Schwere Vorwürfe von Billy Six gegen Bundesregierung: Russland hat sich für ihn eingesetzt, Deutschland hat ihn im Stich gelassen

Der fast vier Monate in Venezuela inhaftierte deutsche Journalist Billy Six, der vor ein paar Tagen überraschend freigelassen wurde, hat schwere Vorwürfe gegen die deutsche Regierung erhoben. Demnach hat sie sich nicht für ihn eingesetzt und seine Freilassung habe er dem russischen Außenminister Lawrow zu verdanken, während Deutschland ihn dort „lebendig begraben“ wollte.

Schon unmittelbar nach der Freilassung von Billy Six hat seine Familie auf Facebook gemeldet, dass sie für die Freilassung dem russischen Außenminister dankt. Das war eine spannende Meldung, aber da ich die Hintergründe nicht kannte und auch den „Fall Billy Six“ nur am Rande verfolgt hatte, habe ich dazu erst einmal nichts geschrieben.

Inzwischen zeichnet sich jedoch in folgendes Bild ab: Billy Six wurde vor knapp vier Monaten in Venezuela festgenommen, nachdem er als freier Journalist knapp ein Jahr lang von dort berichtet hatte. Der Vorwurf war unter anderem Spionage.

Während seiner Haftzeit hat sich die Bundesregierung nicht nur nicht für ihn eingesetzt, sie hat sogar die Bemühungen seiner Familie behindert. Die konsularische Betreuung, die jedem Deutschen, der im Ausland ins Gefängnis kommt, zusteht, wurde auf dem absoluten Minimum gehalten und ihm wurde von deutscher Seite keinerlei Hilfe geleistet, im Gegenteil. Billy Six hat sich hierzu gestern in einer Pressekonferenz sehr deutlich geäußert, der Bundesregierung schwere Vorwürfe gemacht und diese Vorwürfe auch mit Dokumenten belegt. Derzeit bereitet er eine Klage gegen die Regierung vor.

Um zu verstehen, was das bedeutet, muss man sich nur an den Fall es in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel erinnern, für den die Bundesregierung alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, Außenminister Gabriel ist am Ende sogar nach Ankara geflogen, um die Freilassung auszuhandeln. Und als er aus dem Gefängnis kam, wurde er mit einer Regierungsmaschine ausgeflogen.

Im Fall von Billy Six war die deutsche Botschaft jedoch nicht einmal bereit, ihm einige Zeitungsartikel auszudrucken, die er für seine Verteidigung gebraucht hat, um zu belegen, dass er tatsächlich Journalist ist, der für Zeitungen Artikel schreibt. Denn Venezuela warf ihm vor, kein Journalist, sondern ein Spion zu sein, der in das Drohnenattentat auf Präsident Maduro vor einigen Monaten beteiligt gewesen sei.

Man sieht also, dass die Bundesregierung ihre Unterstützung für deutsche Staatsbürger sehr unterschiedlich handhabt, für den Mainstream Journalisten Yücel hat sie gekämpft wie ein Löwe, für den unbekannten freien Journalisten Billy Six hat sie keinen Finger krumm gemacht, sondern alles getan, damit seine Verteidigung im Prozess ins Leere läuft und er auf Jahre in einem venezolanischen Gefängnis verschwindet.

Und dann geschah folgendes: Am 14. März traf der russische Außenminister Lawrow seinen venezolanischen Kollegen zu Gesprächen im Rahmen der UNO in Wien. Dort hat Lawrow sich nach Mitteilung von Billy Six für seine Freilassung eingesetzt und keine zwei Tage später wurde er freigelassen und durfte Venezuela verlassen. Das russische Außenministerium berichtete von dem Treffen, hat jedoch nichts über Billy Six mitgeteilt. Auch bei der Pressekonferenz des russischen Außenministeriums am Freitag gab es dazu keine Erklärung.

Das verwundert in sofern, als dass man doch annehmen müsste, dass Russland dies ausschlachtet, denn dass sich ein russischer Außenminister für einen gefangenen deutschen Journalisten einsetzt und ihn frei bekommt, während die deutsche Regierung keinen Finger krumm gemacht hat, ist schon eine Meldung wert. Aber in Russland wird über diese Sache bisher nichts berichtet. Ich warte nun auf die nächste Pressekonferenz des russischen Außenministeriums am Donnerstag oder Freitag, vielleicht gibt es dort Informationen der russischen Seite dazu.

Interessant ist, dass deutsche Medien zwar über die Vorwürfe von Billy Six gegen die Regierung berichten, aber nicht über seinen Dank an das russische Außenministerium. So kommt zum Beispiel in diesem Artikel der FAZ unter der Überschrift „Billy Six will Bundesregierung verklagen“ das Wort Russland gar nicht vor, obwohl seine Vorwürfe gegen die Bundesregierung zumindest verkürzt wiedergegeben werden. Wie die FAZ dieser Frage aus dem Weg geht, sieht man schon an der Einleitung:

„Der Journalist Billy Six ist nach viermonatiger Haft in Venezuela frei. Das hat er, wie er meint, nicht dem Auswärtigen Amt zu verdanken. Im Gegenteil. Er will die Bundesregierung juristisch belangen.“

Der Fall ist jedenfalls sehr brisant und ich werde vor allem die russischen Medien beobachten und mitteilen, wenn es dort Meldungen gibt.

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Ein Gedanke zu „Schwere Vorwürfe von Billy Six gegen Bundesregierung: Russland hat sich für ihn eingesetzt, Deutschland hat ihn im Stich gelassen“

  1. Der Fall ist doch ganz klar. Im Fall des Inhaftierten Journalisten in der Türkei kann man nach seiner Freilassung davon ausgehen, dass er nach seiner Freilassung mit Freude schlecht über Erdowahn berichten wird. Außerdem hat er in seinen Artikeln uns schön aufgezeigt wie mies wir Deutschen sind. Es ist ja gerade Hoffähig, dass Menschen, die mit Aussagen „Deutschland verrecke“ oder ähnlichen sich großer Beliebtheit hier im Land erfreuen und gerne auch in hohe Politische Ämter gewählt werden.
    Hierzu kann ich nur sagen: Es gehört schon eine gute Portion Selbsthass dazu die Grünen in Deutschland zu wählen.
    Ich kenne die Artikel des Billy Six nicht. Aber ich kann mir vorstellen, der er als freier Journalist unserer MS Presse nicht immer nach dem Mund geschrieben hat.
    Außerdem ist es besser bei diesem „Bösen Diktator Manduro“ einen Märtyrer im Gefängnis sitzen zu haben. Der arme Billy wird vom Pösen Pösen Diktator festgehalten.
    Ich bin mir sicher, dass Billy nach dem geplanten Umsturz im Land mit allen Tam Tam nach Deutschland zurückgeholt worden währe. Dort könnte er dann in Talkshows erzählen was für ein Böser Diktator doch der Maduro war.
    Jetzt haben die Russen diesen Plan durchkreuzt. Ein ganz klarer Fall von Wahlmanipulation. Jetzt erzählt Billy was für eine Sch….. Regierung wir haben.
    Also Wenn die SPD und CDU bei den Europawahlen schlecht abschneiden, dann wissen wir jetzt schon der Russe war´s.

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