In Russland erlaubt: Das russische Fernsehen über das heikle Thema Leihmutterschaft

In der Sendung „Nachrichten der Woche“ geht es immer auch um inner-russische Themen, die ich meist nicht übersetze, weil sie für deutsche Leser nicht interessant und oft auch ohne Kenntnisse Russlands kaum zu verstehen sind. Aber die gesellschaftliche Diskussion in Russland über Leihmütter finde ich auch für deutsche Leser interessant.

Leihmutterschaft ist ein sehr umstrittenes Thema. In Deutschland und den meisten europäischen Ländern ist sie verboten. In Russland jedoch nicht. Da nun ein prominentes russisches Ehepaar offen damit umgeht, eine Leihmutter zu engagieren, um den eigenen Kinderwunsch zu erfüllen, wurde das Thema wieder öffentlich diskutiert.

Ich fand den Bericht des russische Fernsehens darüber sehr interessant, weil er beide Seiten dieser moralischen Frage beleuchtet und auch schonungslos die Probleme benennt, die es in Russland bei dem Thema aus rechtlicher Sicht gibt. Egal, wie man zu dem Thema stehen mag, den Bericht – eigentlich zwei Berichte, ein Kommentar des Moderators und eine Reportage zum Thema – fand ich so interessant, dass ich ihn übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Die Aussage der berühmten Produzentin Yana Rudkowska, dass sie und ihr Mann – er ist der zweimalige Eiskunstlauf-Olympiasieger Jewgeni Plushenko – ein Kind haben wollen, das eine andere Frau zur Welt bringen soll, war eine Sensation für die Boulevard-Presse. So öffentlich hat sich bei uns bisher keine Familie dazu geäußert. Die Leihmutter wurde bereits aus vielen Kandidatinnen ausgewählt, es sind nur noch einige rechtliche Formalitäten zu lösen. Aber der Plan ist: Die Frau, die ein Kind für Rudkowska und Plushenko gebären wird, wird für eine Weile direkt im Haus des berühmten Paares leben.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Rudkowska und Plushenko offiziell verheiratet sind und ihre Ehe auch kirchlich geschlossen haben. Und das war für sie keine Formalie. Immerhin nennt Yana ihren Jewgeni einen „tief religiösen Menschen“. Für uns ist das sehr wichtig, denn unser Thema ist nicht die Beziehung des Paares, sondern die ideologischen Konflikte in der Gesellschaft, die man an diesem Beispiel sehen kann.

Wir sprechen über die so genannte Leihmutterschaft, das ist moderne Medizintechnik, die es dem männlichen Samen und der weiblichen Eizelle ermöglicht, sich in einem Labor zu vereinen, in vitro, und einen menschlichen Embryo zu bilden. Im Idealfall sind Vater und Mutter bekannt, aber der auf diese Weise und unter Zustimmung aller Beteiligten entstandene Embryo, wird einer anderen Frau eingepflanzt, die ihn austragen und zur Welt bringen muss. Wenn das geschieht, wird das Kind in der Familie von Rudkowska und Plushenko bleiben und die Frau, die diesen Dienst geleistet hat, wird – sagt Yana – für immer ein der Familie nahe stehender Mensch bleiben.

„Ich hoffe, dass sie eine Weile bei uns leben kann. Natürlich nur, wenn sie möchte. Sie wird uns nicht nur einen Dienst für Geld erweisen, sondern Teil unserer Familie werden. Und wenn sie eine schwierige Zeit hat, werden wir sie nie im Stich lassen, sie unterstützen und ihr helfen“, sagte Rudkowska.

Die Familie Plushenko und Rudkowska wollen schon lange ein weiteres Kind, wahrscheinlich beten sie dafür, aber es hat nicht geklappt. Jewgeni Pluschenko hat aus einer früheren Ehe hat einen Sohn, Yana hat von ihrem ersten Mann zwei heranwachsende Söhne. Außerdem haben sie einen gemeinsamen Sohn. Und jetzt träumen sie von einer Tochter. Yana schreibt offen, dass sie, nachdem sie sich an Ärzte gewandt hatte, mehr als einmal künstliche Befruchtung versucht hat, sich also in-vitro einen Embryo hat einpflanzen lassen, aber es hat mit dem Kinderwunsch nicht geklappt. Sie hatte vier Fehlgeburten. Die Zeit arbeitet, sagen wir, nicht nicht eben für sie. Jana, die aus ihrem Alter kein Geheimnis macht, ist 44 Jahre alt. Und jetzt kommt der nächste Versuch, einen Embryo einzupflanzen.

