschlag sofort die Formulierungen vorgegeben. Der iranische Angriff sei ein Fehlschlag gewesen, Israel sei der klare Sieger in dem Konflikt. Die westlichen Medien haben, wie immer gehorsam gegenüber den Anweisungen aus dem Weißen Haus, diese Interpretation der Geschichte sofort übernommen, obwohl sie objektiv unwahr ist. Man kann sicher über viele Aspekte der Geschichte streiten, aber Israel ist dabei alles andere als ein klarer Sieger.
Die USA hatten nach dem iranischen Vergeltungsschlag alle Hände voll zu tun, den kriegsgeilen israelischen Premierminister Netanjahu zu bremsen, aber sie haben es anscheinend geschafft. Die israelische Antwort war jedenfalls demonstrativ minimal, es wurden nur ein paar handelsübliche Drohnen benutzt, die im Iran keinen Schaden angerichtet haben.
Diese Geschichte war am Sonntag natürlich auch Thema im wöchentlichen Nachrichtenrückblick des russischen Fernsehens und wie immer klang der russische Kommentar vollkommen anders, als man es im Westen hört. Daher habe ich den russischen Kommentar übersetzt.
Beginn der Übersetzung:
Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat am Mittwoch ein sehr wichtiges Eingeständnis über den Zustand seines Landes gemacht: „Die innere Spaltung muss verschwinden, und zwar sofort, denn wir sehen uns einer existenziellen Bedrohung gegenüber“.
Eine existenzielle Bedrohung kann als eine Bedrohung der Existenz des Landes selbst definiert werden, was praktisch die Gefahr des Verschwindens Israels als solchem impliziert.
Netanjahu hat nie vom Untergang seines kleinen Landes gesprochen. Das haben auch seine Vorgänger nicht getan, obwohl Israel in der Vergangenheit mehr als einen Krieg erlebt hat. Und auch jetzt, seit letztem Herbst, führt es groß angelegte Kampfhandlungen in Gaza durch. Aber bisher ist es irgendwie ohne solche dramatischen Aussagen ausgekommen: über das drohende Verschwinden Israels selbst.
Doch was hat Netanjahu zu so verzweifelten Worten getrieben? Es war nicht der Hass der vereinten arabischen Welt auf das, was in Gaza geschieht. Das scheint für ihn sehr kontrollierbar. Es war der iranische Raketenangriff vergangene Woche, in der Nacht vom 13. auf den 14. April, der die Verzweiflung ausgelöst hat. Der hat den kriegerischen israelischen Premierminister zutiefst schockiert.
Es war ein Vergeltungsschlag, eine Reaktion auf die Zerstörung des iranischen Konsulats in Damaskus und die Tötung der dort anwesenden Generäle des iranischen Revolutionsgarde. Als Israel eine ausländische Botschaft auf dem Gebiet eines anderen Landes zerbombt hat, hat der Westen nicht mal mit der Wimper gezuckt. Aber als der Iran Vergeltung übte, war der Westen empört: Wie kann er das tun?
Der britische Außenminister Cameron äußerte sich in einem Interview in vorhersehbarer Weise zu dem Vorfall. Eine Journalistin fragte ihn: “War es sinnvoll, iranisches Hoheitsgebiet in Damaskus zu bombardieren?”
David Cameron antwortete: “Sehen Sie, das war eine souveräne israelische Entscheidung. Warten Sie, lassen Sie mich antworten. Ich teile voll und ganz den Groll der Israelis gegen die Islamischen Revolutionsgarden. Schließlich haben sie so viel Böses in der Welt getan und die Hamas unterstützt, und die Hamas ist für den 7. Oktober verantwortlich. Damals hat alles begonnen. Deshalb teile ich die Empörung der Israelis voll und ganz.“
Darauf fragte die Journalistin: “Und was ist mit der Empörung des Irans darüber, dass ein Teil des eigenen Territoriums dem Erdboden gleichgemacht wurde?”
Darauf antwortete David Cameron: “Ich würde sagen, dass das etwas anderes ist. Etwas anderes als das, was Israel in Damaskus getan hat. Immerhin hat der Iran über 300 Raketen und Drohnen auf Israel abgefeuert. Zum ersten Mal. 101 ballistische Raketen, 36 Marschflugkörper und 185 Drohnen. Das ist etwas ganz anderes. Der Iran hat einen gefährlichen und unverantwortlichen Schritt unternommen. Die ganze Welt hat es gesehen, alle Länder haben das wahre Gesicht des Irans gesehen. Alle sehen es jetzt.”
Aber die Journalistin hakte nach: “Und was würde Großbritannien tun, wenn ein Feind eine unserer Botschaften dem Erdboden gleichmachen würde?”
David Cameron antwortete sofort: “Wir würden sehr, sehr hart reagieren!”
Doch zurück zur existenziellen Bedrohung Israels. Was hat Premierminister Netanjahu so verängstigt? Die Amerikaner haben doch vorgeschlagen, das Raketenduell zwischen Iran und Israel als bedingungslosen Sieg Israels zu werten. Ja, in der Tat, von den mehr als 300 eingesetzten Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen wurden fast alle abgeschossen, einige stürzten in Wüstengebieten ab, ohne Schaden anzurichten. Das stimmt alles.
