Gibt es einen Unterschied zwischen Globalisierung und Kolonialpolitik?

Dieser Artikel im Spiegel hat eigentlich ein anderes Thema, aber ein entscheidender Satz zeigt auf, wo ein zentrales Problem unserer Zeit liegt. Es geht darum, dass in einem Bergwerk in Sambia ein Rekord-Smaragd gefunden wurde. Eigentlich nichts wirklich interessantes, wenn der Artikel nicht einen vielsagenden Satz enthalten würde.
 
In einem Bergwerk in Sambia wurde ein Smaragd mit einem Gewicht von 5.655 Karat gefunden, ein Rekord, der jedoch nur für Fachleute interessant sein dürfte. Dann aber kann man im Spiegel einen entscheidenden Satz lesen: „Das Bergwerk, in dem der „Löwen-Smaragd“ gefunden wurde, gehört Gemfields zufolge zu 75 Prozent dem Unternehmen und zu 25 Prozent der Regierung Sambias.
 
Was bedeutet das?
 
Es bedeutet, dass die Bodenschätze, die in diesem größten Smaragdbergwerk der Welt gefördert werden, nicht etwa dem Land gehören, in dem das Bergwerk liegt, sondern dem Unternehmen Gemfields. Sambia wird mit 25% abgespeist. Da muss man sich nicht wundern, dass Sambia ein bettelarmes Land mit einem BIP von knapp 1.200 Dollar pro Einwohner ist.
 
Zumal dies das Geschäftsfeld von Gemsfield ist, sie halten Mehrheitsanteile an Smaragdminen, Rubinminen und anderen Minen in verschiedenen afrikanischen Ländern, die früher zum britischen Imperium gehört haben. Praktischerweise hat Gemfields auch noch die bekannte Juwelier-Firma Faberge gekauft, sodass sie die gesamte Wertschöpfungskette von der Mine bis zur Produktion von Schmuck in der Hand halten.
 
Gemsflied ist eine britische Firma, deren Hauptaktionäre ein südafrikanischer Milliardär und einige Investoren sind, die auf den Cayman-Inseln registriert sind und über die man kaum etwas weiß.
 
Das Geschäftsmodell, das wir hier sehen, ist weit verbreitet. Westliche Firmen kaufen in bettelarmen Ländern Lizenzen zur Förderung von Bodenschätzen, egal ob Edelsteine, Öl, Gold oder was auch immer, für ein Taschengeld und beuten dann die Bodenschätze aus. Die Bevölkerung des Landes hat nichts davon. Solche Verträge nennen sich im Bereich Öl und Gas PSA-Verträge. Dabei wird festgelegt, welchen Anteil der Investor an den geförderten Bodenschätzen im Gegenzug für seine Investitionen erhält, es ist natürlich immer der Löwenanteil.
 
Was auf den ersten Blick gut klingt, bedeutet in Wirklichkeit, dass das Ursprungsland auf einen Anteil seiner eigenen Bodenschätze verzichtet und damit auf ein hohes Einkommen. Dabei könnte doch eigentlich auch Sambia selbst die Bodenschätze fördern, nur dazu würde es Kredite für Investitionen brauchen und wer im Westen wäre bereit, Sambia Kredite zu geben? Dabei wäre es ganz einfach: Die Bank könnte den Kredit zu den gleichen PSA-Konditionen geben, nur dass ihre PSA-Rechte mit Rückzahlung des Kredites auslaufen und nicht auf ewig festgeschrieben sind, wie es bei den heutigen PSA-Verträgen der Fall ist.
 
Die PSA-Abkommen sind also letztlich nichts anderes, als die Fortsetzung der Kolonialpolitik, bei der es ebenfalls nur darum ging, Bodenschätze auszubeuten und einen möglichst geringen Anteil an dem Gewinn in dem kolonisierten Land zu belassen und das Maximum herauszupressen. Und das mit einem minimalen Kapitaleinsatz. Man hat einfach den regionalen Herrscher beteiligt, der mit seinem kleinen Anteil trotzdem steinreich wurde, aber das Volk wurde ausgebeutet.
 
Was früher die Kolonialmächte getan haben, machen heute die Großkonzerne und nennt das Globalisierung. Uns wird erzählt, das wäre etwas Gutes, dabei ist es nichts anderes als die Fortsetzung der Kolonialpolitik der Vergangenheit. Und auch damals wurde die Kolonisierung den Menschen in Europa als etwas Gutes verkauft, denn man brachte den ungebildeten und ungläubigen Wilden in den Kolonien ja Zivilisation und christlichen Glauben. Um Gold und Bodenschätze und Ausbeutung ging es damals offiziell auch nie, es ging darum, Gutes zu tun. Ganz wie heute mit der Globalisierung.
 
Warum ist das für uns ein wichtiges Thema?
 