„Ich bekam 10 Embryonen und nach einer genetischen Analyse stellte sich heraus, dass nur einer von ihnen brauchbar ist. Es war eine Qual. Und so musste ich eine Entscheidung treffen: Noch eine künstliche Befruchtung oder Leihmutterschaft. Ich bin mir bewusst, dass dies meine letzte Chance ist. Ich kann noch einmal eine künstliche Befruchtung versuchen, aber niemand garantiert den Erfolg, vielleicht funktioniert es, vielleicht auch nicht. Und so habe ich entschieden, dass es besser ist, die Chance der Leihmutterschaft zu nutzen, wo die Erfolgswahrscheinlichkeit viel höher ist. Leihmutterschaft ist im Grunde mein einziger Ausweg“, sagte Rudkowska.

Aber da gibt es diesen Weltanschauungskonflikt. Die russisch-orthodoxe Kirche hält Leihmutterschaft ausdrücklich für „unnatürlich“ und „inakzeptabel“. Darüber hinaus dürfen Priester Kinder von Eltern, die ein Kind mit Hilfe einer Leihmutter bekommen haben, erst taufen, wenn die Eltern alles gebeichtet und bereut haben. Das heißt, die zukünftige Tochter von Yana Rudkowska und Jewgeni Pluschenko kann erst im Erwachsenenalter getauft werden, wenn sie diese Entscheidung selbst treffen kann. Solange sie ein Kind ist, müssen die Eltern erst Buße tun, weil sie gegen das Kirchenverbot verstoßen haben. Das ist wichtig zum Verständnis.

Gleichzeitig verstoßen Yana und Jewgeni aus Sicht des Staates gegen nichts. Leihmutterschaft ist gesetzlich zulässig, das Gesetz wurde bereits 2011 verabschiedet.

„Leihmutter kann eine Frau im Alter zwischen 20 und 35 Jahren sein, die mindestens ein eigenes gesundes Kind hat, bei der eine medizinische Untersuchung einen zufriedenstellenden Gesundheitszustand ergeben hat und die eine schriftliche, freiwillige Zustimmung zu dem medizinischen Eingriff gegeben hat. Eine Frau, die verheiratet ist und deren Ehe in der Russischen Föderation registriert ist, kann nur mit der schriftlichen Zustimmung des Ehegatten Leihmutter sein. Eine Leihmutter kann nicht gleichzeitig die Eizellspenderin sein“, heißt es im Gesetz.

Und jetzt zur Realität. Russland ist nach den Vereinigten Staaten das Land mit der zweitgrößten Anzahl von durch Leihmütter geborener Kinder in der Welt. Offiziell führt das Gesundheitsministerium solche Statistiken nicht und beruft sich dabei auf das Datengeheimnis der Eltern. Allerdings gibt es mehr als 200 Zentren im Land, die Leihmutterschaftsdienste anbieten. Für solche Dienstleistungen hat sich bereits ein Markt entwickelt. Und nach den Schätzungen der großen Player werden mit Hilfe von Leihmütter bereits Zehntausende Kinder pro Jahr geboren. Es wird angenommen, dass etwa 5 Prozent der genetischen Eltern Ausländer sind. Denn nicht überall ist Leihmutterschaft gesetzlich erlaubt.

Wenn es beispielsweise in einigen Staaten der Vereinigten Staaten, aber auch in Georgien, Südafrika, der Ukraine und Kasachstan möglich ist und – mit unterschiedlichen Vorbehalten – auch in Japan, Südkorea, Großbritannien, Kanada und Israel, so ist es beispielsweise in Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien unter keinen Umständen möglich. Das heißt, wir sehen, dass die Welt gespalten ist.