Das ist die Einschätzung auf den ersten Blick. Aber Netanjahu hat jetzt von einer existenziellen Bedrohung Israels gesprochen. Ist er also zur Vernunft gekommen? Tatsache ist: Der Iran hat Israel zum ersten Mal angegriffen und damit die Souveränität Israels direkt verletzt. Es war eine furchtlose Aktion, eine Überwindung der psychologischen Barriere und eine Demonstration des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten.
Der Iran hat Israel kaltblütig zu einem Raketenduell herausgefordert und den Angriff 72 Stunden vorher angekündigt. Ja, Israel ist stolz auf sein Luftverteidigungs- und Raketenabwehrsystem mit seinem Iron Dome, all den Systemen SPYDER, David’s Sling und Arrow. Und doch merkte Israel plötzlich, dass es in der von ihm selbst inszenierten Schlacht nicht gut aussehen würde und rief nach den „großen Jungs“.
In der Folge wurde nicht nur Israels Iron Dome, sondern auch alle Kapazitäten der USA, Großbritanniens und Frankreichs aktiviert. Luftabwehrsysteme wurden auf US-Basen im Nahen Osten sowie auf Schiffen im Roten Meer und im Mittelmeer aktiviert. Alle Kampfflugzeuge in der Region waren in der Luft. Die Briten operierten von Zypern aus, die Franzosen von Jordanien.
Aber all diese Macht entpuppte sich als löchrig. Hunderte von Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Raketen überwältigten die kombinierte Luftabwehr der Verbündeten und neun ballistische Raketen aus dem Iran schlugen in Israel ein. Ja, sie haben keinen oder nur minimalen Schaden angerichtet. Aber immerhin hatte der Iran vorher erklärt, er habe keine konkreten Ziele im Visier. Das Ziel war es, Israels Luftabwehr lächerlich zu machen, egal wie sehr es sich damit brüstet. Wenn das so ist, dann wurde die Aufgabe glänzend gelöst. Der Iran hat das sofort verkündet und hinzugefügt, dass es sich um eine begrenzte Operation handelt und dass es keine Pläne für eine Fortsetzung gibt.
Damit bleibt nüchtern festgestellt: Der Iran ist in der Lage, Israel zu treffen und jede Luftabwehr zu durchbrechen. Wenn der Iran das nächste Mal auf eine israelische Aggression reagiert, wird er niemanden 72 Stunden vorher informieren, sondern den Überraschungseffekt nutzen.
Und jetzt kommt das Unangenehmste für Netanjahu. Der Iran ist wirklich der Meinung, dass Israel nicht existieren darf. Und was ist, wenn der Iran das nächste Mal israelische Städte angreift, um sie zu zerstören, zum Beispiel Tel Aviv und Jerusalem? Dann wird er nicht Hunderte von Raketen schicken, sondern Tausende, schließlich hat er sie. Bekanntlich hat der Iran alte Raketen eingesetzt. Aber er hat auch neue Raketen. Er hat sogar Hyperschallraketen und macht daraus kein Hehl.
In Teheran wurde kürzlich ein riesiges Wandbild mit der Aufschrift „400 Sekunden bis Tel Aviv“ enthüllt. Es zeigt die Rakete Fattah-2. Die technischen Daten des Hyperschall-Marschflugkörpers sind folgende: Geschwindigkeit Mach 5, Reichweite über 1.400 Kilometer, Gefechtskopf 500 Kilogramm.
Erinnern wir uns an den alten sowjetischen Witz, der der israelischen Premierministerin Golda Meir zugeschrieben wird: „Israel hat keine Atomwaffen, aber es wird sie einsetzen, wenn es nötig ist“.
Nun könnte es aber auch umgekehrt sein: „Der Iran hat keine Atomwaffen, aber er wird sie einsetzen, wenn es nötig ist“.
Wie lustig, dabei enthält dieser Witz mehr Wahrheit als Witz. Schließlich hat Donald Trump die USA während seiner Amtszeit als Präsident aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurückgezogen, das dem Iran Beschränkungen für sein Nuklearprojekt auferlegt hatte. Diese Beschränkungen gibt es nun nicht mehr.
Israel hat mit einem Angriff auf die unterirdischen Atomanlagen des Irans gedroht, aber neulich hat auch General Ahmad Haqtalab, ein General des Korps der Islamischen Revolutionsgarden, mit Vergeltung gedroht: „Wenn Israel unsere Nuklearanlagen angreifen will, wird es mit Sicherheit mit unserer Antwort konfrontiert werden: Israel und seine Nuklearanlagen werden angegriffen. Sie sind bereits identifiziert, wir verfügen über die notwendigen Informationen über alle Ziele, und um auf mögliche aggressive Aktionen zu reagieren, sind unsere Finger bereits am Abzug, um hocheffiziente Raketen abzufeuern, um die identifizierten Ziele zu zerstören.“
Natürlich muss man dem Iran nicht glauben. Aber hat der Iran nicht bewiesen, dass es gefährlich ist, seine Macht und Entschlossenheit zu unterschätzen? Unter diesen Umständen rufen sowohl Russland als auch die USA beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Aber Israel hört nicht wirklich darauf. Erst kürzlich hat Israel Ziele in Isfahan angegriffen, der kulturellen Hauptstadt des Iran. Netanjahu verhält sich also nach wie vor aggressiv, obwohl er sich der Risiken bewusst ist.
Aber warum? Es ist doch klar, dass die „großen Jungs“ ihm im Ernstfall nicht helfen werden.
Ende der Übersetzung
Kommentare werden geladen...