Politische Morde in der Ukraine – Die westliche Presse stellt aber keine unangenehmen Fragen

Die Probleme in der Ukraine sind in Deutschland kaum bekannt. In Deutschland haben Politik und Medien den Maidan 2014 gefeiert und den Aufbruch des Landes zu Demokratie und Wohlstand gefeiert und danach schnell aufgehört, über die Ukraine zu berichten, denn dort kehrten nicht Demokratie und Wohlstand ein, im Gegenteil.
 
Seit dem Maidan herrscht in der Ukraine ein rechtsextrem-nationalistisches Regime, in dem Korruption und Vetternwirtschaft blühen, während das Volk verarmt. Seit dem Maidan ist das BIP um 50% und die Löhne um 70% gefallen. Der Grund ist nicht etwa die „russische Aggression“, wie es das Regime behauptet, sondern Abbruch der Wirtschaftsbeziehungen zu Russland durch das Regime selbst. Vor dem Maidan machte der russische Anteil im ukrainische Außenhandel fast 50% aus. Davon ist fast nichts mehr übrig und so brachen eben auch Wirtschaftsleistung und Löhne ein.
 
Auch von den vielen politischen Morden, die es seit dem Maidan in der Ukraine gibt, liest man im Westen fast nie etwas. Regierungsgegner sterben seit 2014 bei Autounfällen oder werden ermordet. Journalisten, die die Regierung kritisieren, werden verhaftet und kritische Medien geschlossen. Die UNO kritisiert seit 2014 in ihren Berichten zur Menschenrechtslage in der Ukraine immer wieder, dass der Geheimdienst SBU Geheimgefängnisse betreibt, in denen Regimegegner ohne Haftbefehl spurlos verschwinden.
 
All das und noch vieles andere hört man im Westen freilich nicht. Daher habe ich mich gewundert, dass heute im Spiegel ein Artikel über eines der Opfer der „neuen Demokratie“ in der Ukraine zu lesen war: „Sie wurde mit einem Liter Säure übergossen, jetzt ist sie tot: Die Aktivistin Kateryna Gandsjuk hatte korrupte Autoritäten in der Ukraine kritisiert.
 
Allzu viele Fragen hatte der Spiegel jedoch nicht, denn er schrieb dann: „Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko bestätigte ihren Tod. Er appelliere an die Ermittler, „alles zu tun, um die Mörder“ zu finden, „vor Gericht zu stellen und zu bestrafen“, erklärte er.
 
Dass die Korruptionsvorwürfe auch Poroschenko betreffen, liest man im Spiegel nicht. Poroschenko ist einer der führenden Oligarchen in der Ukraine, der im Wahlkampf versprochen hatte, seine Firmen im Falle seiner Wahl zu verkaufen, was er natürlich nach der Wahl wieder vergessen hat. Auch Enthüllungen über Poroschenko im Zuge der Panama Papers wurden in den westliche Medien weitgehend verschwiegen. Ein Präsident, der sein Einkommen und Vermögen so gut wie möglich in der Steueroase Panama vor dem Finanzamt seines Landes versteckt.
 
Erinnern Sie sich noch an den Maidan? Da starben über hundert Menschen im Kugelhagel und bis heute hat die Ukraine dieses Verbrechen nicht aufgeklärt, obwohl sie EU und UN versprochen hat, dies bis Ende 2014 zu tun. Fragen dazu finden sich in den deutschen Medien jedoch nicht, ist ja auch schon lange her. Das gleiche gilt für die anderen Verbrechen im Zuge des Umsturzes in 2014, wie zum Beispiel für die über vierzig ethnischen Russen, die im Mai 2014 in Odessa von einem Mob nationalistischer Ukrainer im Gewerkschaftshaus bei lebendigem Leib verbrannt wurden. Auch hier hatte das neue Regime in Kiew der internationalen Gemeinschaft Aufklärung versprochen, passiert ist jedoch nichts.
 
Und nun verspricht Poroschenko im Spiegel Aufklärung im Fall einer ermordeten Aktivistin, ohne dass der Spiegel all dies auch nur erwähnt. Stattdessen wieder das alte Muster: „Im Zuge der Ermittlungen sind laut BBC bislang fünf mutmaßliche Beteiligte in Gewahrsam genommen worden. Laut Aussage der ukrainischen Staatsanwaltschaft aus dem August sollen Separatisten im Süden der Ukraine an der Tat beteiligt gewesen sein, deren Ziel es sei, das Land zu destabilisieren.
 
Nur welches Interesse sollten die Separatisten daran haben, eine Gegnerin der Regierung zu töten, gegen die sie sich selbst zur Wehr setzen? Wenn schon, dann würden die doch wohl Unterstützer der Regierung töten. Aber merkwürdigerweise sind alle Opfer von Unfällen, Anschlägen und Morden in der Ukraine seit dem Maidan 2014 Gegner der neuen, in Europa euphorisch gefeierten, Regierung.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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