In Spanien zum Beispiel gibt es sogar eine spezielle Organisation, die sich gegen Leihmutterschaft ausspricht. Ihr Slogan lautet „No somos vasijas“. Sie sagen, dass Leihmutterschaft bedeutet, den Körper einer Frau zu mieten. Was mich betrifft, wenn eine Stewardess Ihnen Kaffee bringt, mieten sie auch den Körper einer Frau? Und wenn es ein Steward tut, mieten wir dann einen männlichen Körper? Ernsthaft? Und wie steht es dann insgesamt um körperliche Arbeit? Wo ziehen wir die Grenzen?

Das mit der Ausbeutung des weiblichen Körpers ist alles Unsinn. Viel wichtiger sind uns die Argumente der russisch-orthodoxen Kirche. Denn mit ihr werden Yana Rudkowska und Jewgeni Plushenko es zu tun bekommen, denn sie sind kirchlich verheiratet.

„Die Leihmutterschaft, das heißt das Austragen eines befruchteten Eis durch eine Frau, die das Baby nach der Geburt an „Kunden“ zurückgibt, ist unnatürlich und moralisch inakzeptabel, selbst wenn es auf nichtkommerzieller Basis durchgeführt wird. Diese Technik beinhaltet die Zerstörung der tiefen emotionalen und spirituellen Intimität, die zwischen Mutter und Baby bereits während der Schwangerschaft ensteht. Die Leihmutterschaft traumatisiert sowohl die austragende Frau, deren mütterliche Gefühle mit Füßen getreten werden, als auch das Kind, das in der Folge eine Krise des Selbstbewusstseins erleben kann“, glaubt die russisch-orthodoxe Kirche.

Ja, wir hören diese Argumente. Aber ist diese Position für eine Kirche nicht unnötig materialistisch, weil sie die körperliche Verbindung des Embryos mit der Frau, die ihn austrägt an erste Stelle setzt, und nicht den Traum der genetischen Eltern, den ihnen auch nicht ihr Gebet an den Schöpfer erfüllt hat? Und welche pastorale Rolle spielt die Kirche dann? Ist es nicht so, dass man im schwierigsten Moment des Lebens in der Nähe seiner Kinder ist und Worte der Liebe findet, die die Beziehungen der Menschen zueinander und zu Gott harmonisieren?

Schließlich fördert die Kirche Kinder als gewollte Frucht der Ehe. Wie sonst? Der Schöpfer selbst hat die ersten Menschen gesegnet und ihnen buchstäblich die Aufgabe gegeben: „Gehet hin und vermehret Euch!“ Von technischen Beschränkungen war da nicht die Rede. Darüber hinaus wusste der liebevolle Schöpfer, wie die Menschen sich in der Zukunft reproduzieren würden, weil er die Zukunft genauso deutlich sieht, wie die Gegenwart.

In unserer Zeit ist es natürlich gut, dass die orthodoxe Kirche auch die Ärzte bittet und segnet, die bei Unfruchtbarkeit helfen. Aber wenn die Kirche mit Skepsis und sogar mit einer gewissen Verachtung über ein Kind spricht, das mit Hilfe einer Leihmutter geboren wurde und es als ein „biologisches Individuum, das willkürlich durch Manipulation von Elementen des genetischen Materials konstruiert werden kann“ bezeichnet, wo ist dann hier Platz für die Seele und wo ist die Liebe als oberstes Gebot Christi?

Und weiter vom Sozialkonzept der russisch-orthodoxen Kirche: „Wenn ein Mann oder eine Frau nicht in der Lage ist, ein Kind zu bekommen, und therapeutische und chirurgische Behandlungen den Ehepartnern nicht helfen, sollten sie demütig ihre Kinderlosigkeit als besondere Berufung akzeptieren.“

Einverstanden. Aber wenn sich seit dem Jahr 2000, als das Sozialkonzept des russisch-orthodoxen Kirche angenommen wurde, „therapeutische und chirurgische Methoden“ so stark verändert haben, dass sie Ehepartner nun in die Lage versetzen, ein Kind zu bekommen, dann ist es vielleicht an der Zeit, die Bewertung zu überdenken? Und Priester könnten mit solchen Eltern und sie unterstützen arbeiten. Ist es nicht seltsam, wenn wir in der Bibel „Gehet hin und vermehret Euch!“ lesen und ein Priester, der neben dir steht, verurteilt dich dafür? Nach Motto: Ja, aber doch nicht so!

