Am 31. März strahlte der US-Sender CBS in seiner Sendung „60 Minutes“ einen Beitrag über das sogenannte „Havanna-Syndrom“ aus, in dem der Sender sich auf Quellen der US-Regierung berief, die behaupten, dass sie zum ersten Mal „die Bestätigung haben, dass ein ausländischer Gegner der USA hinter diesen Angriffen auf Amerikaner steckt“. CBS gab jedoch nicht an, von welchem „ausländischen Gegner“ die Rede ist.

CBS behauptet, dass ein hochrangiger Beamter des US-Verteidigungsministeriums auf dem NATO-Gipfel in Vilnius im Juli 2023 einen Arzt aufsuchte, nachdem er Symptome verspürt hatte. Nach Ansicht eines von CBS zitierten ehemaligen Mitarbeiters des US-Militärgeheimdienstes zeige dies, dass „Moskau keine Beschränkungen hat, was es tun oder wen es angreifen wird“. Die Situation würde seiner Meinung nach „eskalieren“, wenn die USA keine Maßnahmen ergreifen.

Angesichts der Behauptungen des US-Fernsehsenders CBS über eine mögliche russische Beteiligung an Fällen des „Havanna-Syndroms“ bekräftigte das Büro des Direktors der Nationalen Nachrichtendienste, dass die Geheimdienste eine Verbindung zu Washingtons „ausländischen Gegnern“ für höchst unwahrscheinlich halten. CBS zitierte eine Stellungnahme des Büros:

„Wir untersuchen weiterhin anomale medizinische Vorfälle, insbesondere in Bereichen, die nach unserer Einschätzung weitere Untersuchungen und Analysen erfordern. Die meisten Geheimdienstdirektionen sind zu dem Schluss gekommen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass ausländische Gegner für die gemeldeten anomalen medizinischen Vorfälle verantwortlich sind“

Der Spiegel und seine üblichen „Recherchepartner“

Einen Tag später, am 1. April, legte der Spiegel nach und veröffentlichte unter der Überschrift „Rätselhaftes Havanna-Syndrom – Setzten russische Agenten Mikrowellenwaffen gegen US-Diplomaten ein?“ einen sehr langen Artikel, der jedoch nur sehr wenige Fakten enthielt. Stattdessen erzählte der Artikel ausführlich über das Schicksal einiger von dem „Havanna-Syndrom“ Betroffener und von deren Vermutung, Russland könne dahinter stecken.

Der Spiegel-Artikel gibt jedoch Hinweise darauf, woher die Informationen stammen, auf die sich CBS und der Spiegel berufen, denn der Spiegel schreibt, dass es sich dabei um eine gemeinsame Recherche des Spiegel, des russischen Portals The Insider und des US-Fernsehmagazins 60 Minutes handelt. Interessant ist diese Formulierung in dem Spiegel-Artikel:

„Hätte die US-Regierung hingeschaut, hätte sie womöglich jene Spuren gefunden, auf die der SPIEGEL und seine Recherchepartner nun gestoßen sind: Am 25. September reisten zwei Mitglieder der berüchtigten GRU-Einheit 29155 nach Genf, so zeigen es entsprechende Hotelbuchungen, die dem SPIEGEL und seinen Recherchepartnern zugespielt wurden. Offenbar reisten sie von dort weiter nach Frankfurt.“

Ich habe schon oft darauf hingewiesen, dass der Spiegel Informationen von Geheimdiensten zugespielt bekommt, um diese dann als „gemeinsame Recherchen“ mit „Recherchepartnern“ zu veröffentlichen. Die „Recherchepartner“ sind dabei meistens das von westlichen Geheimdiensten gelenkte Portal Bellingcat und The Insider, der früher im Spiegel offen zugegeben hat, aus dem Westen mit „ausländischen Stipendien“ in Höhe von monatlich 10.000 Dollar finanziert zu werden.