Heute ist das Thema Flüchtlinge bzw. Migranten in aller Munde. Und wir hören von Medien und Politikern immer, dass man die Fluchtursachen bekämpfen müsse, also die Armut in Afrika zum Beispiel. Denn in Afrika sind Millionen Menschen auf dem Weg, die vor der Armut in der Heimat versuchen, nach Europa zu fliehen. Der wichtigste Grund für die Flucht ist Armut und daraus folgende Perspektivlosigkeit. Es sind genau solche PSA-Abkommen, die westliche Firmen oft sogar mit Subventionen aus Europa abschließen, die für die Armut verantwortlich sind. Denn wenn man drei Viertel der Einnahmen des afrikanischen Landes aus seinen Bodenschätzen einer westlichen Firma überlässt, dann muss man sich über Armut nicht wundern.
 
Ein weiteres Beispiel, das direkt für die Armut in Afrika verantwortlich ist, sind Lebensmittelexporte aus dem Westen. Sowohl die USA als auch die EU zahlen gigantische Subventionen an Lebensmittelproduzenten, die dadurch Lebensmittel erstens industriell und zweitens hochsubventioniert produzieren können. Da kann kein afrikanischer Bauer gegen konkurrieren und er geht pleite. Was man uns als Entwicklungshilfe verkauft, ist in Wirklichkeit ein Subventionsprogramm für unsere industriellen Lebensmittelproduzenten auf Kosten afrikanischer Bauern. Und was macht ein afrikanischer Bauer, der pleite gegangen ist und keinen neuen Job findet? Er geht in Richtung Europa.
 
Dabei war Afrika früher ein Kontinent, der Lebensmittel exportiert hat, nur eben nicht industriell und subventioniert. Es wurde auf diese Weise in Afrika die Landwirtschaft zerstört, damit die Afrikaner nun unsere Industriehühner aus Massentierhaltung kaufen dürfen, die sie selbst nicht so billig produzieren können.
 
Dieses Geschäftsmodell wird von unserer Presse als Globalisierung gefeiert und soll allen Wohlstand bringen. Nur haben wir inzwischen bemerkt, dass es weder den Menschen im Westen mehr Wohlstand gebracht, im Gegenteil, denn oft wurden dabei Fabriken im Westen geschlossen, weil man in Indien oder China billiger produzieren kann. Und auch den Menschen in Afrika brachte die Globalisierung so viel Armut, dass inzwischen Millionen auf dem Weg nach Europa sind oder schon in Europa angekommen sind.
 
Gewonnen haben die großen Konzerne, die ohne viel Aufwand ihre Gewinne erhöhen konnten, sei es wegen der Verlegung ihrer Produktion ins billigere Ausland oder wegen der Bodenschätze, die sie für einen im Vergleich minimalen Kapitaleinsatz in den betroffenen Ländern ausbeuten und behalten dürfen.
 
Aber anstatt nun auf die Welle der entwurzelten Menschen, die nach Europa strömen mit einer Änderung der Politik zu reagieren, versucht man uns klar zu machen, dass diese Einwanderung uns Vorteile bringt und natürlich auch den Migranten. Praktisch eine Win-Win-Situation, dabei ist das Gegenteil der Fall. Und wenn dann die SPD fordert, den Mindestlohn für Migranten aufzuweichen, damit sie eine Chance auf den deutschen Arbeitsmarkt haben, dann ist das nichts anderes, als Programm zur Lohnsubventionierung für deutsche Konzerne, die billige Arbeitskräfte in Deutschland finden.
 
Der Konzern erhöht seinen Gewinn, der Migrant muss für weniger arbeiten, als ein Deutscher und der Deutsche, der vielleicht einen Mindestlohnjob sucht, hat keine Chance auf den Job, weil er zu teuer ist.
 
Win-Win-Situation?
 
Wie man sieht, gewinnen bei der Globalisierung nur die Konzerne. Sie bekommen Subventionen, die wir mit unseren Steuern bezahlen, um im Ausland Märkte zu erobern und große Gewinne zu machen und wenn die dadurch arbeitslos gewordenen Menschen in der Dritten Welt dann in großen Mengen in Europa ankommen, dann bekommen die Konzerne auch noch billige Arbeitskräfte.
 
Verlieren tun dabei die afrikanischen Länder, die Menschen dort und am Ende auch die Menschen im Westen.
 
Und wenn in Afrika ein Land versuchen würde, seine Märkte davor mit Zöllen zu schützen, dann wird ihm unter dem Vorwand, den freien Handel zu stören, ein Wirtschaftskrieg erklärt. Natürlich unbemerkt von der westlichen Presse, die spricht dann von einem unmenschlichen Despoten, der vor das internationale Tribunal in Den Haag gehört.
 
Und wer die Folgen dieses Modells im Westen kritisiert, dem wird vorgeworfen, er sei ein ausländerfeindlicher Rechter. Dabei muss man tiefer graben, um die Ursprünge der heutigen Probleme zu finden. Und ich bin sicher, dass jeder Migrant, der in Europa angekommen ist, lieber in seiner Heimat geblieben wäre, wenn er dort eine Perspektive auf einen Job gehabt hätte, von dem er eine Familie ernähren kann. Aber diese Chance haben ihm die Europäer mit der Globalisierung ja vorher genommen.

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