Ich verstehe, dass das Thema strittig ist.Und das ist gut so. Unsere Kirche als wichtige und respektierte öffentliche Institution hat wiederholt bewiesen, dass sie sowohl zu internen Diskussionen, als auch zu Diskussionen über akute gesellschaftliche Themen fähig ist. Das ist alles natürlich und normal, wenn sich die Kultur unserer Zivilisation weiter entwickelt und neue moralische Herausforderungen entstehen.

Und auch die russischen Gesetzgeber müssen das echte Leben noch einholen, denn nicht alle rechtlichen Aspekte sind berücksichtigt, es gibt Probleme mit dem Schutz der Rechte von Leihmüttern und den Rechten genetischer Eltern. Es ist klar, dass es in diesem Bereich Verbrechen gibt. Allerdings gibt es überall Verbrechen, im Gesundheitswesen, in der Schule, in der Kirche, in der Armee und im Showbusiness: wo auf der Welt gibt es keine Verbrechen? Verbrechen müssen bekämpft werden. Kriminalität ist etwas, das die Norm bricht. Es ist wichtig, dass wir die Norm definieren.

Über die realen und juristischen Aspekte berichtet unsere Reportage.

Jedes fünfte Paar auf der Welt steht vor dem Problem der Unfruchtbarkeit. Und jedes Jahr wächst die Zahl der Unfruchtbaren um eine Viertelmillion. In Russland ist statistisch jedes sechste Paar betroffen.

Diese Kinder sehen sich nicht ähnlich. Hinter ihren Rücken flüstern die Leute: die ist von einem anderen. Aber Eva ist für Nina Dmitrushkina wie ein eigenes Kind. Der Kunde verschwand mit dem Geld, Nina blieb mit dem Kind zurück. Eva ist die fünfte in dieser kinderreichen Familie.

Nina beendete die 9. Klasse. Mit 17 Jahren brachte sie ihr erstes Kind zu Welt. Sie hatte keine Ausbildung und keinen Job. Leihmutter zu werden, war eine Möglichkeit, an Geld zu kommen. Im Alter von 35 Jahren hat sie acht Geburten hinter sich. Vier davon waren auf Bestellung von kinderlosen Kunden.

Nur bei Eva war alles anders. Der Moskauer Anwalt Kostjukow schloss über die Vermittlerin Snezana Tokar einen Vertrag für die Geburt eines Kindes. Aber der Anwalt wollte einen Jungen und ein Mädchen wurde geboren. Er weigerte sich, es zu nehmen. Statt einer Million Rubel (Anm. d. Übers.: ca. 14.900 Euro) bekam Nina ihr fünftes Kind.

„Töte es oder gib es ins Waisenhaus. Mach, was Du willst. Das war alles. Ich wurde gerade einfach fallen gelassen. Ehrlich gesagt, mein Mann hat mich dazu gebracht, das Baby zu behalten. Und mein Mann hat mich dazu gebracht, sie zu lieben“, sagt Nina.

Snezana Tokar arbeitete einst als Leihmutter und eröffnete dann ihr eigenes Geschäft. Sie rekrutierte Mädchen und bot ihnen an, für wohlhabende Kunden zu gebären. Das Honorar laut Vertrag war 1,1 Million Rubel.

Leihmütter wurden mit Wohnraum versorgt: Sie wurden in den Bezirk Dimitrov gebracht und in einem Haus untergebracht. In der Regel lebten dort 6, 8 oder sogar 10 Personen. Um sie gekümmert hat sich niemand, es gab nur Videoüberwachung, Kameras waren im Haus installiert. Ihr Leben wurde beobachtet.

Nikolai Juschtschenko kommt zum ersten Mal hierher. Er ist auch auf der Suche nach Snezana Tokar. Er war Kunde ihrer Agentur. „Unser Sohn starb und er war das einzige Kind. So haben wir beschlossen, irgendwie weiter zu leben. Das Schlimmste ist, wenn Eltern ihre Kinder begraben. Um weiter zu leben, wollten wir weitere Kinder bekommen. So haben wir uns darauf eingelassen“, erinnert sich Nikolai.