Auch dieses Mal waren wieder die üblichen Verdöchtigen beteiligt. Der Spiegel nennt Bellingcat zwar nicht, aber als einen der Autoren des Artikels nennt der Spiegel Christo Grozev, das ist leitender Mitarbeiter von Bellingcat und übrigens der aktuelle Liebhaber von Nawalnys Witwe.

Die Tatsache, dass der Spiegel schreibt, den „Recherchepartnern“ seien Informationen „zugespielt worden“, ist ein starker Hinweis darauf, dass hier Geheimdienste Informationen durchgestochen haben. Das gilt auch für viele andere in dem Artikel gemacht Angaben, wie beispielsweise angebliche Flugbuchungen und so weiter.

Daher sieht dies nach einem neuen Versuch der US-Geheimdienste aus, diese alte Sau mal wieder durch das mediale Dorf zu treiben, ohne dass sie selbst die Angaben bestätigen. Das ist ebenfalls ein bekanntes Muster, denn im Westen lassen sich die Medien gerne von Regierungen und Geheimdiensten benutzen, um über angebliche Leaks und „Recherchen“ zu berichten, die in Wirklichkeit Regierungspropaganda sind. Ein besonders eindrückliches Beispiel dafür finden Sie hier.

Der Vorteil dabei ist, dass die Medien sich ihrer „großartigen Recherchen“ rühmen können, während die Regierungen (oder Geheimdienste) ihre Hände in Unschuld waschen können, weil sie ja offiziell nichts mit den Veröffentlichungen, die wieder irgendeinen Gegner des Westen diffamieren sollen, zu tun haben.

Die russische Nachrichtenagentur TASS hat den Beitrag von CBS zum Anlass genommen, in ihrer sachlichen Art und Weise zu berichten, was über das „Havanna-Syndrom“ bekannt ist und ich habe den TASS-Artikel übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

„Akustische Attacken“ oder zirpende Grillen? Was man über das „Havanna-Syndrom“ wissen sollte

Die USA sehen keine Beweise dafür, dass gesundheitliche Probleme bei US-Diplomaten im Ausland (Schwindel, Übelkeit, Hörprobleme), die allgemein als „Havanna-Syndrom“ bezeichnet werden, auf den Einsatz von Mikrowellenwaffen durch unfreundliche Staaten zurückzuführen sind. Washington wies diesen Verdacht erstmals im Jahr 2022 zurück. Am 1. April 2024 teilte das Büro des Direktors des United States Intelligence Community mit, dass sich der Standpunkt der Organisation nicht geändert habe. Anlass, das Thema erneut aufzugreifen, war ein gegen Russland gerichteter Fernsehbeitrag von CBS.

Was behauptet CBS?

Auf der Website des Senders wurde ein Ausschnitt aus der Sendung 60 Minutes veröffentlicht, die am 31. März in voller Länge ausgestrahlt wurde. Unter Berufung auf anonyme Quellen wird in der Sendung behauptet, die USA hätten „zum ersten Mal die Bestätigung, dass ein ausländischer Gegner hinter Angriffen auf Amerikaner [mit Symptomen, die dem „Havanna-Syndrom“ entsprechen] steckt“. Der US-Sender berichtete, dass sich der Gesundheitszustand eines Pentagon-Sprechers während eines NATO-Gipfels in Vilnius im Juli 2023 dramatisch verschlechterte. CBS-Quellen machten Russland für den Vorfall verantwortlich. Außerdem vermuteten die Medien, dass ein Russe, ein gewisser Witalij Kowaljow, der 2020 in Florida inhaftiert wurde, an den Straftaten beteiligt sein könnte.

Wie reagieren die US-Geheimdienste darauf?

