Erst 75 Jahre nach Kriegsende: Finnland entfernt Hakenkreuz von Flagge der Luftwaffe

Man lernt nie aus: Finnland hat auf der offiziellen Flagge seines Luftwaffenkommandos bis 2020 das Hakenkreuz getragen. Das wurde nun still und heimlich entfernt, die Luftwaffenakademie trägt das Hakenkreuz allerdings immer noch in ihrer offiziellen Fahne.

Manche Meldungen sind so kurios, dass man sie erst nicht glauben will. Das russische Fernsehen hat heute gemeldet, dass die finnische Luftwaffe nun nach über 100 Jahren das Hakenkreuz aus ihrer Flagge entfernt hat. Das konnte ich nicht glauben und habe recherchiert. Ergebnis: Die Meldung ist wahr.

Die finnische Luftwaffe hat das Hakenkreuz 1918 als offizielles Symbol eingeführt. Bevor die Nazis das vormals ehrwürdige Symbol entweiht haben, stand das Hakenkreuz (oder die Swastika, wie es international genannt wird) seit Jahrtausenden als Symbol für die Sonne und für Glück. Das war der Grund, warum Finnland das Symbol 1918 wählte, mit den Nazis (die es damals noch gar nicht gab) hatte das nichts zu tun. Im Zweiten Weltkrieg hat Finnland mit Deutschland zusammen gegen die Sowjetunion gekämpft. Nach dem Krieg wurde das Symbol fast überall entfernt. Aber eben nur fast überall.

Das russische Fernsehen hat sich bei seiner Meldung auf einen Artikel der BBC berufen. Demnach hat das finnische Oberkommando still und leise beschlossen, das bisherige Symbol auszutauschen. Das Bild zeigt einen Screenshot des BBC Artikels, der laut Beschreibung links das bisherige Symbol des finnischen Luftwaffenkommandos zeigt, rechts das neue Symbol.

Die Deutsche Welle hat in ihrer englischen Ausgabe auch darüber berichtet, das Titelbild des DW-Artikels ist noch verstörender, als das Titelbild der BBC.

Inhaltlich unterscheiden die Artikel sich nicht, beide berichten, dass das Symbol nun still und heimlich ausgetauscht wurde.

Aber nicht überall. Im letzten Satz des DW-Artikels wird berichtet, dass die Luftwaffenakademie Finnlands das Hakenkreuz noch in seiner Flagge trägt. Auch einen Link zur Seite der finnischen Luftwaffenakademie hat die Deutsche Welle gesetzt und tatsächlich: Wie man sehen kann, zeigt das Foto auf dem Wappen der Akademie immer noch ein stilisiertes Hakenkreuz.

Den Finnen deshalb Sympathie für die Nazis zu unterstellen ist natürlich Unsinn. Aber für einen deutschen Leser sind die Bilder doch sehr befremdlich.

Was kann man dazu sonst noch sagen? Besser spät, als nie…

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

3 Gedanken zu „Erst 75 Jahre nach Kriegsende: Finnland entfernt Hakenkreuz von Flagge der Luftwaffe“

  1. Ja, aber das hat die UdSSR auch nie gestört, und die Beziehungen zwischen der SU und Finnland waren jedenfalls in den Zeiten eines Urho Kekkonen nicht die Schlechtesten.
    Und wenn in der WWG nicht so ein Aufhebens darum gemacht würde, wäre das, jedenfalls den offiziellen Medien der RF, auch heute keine Zeile wert.
    „Symbolpolitik“ ist alles mögliche, nur keine Politik – allenfalls „Nebelbombenwerfen“.

  2. Herr Röper,

    inhaltlich unterscheiden sich die Artikel ggf. nicht, jedoch ist das Kreuz auf beiden Bildern unterschiedlich (Ausrichtung)!

    Dass das Hakenreuz (Swastika) nicht von den Nazis stammt, ist wohl jedem bekannt!
    Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass die Bewegung „Falun Gong“ dieses Kreus seit ihrem ersten Auftreten 1992 als ihr Erkennungszeichen/Symbol ansieht und in ihrer Fahne trägt!
    Im Übrigen in Deutschland erlaubt!!! Komisch, oder?

  3. Viel interessanter sollten folgende Fragen aber sein:
    1. Warum sind die Nazi-Adler noch überall zu finden?
    https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Reichsadler_Finanzamt_Charlottenburg.jpg

    2. Warum ist die „Bundesagentur für Arbeit“ in Thüringen, in die Villa des Naziverbrechers Saukel eingezogen, aus der die gesamte nationalsozialistische Zwangsarbeit gesteuert wurde? (Zurück zu seinen Wurzeln? Denn die heutigen SGB2 stammen ja aus der Naziszeit und so kann man auch das alte Ambiente geniesen!)

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