Vor zwei Jahren wandten sie sich an die Vermittlerin, um Hilfe zu erhalten und zwei Leihmütter auszuwählen. Die eine sollte einen Jungen zur Welt bringen, die andere ein Mädchen. Juschtschenko zahlte sofort für die Dienste von Tokar: 2,5 Millionen für jedes Kind. Aber der Sohn wurde nie geboren.

„Sie ist gestürzt oder trug zu enge Kleidung, irgendwelche Jeans, so dass das Kind erstickt ist, oder sonst was. Bisher hat Snezana mir keine Kopeke zurückgegeben“, sagt Nikolai.

Das ist fast ein Jahr her. Tokar tauchte nicht wieder auf. Aber ihr Geschäft floriert. Dies ist eine andere Leihmutter, die einen Vertrag mit ihr abgeschlossen hat. Sie fragt Snezana direkt: Warum betrügt sie ihre Kunden?

„Sie glauben mir oder nicht. Ich werde nichts erklären“, war die Antwort.

Die Leihmütter gehen vor Gericht, betrogene Eltern haben Anzeig erstattet, aber ihre Rechte liegen außerhalb der Gesetze. Rechtsanwalt Konstantin Switnev wird oft von Klienten angesprochen, die ein Kind bestellt haben, aber die Frau, die es geboren hat, änderte plötzlich ihre Meinung und gab es nicht her.

„Warum geschieht das? Weil Eltern, Kunden des Leihmutterschaftsprogramms, nach unserer Gesetzgebung völlig entrechtet sind. Sie haben keine Rechte an diesem Kind. Das Schicksal, das Leben ihres Kindes, wird von der Leihmutter bestimmt“, sagte der Anwalt.

In einer großen Agentur in der Hauptstadt treffen wir ein junges Paar. Sie wollen ihre Gesichter nicht zeigen und ihre Namen nicht nennen, es ist ein heikles Thema. Sie sind auch auf der Suche nach einer Leihmutter. Zweifel und Angst: Was ist, wenn das Kind nicht herausgegeben wird? Der Geschäftsführer beruhigt sie: In 15 Jahren hat es solche Fälle nicht gegeben. Die Leihmutter bekommt das Geld erst, wenn in die genetischen Eltern in der Geburtsurkunde eingetragen sind.

Musikproduzentin Yana Rudkowska scheut sich nicht, darüber zu sprechen. Sie erklärt offen, dass ihr viertes Kind von einer Leihmutter ausgetragen wird. „Die Wissenschaft geht voran. Wissenschaftlern zufolge wird es in fünf Jahren eine künstliche Gebärmutter geben, die Kinder gebären wird. Wir sind uns sehr wohl bewusst, dass Leihmutterschaft für viele der einzige Weg ist, Kinder zu bekommen. Das muss niemandem peinlich sein, man muss sich davor nicht fürchten“, sagte Rudkowska.

Jedes fünfte Paar auf der Welt steht vor dem Problem der Unfruchtbarkeit. Gennady Sukhich, Direktor des Nationalen Medizinischen Zentrums von Kulakov, nennt dies eine kritische Zahl.

„Es gibt zum Beispiel Situation, da ist man auch nach verschiedenen Langzeitbehandlungen in der Sackgasse. Nehmen wir an, eine Frau hat keine Gebärmutter, sie hatte eine schwere Krankheit. Für sie ist der einzige Weg, ein Kind zu bekommen, die Leihmutterschaft“, sagte Sukhich.

Die Methode ist die gleiche, wie bei der In-vitro-Fertilisation, IVF. Im Kulakov Zentrum führte man 1986 erstmals Embryonentransplantationen durch.

Embryonen werden in flüssigem Stickstoff in ein Lager geschickt. In diesem Zustand bleiben sie am Leben. Sie können sogar nach 5-10 Jahren aufgetaut und eingepflanzt werden. Um genetische Anomalien zu vermeiden, werden die Zellen gründlich untersucht.