Bereits am 1. März dementierte die Washington Post unter Berufung auf die US-Geheimdienste die am weitesten verbreitete Version des „Havanna-Syndroms“ – Behauptungen über „gerichtete Energie“-Angriffe. Am 31. März lehnte es das US-Büro des Direktors des United States Intelligence Community ab, die Version von CBS zu bestätigen. „Wir werden weiterhin anomale medizinische Vorfälle untersuchen, insbesondere in Bereichen, die unserer Einschätzung nach zusätzliche Untersuchungen und Analysen erfordern. Die Mehrheit der Geheimdienste ist zu dem Schluss gekommen, dass es höchst unwahrscheinlich ist, dass ausländische Gegner für die gemeldeten anomalen medizinischen Vorfälle verantwortlich sind“, so die Organisation. Die US-Geheimdienste führen die bisher gemeldeten Fälle des „Havanna-Syndroms“ auf „Faktoren zurück, die nichts mit ausländischen Gegnern zu tun haben“. Im Jahr 2022 stellten die USA auf offizieller Ebene auch die ausländische Spur bei den angeblichen Angriffen auf ihre Diplomaten in Frage.

Was antwortet Russland?

Dmitri Peskow, der Sprecher des russischen Präsidenten, wies Anschuldigungen gegen unser Land zurück, Angriffe auf ausländische Diplomaten zu verüben. „Seit vielen Jahren wird in der Presse über das so genannte „Havanna-Syndrom“ diskutiert. Darüber hinaus wurde es meist von Anfang an in irgendeiner Weise mit Anschuldigungen gegen die russische Seite in Verbindung gebracht, aber nie hat jemand irgendwo eine überzeugende Bestätigung dieser unbegründeten Anschuldigungen veröffentlicht oder geäußert“, so Peskow.

Was ist das „Havanna-Syndrom“?

So wird die Krankheit in den amerikanischen Medien beschrieben: Schwindel, Übelkeit, Migräne, Kopfschmerzen und Hörprobleme. Bislang wurden bei fast 200 US-Regierungsangestellten und ihren Angehörigen Anzeichen des „Havanna-Syndroms“ festgestellt. Zusätzlich zu den oben genannten Symptomen weisen einige der „Erkrankten“ auch Hirnschäden auf.

Als eine der Ursachen des Syndroms sieht die US-Regierung einen gezielten Angriff auf ihre Diplomaten mit Schallwaffen und die Einwirkung von „gerichteter Energie“. In der Presse wurde das auch als „akustische Angriffe“ bezeichnet.

Wie die Washington Post Ende September 2021 beiläufig erwähnte, soll das FBI zu dem Schluss gekommen sein, dass solche Beschwerden eher psychischen als physischen Ursprungs sind. Dass das FBI zu diesem Schluss kam, wurde nie öffentlich bekannt gegeben.

Warum das Syndrom „Havanna-Syndrom“ genannt wird

Zum ersten Mal sprachen US-Diplomaten in Kuba über das unbekannte Syndrom. Wie die vorherige Regierung in Washington behauptete, litten Ende 2016 mehr als 40 US-Diplomaten in Havanna unter „akustischen Angriffen“. Auch ihre kanadischen Kollegen klagten über gesundheitliche Probleme.

Die US-Regierung machte Kuba für die Vorfälle verantwortlich. Im September 2017 riefen die USA 60 Prozent des Personals ihrer Botschaft in Havanna zurück, und das Personal der diplomatischen Vertretung der USA auf der Insel wurde um 15 Personen reduziert.

Havanna hat wiederholt alle Vorwürfe bestritten. Die kubanische Regierung hat die Sicherheitsmaßnahmen an der diplomatischen Vertretung der USA erhöht und sich bereit erklärt, mit der US-Regierung zusammenzuarbeiten, um die Situation zu klären.

Im Oktober 2017 vermuteten kubanische Experten, dass die USA das Zirpen von Grillen oder Zikaden fälschlicherweise für „akustische Angriffe“ gehalten haben könnten.

Wo sonst wurden die Menschen mit dieser Krankheit „infiziert“?

In den folgenden Jahren gab es Berichte, dass Mitarbeiter der US-Regierung in einer Reihe anderer Länder unbekannten Auswirkungen ausgesetzt waren.

