„Entgeldtransparenzgesetz“: Wie Ideologie keine keine Probleme löst

Mit verschiedenen Gesetzen versucht die Regierung die Gleichberechtigung von Mann und Frau voranzubringen. Jedoch gehen diese Gesetze an der Realität vorbei, wie sich nun wieder beim „Entgeldtransparenzgesetz“ zeigt, das seit einem Jahr gilt.
 
Vorweg sei gesagt, dass ich uneingeschränkt für gleiche Rechte aller Menschen bin, auch für gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, egal ob es sich um Männer, Frauen, Heteros, Homos, Ausländer, Deutsche oder wen auch immer handelt. Ich bin für Gerechtigkeit und gleiche Rechte und Pflichten und gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit, das alles sind elementare Bestandteile von Gerechtigkeit in einer Gesellschaft.
 
Ich habe schon mal einen ausführlichen Artikel zu der Frage geschrieben, warum die Gesetze über Frauenquoten nichts bringen. Heute hat ein anderes Gesetz gezeigt, dass es keinen Effekt hatte, obwohl die Ideologen geglaubt haben, es würde etwas bewirken.
 
Nun wurde und wird uns immer eingebläut, es gäbe den sogenannten „Gender-Pay-Gap“, also die ungleiche Bezahlung von Mann und Frau. Diese Geschichte ist so in unsere Köpfe eingehämmert worden, dass niemand sie hinterfragt und niemand daran zweifelt. Sollte man aber, denn zu einem guten Teil ist die These falsch.
 
Sie stimmt, wenn wir uns alle Männer und Frauen in Deutschland ansehen, dann verdienen Frauen tatsächlich weniger, als Männer. Nur liegt das daran, dass Frauen öfter Gleitzeit arbeiten und Gleitzeit nun einmal schlechter bezahlt wird, als Vollzeit. Auch liegt es daran, dass Frauen öfter in schlechter bezahlten Berufen arbeiten, seien es soziale Berufe oder Dienstleistungen wie Friseure und Reinigungskräfte. Oder dass sie Kinder bekommen und vielleicht eine Zeit lang gar nicht arbeiten. Das ist vielleicht ungerecht, aber trotz aller Gleichmacherei können Männer bis heute keine Kinder bekommen.
 
Daran sieht man schon, dass das „Entgeldtransparenzgesetz“ gar nichts bringen kann, denn es gilt nur für Firmen ab 200 Mitarbeitern und für gleichwertige Tätigkeiten. Und seien wir ehrlich, da gibt es bei 80-90% der Mitarbeiter keine ungleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Die allermeisten Jobs sind standardisiert, also zum Beispiel Sachbearbeiter, Buchhalter, Verkäufer etc. Da ist ein Budget für die Stelle vorhanden und das ändert sich nicht, je nachdem ob eine Frau oder ein Mann eingestellt wird. Gleiches gilt bei Tarifverträgen: Wenn zwei Mitarbeiter einen vergleichbaren Job machen und beide die gleiche Berufserfahrung haben, dann haben sie die gleiche Tarifstufe bekommen sie das gleiche Gehalt, egal ob sie Mann oder Frau sind.
 
Nur 10-20% der Jobs sind so hoch angesiedelt, dass man sein Gehalt frei aushandeln kann. Und da mag es Unterschiede geben, wenn einer frecher oder geschickter verhandelt, als der andere. Es gibt Untersuchungen, die belegen, dass Frauen in diesem Bereich tatsächlich weniger verdienen, als Männer. Über die Gründe herrscht keine Einigkeit. Allerdings wird es dabei auch schon wieder schwierig zu definieren, was eigentlich gleichwertige Arbeit ist. Vorstände verdienen sehr gute Gehälter, trotzdem unterscheiden sie sich in einer Firma teilweise stark, je nachdem, welchen Verantwortungsbereich sie leiten.
 
Aber reden wir bei der Debatte über gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit wirklich über die Leitenden Angestellten? Oder sollte es bei der Frage nicht eher um die Masse der Menschen gehen? Und da könnte die Regierung mit sinnvollen Gesetzen tatsächlich einiges tun! Die Regierung könnte morgen beschließen, Arbeitsbedingungen und Bezahlung in sozialen Berufen deutlich zu verbessern. Würden Pflegekräfte und Erzieher besser bezahlt, würde das nicht nur den Frauen helfen, die mehrheitlich in diesen Berufen arbeiten, es würde auch die Berufe attraktiver machen und so den Pflegenotstand reduzieren und auch den Kitas helfen, genug Erzieher zu finden.
 
Aber so ein Gesetz würde ja etwas ändern, die Gender-Ideologen gehen lieber von der angeblichen Geschlechterungerechtigkeit aus, die es aber wie gesagt bei den meisten Jobs nicht gibt. Und sollte es doch einzelne Firmen geben, die zum Beispiel einer weiblichen Buchhalterin mit gleicher Erfahrung und Arbeitszeit weniger bezahlen, als dem männlichen Kollegen am Nachbarschreibtisch, dann ist das scharf zu verurteilen und in meinen Augen auch zu sanktionieren, aber es ist die Ausnahme und nicht die Regel.
 
Wenn man wirklich etwas ändern will, muss man ideologiefrei an die Sache herangehen und die wahren Gründe angehen. Bessere Bezahlung in sozialen Berufen würde nicht nur den Frauen helfen, sondern der Gesellschaft insgesamt. Aber wann hat eine deutsche Regierung das letzte Mal ein Gesetz gemacht, dass tatsächlich etwas in Deutschland verbessert hätte?

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

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