Die Wahrscheinlichkeit, mit IVF schwanger zu werden, beträgt nicht mehr als 45%. Und aus medizinischen Gründen kann nicht jede Frau selbst ein Kind austragen. Die letzte Chance, Mutter zu werden ist es, jemanden zu finden, die das Kind austrägt und zur Welt bringt.

„Russland Land stellt riesige Summen für diese Programme zur Verfügung. Das ist keine Methode, um die Bevölkerungszahl zu erhöhen. Es ist ein äußerst wichtiges humanitäres und politisches Projekt, damit Zehntausende von Familien in Russland, den ersten Schrei ihres Kindes hören können“, ist sich Gennady Sukhin sicher.

Wenn der Kinderwunsch zum höchsten Ziel wird, ist ein Paar bereit, alles zu tun. Nikolai Juschtschenko hörte den ersten Schrei seines Kindes. Die Leihmutter brachte die Tochter Ljubow Nikolajewna zur Welt. Sie ist jetzt acht Monate alt.

„Für uns ist dieses Kind Glaube, Hoffnung und Liebe. Es ist alles für uns. Natürlich sind wir glücklich. Das Kind ist unser Leben. Obwohl wir den Sohn natürlich nicht zurückbekommen werden, aber sind wieder zum Leben erwacht“, sagte Nikolai.

„Ich bin froh, ich freue mich, dass ich so viele Leben geschenkt habe, die nie auf natürliche Weise geboren worden wären. Und ich glaube, dass Gott mir viele meiner Sünden verzeihen wird, weil ich diese Kinder zur Welt gebracht habe“, sagte Nina Dmitrushkina.

Nina beschloss, Eva die Geschichte ihrer Geburt nicht zu verheimlichen. Und wenn das Mädchen fragt, wird sie die Wahrheit sagen. Und auch wenn sie sich überhaupt nicht ähneln, für Nina ist es eine Freude, ihre Mutter zu sein.

Ende der Übersetzung

Autor: Anti-Spiegel

Thomas Röper, geboren 1971, hat als Experte für Osteuropa in Finanzdienstleistungsunternehmen in Osteuropa und Russland Vorstands- und Aufsichtsratspositionen bekleidet. Heute lebt er in seiner Wahlheimat St. Petersburg. Er lebt über 15 Jahre in Russland und spricht fließend Russisch. Die Schwerpunkte seiner medienkritischen Arbeit sind das (mediale) Russlandbild in Deutschland, Kritik an der Berichterstattung westlicher Medien im Allgemeinen und die Themen (Geo-)Politik und Wirtschaft.

Ein Gedanke zu „In Russland erlaubt: Das russische Fernsehen über das heikle Thema Leihmutterschaft“

  1. Ich persönlich stehe einem Geschäft „Leihmutterschaft“ sehr kritisch gegenüber, ich würde es verbieten.
    Kinder sind keine Handelsware. Auch der psychische Ausnahmezustand der ungewollt Kinderlosen nicht.
    Wenn dann auch noch “ ich wollte aber einen Jungen….“ disqualifizieren sich die angehenden Eltern selbst. Das Leben ist kein Wunschkonzert.

    Viel eher würde ich das Prozedere von Adoption oder Pflegschaft überarbeiten. In Zeiten von Single-Eltern und Patchwork-Familien sollte weniger Wert auf Haar-und Augenfarbe gelegt werden. Auch die teilweisen Anforderungen was wohnen, Einkommen u.s.w. angeht darf man gern wieder der Realität anpassen. Der Glaube nur gut Betuchte sollten Kinder adoptieren unterstellt unausgesprochen einer großen Gruppe von Eltern nicht perfekt zu sein.

    Persönlich würde ich die Spanne von “ ich muß mal sehen ob ich Elternteil sein will “ zugunsten der Kinder sehr kurz halten.
    Das schützt Kinder vor Verwahrlosung, Misshandlung und ein Leben in der Warteschleife. Je früher solche Kinder in eine liebevolle Umgebung kommen um so besser.
    Dann schließt man auch die Lücke zwischen dem Wunsch potentieller Eltern nach einem Kleinkind und dem Alter der Kinder die Jahre in Heimen verbringen müssen weil man abwartet ob es sich die leiblichen Eltern noch einmal überlegen.

Schreibe einen Kommentar