Im Frühjahr 2018 tauchten in den USA Berichte auf, dass ein Konsularbeamter in Guangzhou, China, möglicherweise einem „akustischen Angriff“ ausgesetzt war. In der US-Botschaft in Kolumbien wurden Anzeichen des „Havanna-Syndroms“ festgestellt.

Ähnliche Vorfälle wurden in Deutschland, Österreich und sogar in den Stadtvierteln von Washington und Miami untersucht. Wie das Wall Street Journal berichtete, zog die CIA angeblich ihren Residenten aus Serbien ab, weil die Gefahr von Anschlägen bestand. Im Frühjahr schrieb Politico über mysteriöse Angriffe mit „gerichteter Energie“ auf US-Truppen in Syrien.

Im August 2021 berichtete die US-Botschaft in Hanoi über die Verspätung des Flugs von US-Vizepräsidentin Kamala Harris von Singapur nach Vietnam. Der Flug wurde aufgrund von Berichten verschoben, wonach sich dort kürzlich ein „abnormaler gesundheitlicher Zwischenfall“ ereignet haben könnte. Der NBC-Journalist Josh Lederman behauptete auf seiner Social-Media-Seite unter Berufung auf Quellen, dass mindestens zwei amerikanische Regierungsmitarbeiter in Hanoi Symptome des „Havanna-Syndroms“ aufwiesen.

Was es sein könnte

In der US-Presse wurden die mysteriösen Vorfälle mit verschiedenen Theorien erklärt. Darunter:

  • Akustische Waffen. CNN nannte ein Gerät namens „Mosquito“, das hochfrequente Töne erzeugt, sowie akustische Langstreckengeräte, die zur Vertreibung von Demonstranten eingesetzt werden.
  • Spionageausrüstung. Ein Abhörgerät kann eine Quelle von Schallwellen sein, die für die menschliche Gesundheit gefährlich sind.
  • Zikaden. Kubanische Experten haben drei Tonaufnahmen mit Geräuschen analysiert, von denen die US-Seite behauptet, sie hätten der Gesundheit der Diplomaten geschadet. „Die Geräusche auf diesen Aufnahmen waren denen bestimmter Insektenarten, insbesondere Grillen und Zikaden, sehr ähnlich. Diese Insekten sind in ganz Kuba zu finden. Sie wurden auch in der Nähe der Residenzen von US-Diplomaten gefunden“, hieß es.
  • Eine Art Gift oder Massenhysterie. Solche Versionen wurden von der New York Times zitiert. Laut The Atlantic haben einige kubanische Wissenschaftler auch vermutet, dass die Krankheit der Amerikaner psychosomatischer Natur ist.

Was man in Washington sagt

Die US-Geheimdienste haben die Ursachen des „Havanna-Syndroms“ noch nicht ermittelt. Ende Juli 2021 berichtete Präsident Joe Biden vor den Mitarbeitern des Büros des Direktors des United States Intelligence Community über die Versuche, eine Erklärung für die gesundheitlichen Probleme zu finden, die bei amerikanischen Beamten auftreten.

Im Herbst desselben Jahres unterzeichnete er einen Erlass über die Gewährung materieller Hilfe für die Opfer solcher Vorfälle. Mit der Verteilung wurde eine eigens für diese Zwecke geschaffene Arbeitsgruppe innerhalb der Struktur des Außenministeriums betraut. Die diplomatische Abteilung schuf auch eine Einheit, die die Reaktion Washingtons auf mögliche Anschläge koordinieren wird.

Der Nationale Sicherheitsrat des Weißen Hauses befasste sich im Jahr 2021 in hochrangigen Sitzungen mit dem „Havanna-Syndrom“, das Thema wird vom Sonderausschuss für Geheimdienste des Kongresses untersucht.

Der Fall wird auch von der CIA bearbeitet, wo die Ermittlungen von einem Mitarbeiter koordiniert werden, der „eine zentrale Rolle bei der erfolgreichen Jagd auf [den internationalen Terroristen Osama] bin Laden gespielt hat.“

Ende der Übersetzung